Frage von eisblume90, 80

Student- 450€ Job + Kleinunternehmer - Rentenversicherung??

Hallo, ich habe schon viel nachgelesen, allerdings finde ich zu der mir wichtigsten Frage, keine wirklich Antwort. Die Aussage via Email vom Gewerbeamt: fragen Sie das Finanzamt. Die meinten: Fragen Sie bei der Rentenversicherung nach.

meine Situation: ich bin Studentin, arbeite (in zwei Jobs) auf 450€ Basis und habe mich von der Rentenversicherung befreien lassen.

Ich möchte mit meinem handwerklichen Job gerne etwas dazuverdienen. Ohne Werbung keine Käufer, aber Werbung nur, wenn alles legal läuft - ist ja klar. Ich werde/möchte damit vermutlich dennoch nicht mehr als 100 pro Monat verdienen.

generell weiß ich soweit Bescheid: Gewerbeschein beantragen, Vermerk auf Rechnung umsatzsteuerbefreit, EÜ-Rechnung erstellen.

wichtigste Frage: Was passiert nun mit der Rentenversicherung? Sobald ich das Gewerbe habe und (auch noch so kleine) Einnahmen habe, komme ich als "Gesamteinkommen" ja über die 450€... Bin ich dann nun rentenversicherungspflichtig? Oder werden diese "Einkommen" aus den 450€-Job und dem 'Kleingewerbe' separat betrachtet?

Mit der Rentenversicherung müsste ich ja erstmal (grob überschlagen) für 50€ mehr arbeiten, bevor ich Gewinn mache.

Weitere Fragen: Für mein Gewerbe würde ich meine Nähmaschine benutzen, wie funktioniert das da mit dem "steuerlichen Absetzen"? Allgemein gefragt: wie lange rückwirkend (wenn überhaupt) kann man da was geltend machen ? Und inwieweit kann ich da bspw. die Internetkosten geltend machen? Würde ich da die komplette monatlichen Internetgebühr auflisten, oder nur irgendwie anteilig?

Ich danke euch fürs Lesen und würde mich über Antworten freuen.

Viele Grüße!

p.s. mit diesen Fragen sollte ich mich ggf. dann an wen wenden, doch nochmal Finanzamt?

Antwort
von Kevin1905, 73

Was passiert nun mit der Rentenversicherung?

Selbständige mit einem Auftraggeber sind rentenversicherungspflichtig, wenn

  • sie auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind (5/6-Regelung)
  • Die Tätigkeit mehr als geringfügig ist (Gewinn > 450,- € im Monat)
  • Sie keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen.

Also prüfe deine Selbständigkeit dahingehend. Selbständige mit mehr als einem Auftraggeber sind nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung (Ausnahmen siehe § 2 SGB VI).

Sobald ich das Gewerbe habe und (auch noch so kleine) Einnahmen habe, komme ich als "Gesamteinkommen" ja über die 450€... Bin ich dann nun rentenversicherungspflichtig?

Siehe meine Fragen. Komisch, dass du immer nur nach der Rentenversicherung fragst. Wenn du bisher familienversichert in der Krankenkasse warst, endet dies, sobald du über die 450,- € kommst.

Oder werden diese "Einkommen" aus den 450€-Job und dem 'Kleingewerbe' separat betrachtet?

Es gibt keine Kleingewerbe! -.-

Bei der sozialversicherungsrechtlichen Einstufung kommt es auf den Status an. Also was bildet den Mittelpunkt deines Erwerbslebens. Ist dies das Studium, dann ist dein Verdienst für die Krankenkasse egal, du kannst dich studentisch krankenversichern.

Für mein Gewerbe würde ich meine Nähmaschine benutzen, wie funktioniert das da mit dem "steuerlichen Absetzen"?

Die wichtigste betriebswirtschaftliche Weisheit eines jeden Selbständigen lautet:

Umsatz - Betriebsausgaben = Gewinn.

Die einzige Frage ist also, der Nettopreis der Nähmaschine und ob diese ein GWG ist oder nicht.

Du ermittelst deine Einnahmen ziehst deine Betriebsausgaben ab und legst dem Finanzamt die GuV-Rechnung vor. Als Kleinunternehmer darf dies formlos geschehen, ansonsten ist die EÜR zwingend vorgeschrieben, wenn keine Bilanzierungspflicht vorliegt.

Allgemein gefragt: wie lange rückwirkend (wenn überhaupt) kann man da was geltend machen ?

Verstehe ich nicht. Bitte umformulieren.

mit diesen Fragen sollte ich mich ggf. dann an wen wenden, doch nochmal Finanzamt?

Die steuerlichen Fragen legst du deinem Steuerberater vor.

Kommentar von eisblume90 ,

Hallo Kevin,

Danke für deine ausführliche Antwort! 

Eine rentenversicherungspflicht liegt dann über das Gewerbe bei mir also auch nicht vor, da ich keinen Angestellten haben werde, es auch nicht mehr als 450€ pro Monat werden und ich für verschiedene Arbeitgeber arbeiten werde. 

Ich habe ja geschrieben, dass ich mich bereits auch informiert habe. Zu dieser Frage, hatte ich bisher keine Antwort gefunden (und ich da eben Geld zahlen müsste, dachte ich).  Und ich frage nicht nach der Familienversicherung, weil ich das nicht mehr drin bin, sondern schon eigenständig gesetzlich studentisch versichert bin. Ebenso fällt kein Kindergeld weg, weil ich das nicht mehr bekomme ;) 

und ich weiß, dass es kein "Kleingewerbe" gibt, deshalb hatte ich das auch in Anführungszeichen gesetzt, aber danke noch mal für den Hinweis. 

Mittelpunkt meines Lebens bleibt weiterhin das Studium, weshalb ich auch nicht mehr als 20h pro Woche arbeiten werde - die Dinge für mein Gewerbe kann ich problemlos  in den Semesterferien produzieren. 

Ja, die Nähmaschine wäre dann ein GWG. Und war auch günstiger als 150€.

Allerdings habe ich eben gelesen, dass es "im Anschaffungsjahr steuerlich absetzbar" ist. D.h.wenn ich jetzt das Gewerbe anmelde, ich die Maschine aber schon seit 2014 Januar besitze, kann ich das steuerlich nicht mehr geltend machen, oder? (das meinte ich mit rückwirkend.... Da der Kauf schon etwas zurück liegt) 

Vielen Dank für deine Antworten. 

Das stimmt mich sehr glücklich , dass ich dann nicht in die gesetzliche Rentenversicherung rutsche! 

Lieben Dank! 

Kommentar von vulkanismus ,

Zu der Nähmaschine und zum Verständnis:

Ein Gegenstand nutzt sich auch dann ab, wenn er steuerlich nicht berücksichtigt wird. 

Hier hatte das Gerät am 31.12.2014 bereits einen Wert von null Euro.

Somit kann es nicht mehr in der Gewinnermittlung 2015 erscheinen.

Antwort
von barmer, 64

Hallo,

Selbstständigkeit führt in der Regel nicht zur Rentenversicherungspflicht und wirkt sich in Sachen Sozialversicherung auch nicht auf die Einkommen  aus der Beschäftigung aus. Es passiert also gar nichts.

Betriebskosten können natürlich von den Einnahmen abgezogen werden. Bei den in Aussicht genommenen Gesamteinkünften scheint eine detaillierte Betrachtung aber nicht nötig: bis ca. 10.000 EUR/Jahr sind keine Steuern zu zahlen und dabei zählen die 450 EUR gar nicht mit (vermutlich).

Das Finanzamt erteilt Auskünfte zu Steuern (aber keine Beratung), die Rentenversicherung zu sich selbst und die Krankenkasse zur KV und Pflegeversicherung.

Viel Glück

Barmer

Antwort
von vulkanismus, 50

"p.s. mit diesen Fragen sollte ich mich ggf. dann an wen wenden, doch nochmal Finanzamt?" -

keinesfalls an das Finanzamt - steuerliche Beratung ist verboten.

Kommentar von eisblume90 ,

Danke, vulkanismus! 

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