Frage von Mihail121,

Steuerschuldumkehr bei falschen Angaben in der Rechnung?

Hallo liebe Community!

Wenn man falsche Angaben in der Rechnung hat, findet dann trotzdem die Steuerschuldumkehr statt? Die Rechnung ist von einem deutschen an ein französisches Unternehmen geschrieben worden.

Falsche Angabe #1:

Rechnungsbetrag (netto): Summe

Rechnungsbetrag (brutto): dieselbe Summe

Technisch gesehen bleibt es eine netto Rechnung, obwohl das wort "brutto" drin ist. Umsatzsteuer wurde nicht erhoben. Der Kunde hat auch den netto-Betrag bezahlt und muss auf diesen die französische Umsatzsteuer bezahlen.

Falsche Angabe #2:

Erwähnung der Kleinunternehmerregelung auf Deutsch und Englisch.

Soweit ich das weiß, ist mein Kunde immer in der Pflicht, die Steuer zu bezahlen, auch wenn er gar keine, eine falsche oder eine richtige Rechnung bekommen hat.

Verstehe ich das richtig? Andernfalls würde es bedeuten, dass man einen Weg um die Umkehr findet und dazu gab es schon einige EU-Urteile.

Vielen Dank für eure Antworten!

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Antwort
von Mihail121,

Also, die Umsatzsteueridentifikationsnummer des Kunden (FR XXXXXX ) habe ich angegeben, sowie die vollständige Addresse, Telefon-Nummer, normale französische Steuernummer etc. Meine Daten sind auch alle dadrauf.

Ich habe bloß "netto" und "brutto" als Wörter drin (mit demselben Betrag) sowie den Zusatz:

Hinweis in Rechnung auf Steuerbefreiung gem. § 19 UstG Invoice information on the tax exemption according to § 19 UstG Es erfolgt kein Ausweis der Umsatzsteuer aufgrund der Anwendung der Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UStG. No VAT is accounted on the owed amount in this invoice according to the small business regulation according to § 19 UStG.

Sonst ist sie eine gültige RC-Rechnung. Als Kleinunternehmer bin zur Abgabe einer ZM nicht verpflichtet. Ich bin der starken Überzeugung, dass ich in Frankreich keine Steuer schulde. Ich habe dem Kunden korrigierte Rechnungen geschickt, die Sache ist mir halt interessant, ob man überhaupt die Umkehr irgendwie umgehen kann. Früher war das im Fall von Frankreich mit dem "depondent" möglich.

Danke für eure Antworten!

Antwort
von Meandor,

Okay. Deutscher Kleinunternehmer schreibt Rechnungen an französischen Unternehmer für eine sonstige Leistung (vermutlich).

Der Ort wäre somit nach § 3a Abs. 2 UStG in Frankreich und somit in Deutschland nicht steuerbar. Einzige Vorschrift die ich noch finden konnte wäre § 14a Abs. 5 UStG, danach muss eine Rechnung ausgestellt werden und es muss auf den Übergang der Steuerschuldnerschaft hingewiesen werden.

Da die Franzosen unter Garantie die Steuerschuldumkehr auch haben, muss der Franzose die Steuer bei sich anmelden und erhält sie als Vorsteuer wieder; und wenn die in Frankreich Regelungen haben wir bei unserem § 15 Abs. 1 Nr. 4 UStG, dann braucht er für das alles nicht einmal eine Rechnung.

Nach § 18a Abs. 2 UStG hat der Unternehmer derartige Umsätze in der ZM zu melden. § 18a Abs. 4 befreit aber die Kleinunternehmer von dieser Verpflichtung.

Wird die Rechnung mit allen Vorgaben die der § 14a macht nicht oder nicht rechtzeitig erstellt, ist das meines Erachtens eine Ordnungswidrigkeit im Sinne des § 26a UStG.

Antwort
von SBerater,

zu 1. auch wenn keine USt. anfällt, so ist es kein Problem, netto und brutto zu nennen. Und da die Steuer 0% ist, ist brutto = netto.

zu 2. mir ist nicht klar, was du nun genau meinst. Ich kann dir aus meiner Praxis sagen, in der ich kürzlich eine Rechnung aus dem EU-Ausland hatte von einem Kleinunternehmer. Für den dt. Rechungsempfänger sind keine Auswirkungen zu erwarten bzgl. der USt, jedoch der KU kann Fehler machen. Wenn der KU das Thema ausländ. USt von der Backe haben will, dann benötigt er eine USt-ID-Nummer. Die gibt er an. Und nicht der Satz, dass man KU ist, ist entscheidend auf der Rechnung, sondern dass es sich um Reverse Charge handelt, damit die Steuerschuld auf den Rechnungsempfänger übergeht. Der KU muss dann noch eine ZM abgeben.

Der Kunde ist m.E. nicht in der Pflicht die Steuer zu bezahlen. Ihn interessiert auch nicht, dass der Rechungsteller im EU-Ausland KU ist.

Ich sehe folgendes Problem:

  • fehlende Angabe deiner USt-ID-Nr (auch wenn du KU bist)
  • Hinweis auf die Steuerumkehr - Reverse Charge

Das sind die gravierenden 'Fehler'. Im Moment sehe ich eine mglw. latente USt-Pflicht deinerseits in Frankreich, die du nur loswirst über Reverse Charge/ USt-ID-Nr/ ZM.

Kommentar von Mihail121 ,

Vielen Dank für Deine Antwort, aber einige Punkte von Dir sind nicht zutreffend.

  1. Ich habe als KU standardmäßig keine USt-IdNr. Das Gesetz besagt, dass ich auch keine brauche. Ich habe neulich eine bekommen, weil ich mich für die Erwerbsbesteuerung entschieden habe. Das Gesetz sagt ganz eindeutig, die Nummer muss drauf "soweit vorhanden", ansonsten reicht auch die Steuernummer. Die USt-IdNr. ist an sich relevant, wenn man was erwirbt, um die Steuer in Deutschland zu entrichten.

  2. KUs müssen keine Zusammenfassende Meldung an Saarlois schreiben. Sie sind ausdrücklich von dieser Pflicht befreit zur Erleichterung der Buchhaltung.

  3. RC-Hinweis auf der Regelung dient dazu, dass der Kunde von seiner Pflicht Bescheid weiß. Ich glaube jedoch er ist immer in der Pflicht, wenn er der französischen Umsatzsteuer unterliegt (s. http://www.ulm.ihk24.de/linkableblob/686156/.2./data/Laenderliset_zu_den_Regelun...). ZM dient dazu, dass die Behörden in Frankreich von der Lieistung Bescheid wissen.

Kurz: Ich glaube der Kunde ist in der Pflicht und es gibt keinen Weg drum herum so wie vor 2010 der Fall war (mit dem Finanzvertretung). Ich bin aber auch kein Steuerexperte und interessiere mich an der genauen Gesetzeslage :)

Lasst uns die Diskussion weiterführen.

Kommentar von SBerater ,

nicht zutreffend? Du scheinst wissend oder rechthaberisch.

Ich komme vom Steuerberater, mit dem ich diese Frage diskutiert habe. Fakt ist wohl, dass selbst die Experten hier immer recherchieren und prüfen müssen. Nun habe ich ein Papier vor der Nase von einem StB, der Seminare hält. Nun zu meinen Anmerkungen:

  • all deine KU-Sicht endet an der Grenze zu F, damit auch der §19 UStG von deinem Kommentar/ deiner Antwort
  • Ort der Leistung/ Lieferung ist F (oder?). Ist die Leistung in F steuerbar und steuerpflichtig? Damit greift das Gesetz in F, nicht das in D
  • die Steuerschuldernschaft geht auf die Firma in F über - Reverse Charge

Nachdem deine Leistung in F geliefert wird, diese Leistung dort steuerbar und steuerpflichtig ist, entsteht für dich Steuerpflicht in F. Ob du KU in D bist oder nicht, ist F egal. Wie wirst du das Problem los? Du besorgst dir die USt-ID-Nr und weist dich in F als Unternehmer aus.

Die ZM ist abzugeben, denn deine Auslandsumsätze fallen NICHT unter den §19 UStG.


Ich bleibe dabei:

  • du musst deine USt-ID auf der Rechnung angeben. Damit weist du dich als Unternehmer aus (auch wenn du in D ein KU bist)
  • du musst eine ZM abgeben
Kommentar von Mihail121 ,

Rechthaberisch möchte ich nicht erscheinen, das tut mir leid, wenn es hinübergekommen ist, dies war nicht meine Absicht. Lass uns nicht streiten, ich mag es, zu diskutieren :)

  1. Wegen ZM: siehe http://www.bzst.de/DE/Steuern_International/USt_Kontrollverfahren_ZM_eCommerce/Z...

"Kleinunternehmer i.S.d. §19 Abs. 1 UStG trifft keine Verpflichtung zur Abgabe der ZM."

Du hast jedoch Recht, dass Du in Frankreich nicht mehr KU bist. An der Grenze endet die Regelung, das stimmt, aber Deutschland verlangt von mir trotzdem keine ZM, wenn ich in der EU eine Leistung verkaufe.

  1. Umsatzsteuernummer benötigst Du wirklich nur für den Erwerb und die Besteuerung von Waren und Leistungen. Da bin ich mir sehr sicher, sonst würde auch den Handel mit Drittländern nicht ordenrtlich funktionieren. Diese Nummer würde meinem Kunden bloß hinweisen, dass ich der Umsatzsteuer in Deutschland unterliege, nichts Weiteres.

Die Sache ist jedoch, dass der Kunder immer selbst die Umsatzsteuer in Frankreich schuldet, egal was auf meiner Rechnung steht und ob eine Rechnung von mir vorliegt. Du hast natürlich Recht, dass Leistungsort Frankreich ist, aber ich schulde die Steuer nicht. Dies ist das Ziel von Reverse-Charge, dass man sich den Aufwand spart und Frankreich keine Steuer entgeht.

Kommentar von SBerater ,

der Link zur ZM zeigt klar, dass mein StB bzw. seine Quelle anderer Meinung ist. Das ist ja auch der Grund, weshalb es Unmengen von Beratern gibt, die sich mit der Interpretation der Gesetzeslage beschäftigen.

Antwort
von EnnoBecker,

Falsche Angabe #1:

Ich kann da keine falsche Angabe erkennen.

Falsche Angabe #2:

Da es keine grenzüberschreitende KU-Regelung gibt, mag die Angabe zwar unsinnig oder auch gern "falsch" sein. Aber davon ist doch das RC-Verfahren nicht abhängig.

Das RC-Verfahren ist nicht mal vom Vorhandensein einer Rechnung überhaupt abhängig.

Kommentar von SBerater ,

ist denn sicher, dass der Fragende überhaupt Reverse Charge angegeben hat? Ist sicher, dass er eine USt-ID hat? Ist sicher, dass er eine ZM gemacht hat oder machen wird.

Ich mag als (Nichtexperte in Steuersachen) falsch liegen, aber den Fall hatte ich vor kurzem in der Praxis. Und das sind die wichtigsten Punkte, die mir einfallen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ob er RC angegeben hat oder nicht, ändert an der Rechtslage nichts. Dasselbe trifft zu für die Anfertigung der ZM.

sicher, dass er eine USt-ID hat?

Natürlich kann man das auf Grund der Fragestellung nicht prüfen. Das abzuklopfen hieße aber an der Frage vorbeizuantworten. Irgendwas müssen wir schon glauben.

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