Frage von Petra2014, 194

Teilungserklärung Büro als Wohnung nutzen

Ich habe eine Wohnung von meinem Opa geerbt, in der er über 30 Jahre gewohnt hat. Nun habe ich festgestellt, dass in der Teilungserklärung „Büro“ ausgewiesen ist. In den Bauunterlagen zum Bauantrag ist die Wohnung aber als „Wohnung“ eingetragen. Kann ich die Wohnung als „Wohnung“ oder zumindest als Ferienwohnung vermieten oder darf ich das nicht? Sanitäre Anlagen, WC, Badewanne, Küche usw. sind wie bei einer „normalen“ Wohnung vorhanden. Gibt es evtl. auch so etwas wie Gewohnheitsrecht, da das Objekt ja seit über 30 Jahren als Wohnung genutzt wird? Bei einer Änderung der Teilungserklärung müssten ja alle Eigentümer zustimmen, was vermutlich eher unwahrscheinlich ist.

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Antwort
von Rat2010, 194

Teilungserklärungen werden irgendwann, in der Regel vor Abverkauf und lange vor Baubeginn gemacht. Der Bauträger macht Pläne, die er zur Genehmigung einreicht und dort wurde die Einheit wohl als Büro eingereicht. Gebaut wurde dann aber eine Wohnung, was daran liegt, dass die Einheit als Wohnung besser (oder überhaupt) zu verkaufen war.

Es stört in dem Fall keinen und ich habe auch noch keinen Fall mitbekommen, in dem die so entstandene Wohnung in der Teilungserklärung umgewidmet wurde, weil es ja praktisch ist, wenn man ohne Umwidmung aus der Wohnung wieder ein Büro machen kann. Nach Sachlage geht das.

Es wird sich also sicher keiner beschweren, wenn du die Einheit als Wohnung nützt oder vermietest. Nicht, wegen Gewohnheitsrecht sondern weil sich keiner über eine weitere Wohnnutzung beschweren wird und dessen Aussichten auf Erfolg (vor Gericht) gegen null gehen.

Mit Ferienwohnungen ist es generell und unabhängig davon, was in der Teilungserklärung steht, nicht so einfach. Das wäre eine getrennte Frage.

Kommentar von Petra2014 ,

Wenn ich die Wohnung also vermieten würde und ein Eigentümer irgendwann doch einen Blick in die Teilungserklärung wirft und mir die Nutzung als Wohnung untersagt, würde er selbst vor Gericht nicht weiterkommen und ich könnte die Wohnung weiterhin vermieten?

Kommentar von Privatier59 ,

Genau da würde ich mich nicht drauf verlassen. Ich würde mich eher anwaltlich beraten lassen, ob vielleicht sogar ein Anspruch auf Abänderung der Teilungserklärung bestehen könnte. Wenn man es nämlich genau überlegt, dann kann man die Einheit zu garnichts nutzen:

Baurechtlich ist das eine Wohnung. Büronutzung daher unzulässig.

WEG-rechtlich ist das ein Büro. Wohnnutzung also unzulässig.

Das kann doch einfach nicht rechtens sein.

Kommentar von Zitterbacke ,

Sollte ich dann als Besitzer also erst mal gegen mich "klagen" , ob ich in meinem Büro schlafen darf bzw. lasse ??

Kommentar von Rat2010 ,

Wo steht denn geschrieben, dass ein Eigentümer mit Berufung auf die Teilungserklärung irgendwas durchsetzen kann? Ich kenne Objekte, bei denen die Quadratmeter nicht denen in der Teilungserklärung entsprechen ;). Bei Denkmalsanierungen dürfte das eher die Regel als die Ausnahme sein.

Antwort
von Zitterbacke, 144

Ich kann daraus schon ein Gewohnheitsrecht ablesen .

Gewohnheitsrecht entsteht durch längerdauernde, stetige, allgemeine und gleichmäßige Übung.

Und 30 Jahre sollten schon genug sein !

"Gewohnheitsrechte kommen nicht durch Gesetze oder Vorschriften zustande, sondern entstehen aus einer andauernden Anwendung einer bestimmten Gepflogenheit, gegen die über längere Zeit kein Widerspruch eingelegt wird. In den meisten Fällen ist das Gewohnheitsrecht ebenso verbindlich wie das Recht aus einem Gesetzestext."

http://www.business-on.de/gewohnheitsrecht-definition-gewohnheitsrecht-andauernd...

Ich denke aber schon , daß die Eigentümer in deinem Fall zustimmen werden .

Kommentar von Zitterbacke ,

Bei der FW wahrscheinlich nicht . Gruß Z... .

Kommentar von Privatier59 ,

Na, na, na: Angenommen, jemand klaut 30 Jahre lang Warenbestände und der Chef merkt nichts weil er zu dusselig ist. Besteht dann ein Gewohnheitsrecht auf Diebstahl? Hier hat 30 Jahre lang nur niemand in die Teilungserklärung geschaut. Das begründet kein Gewohnheitsrecht. Wenn alle von der unrechtmäßgen Nutzung wüßten und nichts dagegen unternehmen würden, dann könnte man darüber reden. So aber nicht.

Kommentar von Zitterbacke ,

Woher willst du wissen , dass da keiner hin geschaut hat ?? Es ist kein Widerspruch gemacht wurden !

Diebstahl wird sicher kein Gewohnheitsrecht !

@ Pr... . Wie lang sind eigentlich deine Haare ?

Kommentar von Privatier59 ,

@ Pr... . Wie lang sind eigentlich deine Haare ?

Nun ja, das ist ein Jugendfoto!

Antwort
von Privatier59, 131

Ein sehr ungewöhnlicher Fall. Wenn bauordnungsrechtlich alles in Ordnung ist, wird die Sache nur nach WEG zu beurteilen sein und insofern ist es ja wohl eindeutig: Was Büro sein soll, darf nicht als Wohnung genutzt werden. Wenn das aber 30 Jahre lang niemand gestört hat, würde ich mir keine Sorgen machen. Ein Gewohnheitsrecht aber kann man daraus nicht ableiten.

Kommentar von Zitterbacke ,
Ein Gewohnheitsrecht aber kann man daraus nicht ableiten.

Ich denke schon !

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