Target 2 Was bedeutet in dem Zusammenhang "Geld"?
Ich scheitere - jedenfalls nach einem gewissen zeitlichen Abstand zur letzten Befassung mit dieser Thematik – immer wieder am Begriff „Geld“ im Zusammenhang mit der Target-2-Problematik.
Ein Bsp. aus dem Handelsblatt von heute:
„EZB-Eingriffe dauerhaft nicht möglich Kauft ein griechisches Bauunternehmen etwa einen Lkw oder eine Baumaschine in Deutschland, beauftragt dieses seine Hausbank mit einer Überweisung. Die Bank leitet das Geld weiter über Griechenlands Notenbank an die EZB an die Bundesbank (sic). Von dort aus kommt das Geld auf das Konto des Lkw- und Baumaschinen-Herstellers in Deutschland. Die Hausbank des Herstellers hat dann eine Forderung bei der Bundesbank über Auszahlung dieser Summe, die Bundesbank dann wiederum gegenüber der EZB.“
Ich kann hier offenbar zwei (Abstraktions-) Ebenen von „Geld“ nicht richtig auseinanderhalten.
Wenn die griechische Hausbank „das Geld weiterleitet“, dann geht es doch wohl nur um bloße Zahlen auf Konten – wie bei jeder normalen Überweisung. Am Ende landet so eine Zahlenreihe als Betrag auf dem Konto der Hausbank des deutschen Lieferanten.
Was kann dabei die Forderung der Hausbank „bei der Bundesbank über Auszahlung dieser Summe“ sein? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass hier materiell Scheine geliefert werden sollen, Kontodaten sind aber schon geliefert worden. Was kann dann „Auszahlung dieser Summe“ heißen?
Ich kann mir – aber nur sehr vage – vorstellen, dass der Knackpunkt dieser ganzen Prozedur beim Übergang von der griechischen Notenbank zur EZB liegt, denn, wenn die EZB aus Griechenland kommendes „Geld“ (= Überweisungsdaten) weiterreicht, müsste sie sich eigentlich von der gr. Notenbank eine Sicherheit für diesen Betrag geben lassen; ansonsten hätte die gr. Zentralbank das „Geld“ aus dem Nichts geschaffen, was ihr – wenn ich mich recht entsinne – untersagt ist.
Na ja, ich will die Frage hier nicht noch weiter selbst kommentieren, sonst wird sie womöglich gar nicht gelesen. Und für die Freunde, die immer wieder einmal die Frage in der „Frage“ vermissen, stelle ich gleich mehrere noch einmal in Kurzform:
Was bedeuten hier die Begriffe „Geld“?
Was bedeutet „Auszahlung“?
Haben wir es hier mit einem Kredit der EZB an die gr. Notenbank zu tun, für den die EZB keine Sicherheiten (und auch keine „normalen“ Kreditzinsen) verlangt?
Wie - außer durch Buchungen in der anderen Richtung (z. B. durch Überweisungen von gr. Arbeitsemigranten nach Griechenland) – ließen sich denn diese Konten überhaupt wieder ausgleichen?
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Du kannst bei der Bundesbank bzw. der ECB nachlesen, was TARGET2 ist. Daher werde ich diesen Punkt nicht adressieren und nur kurz antworten:
Stelle Dir das so vor wie zwei Geschäftspartner, die miteinander handeln. Mal zahlt der eine dem anderen etwas, mal der andere dem einen. In jedem Fall fließt "Geld" hin und her, das sich in Salden auf Bankkonten niederschlägt. Nun ist aber in Wirklichkeit das Übertragen von Geld etwas komplexer, wenn es zwei unterschiedliche Banken sind. Man bucht nämlich über Konten bei der Bundesbank, die den Zahlungsverkehr (die Settlements von Transfers) letztendlich abwickelt. Dadurch kommen auch Laufzeiten zustande, denn würde man einfach die Daten direkt zwischen den Banken austauschen, könnte das ja in Sekunden passieren.
Läuft der Transfer zwischen Staaten in Europa, dann ist das entsprechende System TARGET2. Über dieses System läuft das Clearing von Transfers zwischen Banken. Dabei erfolgt die Buchung im Prinzip aus dem Zentralbankguthaben der einen Bank auf das Zentralbankguthaben einer anderen, worüber diese dann wieder verfügen kann. Da wird natürlich nicht jede einzelne Kundenbuchung eines Kaufs von 10 Kaugummis zu 1,00 EUR verzeichnet, sondern die Banken bündeln die Salden und führen entsprechende Gesamttransaktionen aus, um Forderungen und Verpflichtungen auszugleichen.
Theoretisch funktioniert das sehr hübsch, effizient und schnell. Jedoch gibt es eine Feinheit, die normalerweise nicht an die große Glocke gehängt wird: das Settlement von Transaktionen kann sich verschieben, so daß effektiv über TARGET2 Kredite vergeben werden. Es erfolgt also eine Buchung zu Lasten z.B. der Bundesbank, jedoch keine Gegenbuchung, bzw. diese erfolgt erst später. Dies ist möglich, da Länder über Vermögenstitel neues Geld buchen können, das jedoch noch nicht als Guthaben übertragen wird - erst zu einem späteren Zeitpunkt. Das sind quasi Schuldscheine in der EUR-Zone, jedoch fallen keine Kreditzinsen an, da es ja nur eine noch "offene" Buchung ist.
Ich empfehle diese Lektüre: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1209833.PDF
Und hier der TARGET2-Saldo der Bundesbank in der historischen Entwicklung: http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makroo...
Herzllichen Dank. Du hast dir wieder einmal große Mühe gegeben. So ganz verstehe ich es aber immer noch nicht. Es liegt nicht daran, dass ich die Abläufe von Target 2 nicht formal/ oberflächlich nachvollziehen könnte. Meine Probleme sind einfacher oder tiefer - ich weiß es selbst nicht. Ich habe wohl ganz grundsätzlich keine rechte Vorstellung, was Giralgeld eigentlich bedeutet.
Ich werde auf alle Fälle deinen Links nachgehen. Vielleicht bin ich danach ein bisschen schlauer.