Frage von Frei123,

Steuergerechtigkeit bei Dienstwagen bei Konzernen und Einzelunternehmern

ich hatte in der letzten Woche 2 Diskussionen, die mich stirnrunzelnd staunen liessen:

da ist eine Angestellte in einem Konzern, ein grosser Autoproduzent, von dem sie einen Dienstwagen bekommt und über die 1%-Regelung versteuert. Fakt ist: sie fährt keine Tausend km p.a. dienstlich mit dem Wagen.

Dann ist da er Einzelunternehmer, bei dem jedes Jahr diskutiert wird, ob sein Dienstwagen immer noch im Betriebsvermögen ist und ob die 1%-Regelung passt oder doch das Fahrtenbuch stimmt. Ein Bekannter wurde nun verdonnert, seinen Pkw ins Privatvermögen zu nehmen, weil er den Wagen zu wenig beruflich einsetzt.

Ist das gerecht? Wie kann die Politik das so gestalten, so ungerecht? Oder ist es nur für mich ungerecht und erklärbar?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von FREDL2,

Zum einen: die Angestellte in einem Konzern wird nicht gezwungen sein, den Firmenwagen zu nehmen. Nimmt sie ihn aber und der AG lässt nur die 1%-Methode zu, muss sie den geldwerten Vorteil eben versteuern.

Sie kann daneben ein Fahrtenbuch führen und dieses bei ihrer persönlichen Einkommensteuerveranlagung vorlegen. dann versteuert sie nur die tatsächliche Privatnutzung.

Dann ist da der Einzelunternehmer, der Arme. Auch der muss keinen Firmenwagen halten. Die Mehrzahl davon bräuchte keinen, wie eben auch Dein Bekannter.

Die Firmenwagengeschichte ist eine Riesensubventionierung der Autobranche durch den Steuerzahler.

Ich schliesse jede Wette ab, dass 99 von 100 X5/Q7/Cayenne etc. Firmenwägen sind. Kaum ein vernünftig denkendender Privatmann würde derart horrende Summen für Kauf oder Leasing ausgeben.

Soweit zu Recht und Unrecht. Du kannst Dich mit mir gerne über Unrecht im Steuerrecht (die Wortwahl ist bewusst) unterhalten. Ich könnte Dich Abende lang zutexten, nicht aber zum Thema Firmenwagen. Ich wäre bei diesem Punkt noch weitaus rigoroser.

Kommentar von Frei123 ,

ich vermute auch eine Subventionierung. Ich weiss ja nun nicht, wieviel hier subventioniert wird, über welche Beträge wir reden. Aber gering wird es nicht sein.

Es geht um einen der genannten Dienstwagentypen, einen SUV, der über 75.000 Euro Liste kosten soll.

Sicherlich wäre ein Abend füllender Austausch über das Unrecht im Steuerrecht erbauend für mich. Aber vermutlich würde ich dann nur noch staunen und den Glauben an Gerechtigkeit verlieren :)

Danke!

Kommentar von FREDL2 ,

der über 75.000 Euro Liste kosten soll.

Dazu rechnest Du nun noch etwa 20.000 - 25.000 Sonderausstattung (Erfahrungswert!) - zum Teil für Geraffel, von dem der Nutzer gar nicht weiss, was er da bestellt hat. Tatsache! Hab ich oft genug erlebt.

Ja, bewahr Dir besser den Glauben. Ich wünschte mehr als oft, ich wüsste nicht, was ich weiss.

Antwort
von gammoncrack,

Ein Firmenwagen ist ja eine Zusatzleistung des AG, die entsprechend zu versteuern ist. Es ist allerdings nicht festgelegt, ob man den Firmenwagen dienstlich überhaupt nutzt. Das ist dann unerheblich. Ich kenne Leute, die "dienstlich" nur zur Arbeit und wieder nach Hause gefahren sind, andere, die den Wagen ihrer Ehefrau zur Verfügung gestellt haben, die dann tausende von Kilometern jährlich fuhr und die Benzinkosten vom Unternehmen des Ehemannes getragen wurden.

Ob das gerecht ist? Jemand anderes verdient im ähnlichen Job ohne Firmenwagen 1.500.- Euro brutto mehr und zahlt dafür alles selbst.

Es ist einfach eine Sache der Betrachtungsweise - und natürlich der Gestaltung des Arbeitsvertrages.

Kommentar von Frei123 ,

ich finde das "seltsam".

Und die Fälle, die du nennst, kenne ich auch. Der Mann fährt auf Kosten des Arbeitgebers der Frau. Ja ja... Hier geht es wohl der Politik auch um die Lobby der Autobranche, denn diese dicken Pkw würde sich der Angestellte sonst nicht leisten (können).

In dem Konzern bekommen die niedrigeren Hierarchien diese Dienstwagen nicht. Und die kaufen dann andere Fabrikate, weil der Premium-Pkw einfach zu teuer ist.

Ist wohl einfach so.

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