Frage von Elvis,

Steuerhinterziehung ohne Steuervorteil möglich ?

Hallo Expertenteam :)

mich würde eine kurze Frage interessieren.

Kann es Steuerhinterziehung geben, ohne dass jemand sich einen steuerlichen Vorteil "ergaunert" hat ?

Wenn beispielsweise steuerfreie Einnahmen nicht angegeben werden, und auch keinem Progressionsvorbehalt unterliegen würden, entsteht durch die Angabe/Nichtangabe kein Vorteil/Nachteil. Kann eine solche Nichtangabe trotzdem Steuerhinterziehung sein?

Vielleicht eine dumme Frage, aber nicht jede Angabe in einer Steuererklärung hat gleich eine Auswirkung auf die Steuerschuld, muss aber getätigt werden.

Gruß und Danke für Meinungen

Antwort von gandalf94305,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Eine der Grundvoraussetzungen des Straftatbestandes der Steuerhinterziehung ist doch die Steuerverkürzung. Entsteht also kein steuerlicher Vorteil - sprich: man zahlt weniger Steuern - so liegt auch objektiv keine Steuerhinterziehung vor.

Gebe ich bei drei Banken Freistellungsaufträge über EUR 801 an, so ist das zwar falsch und könnte im Prinzip auf eine Steuerhinterziehung ausgelegt sein, jedoch werden die in Anspruch genommenen Beträge zum Jahresende zentral gemeldet und wenn diese doch bei max. EUR 801 liegen, ist alles in Ordnung. Unterjährig könnte man also vor Verlustgeschäften auch mal einen höheren Betrag also EUR 801 insgesamt unversteuert als Ertrag oder Veräußerungsgewinn erhalten haben können. Solange die Rechnung am Jahresende wieder stimmt, ist auch das Finanzamt glücklich.

Mit anderen Worten: die Antwort auf Deine Frage lautet aus meiner Sicht per def. klar NEIN.

Kommentar von Meandor,

Grundsätzlich hast Du Recht. Wenn Du ein böses Finanzamt hast, berufen die sich auf "der Versuch ist strafbar." Aber da werden sie wohl vom Richter heimgeschickt.

Kommentar von gandalf94305,

Es ist klar, daß man einen Verweis erhält, dies doch in Zukunft zu unterlassen, aber letztendlich ist gerade bei Thema "Versuch" viel Ermessensspielraum enthalten, d.h. man wird beim ersten Mal sicher mit einer Verwarnung davonkommen. Sollte dies sich jedoch häufen bzw. nach dem Hinweis des Finanzamts wieder auftreten, so kann sicher mehr als nur eine freundliche Verwarnung drohen.

Kommentar von EnnoBecker,

"berufen die sich auf "der Versuch ist strafbar." "
.
Ich gucke jetzt mal in den 370.... .
Aha, Absatz 2: Der Versuch ist strafbar. Jetzt muss man nur noch klären, was ein Versuch ist, oder? Also die falsche Abgabe von Freistellungsaufträgen in Kenntnis darüber, dass man Kapitalerträge unter 801 Euro erzielt, kann mangels Steuerwirkung auch kein Versuch sein.
.
Oder?

Kommentar von gandalf94305,

Wie wahr... daher bleibe ich bei dem Votum NEIN.

Antwort von gandalf94305,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Nicht mit einer Steuer belegte Einkünfte anzugeben, kann durchaus sehr sinnvoll sein, um zukünftige Steuern zu vermeiden.

Hat man beispielsweise ausländische, thesaurierende Fonds, so muss man ggf. aufgrund von Freibeträgen keine Steuern zahlen, sollte sie jedoch als Nachweis für später angeben, um bei Veräußerung des Fonds die dann pauschal abgezogene Steuer wieder zurückzuerhalten, da die Erträge ja bereits Jahr für Jahr in der Steuererklärung angegeben wurden.

Antwort von Elvis,

Vielen Dank für alle Antworten.

Um nochmal darauf zurück zu kommen: Da ich nur dieses Beispiel aus eigenem Wissen kennen. Wofür muss ich denn beispielsweise steuerfreie Einnahmen angeben ( auch wenn diese nicht unter einen Progessionsvorbehalt fallen ). Das ist doch eigentlich für eine Steuerschuld sinnfrei.

Das Beispiel mit den Freistellungsaufrägen fand ich übrigens auch passend und interessant.

Beste Grüße

Antwort von Charli,

Steuerhinterziehung bedeutet, du gibst etwas nicht an, wofür du hättest Steuern bezahlen müssen. Also ein klares NEIN für die Beantwortung deiner Frage.

Kommentar von Elvis,

Vielen Dank für alle Antworten.

Um nochmal darauf zurück zu kommen: Da ich nur dieses Beispiel aus eigenem Wissen kennen. Wofür muss ich denn beispielsweise steuerfreie Einnahmen angeben ( auch wenn diese nicht unter einen Progessionsvorbehalt fallen ). Das ist doch eigentlich für eine Steuerschuld sinnfrei.

Das Beispiel mit den Freistellungsaufrägen fand ich übrigens auch passend und interessant.

Beste Grüße

Du kennst die Antwort?

Fragen Sie die Community