Frage von Marc1606,

Steuererklärung - Verrechnung von Werbekosten

Vielleicht kann mir ja jemand schnell bei meiner Steuererklärung weiterhelfen, leider ein wenig verzwickt, aber ich schildere euch mal schnell die Lage.

Januar - Tätigkeit ohne festen Arbeitsplatz (war fest Angestellt, allerdings an flexiblen Standorten)

Februar - Juni - Angestellt mit festem Arbeitsplatz

Juli - September - Auslandsaufenthalt (Meldung beim AA wurde auch gemacht - ohne Bezug von Bezügen)

Oktober - Dezember - Beginn Studium (Bezug Bafög)

So nun habe ich im Januar des Jahres meine Abrechnung der Weiterbildung erhalten, welche ich ebenfalls im Januar beendet habe. Diese sind steuerlich absetzbar und sollten mit der Lohnsteuer meiner Zeit als Angestellter aus dem ersten Halbjahr verrechnet werden.

Jetzt bin ich noch etwas wegen dem Bafög verunsichert, dies wurde 50/50 als Zuschuss und zinslosen Darlehen ab Oktober gewährt. Bäfög ist doch Steuerunabhängig oder täusche ich mich da? Habe zum Teil schon gelesen, dass ich die Leistungen bei meinen Werbungskosten "abziehen" muss, stimmt das? Und was mache ich mit den Werbungskosten des Studiums? Diese darf ich ja nicht über meine Lohnsteuer aus dem ersten Halbjahr verrechnen oder?

Vielen Dank!

Antwort
von FREDL2,

Deine Weiterbildung kannst Du bei Deinem Jahresbetrag der Einkünfte als WK absetzen. Wenn Du nur im 1. Hj welche hattest, dann ist das eben der Jahresbetrag.

Beachte bitte, dass es 1.000,00 als WK sowieso gibt, nur was darüber ist, macht sich bemerkbar. Im Januar hattest Du nach Deinen Angaben keine regelmässige Arbeitsstätte.

Sollte Dein AG nicht schon steuerfrei erstattet haben, kannst Du die Hin- und Rückfahrt x 0,30 als Werbungskosten ansetzen. Von Februar - Juni nur die einfache Fahrt x 0,30, da nun eine regelmässige Arbeitsstätte vorhanden war.

Die beschäftigungslose Zeit von Juli-September sollte in der Steuererklärung erwähnt werden.

BAföG ist steuerfrei. Das gilt sowohl für den Zuschuss (also den Teil, der nicht zurückgezahlt werden muss) als auch für den Darlehensanteil (§ 3 Nr. 11 EStG).

Diese darf ich ja nicht über meine Lohnsteuer aus dem ersten Halbjahr verrechnen oder?

Es gibt keine Halbjahreslohnsteuer, nur eine Einkommensteuererklärung für das gesamte Kalenderjahr.

Kommentar von Marc1606 ,

Vielen Dank für deine super Erklärung ;-) Jedoch habe ich noch eine kleine Rückfrage die ich bislang noch nicht eindeutig raushören konnte. Was mache ich denn mit den Werbungskosten seit Oktober (die sich auf mein Studium beziehen)? Ich musste sehr teure Fachliteratur käuflich erwerben. Dürfte ich diese noch in der Einkommenssteuer mit angeben oder nicht? Meine Weiterbildungskosten belaufen sich auf ca. 3.000 EUR, daher liege ich wie du schon angesprochen hast über der 1.000 EUR Grenze. Vielen Dank vorab für deinen Rat.

Kommentar von FREDL2 ,

Kosten für ein Erststudium an einer Uni oder Fachhochschule können seit 2012 nur bis zu 6.000 Euro als Sonderausgaben berücksichtigt werden.

Bei Deiner Fragestellung könnte man auch annehmen, dass Du bereits eine Ausbildung hinter Dir hast und nun studierst.

Dann kannst Du die Ausgaben als Werbungskosten angeben. Übersteigen die Ausgaben für Bücher, Fahrtkosten,Semesterbeiträge die Einnahmen, entsteht ein Verlust. Der kann später mit dem Einkommen steuermindernd verrechnet werden.

Zu dem Thema findest Du auch jede Menge mit der Suchfunktion oben rechts. Ebenso hier http://www.finanztip.de/recht/steuerrecht/ausbildungskosten.htm

Kommentar von Marc1606 ,

Super, jetzt sind wirklich alle Unklarheiten beseitigt. Nochmals vielen Dank für die Mühe und die schnelle und kompetente Hilfe!

Kommentar von EnnoBecker ,

Verlust. Der kann später mit dem Einkommen steuermindernd verrechnet werden.

Mit dieser Aussage muss man vorsichtig umgehen.

Wir hatten hier vor einigen Tagen den Fall, wo ein Fragesteller einen Verlustvortrag von 6.000 hatte und sich auf ebendiesen Abzug freute - und am Ende hatte er eine Summe der Einkünfte von 7.000 oder 8.000 und der ganze schöne Verlust schwand im Nirvana dahin.

Antwort
von EnnoBecker,

Das ist ja jetzt ziemlich wirr und durcheinander. Versuchen wir mal, ein wenig Ordnung hineinzubringen:

Einnahmenseite:
01-06 -> angestellt.
07-09 -> keine Einkünfte, kein ALG
10-12 -> Studium, Bezug BAFöG

Ausgabenseite (auszugsweise):
Aufwendungen für die Fortbildung

So, nun geht die Überschrift und der Fragentext etwas auseinander (Steuern oben, BAFöG unten). Ich konzentriere mich daher zunächst mal auf die Steuern.

Du addierst die Einnahmen (01-06) und subtrahierst die Ausgaben (Fortbildungskosten, aber auc weitere, hier nicht genannte)[1].

Das Ergebnnis sind deine Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit.

Mit allen anderen Einkunftsarten (Vermietung beispielsweise) verfährst du ebenso. Falls du beteiligt bis an einer Firma, so hast du einen Ergebnisanteil mitgeteilt bekommen. Den musst du auch noch einbeziehen.

Das Ergebnis ist die Summe/der Gesamtbetrag der Einkünfte.

Davon ab kommen die Sonderausgaben wie Versicherungen, Spenden Kirchensteuer.... und dann noch die außergewöhnlichen Belastungen (Krankheitskosten).

Am Ende bleibt das zu versteuernde Einkommen übrig (zvE). Auf dieses wird die Steuer berechnet.

Und diese berechnete Steuer wird mit den Lohnsteuern verrechnet und es kommt zur Erstattung oder Nachzahlung.

Zum BAFöG möge sich jemand anders äußern.


[1] Sorry für die Fremdwörter, ich hab vergessen, dass du zur jungen Generation gehörst. Mit "addieren" meine ich zusammenzählen (plus, und) und mit "subtrahieren" meine ich abziehen (minus, weniger).

Kommentar von alphabet ,

Yep, man muss oftmals meinen, dass für einige schon das Wort DUDEN ein Fremdwort ist.

Kommentar von jowaku ,

... schon das Wort DUDEN ein Fremdwort ...

ROFL

Kommentar von Marc1606 ,

Hallo Enno, Danke für deine schnelle Antwort und deine Bemühungen. Damit habe ich wohl alles richtig vorbereitet und kann das Thema endlich abschließend bearbeiten.

Ach ja, ich bin zwar jung aber nicht dämlich. Schade immer bezügl. des Alters "abgewertet" zu werden, in diesem Falle meine ich, um präzise zu sein, dumm dargestellt zu werden.

Trotzdem vielen Dank für die inhaltliche Hilfe.

Kommentar von FREDL2 ,

@Marc1606: nicht übel nehmen. Hier kommen eben sehr viele Fragen - auch von Leuten, die sich als studierend bezeichnen - da kann der eine oder andere schon mal sarkastisch werden.

Mit dem Selbstbewusstsein, dass man nicht zu denen zählt, kann man über diese Bemerkungen doch hinwegsehen, oder?

Kommentar von Marc1606 ,

Ich bin schon mehrfach mit diesen Herrschaften hier aneinandergeraten und weiß bis heute nicht wo das Problem liegt.

Ich weiß was ich bereits geleistet habe und wo ich meine Ziele sehe. Über solch überspitzte Bemerkungen kann man nur hinwegsehen...

Kommentar von EnnoBecker ,

Schade immer bezügl. des Alters "abgewertet" zu werden

Holla die Waldfee, da werde ich ja richtig abgewatscht.

Aber um ehrlich zu sein, ich finde das klasse, wenn meine negativen Vorurteile erschüttert werden - und das sogar durch Realitäten.

Ich bitte dich diesbezüglich um Verzeihung. Und das meine ich auch so.

Und ja, ich stachele bei solchen Fragen, um Nadeln zu finden, denn der Heuhaufen wird ja immer größer.

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