Frage von Neuerdings, 39

Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter vom Gericht bestimmen lassen?

Kann man testamentarisch bestimmen, daß das Nachlaßgericht auf jeden Fall einen Testamentsvollstrecker und einen Nachlaßverwalter einsetzt? (Vermutlich ist es dieselbe Person, aber darum geht es jetzt nicht.) Vielleicht lebe ich noch 20 Jahre, und heute weiß ich nicht, wer die Aufgaben in 20 Jahren wahrnehmen könnte, so daß ich von mir aus gar keine Person bestimmen kann.

Es geht mir um folgendes: Es gibt keine Pflichterben. Ich möchte vermeiden, daß die Erben mit der Nachlaßverwaltung behelligt werden. Man soll ihnen lediglich die Geldbeträge auszahlen. Anders gesagt: Ich möchte nicht, daß die Erben in meine Wohnung kommen.

Im (bisher provisorischen) Testament habe ich festgelegt, daß alle Wertsachen und Wertpapiere verkauft werden sollen, so daß nur Geldbeträge übrigbleiben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie bei dieser Bestimmung die Tätigkeiten von Testamentsvollstrecker und Nachlaßverwalter überhaupt getrennt werden können.

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59, 26

Ja, das geht:

https://dejure.org/gesetze/BGB/2200.html

Auch wenn es einen dann dereinst nicht mehr betrifft, so sollte man aber doch über den Sinn einer solchen Verfügung nachdenken, insbesondere darüber, wie dann die Auswahl erfolgt:

Auftragsuchende Anwälte lungern gerne im Gerichtsgebäude herum und verteilen ihre Visitenkarten an geeigneter Stelle. Aus diesem Fundus bedient sich dann so mancher Richter. M.a.W.: Man kann nicht erwarten, daß die Auswahl durch das Gericht nach besonderen Qualitätskriterien erfolgt. Dementsprechend werden die Aufträge dann auch ausgeführt.

Besser wäre, sich mehrere Personen auszuwählen denen man unbedingt vertraut.

Im übrigen solltest Du Dein Testament noch mal überarbeiten. So wie das da oben steht klingt es, als ob Du nur Vermächtnisse verteilen willst. Das aber ist unmöglich. Man muß immer einen Erben haben.

Kommentar von Neuerdings ,

Danke für die Antwort. - In § 2200 BGB wird allerdings nur die testamentarisch erbetene Einsetzung eines Testamentsvollstreckers erwähnt, nicht eines Nachlaßverwalters. In meinem Fall gehen die Tätigkeiten ineinander über, denn "Entrümpelung" und "Verkauf von Wertsachen" sind sorgsam zu unterscheiden.

Das Problem der Auswahl durch das Gericht ist mir bewußt, ich sehe aber keine Möglichkeit, es zu vermeiden. Personen, denen ich unbedingt vertraue, kenne ich nicht. Es kommt also nur ein professioneller Nachlaßverwalter in Frage, aber wenn ich heute einen bestimme, könnte er in 20 Jahren tot oder nicht nicht mehr im Dienst sein. Ich möchte auch nicht mehrmals das hinterlegte Testament änderen, nur um andere Nachlaßverwalter einzusetzen.

Die Aussage, daß ich in meinem Testament quasi keinen Erben benenne, überrascht mich. Das könnte dazu führen, daß das ganze Testament unwirksam ist. Wenn das stimmt, könnte die gesetzliche Erbfolge eintreten, obwohl ich sie im Testament ausdrücklich ausschließe. Das wäre ein Problem, denn ich will es nicht anders.

Antwort
von LittleArrow, 18

Ich möchte nicht, daß die Erben in meine Wohnung kommen.

Wenn dies für die Zeit vor Deinem Tod gilt, dann geht es um Vermächtnis. Für die Zeit nach Deinem Tod, soll Deine Wohnung bestehen bleiben (Museum oder was)? Wenn die Wohnung Dein Eigentum ist, dann muß das Testament auch notariell beglaubigt werden.

Wenn Du die Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung in gerichtlich bestimmte Hände legst, dann beschäftige Dich bitte auch mit den Kosten für diese Person(en) und der daraus resultierenden Motivation ("Je länger ich verwalte, um so länger verdiene ich!").

Kommentar von Neuerdings ,

Es geht nur um die Zeit nach meinem Tod. Die (Miet-)Wohnung soll natürlich nicht bestehen bleiben, sondern vom Nachlaßverwalter aufgelöst werden. Die Kosten interessieren mich weniger, ich möchte nur, daß die Erben (sind keine Verwandten, sind teilweise Institutionen) mit der Nachlaßverwaltung nichts zu tun haben.

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