Frage von Missel, 308

steuerliche Gewinn-Verlust-Verrechnung bei Aktienhandel

Ich habe in meinem Depot noch Aktien und Fondanteile, die seit Erwerb (ab 2000) immer noch stark im Minus stehen. Auf der anderen Seite Aktien mit deutlichen Kursgewinnen. Diese liegen z.T. auf unterschiedlichen Depots bei unterschiedlichen Banken. Kann ich zur Reduzierung der Abgeltungssteuer die bei Verkauf von Aktienanteilen realisierten Gewinne mit im gleichen Jahr realisierten Verlusten aus Verkauf von Aktien und/oder Fondanteilen (auch wenn der Erwerb bis zum Jahr 2000 zurückreicht) verrechnen? Wenn ja, geht dies auch wenn die Aktien auf unterschiedlichen Depots liegen? Gibt es Fristen (bezüglich Erwerb der Aktien/Fondanteile) zu berücksichtigen (Verjährung)? Können nachträglich Verluste (Verkäufe nach 2009) mit jetzt erzielten Gewinnen verrechnet werden ohne dass man den in der Vergangenheit realisierten Verlust "vorgetragen" hat?

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Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Steuern, 308

Gewinne und Verluste aus Wertpapieren, die vor 2009 gekauft wurden, sind für Deine heutige Steuerberechnung irrelevant. Mit anderen Worten: auf den Verlusten bleibst Du sitzen, die Gewinne streichst Du steuerfrei ein.

Für Positionen, die ab 2009 erworben wurden, kannst Du über die Verlusttöpfe bzw. Freistellungsaufträge steuern, welche Besteuerung erfolgt. Innerhalb einer Bank werden zum Jahresende Verluste und Gewinne aufgerechnet. Ist der Betrag positiv, werden ausländische Quellensteuer und der Sparerpauschbetrag zur Anwendung gebracht. Der Rest ist zu versteuern. Ist der Betrag negativ, so bleibt das für das nächste Jahr im Verlusttopf (dererlei es zwei gibt, da man Verluste auf Aktiengeschäften nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechnen kann).

Hast Du das bankübergreifend vor, musst Du von den Banken rechtzeitig (bis zum 15.12. eines Jahres) eine steuerliche Verlustbescheinigung beantragen. Diese wird dann Anfang des Folgejahres Dir zugestellt. Dadurch werden die entsprechenden Verlusttöpfe auf Null gestellt und Du kannst per Veranlagung Gewinne und Verluste ausgleichen. Bleibt ein Verlust übrig, so bekommst Du einen Verlustvortrag. Verlustrückträge gibt es nicht mehr seit 2009.

Kommentar von Missel ,

@gandalf94305: Vielen Dank für die detaillierte Antwort! Kurze Ergänzungsfragen: Für alle nach 2009 erworbenen Aktien kann ich die im Jahr des Verkaufs (jetzt und zukünftig) realisierten Verluste gegen Gewinne gegenrechnen, bzw. die Verluste bei Bedarf ein Jahr vortragen lassen? Wie ist es mit Gewinnen aus Dividenden, die den Freibetrag überschreiten, können diese auch gegen Verluste aus Aktienverkäufen verrechnet werden? Wie ist die Situation bei Aktien, die z.T. vor 2009 (was ist genau der Stichtag, 1.1.2009?) erworben wurden, aber auch nach 2009 nachgekauft wurden. Ist der Verkauf der Anteile, die vor 2009 erworben wurde steuerfrei und alles nach 2009 erworbenen unterliegt der Abgeltungssteuer?

Kommentar von gandalf94305 ,

Denke in Töpfen. Jede Bank hat die Töpfe Verluste Aktien und Verluste allgemein (alles andere). Die Bank verrechnet Gewinne und Verluste unterjährig und trägt Restverluste nach Steuerverprobung ins neue Jahr vor. Das geht so weiter in den Folgejahren, bis irgendwann die Verluste genutzt werden. Ausnahme: Du beantragst eine Verlustbescheinigung. Dann werden diese Verlusttöpfe bescheinigt und bei der Bank auf Null gesetzt. Die Bescheinigungen ermöglichen die bankübergreifende Verrechnung. In diesem Fall hat nicht die Bank den Verlustvortrag im Topf, sondern das Finanzamt bescheinigt diesen. Das gilt für alle Aktien und Fonds, die ab dem 01.01.2009 gekauft wurden, für alle Erträge und ausschüttungsgleichen Erträge, Dividenden, Zinsen etc. ab dem 01.01.2009.

Aktiengewinne können mit allem verrechnet werden. Aktienverluste können nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden. Verluste aus anderen Wertpapieren können nur mit Verlusten aus Nichtaktien oder Gewinnen aus irgendwelchen Wertpapieren verrechnet werden. Das betrifft auch Dividenden, Zinskupons, Fondsausschüttungen und ausschüttungsgleiche Erträge (wird gerne vergessen).

Eine Position, die aus 20 Aktien von vor 2009 und 20 Aktien von ab 2009 besteht, ist in Wirklichkeit zwei Positionen, die FIFO behandelt werden. Verkaufst Du 20 Stück, werden zunächst die alten Aktien verkauft, d.h. steuerfrei. Um das zu vermeiden, kannst Du bei der gleichen Bank ein zweites Depot eröffnen (ist bei ING-Diba z.B. sehr einfach) und die 20 alten Aktien dort hin intern übertragen. Dann sind nur noch die neuen Aktien im vorigen Depot, d.h. der Verkauf würde dann die abgeltungssteuerbelegten Aktien treffen, während die anderen noch in einem andere Depot schlummern.

Antwort
von GAFIB, 231

Nur noch als Tipp / Ergänzung, nachdem der Kollege schon korrekt geantwortet hat:

Was bis zum Jahresultimo an Gewinnen (z.B. Zinsen, Dividenden, Verkaufsgewinne) aufgelaufen ist, wird endgültig der Abgeltungssteuer unterworfen, d.h. die Gewinne stehen dann nicht mehr zur Verrechnung mit künftigen Verlusten zur Verfügung.

Insofern kann es Sinn machen, bis zum Jahresende noch Verlustpositionen (insbesondere Fonds) zu verkaufen, um die 26,38 % Steuerbeteiligung zu nutzen.

Ggf. kann man dann den identischen Fonds/ETF sofort nachkaufen, wenn die Portfolio-Struktur eigentlich korrekt war. Das kostet zwar ein wenig Gebühren, kann sich bei größerem Gewinn-/Verlustausgleich aber sehr wohl lohnen unter dem Strich. So wird erreicht, dass nicht mehr Abgeltungssteuer anfällt, als nötig.

http://www.tagesgeldvergleich.com/verlusttopf

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