Frage von felix1990, 94

Student - ca. 9000€/Jahr - Langfristig -

Moin,

Ich habe seit heute die Gewissheit, dass ich in 1-2 Monaten langfristig auf Rechnung arbeiten werde. Der Auftraggeber bleibt gleich. Ich habe schon viel herum gelesen und leider keinen Steuerberater als Freund, deshalb frage ich euch: was ist für mich besser? Freuberufler, auf Gewerbeschein oder doch echte Selbständigkeit?


Situation:

23, Student (mindestens noch 3-4 Jahre),

Familienkrankenversichert,

20€ Stundenlohn,

35-40h im MONAT => ca. 750 €/Monat

Tätigkeit: IT-Fachkraft(Support und auch Planung)

.

Bei meinem Auftraggeber bekomme ich einen „Freelancer-Vertrag“ was auch immer das ist…? Im groben scheint es einfach den Stundenlohn und den Datenschutz bzw. Verschwiegenheit zu regeln.

Neues Handy und Laptop sind auch bald dran.


Meine Fragen sind nun:

Bei dem Umfang von ca. 9000€ pro Jahr bin ich leider aus allen Freigrenzen raus oder?

Was ist das günstigste für mich? Selbstständig? Freiberufler?

Wo bekomme ich gratis/günstig Beratung? (keine Lust einen Steuerberate einzubeziehen, Kosten sparen :) )

Wo bekomme ich eine Steuernummer her? Eine Steueridentifikationsnummer habe ich als ich 18 geworden bin vom Finanzamt bekommen, ist nicht das gleiche oder?

Ist es Sinnvoll sich privat zu versichern?

Altersvorsorge? Habe vor Jahren schon 5 Monate kräftig in die Rentenkasse einbezahlt (2100€ butto/Monat).

Vielleicht auch Erfahrungsberichte?

MfG

Antwort
von Kevin1905, 56

Zur Steuer

Bei dem Umfang von ca. 9000€ pro Jahr bin ich leider aus allen Freigrenzen raus oder?
  • Der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer 2013 liegt bei 8.130,- € für Ledige und bezieht sich immer auf das zu versteuernde Einkommen
  • Bei der Umsatzsteuer kannst du die Kleinunternehmerregelung anwenden, wenn dein voraussichtlicher Bruttoumsatz dieses Jahr 17.500,- € (runterrechnen) und nächstes Jahr nicht übersteigt. Als KU bist du nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Musst aber USt. abführen, wenn du diese ausweist auf deinen Rechnungen.

Nächste Frage:

Was ist das günstigste für mich? Selbstständig? Freiberufler?

Das entscheidest nicht du. Ob deine Tätigkeit gewerblich (Einkünfte aus Gewerbebetrieb - Anlage G) oder freiberuflich (EInkünfte aus selbständiger-Arbeit - Anlage S), könnte dir z.B. ein Steuerberater sagen.

Wo bekomme ich gratis/günstig Beratung?

Selbständige können die Kosten für den Steuerberater steuermindernd ansetzen. Auch die Gefahr eine inkorrekte ESt-Erklärung abzugeben ist ohne Steuerberater deutlich größer und dann gibt es hinterher Geknatsche.

Wo bekomme ich eine Steuernummer her?

Fülle den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus.


Zur Sozialversicherung

Bevor ich hier ins Detail gehe, schmeiße ich jetzt einmal einen Begriff in den Raum: Scheinselbständigkeit.

Nach deinen Schilderungen ist die Gefahr, dass hier eine Scheinselbständigkeit vorliegt durchaus gegeben. Daher prüfe deine Tätigkeit auf folgende Gesichtspunkte um festzustellen ob du wirklich selbständig bist oder ab hier dein Auftraggeber in Wahrheit nur ein Arbeitgeber ist, der SV-Beiträge sparen will:

  • Selbständige bestimmen ihren Arbeitsort selbst.
  • Selbständige bestimmen ihre Arbeitszeit selbst.
  • Selbständige bestimmen über Höhe und Länge ihres Urlaubs selbst.
  • Selbständige handeln auf eigene Rechnung und im eigenen Namen.

Selbst wenn es keine Scheinselbständigkeit sein sollte gehe ich nun auf ein paar Punkte ein.

Habe vor Jahren schon 5 Monate kräftig in die Rentenkasse einbezahlt 

Anspruch auf Regelaltersrente entsteht erst nach Erreichen von 60 Beitragsmonaten. Die Höhe ist irrelevant. Ansonsten gibts mit 67 genau 0,- €.

Da du aber ein Selbständiger mit einem Auftraggeber wärst, wäre die Tätigkeit defitniv rentenversicherungspflichtig. Die Beiträge belaufen sich auf 18,9% vom Gewinn (einkommensbezogener Beitrag) oder 18.9% der monatlichen Bezugsgröße (Regelbeitrag). Selbständige mit einem Auftraggeber können bei erstmaliger Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit eine Befreiung von 3 Jahren bei der DRV beantragen.

Ist es Sinnvoll sich privat zu versichern?

Kann, muss nicht. Es hängt sehr von der Lebensplanung ab und dem Einkommen was man besitzt. Was steht denn für die Zukunft an?

  • Selbständigkeit?
  • Auswandern?
  • Familie?
  • Angestellt über oder unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze?
  • Verbeamtung?

Hierzu solltest du dringend einen Experten (Versicherungsmakler) befragen.

Kurz noch die Berechnungsgrundlage für den KV-Beitrag bei Selbständigen:

  • Grundlage ist prinzipiell erst einmal die Beitragsbemessungsgrenze i.H.v. 3.937,50 € pro Monat.
  • Ist dies nicht der Fall, so hast du dies nachzuweisen durch Vorlage des Einkommensteuerbescheides (womit wir wieder bei dem Thema Steuerberater wären und warum eine korreke ESt-Erklärung so wichtig ist).
  • Weist du also niedrigen Gewinn nach, so wird dieser als Grundlage herangezogen, ABER mindestens immer 75% der monatlichen Bezugsgöße. Dies wären 2.021,25 € im Monat.
  • 50% der Bezugsgröße werden nur in Härtefällen als Mindestbeitragsbemessungsgrundlage herangezogen.
  • Der Beitragssatz beträge ohne Anspruch auf Krankengeld 14,9% zur KV und 2,3% zur PV.
  • Auch für eine Weiterversicherung in der KVdS sehe ich unbeantwortete Fragen. Entscheidend ist aber hier die wöchentliche Arbeitszeit außerhalb der vorlesungsfreien Zeit. Das Studium MUSS zeitlich im Vordergrund stehen. Dann kann die studentische KV vorhanden bleiben.
Antwort
von barmer, 45

Hallo, Freelancer, Gewerbeschein und Selbstständigkeit sind keine Gegensätze.

Ob ein Gewerbeschein nötig ist, hängt von der Art der Tätigkeit ab, macht aber bei dem Einkommen steuerlich keinen Unterschied. Bei IT-Beratung m.E. nicht nötig.

Beim FA "Fragebogen zur steurlichen Erfassung" besorgen.

https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=0

Bei 9000 EUR brutto sollten aber weiterhin keine Steuern nötig sein. Ein paar Kosten sollte man doch haben.

Lass den Quatsch mt der PKV. Studentenbeitrag in der GKV wäre hier das Richtige.

Viel Spass

Barmer

Antwort
von SBerater, 41
  • Freiberufler sind Selbständige!!!
  • wenn du familienversichert (GKV) bist, dann bleibst du das auch. Du zahlst nur einen Zusatzbeitrag
  • 9000 Euro p.a. - raus aus der Freigrenze? Ja und? Dann zahlst du eben ein Paar Euro Steuern. Wo ist das Problem?
  • du hast Kosten, die du steuerlich ansetzen kannst
  • Steuernummer? Die gibt es beim Finanzamt!

oder doch echte Selbständigkeit

Sind Freiberufler oder Gewerbetreibende keine echten Selbständigen???

keine Lust einen Steuerberate einzubeziehen, Kosten sparen :)

Das kann ein Schuss nach hinten werden, denn kein Steuerberater ist oft teurer als ein Steuerberater. Das kenne ich von vielen, die sich selbständig machten und dann ihre Steuererklärung machen mussten. Dann war die Jammerei gross, wenn sie keinen Steuerberater hatten.

Ich sage: Steuerberater ja! Und zwar vor der Selbständigkeit!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community