Frage von okidoki, 206

Steuerstattung bei Zusammenveranlagung, was gehört wem?

Hallo, mich würde interessieren, welcher Anteil wem bei einer Zusammenveranlagung gehört. Es ergab sich heuer eine Steuererstattung bei uns Eheleuten, wir haben zwei Kinder und sind in der Lohnsteuerklasse 4 mit Faktor. Jeder hatte was abzusetzen, aber welcher Anteil der Erstattung gehört wem? Beim Steuerprogramm ist das nicht ersichtlich, man kann nur getrennt oder zusammenveranlagen, was speziell für diese Frage ja nichts bringt. Wer kann mir da helfen? Vielen Dank für Eure Antwort! Lg

Antwort
von ExpertTalk, 206

Auch wenn ihr natürlich jeder eine Person seid, werden eure steuerlichen Tätigkeiten zusammen berechnet. Als Ehepaar sollte es deswegen auch egal sein, wer jetzt eigentlich welchen Betrag zurückbekommt. Es geht doch wohl eh in den Gemeinschaftstopf, oder nicht?

Kommentar von okidoki ,

Hallo, nein wir haben keinen richtigen Gemeinschaftstopf, da wir schon Probleme hatten und das seitdem etwas anders regeln. Danke für die Antwort!

Antwort
von LittleArrow, 184

Jeder hatte was abzusetzen, aber welcher Anteil der Erstattung gehört wem?

Da muss man Ursachenforschung betreiben, warum wurde etwas erstattet? Typisch sind die Werbungskosten aus unselbständiger Arbeit. Diese Kostenbelastung erklärt zumindest teilweise die Erstattung und könnte als Verteilungsmaßstab dienen. Ferner kommen personenbezogene Sonderausgaben (z. B. für Versicherungen, KiSt) in Frage. Einige Erstattungsursachen haben eher gemeinschaftlichen Charakter, z. B. haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen. Allerdings könnte es bei der Kinderbetreuung auch nur einen Verdiener treffen.

Schließlich könnte es noch Einflüsse aus einem Progressionsvorbehalt geben, ohne die die Erstattung viel höher wäre. Dementsprechend müßte die Erstattung an den Verursacher des Progressionsvorbehaltes gekürzt werden.

Abgesehen von der nachvollziehbaren Zuordnung der Werbungskosteneffekte mutet mich die Fragestellung schon seltsam an. Aber man kann natürlich eine Ehe oder Partnerschaft auch schön mit völlig getrennten Geldbörsen, Konten und Ausgabenbüchern führen, wobei nach Monatsende beim Haushaltsbuch auch ein Ausgleich erfolgt. Allerdings sollten gegenseitige Geschenke entfallen oder außerhalb des Haushaltsbuches aus der eigenen Kasse geleistet werden;-)

Kommentar von EnnoBecker ,

Allerdings sollten gegenseitige Geschenke entfallen

Da bin ich sehr dafür und würde sogar ein Gesetz gegen Geschenke begrüßen. Zumindest wenn es sich um anlassbezogene Schenkereien handelt.

Ich habe meine Familie zum Glück schon fast soweit, dass niemand mehr in der Vorweihnachtszeit durch die Einkaufstempel dackeln muss.

Kommentar von okidoki ,

Hallo, vielen Dank für die Antwort! Ich bin da echt Laie, Dein Rat hört sich sehr viel komplizierter an, als die andere Variante mit der getrennten Veranlagung und dem Dreisatz :-). Stimmt das Deiner Meinung nach so nicht? Falls ja, wie kann man sich Deine Variante als Nicht- Finanzbeamter ausrechnen?

Kommentar von LittleArrow ,

Aber immerhin ein Laie mit Steuerprogramm! Und mit diesem Programm kannst Du doch genau ausprobieren, was mit der gesamten Steuerlast passiert, wenn Du bzw. der/die andere € 100 weniger/mehr Werbungskosten bzw. Sonderausgaben hat oder wenn es eben Zusammenveranlagung oder Einzelveranlagungen gibt.

Es ist dann nicht so kompliziert, wenn Ihr Euch die großen Positionen raussucht und deren Einfluss auf die Steuerlast untersucht. Zumindest sieht so jeder, wie sich Ausgaben/Einnahmeveränderungen unter'm Strich auswirken.

Ob Du nun auf einem Papier oder in einem Tabellenkalkulationsblatt die Unterschiede errechnest, ist doch egal.

Antwort
von Julia23, 167

Es gehört euch gemeinsam, genau so wie eine Steuernachzahlung von euch gemeinsam zu tragen wäre: steuertechnisch seit Ihr eine Person.

Untereinander könnt Ihr es aufteilen wie Ihr wollt:

  • auf das gemeinsame Konto als Hausgaltsgeld einzahlen (und dann gemeinsam "verbraten", zum Beispiel bei einem schönen Wochenend-Ausflug)
  • oder einfach 50:50 verteilen
  • oder prozentual nach den (zusätlichen) Werbungskosten/Abschreibungen verteilen: Wer mehr berufliche Aufwendungen/Ausgaben hatte bekommt dann auch mehr zurück
Kommentar von EnnoBecker ,

Es gehört euch gemeinsam, genau so wie eine Steuernachzahlung von euch gemeinsam zu tragen wäre: steuertechnisch seit Ihr eine Person.

Unsinn. Nur weil sie zusammen veranlagt werden, verschmelzen sie nicht gleich miteinander.

Kommentar von Privatier59 ,

Werden siamesische Zwillinge eigentlich zwangsweise zusammen veranlagt?

Kommentar von Julia23 ,

Hallo Enno.

Es ist doch dann (bei gemeinsamer veranlagung) ein Steuerfall der von beiden Unterschrieben wurde. Daher ergibt sich eine gemeinsame Erstattung oder eine gemeinsame Steuernachzahlung - so habe ich das zumindest gemeint und in der Praxis wird es doch auch so gehandhabt:

Zitat: "Aus § 36 Abs. 4 Satz 3 EStG, wonach die Auszahlung an einen Ehegatten auch für und gegen den anderen Ehegatten erfolgt, ergibt sich keine Gesamtgläubigerschaft. Aus Gründen der Arbeitserleichterung des Finanzamtes hat sie lediglich den Zweck, Nachforschungen zur Erstattungsberechtigung zusammenveranlagter Ehegatten zu ersparen. Dabei geht die Vorschrift von der Annahme aus, dass bei einer intakten Ehe die Erstattung an einen Ehegatten von dem anderen Ehegatten gebilligt wird (BFH Urteil vom 5.4.1990, BStBl II 1990, 719). Sie findet ihre Rechtfertigung darin, dass sich Ehegatten, die die Zusammenveranlagung beantragen, durch ihre beiderseitigen Unterschriften auf der Steuererklärung gegenseitig bevollmächtigen können, nicht nur den Steuerbescheid, sondern auch einen etwaigen Erstattungsbetrag in Empfang zu nehmen."

Oder etwa nicht?

Kommentar von EnnoBecker ,

Aber wenn du schon einen Text zitierst, in dem deutlich steht

ergibt sich keine Gesamtgläubigerschaft

dann kannst du doch nicht sagen, es gehört beiden.

Was ist, wenn sie alleine die Großverdienerin ist und er ist Hausmann? Da hat doch nur sie Steuern vorausgezahlt und er nicht. Daran wird doch schon mal deutlich, dass in diesem Falle die Erstattung komplett der Frau gehört und nicht beiden.

Kommentar von Julia23 ,

okay & danke - ich glaube ich hab's nun verstanden. Aber trotztem wird die Steuerrückerstattung "am Stück" auf ein Konto bezahlt (und nicht jedem Einzeln zurückerstattet).

Kommentar von okidoki ,

Hallo, Danke für die Antwort! Wir haben halt getrennte Kassen und deswg hätte ich gerne gewusst, was wem zusteht. Ich verdiene ca. die Hälfte meines Mannes, wir haben zwei Kinder. Deshalb denke ich oft, dass ich benachteiligt bin, weil ich viell. mit Anrechnung eines Kindes mehr erstattet bekäme, als wenn sein Gehalt hinzugerechnet wird. Ich meine, dass meine Erstattung dadurch " aufgefressen" wird. Deshalb könnte der Tipp mit der Getrenntveranlagung u dem Dreisatz schon richtig sein. Wird aber dabei alles berücksichtigt, also auch wie genannt Progressionsvorbehalt ecta? Wenn schon getrennte Kassen, dann richtig. Klingt egoistisch, aber ich muss bei meinem Gehalt schon mein Geld zusammenhalten!

Antwort
von EnnoBecker, 137

Wenn ihr die Daten richtig in euer Einkommensteuerprogramm eingegeben habt, könnt ihr ja vergleichsweise mal die getrennten Veranlgungen ausrechnen lassen. Dabei kommt zwar insgesamt eine höhere Steuer raus[1], aber mit diesen Zahlen lassen sich ja die Verhältnisse am Guthaben jedes Einzelnen locker im Dreisatz[2] berechnen.

Das Steuerrecht kennt zwar Gesamtschuldner, § 44 AO, aber es kennt keinen Gesamtgläubiger. Das Finanzamt kann befreiend nur an den jeweiligen Gläubiger auszahlen. Das tut es, in es in der Steuererkläung eine Bankverbindung erfragt, wohin der Erstattungsbetrag dann gezahlt werden soll.


[1] Davon ist jedenfalls auszugehen, denn wenn das nicht der Fall wäre, hättet ihr ja die getrennten Veranlagungen gewählt. Daraus ist weiter zu schlussfolgern, dass ihr die Ergebnisse der getrennten Veranlagungen bereits kennt.

[2] Dreisatz: Haben wir in der dritten oder vierten Klasse gelernt.

Kommentar von okidoki ,

Hallo, Danke auch für Deine Antwort! Hört sich einfach an. Weißt Du, ob die Getrenntveranlagung solche Dinge wie Progressionsvorbehalt ( siehe andere Antwort) berücksichtigt?

Kommentar von EnnoBecker ,

Der PV wird bei einer getrennten Veranlagung doch ebenfalls angesetzt, nämlich bei demjenigen der solche Ennahmen hatte. Ob sie sich letztlich auswirken, kann dahinstehen.

Allein die Tatsache des Splittingtarifes macht den Nachteil wieder mehr als gut - andernfalls würde man die Zusammenveranlagung ja nicht wählen.


Dreisatz ist ganz einfach:

Also, das Kind ist 6 und die Mutter ist 27. Wie alt ist die Mutter, wenn das Kind 18 ist?

So, und jetzt kommt der Dreisatz:

6x3=18 (das ist der Junge) und
27x3=81.

Also ist die Mutter 81, wenn das Kind 18 ist. So simpel geht das!

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