Frage von Twinzet,

Steuererklärung 2012 / Umzug

Hallo zusammen,

ich bin in eine andere Stadt berufsbedingt gezogen, jedoch habe ich keine "Dienstanweisung" hirzu bekommen, so dass ich meine Umzugskosten (Maklergebühren, Ummeldegeühren, Umzugswagen etc.) über meine Fahrzeit begründen bzw. belegen muss, um die vollen Kosten erstattet zu bekommen und nicht nur die Umzugskostenpauschale.

Meine Frage: Laut Falk Routenplaner benötige ich für die einfache Fahrt von der "alten" Wohnung zur Arbeitsstätte 30 Minuten. Ich benötige aber definitv mehr Zeit, so dass ich aufgrund des Berufsverkehrs auf ca. 45 Minuten für eine einfache Fahrt komme.

Ich bin einmal einen morgen eher zur Arbeit gefahren, um habe mir via google maps die Route berechnen lassen, zu der Zeit zu der ich normalereise auch meine "alte" Wohnung verlasse.

Nun stand hier ebenfalls 31 KM, Fahrzeit ca. 30 Minuten; bei aktueller Verkehslage 47 Minuten. Das würde bedeuten, 2 x 47 Minuten (alte Wohnung - Arbeit) sind 94 Minuten minus 2x15 Minuten (neue Wohnung - Arbeit) macht eine Ersparnis von 64 Minuten.

Damit entspräche ich ja den gesetzlichen Grundlagen, um die Kosten vollständig erstattet zu bekommen.

Sollte ich das Routenergebnis von google maps schon bei der Erklärung mit einreichen, oder lieber warten, ob was vom Finanzamt kommt.

Ich möchte noch ewähnen, dass ich keine (als Beispiel) 5.000 € Umzugskosten einreichen werde, sondern lediglich ca. 1.300 €.

Oder meint ihr das Finanzamt winkt wegen der geringen Summe die "Umzugskosten" so durch?

Wie soll ich dem Finanzamt sonst belegen, dass ich tatsächlich so lange für den Weg zur Arbeit brauche?

Danke euch.

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Antwort
von obelix,

setz die Kosten an und fertig. Wenn es Fragen gibt, dann kannst du immer noch argumentieren.

Deine Ausführungen hier haben was von Rechtfertigung wann man wieviel Zeit benötigt. Das Finanzamt hat auch Erfahrungswerte und kennt die Fahrtzeiten. Auf Minutenebene zu diskutieren, wann welches Tool wie viele Minuten anzeigt, ist wenig zielführend - denke ich.

Setz die Kosten an und basta.

Antwort
von FREDL2,

Ein berufsbedingter Umzug ist dann einer, wenn sich der Anfahrtsweg um 1 Stunde verkürzt.

Der Anfahrtsweg. Von Hin- und Zurück steht da nix und erstattet bekämst Du gleich gar keine 1.300,00. Wenn überhaupt, wären es Werbungskosten.

Ich sehe da aber schwarz.

Kommentar von Twinzet ,

Berufsbedingt ist ein Umzug für das Finanzamt immer dann, wenn sich die Fahrtzeit zur Arbeit um mindestens eine Stunde verkürzt – für Hin- und Rückfahrt zusammen. Es reicht also eine Einsparung pro Strecke von 30 Minuten.

http://www.finanzhorizonte.de/steuern-recht/umzugskosten-von-der-steuer-absetzen...

Kommentar von Twinzet ,

Ist der Umzug berufsbedingt, so können die Umzugskosten steuerlich geltend gemacht werden. Und dazu zählt dann auch die Maklerprovision für eine Mietwohnung.

http://ratgeber.immowelt.de/wohnen/recht/tipps-fuer-mieter/artikel/artikel/makle...

Kommentar von FREDL2 ,

So, nochmal extra für Dich in den Kommentaren geschmökert. meine Aussage von wegen "Hin- und Zurück" ist falsch. Fiel mir zu spät auf, sorry.

So schauts aus:

Beruflich veranlasst ist jeder Umzug, der die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erheblich verkürzt. Das ist typischerweise der Fall, »wenn sich die Dauer der täglichen Hin- und Rückfahrt insgesamt wenigstens zeitweise um mindestens eine Stunde ermäßigt« (H 9.9 »Erhebliche Fahrzeitverkürzung« LStH 2008), auch wenn daneben noch private Gründe vorliegen (BFH-Urteil vom 23.3.2001, VI R 189/97, BStBl. 2002 II S. 56). Maßgeblich ist das Verkehrsmittel, das tatsächlich benutzt wird.

Dabei ist nicht erforderlich, dass der Umzug mit einem Wechsel des Wohnortes verbunden ist. Gefordert ist auch nicht, dass sich diese Stunde Fahrzeitersparnis immer - auch in verkehrsschwachen Zeiten - ergeben muss.

Bei der Ermittlung der Fahrzeiten sollten durchschnittliche Werte zugrunde gelegt werden, zum Beispiel mit Hilfe eines Routenplaners. Auch das Finanzamt darf diesen nutzen (FG Hamburg vom 9.10.2008, 5 K 33/08, EFG 2008 S. 244).

Die Fahrzeitverkürzung von mindestens einer Stunde gilt aber nur dann als beruflicher Umzugsgrund, wenn »die verbleibende Wegezeit im Berufsverkehr als normal angesehen werden kann« (H 9.9 Berufliche Veranlassung LStH 2008). Der BFH sieht einen Umzug, durch den die Entfernung von bisher 100 km auf nur 80 km verkürzt wird, nicht als beruflich veranlasst an (BFH-Urteil vom 22.11.1991, VI R 77/89, BStBl. 1992 II S. 494).

Vor allem der letzte Absatz dürfte bei Deinem Vorhaben leider hinderlich sein, abesehen davon, dass Du die geforderte Stunde nur mit Müh und Not erreichst.

Wie so oft im Leben gilt auch hier: Versuch macht kluch!

Kommentar von Twinzet ,

Danke für die Info, ich erreiche eine Ersparnis von ca. 64 Minuten, klar das ist vielleicht "mit Mühe und Not", andererseits, wenn ich eine Ersparnis von "nur" 59 Minuten hätte, würde ich eben auch "mit Mühe und Not" dran vorbei schrammen, an dieser Regelung und hier würde das Finanzamt sicherlich nicht sagen "Naja die eine Minute, berücksichtigen wir die Umzugskosten mal als einkommensmindernd" und so werde ich es eben trotz der "nur" 64-minütigen Ersparnis probieren, erst einmal ohne google maps, was mir ja (Gott sei dank), die tatsächliche Fahrzeit zu einer bestimmten Uhrzeit anzeigt, im Gegensatz zur Falk Routenplanung und zur Not suche ich dann eben noch die Verkehrsmeldungen raus, woraus ersichtlich ist (aufgrund der Staus auf der Autobahn), dass ich fast täglich minimum 45 - 55 Minuten für eine einfache Fahrt benötige.

Kommentar von Twinzet ,

Hier noch ein Beispiel in Bezug auf "mit Mühe und Not" die 60 Minuten Ersparnis:

Herr Müller fährt jeden Tag 90 km zur Arbeit und benötigt für diesen Weg etwa eine Stunde. Da ihm die Entfernung zu groß ist, zieht er etwas näher zur Arbeit und fährt jetzt nur noch 50 km. Für die Strecke benötigt er aufgrund der besseren Anbindung nur noch 30 min.

In diesem Beispiel verkürzt sich der Weg um 40 km und Herr Müller spart pro Weg 30 min, also 60 Minuten am Tag. Somit sind die Umzugskosten steuerlich zu berücksichtigen.

Quelle: http://www.danrevision.com/2012/10/steuerliche-absetzbarkeit-von-umzugskosten/

In diesem Beispiel beträgt die Ersparnis genau 60 Minuten und laut Steuerberatung ist dies ein berufsbedingter Umzug.

Kommentar von FREDL2 ,

@Twinzet: ist ja okay. Mir gegenüber brauchst Du nicht argumentieren. ;-)

Heb Dir den Schwung für den Sachbearbeiter Deines Finanzamtes auf. Ich fürchte, es wird nötig sein.

Antwort
von EnnoBecker,

Eine Verständnisfrage:
Wer soll dir denn die Umzugskosten erstatten?

Und noch eine:
Wo kann man denn diese gesetzlichen Grundlagen nachschlagen?

Kommentar von Twinzet ,

Du kannst einen Umzug beim Finanzamt geltend machen:

http://www.finanztip.de/recht/steuerrecht/umzugskosten.htm

hier steht es auch mit den 60 Minuten

Kommentar von EnnoBecker ,

Aha.

Also die Umzugskosten sollen nicht erstattet werden, sondern du willst sie als Werbungskosten ansetzen. Das hab ich jetzt verstanden.

Zum Link:
Wenn einer etwas in eine Webseite hineinschreibt, dann ist das keine gesetzliche Grundlage. In diesem Falle hier gibt es keine gesetzliche Grundlage, sondern es haben sich gewisse Prinzipien herausgebildet.

Aber hin wie her, ich hab jetzt das Anliegen verstanden.

Du solltest in deiner Steuererklärung die Umzugskosten ansetzen, gern auch Belege beifügen. Aber Überlegungen, ob es nun Werbungskosten sind und warum, solltest du für dich behalten. Wenn du dem Sachbearbeiter zu viel auf den Tisch packst, beginnt der nämlich auch zu überlegen.

Deine Argumente kannst du anbringen, wenn nachgehakt wird.

Kommentar von Twinzet ,

Genau, das meinte ich auch, also erstmals nichts mit google maps etc. einreichen, sondern erst, wenn gemeint wird, ich spare keine 60 Minuten, richtig?

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