Frage von nordlicht03, 92

Steuererklärung KfZ rückwirkend: Leasing oder 1% Abschreibung ?

Liebe Leute , das FA und ich verwirren uns gerade gegenseitig:-(, deshalb hoffe ich auf eine klärende Antwort. Im Jahr 2010 und 2011 habe ich freiberuflich im Gesundheitswesen gearbeitet und nach EÜR ohne Umsatzsteuer versteuert. Den von mir privat geleasten Jahreswagen ( 1 Jahr alt, Kaufleasing, welches demnächst ausläuft, den Wagen möchte ich mit der Schlußrate übernehmen) habe ich nach der 1% Regelung mit Fahrtenbuch versteuert; nach Auskunft durch den Steuerberater bei der Existenzgründung. Anfang 2012 bin ich dann wieder ins Angestelltendasein gewechselt und habe den Wagen nur noch für den entsprechenden Monat abgeschrieben. Jetzt geht es darum: Setze ich für die Zeit der Freiberuflichkeit nur die Leasingraten an ( auch rückwirkend) oder behalte die gehabte Regelung bei ? Das FA möchte dann nämlich den Wagen als Privatentnahme und somit als zu versteuernden Gewinn bei Betriebsauflösung bewerten. Oder eben rückwirkend ( 2010-2011) nur die Leasingraten besteuern. Bei den voran gegangenen Steuererklärungen musste ich jeweils kräftig nachzahlen. Bei dieser stünde mir eine kleine Gutschrift ins Haus, theoretisch und bisher. Was ist denn jetzt richtig ? Die Finanzbeamtin ist sich auch nicht sicher, sagt sie.

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Antwort
von Meandor, 92

Also Leasingraten und Abschreibung widerspricht sich schon mal.

Wenn es ein geleastes Fahrzeug war, sind die Leasingraten Betriebsausgabe und mit der 1% Regelung wird der Privatanteil ermittelt.

Was ist eine 1% Regelung mit Fahrtenbuch? Das Gesetz kennt nur 1% Regelung oder Fahrtenbuch.

Wenn der Fahrzeug derart beruflich genutzt wurde, dass man die Wahl zwischen 1% Regelung oder Fahrtenbuch hat, dann ist die Karre notwendiges Betriebsvermögen, und dann wäre auch ein Aufgabegewinn zu versteuern.

Damit aber ein Aufgabegewinn zu versteuern ist, müssten wir erstmal ein entnahmefähiges WG haben, was aber beim Leasingfahrzeug nicht vorhanden sein wird.

Antwort
von EnnoBecker, 52

Also ich habe den Sachverhalt nicht verstanden.

Klar ist, dass für die Anwendung der 1%-Regel nicht davon abhängt, ob das Fahrzeug gekauft wurde oder gemietet (=geleast). Daher kommt wahrscheinlich auch die jährliche "kräftige" Steuernachzahlung, wobei wohl nur die Einkommensteuer (und Gewerbesteuer), nicht jedoch die Umsatzsteuer gemeint sein kann. Obwohl auch hier die Angabe nicht ganz schlüssig ist, denn die Höhe der EStVZ bemisst sich nach der Jahressteuer des Vorjahres, grob gesagt.

Vielleicht solltest du für den Umgang mit dem Auto bei Betriebsaufgabe zunächst einmal herausfinden, ob du das Fahrzeug gekauft hast oder geleast. Leider ist das bei einem Leasingvertrag auch immer nicht ganz eindeutig. Eindeutig ist aber der Blick ins Anlageverzeichnis deines Betriebes in der aktiven Zeit.

Einige weitere konkrete Unklarheiten:

Den von mir privat geleasten Jahreswagen

Und dann ins BV eingelegt? Oder doch nur die betrieblichen fahrten abgerechnet?

Kaufleasing

... bedeutet jetzt konkret was?

habe ich nach der 1% Regelung mit Fahrtenbuch versteuert

Okay, das mit dem Fahrtenbuch hat meandor schon aufgegriffen. Die Formulierung spricht aber für privaten Kauf mit anschließender Einlage ins BV.

Anfang 2012 bin ich dann wieder ins Angestelltendasein gewechselt

Was ja nicht unbedingt die Betriebsaufgabe bedeutet. Dem Text zufolge ist der betrieb aber aufgegegen worden?

Oder eben rückwirkend ( 2010-2011) nur die Leasingraten besteuern.

Das verstehe ich gar nicht. Was will das Finanzamt? Jedenfalls kannst du das Fahrzeug nicht an deinen Betrieb vermietet haben, wenn du Einzelunternehmer warst. Du würdest ja an dich selbst vermieten und das geht nicht.

Die Finanzbeamtin ist sich auch nicht sicher, sagt sie.

Muss sie auch nicht. Die Finanzverwaltung hat den gesetzlichen Auftrag, die gleichmäßige und gerechte besteuerung sicherzustellen und die Steuern zu erheben und einzuziehen. Zur Beratung ist sie weder befugt noch befähigt.

Für eine klärende Ergänzung wäre ich dankbar.

Kommentar von nordlicht03 ,

Hm. Ich versuche auch gerade, Ordnung ins Chaos zu bringen. Ein paar Korrekturversuche: Ich arbeite seit 2012 ausschließlich angestellt, nicht mehr freiberuflich. In den beiden letzten Steuererklärungen habe ich mein Fahrzeug nach AfA steuererklärt. Jetzt steht durch die Betriebsaufgabe die Leasingfrage im Raum, die Sachlage dazu ist etwas kompliziert. Aber das Finanzamt will jetzt nochmal die letzten Erklärungen dazu ansehen... Kaufleasing nennt sich das, wenn man nach drei Jahren das Fahrzeug optional übernimmt, mit ner Schlussrate. Sagt das Autohaus. Ich bin verunsichert, ob das alles so stimmt und jetzt noch ne dicke Nachzahlung zusätzlich kommt. Konkret wüsste ich nur gerne: Darf das FA aus den letzten Jahren noch Nachzahlungen verlangen? Wann verjährt die Frist hierzu? Und: gibt es Unterschiede zwischen dem ausschließlichen Leasingratenansatz und der AfA?

Kommentar von EnnoBecker ,

nordlicht.....nordlicht....den Nick kenne ich doch von woanders her auch noch, oder?

In den beiden letzten Steuererklärungen

das meint 2010 und 2011?

nach AfA

Also im BV aktiviert. Bei der Betriebsaufgabe ist dann das Fahrzeug mit dem Verkehrswert (Teilwert sagt der Steuerrechtler) zwangsläufig zu entnehmen, was zu einem Gewinn führt, wenn denn der Restbuchwert kleiner ist.

Jetzt steht .... die Leasingfrage im Raum, die Sachlage dazu ist etwas kompliziert.

Ich scheitere im Moment noch daran. Das Leasing und die Einlage ins BV passen doch nicht zueinander. Was genau hat das kit dem leasing auf sich und was will das Finanzamt?

Kaufleasing nennt sich das, wenn man nach drei Jahren das Fahrzeug optional übernimmt, mit ner Schlussrate.

Aha, danke. Und der Steuerberater hat den Vorgang anhand der Leasingerlasse von 1972 durchgeprüft? Über 40 Jahre - und die Dinger gelten immer noch.

Ich bin verunsichert, ob das alles so stimmt und jetzt noch ne dicke Nachzahlung zusätzlich kommt.

Und warum macht das der Steuerberater nicht?

Darf das FA aus den letzten Jahren noch Nachzahlungen verlangen? Wann verjährt die Frist hierzu?

Hier steigst du in ein neues Thema ein. Groß gesagt: Ja, das kann es, aber es müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Erstens darf die Festsetzungsverjährung noch nicht eingetreten sein (ist sie nicht) und zweitens muss dem Finanzamt eine Korrekturvorschrift zur Seite stehen (wissen wir hier nicht).

gibt es Unterschiede zwischen dem ausschließlichen Leasingratenansatz und der AfA?

Leasing ist Miete. Die führen beim EÜRler zu Betriebsausgaben, wenn sie anfallen. AfA ist die ratierliche Abschreibung der Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer.

Kommentar von LittleArrow ,

Nach den Leasingerlassen muss m.E. (d.h. ich versuche mich zu erinnern) das Fahrzeug aktiviert werden, da eine Kaufoption des Leasingnehmers besteht und es offenbar ein Mietkaufvertrag ist. Für das Fahrzeug ist steuerlich wohl eine längere betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer anzusetzen als nur die erwähnten drei Mietkaufjahre. Die gezahlten Mietkaufraten ("Leasingraten") sind vermutlich höher als die jährliche AfA, so dass bei der steuerlichen Korrekturrechnung die höhere Leasingraten raus- und die niedrigere AfA reingerechnet werden. Demzufolge kommt es zu einem höheren steuerlichen Gewinn in diesen Jahren.

Der Restbuchwert müßte nach dieser Korrekturrechnung noch ziemlich hoch sein.

Kommentar von EnnoBecker ,

Nach den Leasingerlassen muss ... das Fahrzeug aktiviert werden

Das denke ich auch.

Für das Fahrzeug ist steuerlich wohl eine längere betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer anzusetzen als nur die erwähnten drei Mietkaufjahre.

Sechs. Da es ein Jahreswagen war, verbleiben fünf.

bei der steuerlichen Korrekturrechnung

Hier ist der Punkt, den ich nicht verstehe. Wie kommt jetzt das Leasing (privat!) ins BV? Und welche steuerlichen Korrekturen meinst du?

Der Restbuchwert müßte nach dieser Korrekturrechnung noch ziemlich hoch sein.

Jahreswagen 2010, also wohl EZ 2009, in Anfang 2012 zwei...drei Jahre alt. Ich würde noch einmal genau um das Auto herumgehen und gucken, wo die wertmindernden Kratzer sind und ob nicht einer mal eine Delle reingehauen hat.

Kommentar von LittleArrow ,

Hier ist der Punkt, den ich nicht verstehe. Wie kommt jetzt das Leasing (privat!) ins BV? ...

Es ist natürlich nur eine Vermutung, dass in der EÜR die gezahlten (höheren) Leasingraten berücksichtigt wurden. Es hätten aber stattdessen die (niedrigeren) AfA-Beträge genommen werden müssen. Der Gewinn des jeweiligen Jahres hätte wegen niedrigerem AfA-Betrag also höher sein müssen.

Ob bei der Überführung des PKW ins Privatvermögen die Dellen und Kratzer hilfreich sind, kann ja nicht steuerpflichtiges nordlicht03 alleine entscheiden, sondern es müßte schon Hilfestellung eines Sachverständigen des Kfz-Gewerbes einholen. Ziel müßte ein buchwertnaher Verkaufserlös sein und keine Realisierung stiller Reserven. Nur bei drohender Auflösung hoher stiller Reserven lohnt sich evtl. der Gutachtereinsatz, um Fahrzeugmängel in die PKW-Bewertung einfließen zu lassen, nicht wegen ca. € 300.

Kommentar von EnnoBecker ,

Es hätten aber stattdessen die (niedrigeren) AfA-Beträge genommen werden müssen.

...und die in den Raten enthaltenen Zinsanteile.

Hinsichtlich der Dellen und Kratzer stimme ich dir auch zu. Ein bisschen Kreativität kann da nicht schaden.

Kommentar von LittleArrow ,

Ja, natürlich auch noch diese Zinsen:-)

Antwort
von SBerater, 47

ich sehe hier ein wenig Verwirrung bei den Begriffen:

  • Abschreibung und Leasingraten
  • 1%-Regelung und Fahrtenbuch
  • 1% Abschreibung oder Leasing (in der Überschrift)

Die beissen sich. Damit weiss ich nicht genau, was denn nun wie angesetzt ist und was letztendlich in der Steuer angenommen wurde.

Kommentar von nordlicht03 ,

Okay, es tut mir leid, da hab ich ein wenig für Verwirrung gesorgt und Begriffe durcheinander geworfen. Da kann man mal sehen, wie einen ein Telefonat mit dem Finanzamt verwirren kann.:-( Ich habe bisher mit dem FA nach Fahrtenbuch abgerechnet und auch alle anderen KfZ-Kosten wie Reparaturen etc. angesetzt. Und die Finanzierungsrate eben. Hm. Hilft das jetzt weiter ?

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