Frage von brewmaster4077, 914

Steuerklassenwechsel im Zuge von Abfindung

Hallo. Frau wird zum 31.1.15 gekündigt, bekommt satte Abfindung. Ich in StKl 3, sie in 5, ich verdiene wesentlich mehr. Überlegen Wechsel Stkl 5 auf 3 für sie, Abfindungsberechnung wesentlich günstiger. 3 = 99% Auszahlung, 5 = 72% Auszahlung. Differenz: 22.000€ Beides mit der Fünftelmethode. Das Arbeitslosengeld, ist damit ab dem 1.2. ist auch um ca. 33% höher wegen der StKl 3. Nachteil ist, daß mein Netto in der (dann) V wesentlich weniger ist. Das gleicht sich auf dem Papier aber mehr als aus (22.000€ Vorteil + montl. mehr ALG). Und der Rest wird über EKst Ausgleich dann geregelt.

Konkrete Frage: Weiß jemand, ob bei der Berechnung der Abfindung als "Bruttogehalt" in unserem Fall nur das Januar 2015 Gehalt angerechnet wird oder auch die dann folgenden Zusatzleistungen (11 Monate ALG) auch mit rein gerechnet werden? Danke MK

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Antwort
von wfwbinder, 909

Bei der Abrechnung Jan. 2015 kann man doch gar keinen Progressionsvorbehalt einrechnen.

Das geschieht erst in der Einkommensteuererklärung. Allerdings kann ich mir die Differenz in der Auszahlung kaum vorstellen.

Was richtig ist, alles wird in der Steuererklärung ausgeglichen. Aber das erhöhte ALG I bleibt natürlich in der Kasse (abzüglich des Progressiosnvorbehalts).

Antwort
von Rat2010, 879

Die geringere Steuervorauszahlung beim Steuerklassenwechsel bringt dir wenig, weil das so lange ihr zusammen veranlagt seid nur zu einer höheren Steuernachzahlung führt. Mit der Steuerklasse bestimmst du nur die Vorauszahlung.

Dagegen kann ich mir bei der Konstellation vorstellen, dass getrennte Veranlagung für euch sinnvoll ist.

http://www.steuernetz.de/aav_steuernetz/lexikon/K-10606.xhtml?currentModule=steu...

Antwort
von PeterRanning, 695

Auch wenn hier nur eine Frage gestellt wurde, habe ich das Gefühl, ein paar Dinge klarstellen zu müssen:

  • Zunächst einmal müsste geklärt werden, ob die Fünftelregel überhaupt zur Anwendung kommt! Stichwort: Zusammenballung?
  • Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, ist trotzdem nicht sicher, dass der Arbeitgeber sie bei der Auszahlung der Abfindung auch anwendet, bzw. anwenden kann.
  • Ist beides gegeben, kann zwar u.U. eine Auszahlung von 99% erreicht werden, die Freude wird aber nur von kurzer Dauer sein, denn bei der Steuererklärung werden beide Einkommen berücksichtigt. Hier könnte die Fünftelregel schon wieder gefährdet sein!
  • Es sei denn, es läge eine getrennte Veranlagung vor (heißt jetzt irgendwie anders!). DAS wäre vielleicht eine Idee, die zu prüfen wäre!
  • Fazit: Der Wechsel der Steuerklasse bringt aus Steuersicht kaum einen Vorteil, wenn man einmal davon absieht, dass eine evtl. höhere Summe früher zur Verfügung steht. Dies erkauft man sicher aber mit der Gefahr einer späteren Nachzahlung.
  • Der einzige wirkliche Vorteil, der bleibt, ist in der Tat die höhere ALG Zahlung. Hier bin ich allerdings momentan überfragt, welcher Zeitraum für die Berechnung herangezogen wird. Das wird sicher nicht nur das letzte Monatsgehalt sein (evtl. ein Jahr?). Wäre zu prüfen.
  • Im Zusammenhang mit ALG sollte aber in jedem Falle eine Sperrfrist von 3 Monaten und ggfs. eine Ruhezeit in die Überlegungen einbezogen werden.
  • In diesen Zeiten ist KV+PV selber zu bezahlen! Möglichkeit der Familienversicherung?

Und jetzt endlich zur konkreten Frage:

Bei der Berechnung der Steuer für 2015 werden ALLE Einkünfte der beiden Ehepartner (Ausnahme: Getrennte Veranlagung) berücksichtigt. Also: Das Einkommen von Ehemann (12 Monate), Ehefrau (1 Monat)., Abfindung UND ALG. Das ALG selber ist zwar steuerfrei, wird aber zunächst zu den anderen Einkünften hinzugezählt. Von dieser Summe wird dann der Steuersatz festgestellt und dieser dann auf die Einkünfte ohne ALG angewandt.

Gruß, Peter Ranning

Kommentar von brewmaster4077 ,

Hallo Peter. Vielen Dank. Sehr gut erklärt. Noch ein paar Anmerkungen zu Deinen Punkten: 1+2 Ja, die Regel kommt zur Anwendung und ja, der Arbeitgeber hat schon von sich aus gesagt, daß die Regel angewendet wird bei der Abrechnung. Es ist tatsächlich so, daß bei einem 1-monatigen Verdienst fast 0 Steuern anfallen. In der StKL3 bleiben von 80T€ ca: 79.5t€ und in der STKL5 nur 57T€ bei 1 Monat Verdienst. Bei mehr Verdienst geht das sofort schnell hoch. Du hast Recht, die Vortile scheinen zu sein, daß das ALG 35% höher ist (letzten 12 Monate durchschnittsverdienst zur neuen Steuerklasse III 2015). Rücksprache beim Arbeitsamt hat ergeben, daß es keine 3-monats Sperre gibt, weil sowieso gekündigt wird (betriebsbedingt). Wird denn das ALG als Nettobetrag zu dem zu versteuernden Einkommen in 2015 dazu gezählt? Hast Du da noch einen Tipp, wo ich das genau nachlesen und hochrechnen kann, oder soll ich doch lieber einen Steuerberater hinzuziehen? Vielen Dank MK

Kommentar von PeterRanning ,

Es ist natürlich richtig, dass bei Anwendung der 5tel-Regel von 80T€ keine Steuern zu zahlen sind, denn 80/5=16 und die sind bei Verheirateten steuerfrei. Das gilt aber eben nur, solange nur das eine Einkommen berücksichtigt wird. Spätestens bei der Steuererklärung sind es dann aber beide und da sieht die Rechnung dann schon ganz anders aus. Sprich: Nachzahlung!

Bei der steuerlichen Auswirkung des ALG kann ich nur meinen Satz von oben wiederholen: "Das ALG selber ist zwar steuerfrei, wird aber zunächst (der Nettobetrag) zu den anderen Einkünften hinzugezählt. Von dieser Summe wird dann der Steuersatz festgestellt und dieser dann auf die Einkünfte ohne ALG angewandt."

Hochrechnen kann man so etwas sehr gut mit einem Steuerprogramm, in dem man die geplanten Werte einfach einmal eingibt. Ich nutze schon seit vielen Jahren die "Steuersparerklärung" der Akd. Arb. Gem. Wer die Investition scheut, kann dies aber genau so gut mit dem kostenlosen Elsterformular machen. Gibt es zwar aktuell nur für 2013, aber für eine grobe Einschätzung sollte das wohl reichen.

Zum Abschluss noch ein paar Gedanken:

Ich würde mir (von einem Steuerberater oder per Programm) einmal die getrennte Veranlagung ausrechnen lassen. Das kann man ohne konkrete Rechnung nicht abschätzen, ob sich das evtl. lohnt. Könnte aber sein.

Zur weiteren Optimierung wäre zu überlegen, ob die Arbeitslosmeldung unbedingt sofort erfolgen muss oder vielleicht auch erst im Folgejahr? Mehr zu diesem Thema erläutere ich gerade auf meiner Internetseite.

Je nach Lage der Dinge könnte man auch eine Einzahlung eines Teils der Abfindung in die Altersvorsorge überlegen (betriebl. AV oder Rürup).

Viel Erfolg, Peter Ranning

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