Frage von MasterSc, 81

Steuererklärung / DBA - welche Werbungskosten werden angerechnet?

Hallo Zusammen, ich bräuchte einmal sachkundige Hilfe zur Steuererklärung 2015!

Der Fall ist folgender:

Ehemann (Pole) arbeitet seit Mitte 2014 in Deutschland und wird nach deutschem Recht besteuert.

Die Ehefrau arbeitet bei einem polnischen Reisebüro und ist seit Nov. 2014 in Deutschland.

Sie arbeitet seitdem von zu Hause (Deutscher Wohnsitz) über Home Office für die polnische Firma. Von Juni bis August (Hochsaison) muss sie nach Polen arbeiten und dort vor Ort arbeiten. Lohn und Steuern werden von polnischer Firma gezahlt / abgeführt.

Da sie unter 10000 Euro verdient ist sie in Deutschland steuerbefreit, auch nach DBA. Ihr Verdienst wird aber im Progressionsvorbehalt nach §32b berücksichtigt. Das Finanzamt hat weder Werbungskosten für das Arbeitszimmer in Deutschland noch Werbungskosten für die 3 Monate vor Ort anerkannt.

Ebenso hat das Finanzamt auch keine Werbungskosten / Reisekosten für den Ehemann anerkannt, der 1x mtl. nach Polen gefahren ist, um seine Frau vor Ort zu besuchen.

Der Steuerbescheid 2015 lautet nun durch den Progressionsvorbehalt auf 1175,-- Euro Nachzahlung. Trotz Internetrecherche habe ich keine Informationen gefunden, welche Werbungskosten man ansetzen kann.

Für eine schnelle und sachkundige Antwort wäre ich sehr dankbar.

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 48

Dein Sachverhalt ist in weiten Teilen unlogisch, aber unklar und unvollständig.

Ist der eheliche Wohnsitz nun in Deutschland? Dann bekommen die beiden Zusammenveranlagung, bzw. konnten die beantragen.

Nur warum hat der Mann als Werbungskosten Familienheimfahrten nach Polen, wenn seine Frau in 2015 in Deutschland gewohnt hat?

Bezüglich Arbeitszimmer wäre die Frage, ob die Bedingungen erfüllt sind und welche 3 Monate Vorort? War sie 3 Monate in Polen tätig?

Ist das überhaupt eine Anstellung, oder wird es über Rechnung bezahlt?

Ebenso beim Ehemann. Ist er angestellt? Wenn ja und wenn er Steuerklasse 3 hat, so wären die 1.175,- durch den Progressionsvorbehalt nachvollziehbar. Aber auf die Abzüge hat sie natürlich Anspruch, wenn die Nachweise vorliegen.

Kommentar von MasterSc ,

Hallo wfwbinder,

noch eine Frage bzgl. der Ansässigkeitsbescheinigung.

Wie ich gelesen habe, ist diese nur für Geldanlagen im Ausland wichtig. Im Formular wird auch nach Zinsen, Dividenden und Depotbank gefragt.

Bei mir geht es aber um ganz regulären Arbeitslohn.

Oder für was wird diese Bescheinigung noch benötigt?

Kommentar von wfwbinder ,

Einmal wird nicht nur nach Dividenden und Zinsen ist nur ein Teil. Es geht auch um Honorare, nur mal als Beispiel.

Hier bei Dir geht es einfach darum nachzuweisen, dass Du amtlich nachgewiesen einen Wohnsitz in Deutschland hast und hier somit unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

Kommentar von MasterSc ,

Aber die Steuern zieht weiterhin das polnische Finanzamt ein.

Da Arbeitgeber seinen Sitz in Polen hat und ihr Lohn auch auf ein polnisches Konto überwiesen wird.

Denke ich habe auch den Fehler bei den Werbungskosten gefunden. Diese wurden in der Anlage N für die Ehefrau eingegeben und nicht in der Anlage N-AUS. Darum hat das FA nichts anerkannt. Liege ich richtig in meiner Annahme?

Kommentar von wfwbinder ,

Nein, die Lohnsteuer darf nicht in Polen abgeführt werden, weil die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind.Die Arbeitnehmerin ist nicht mehr als 183 Tage in Polen und damit sind die Voraussetzungen für eine Besteuerung in Polen nicht erfüllt.

Das wurde dem Arbeitgeber aber anscheinend suggeriert, wenn auf ein polnisches Konto überwiesen wurde.

Kommentar von MasterSc ,

Hallo wfwbinder,

nun ist der berichtigte Steuerbescheid (nach Einspruch gekommen).

Die NACHZAHLUNG hat sich nun auf 321,-- EURO reduziert. Was jedoch immer noch nicht stattgefunden hat, ist die Auflistung der Werbungskosten der Ehefrau.

Mit WISO errechnete Steuer unter berücksichtigung der Werbungskosten der Ehefrau (doppelte Haushaltsführung, Reisekosten, Kosten Zweitwohnsitz, Familienheimfahrten, Arbeitszimmer) müsste eine Erstattung von ca 1400,-- ergeben.

In der Rechtsbelehrung wurde auch in keinster Weise die WERBUNGSKOSTEN der Ehefrau erwähnt, bzw. warum diese nicht berücksichtigt wurden. Normaler weise müsste doch eine Erläuterung zum Einspruch angeführt werden.

Sollte erneut Einspruch eingelegt werden?

Im voraus besten Dank für eine Antwort.

Antwort
von MasterSc, 29

Hallo wfwbinder, danke für die Antwort. Zur Erläuterung: Ehelicher Hauptwohnsitz 2015 in Deutschland. Die Ehefrau ist bei dem Reisebüro mit Sitz in Polen fest angestellt. Sie war in den Monaten Juni, Juli und August in Polen zum Arbeiten und hat in diesen 3 Monaten in der eigenen Wohnung in Polen gewohnt. Der Ehemann mit nichtselständiger Festanstellung in Deutschland, hat die Ehefrau in diesen 3 Monaten in Polen besucht. Kann man diese Besuche nicht als Familienheimfahrten ansetzen? Bzgl. des Arbeitszimmers: Die zwei Wohnen in einer 3 Zi.-Wohnung und das dritte Zimmer wird von der Frau rein als Arbeitszimmer genutzt. Welche Werbungskosten sind nun für die Ehefrau bei Zusammenveranlagung ansetzbar?

Kommentar von wfwbinder ,

Ein kleiner Tipp, Du hättest die Kommentierenfunktion nutzen sollen, denn so bin ich nur durch Zufall auf diese Ergänzung gestoßen.

1. Die Fahrten von dem Mann können keine Heimfahrten sein, weil er ja nicht von einer auswärtigen Unterbringung zur Ehewohnung gefahren ist. Die Kosten kann seine Frau ansetzen, weil sie die drei Monate ja auswärts untergebracht war. Auch die anderen Kosten.

2. Natürlich ist das Arbeitszimmer anzusetzen. Dein Arbeitgeber stellt Dir ja keinen Arbeitsplatz zur Verfügung. Das muss aber ggf. mit einer Bestätigung des AG dokumentiert werden.

Was ist mit den Internet und Telefonkosten? Hat sie ein Betriebstelefon? Bekommt sie Kosten erstattet?

Was mir aber besonders auffällt, dass die Voraussetzungen  des DBA dafür, dass in Polen besteuert wird, nicht gegeben sind.

die Vaoraussetzungen des Artikel 15 des DBA sind mit "und" verbunden, müssen also alle erfüllt sein. Sie ist aber keine 183 Tag in Polen. Somit ist m.E. hier zu versteuern.

Sie hätte schon zu Jahresbeginn 2015 eine Ansässigkeitbescheinigung an den Arbeitgeber geben sollen.

Kommentar von LittleArrow ,


"Sie hätte schon zu Jahresbeginn 2015 eine Ansässigkeitbescheinigung an den Arbeitgeber geben sollen."

Damit wird wieder mal deutlich, dass man sich vor steuerrechtlich relevanten Entscheidungen (hier: Arbeitsaufnahme in  Polen) über die steuerrechtlichen Spielräume und Konsequenzen informieren sollte.

Kann die Ehefrau diesen Sachverhalt noch nachträglich in Polen einbringen? Weißt Du das zufällig?

Kommentar von MasterSc ,

@LittleArrow

Sie hat die Arbeit in Polen schon lange und ist nun nach Deutschland zum Ehemann gezogen. Das mit der Ansässigkeitsbescheinigung ist für den Laien schwierig.

Vielleicht kann sie für 2015 das nachholen. Auf jedenfall muss sie es gleich für 2016 einbringen.

Kommentar von MasterSc ,

@wfwbinder: Vielen Dank für die Informationen. Bereite gerade den Einspruch zum Steuerbescheid vor. Kannst Du mir vielleicht noch die Rechtsgrundlagen für die Werbungskosten nennen.

P.S. In der Erläuterung im Steuerbescheid schreibt das Finanzamt:

Die Werbungskosten der Ehefrau konnten nicht anerkannt werden, da nur ausländische Einkünfte vorliegen. Die Aufwendungen für die doppelte Haushaltsführung konnten nicht anerkannt werden, da die Ehefrau bereits seit November 2014 in Deutschland gemeldet ist. Somit befindet sich der Fam.-Wohnsitz in Deutschland.

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