Frage von suedlaender, 15

Steuerberater rät das Vermögen auf Tagesgeld anzulegen und durch Entnahme zu verleben! Sie 55 Jahre!

Eine Freundin von mir hat mal sehr gut verdient und sich ein Vermögen bis zu 500.000,- Euro angespart. Eine Wohnung wollte sie schon lange kaufen, aber dann ist ein Großteil des Geldes weg und sie hat sonst keine Einkünfte mehr. Geld bekommt sie auch niergendwo, da sie arbeitslos ist. Harz 4 kannst Du bei dem Vermögen vergessen. Nun hat sie einen unabhängige Vermögensberatung (ab 250.000 Euro) seit Jahren beauftragt ihr Geld anzulegen. Alle Investitionen werden zuvor mit ihr abgestimmt. Das ist auch gut so, denn es handelt sich ja um ihre Altersvorsorge. Leider hat sie nun durch die Parktiker Anleihe 50.000,- Euro verloren. Der Vermögensberater arbeitet aber so erfolgreich, daß er den Verlust nahezu ausgeglichen hat. Daher ist sie mit ihm sehr zufrieden. Ihr Steuerberater ist es leid immer die Verluste mit den Gewinnen abzurechnen. Nun hat er vorgeschlagen, daß sie das ganze Geld doch besser auf ein Tagesgeldkonto zu 1% parkt und das was sie braucht entnimmt. Zumindest kann sie dann bis zum Lebensende davon zehren, ohne sich Sorgen um ihr Vermögen zu machen. Sie lebt in Miete, d.h. sie hat schon einige Ausgaben damit zu zahlen. Was haltet ihr von dem Rat des Steuerberaters? Immerhin könnte Sie die nächsten 25 Jahre 1900,- Euro/Monat bekommen. Mit dem Rentenalter bekäme sie zusätzlich noch 1.000 Euro Rente vom Staat und zusätzlich noch 1.000,- Euro Rente von der Bankrente. Das würde doch reichen, oder?

Antwort
von Rat2010, 10

Nun ja, wenn ich bei dem Vermögen 10 % in eine Praktiker-Anleihe gesteckt hätte, hätte ich sehr viel Verständnis, wenn der Kunde geht. Auch wenn er in Jahren wie 2012 und 2013 (sorry, die Börsen sind gestiegen und bis Mai konnte man mit egal was Rendite machen) selbst das ausgeglichen hat. Ist ja nett, wenn Kunden das so sehen aber jedenfalls bei Renten wird die Luft nach oben langsam dünn.

Es ist also nicht sicher, ob sie bei dem Vermögensverwalter nicht arm wird. Er kann aber auch wirklich gut sein und einen einmaligen Fehlgriff gemacht haben. Letztlich ist das nicht zu beurteilen.

Der Steuerberater - hast du eventuell auch einen Namen? - rät ihr irgendwas. Er hat keine Ahnung. warum sollte er also etwas anderes als irgendwas raten. Was er zu dem Thema zu sagen hat ist vollkommen einerlei. Er hat seine Standesversorgung, kommt üblicherweise in Kapitalanlagen auf keinen grünen Zweig und wird trotzdem nicht verhungern.

Du merkst auch hier, dass Steuerberater nicht mal den Hauch einer Meinung habne, wenn es darum geht, Geld vernünftig anzulegen. Sie wissen zwar von Kunden, wie es nicht geht aber leider ist das nicht hilfreich.

Was er so auf die schnelle ausrechnet hat einen recht offensichtlichen Haken. Was ist, wenn die 1.900 € zwar noch zehn Jahre zum leben, in 25 Jahren aber nicht mal mehr für die Miete reichen. Keine Ahnung, wie die sich in Südländerhausen entwickeln aber wenn sie nicht sehr früh stirbt, erlebt sie noch, dass sie doppelt so viel zahlt. Natürlich auch für alles andere und die Unsicherheit bei Prognosen ist gewaltig. Natürlich können auch die Zinsen steigen, ich halte es nur für unwahrscheinlich, dass sie in absehbarer Zeit in die Nähe der Inflation kommen.

Ich halte von dem Rat also nur dann etwas, wenn die Rente gar nicht mehr so weit weg ist. Das erkennt man an deinen Angaben nicht. Wenn es noch 25 Jahre hin sind, kannst du den Rat vergessen. Viel zu inflationsabhängig.

Antwort
von gandalf94305, 6

Ei, der Vermögensberater hat 10% des Portfolios in eine Mittelstandsanleihe gesteckt? Das wäre aus meiner Sicht schon fahrlässig, vor allem wenn man sich die Ratings von Praktiker angeschaut hätte. Kompletter Unsinn. Der Ausgleich ist dann auch nicht dem Vermögensverwalter zuzuschreiben, sondern den sehr gut gelaufenen Märkten. Die Flut hebt alle Boote.

In einem guten Jahr kann man die Verluste natürlich kompensieren, aber man sollte auch bedenken, daß bei einer Positionsgröße von max. 1-2% für diese Art von Anleihe der Schaden nicht nur deutlich kleiner wäre, sondern auch das Vermögen größer ;-) Relevant, wenn das ihre einzige Rücklage ist.

Irgendwie verspüre ich das Verlangen, mal zu sehen, was die anderen Depotpositionen und Anteile am Depot sind :-)

Den Vermögensverwalter würde ich wahrscheinlich feuern, denn einen derart riskanten Kurs kann man mit der Altersvorsorge einer Mandantin nicht machen.

Den Steuerberater würde ich auch feuern, denn der soll sich nicht darüber beschweren, daß er seine Arbeit machen muß, sondern fröhlich zu Werke gehen. Er wird dafür immerhin bezahlt.

Eine Wohnung für eine Person bekommt man wahrscheinlich für um die 150.000 EUR in sinnvollen Lagen. Damit wäre sie ihre Mietfragen los und hätte eine Reihe von Ausgaben nicht mehr. Es bleiben 350.000 EUR. Mit der Rente alleine hätte sie wahrscheinlich damit ein Auskommen, so daß die Erträge aus einer konservativen Anlage des Restbetrags ihr ein gutes Leben ermöglichen würden... Dafür gibt es gering volatile Mischfonds, um die man sich nur selten mal kümmern sollte.

Ich empfehle hier, mal eine Alternative zum Vermögensberater zu suchen und den Steuerberater auf jeden Fall zu wechseln.

Antwort
von Kevin1905, 4

Steuerberater sollen in Steuerfragen beraten nicht bei der Geldanlage.

Es gibt auch Sofortrenten oder Entnahmepläne die durchaus mehr als 1% bringen. Kommt mir ein bisschen seltsam vor.

Kommentar von EnnoBecker ,

Steuerberater sollen in Steuerfragen beraten nicht bei der Geldanlage.

Absolut richtig. Und sogar noch mehr: Er ist überhaupt nicht befugt zu so einem Rat.

Kommentar von Logan ,

Ist er (leider) doch.... Vgl. bafin.de

a) Anlageberatung durch Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte im Rahmen eines Steuerberatungsmandats Nach § 3 Steuerberatungsgesetz (StBerG) sind namentlich Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte sowie entsprechende Gesellschaften zur geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen befugt.

Der Tatbestand der Anlageberatung im Sinne des § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 1a KWG ist erfüllt, wenn im Rahmen der Hilfeleistung in Steuersachen persönliche Empfehlungen an Mandanten abgegeben werden, die sich auf Geschäfte mit bestimmten Finanzinstrumenten beziehen und die auf eine Prüfung der persönlichen Umstände des Mandanten gestützt oder als für ihn geeignet dargestellt werden. Der Angehörige freier Berufe kann seinem Mandanten beliebig persönliche Empfehlungen zu bestehenden, aufzulösenden oder einzugehenden Anlagen in Finanzinstrumenten geben, wenn die Beratung zumindest auch den Zweck erfüllt, die steuerliche Aufstellung des Mandanten zu optimieren und so zwar den Tatbestand der Anlageberatung erfüllen. Es liegt aber keine Erlaubnispflicht nach § 32 Abs. 1 Satz1 KWG vor, da die Tätigkeit unter die Regelung des § 2 Abs. 6 Satz 1 Nr. 10 KWG fällt. Auf die Ausnahmeregelung des § 2 Abs. 6 Satz 1 Nr. 15 KWG[3] kommt es dann nicht mehr an.

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Antwort
von Julia23, 6

Auch ich halte davon nichts, weil die Inflation viel auffressen wird und noch mehr auffressen könnte. Mal angenommen Sie wird 90 Jahre, also weiter 35 Jahre:

  • 500€ bei 1% (-Abgl.St.) auf 35 jahre ergeben eine monatliche Auszahlung von 1.349€
  • selbst bei nur 2,5% inflation sind diese 1349€ in 35Jahren nur noch 568€ Wert
  • und wer kann von 568€ Miete, Krankenkasse und Lebensmittel zahlen?

Einen Teil kann man ja stets verfügbar auf ein Tagesgeld-Konto parken, aber alles auf Tagesgeld ist insbesondere auf so lange Zeit einfach nur Geldvernichtung.

Daher mal ein paar Angebote von Sofort-Renten einholen: einen Teil kann man dort "Anlegen" um eine lebenslange Rente garantiert zu bekommen. Ganz auf Sachwerte (Aktienfonds) würde ich nicht verzichten wollen, vorallem nicht mit einem Vermögen >100k.

Antwort
von gurusucher, 5

"Der Vermögensberater arbeitet aber so erfolgreich, daß er den Verlust nahezu ausgeglichen hat. Daher ist sie mit ihm sehr zufrieden. Ihr Steuerberater ist es leid immer die Verluste mit den Gewinnen abzurechnen"

Hmmmmh, ich wäre mit beiden sehr unzufrieden und würde mir andere Berater suchen! Deine Freundin (oder du selber) soll sich mal durchsetzen. Und statt 1% Tagesgeld bekommst sie mehr wenn sie es als Festgeld anlegt. http://finanzen.check24.de/konto-kredit/tagesgeld/tagesgeld-vergleiche/ Consors mit 12 Monate Zinsgarantie lingt gut

Antwort
von freelance, 4

das kann man sehen, wie man will. Es mag reichen oder auch nicht.

Ihr Steuerberater ist es leid immer die Verluste mit den Gewinnen abzurechnen.

Was ist denn das für ein Steuerberater. Die Unterlagen bekommt er doch gebündelt vom Vermögensverwalter bzw. der Bank. Wenn es über eine Depotbank läuft, dann rechnet der gar nichts mehr, denn dann läuft alles über die Töpfe bei der Bank.

Mein Steuerberater würde sich freuen, denn von Zahlen lebt er. Je mehr ich ihm zu tun gebe, desto mehr zahle ich für meine Zahlen.

aber dann ist ein Großteil des Geldes weg und sie hat sonst keine Einkünfte mehr

wenn mir einer erzählt, der will sein Geld anlegen für 1% aber keine Wohnung kaufen wollen, der denkt nicht weit genug. Der gezahlte Mietzins ist deutlich höher und damit wäre mglw. die Ersparnis durch Kauf, wenn die Miete wegfällt, sinnvoller.

Ich würde es von dem Vermögensverwalter abhängig machen. Der soll sicherer anlegen als die Anleihe von Praktiker. Das hätte er riechen müssen. Und die Anleihe war riskant von Anfang an. Lieber eine geringer Rendite, aber sicherer. Mehr als 1% sollte der erwirtschaften.

Von der Idee mit dem Tagesgeld halte ich gar nichts.

Antwort
von Privatier59, 2

Was haltet ihr von dem Rat des Steuerberaters?

Ernsthaft Sorgen machen würde ich mir an Deiner Stelle, wenn der jetzt auch noch rote Rosen schickt.

Und die Idee mit dem Tagesgeldkonto ist absolut bescheuert. Einem Steuerberater sollten doch doch Begriffe wie inflationäre Geldentwertung bekannt sein. Das eine Prozent -das dann auch noch zu versteuern ist- gleicht die doch nicht aus. Folge ist, dass das Kapital nicht nur nominal sondern auch real an Wert verliert. Bei diesem Bestand an Vermögen sollte man unbedingt auch Aktienfonds an Bord haben um langfristig eine bessere Rendite erzielen zu können. Und langfristig denken sollte die Dame schon, denn statistisch gesehen hat sie noch 25 bis 30 Jahre vor sich.

Kommentar von LittleArrow ,

Einem Steuerberater sollten doch doch Begriffe wie inflationäre Geldentwertung bekannt sein.

Nein, dieser Gedanke ist diesem StB fremd, denn er hört von seinen Gesprächspartnern vom FA stets "Euro gleich Euro", egal wann gekauft.

Das eine Prozent -das dann auch noch zu versteuern ist .... Bei diesem Bestand an Vermögen sollte man unbedingt auch Aktienfonds an Bord haben

Natürlich sind die Kapitalerträge auch beim Aktienfonds zu versteuern. Und ob sich momentan wirklich der Einstieg in Aktienfonds lohnt?

Antwort
von Underfrange, 2

Der Mann ist Steuerberater geworden und kein Anlageberater. Solche Ratschläge würde ich mir von Experten holen und nicht von Laien. Auch eine Bank ist da nicht unbedingt der richtige (meist der falsche) Ansprechpartner. Bitte sucht euch Rat bei einem freien und unabhängigen Berater, das muss kein Versicherungsberater oder Versicherungsmakler sein. Es gibt noch wunderbare Anlagemöglichkeiten über dies hinaus.

Antwort
von vulkanismus, 2

Ihr Steuerberater ist es leid immer die Verluste mit den Gewinnen abzurechnen. Dann feuert ihn !!

Antwort
von qtbasket, 1

Na-ja : Die Dame braucht hin und wieder ein bisschen Bares, da ist ein Tagesgeldkonto sicher nicht schlecht, aber 1,3% kann man zurzeit schon bekommen.

Aber alles sollte sie dort nicht parken....

Antwort
von EnnoBecker, 2

Der Steuerberater hat hier seine Befugnisse überschritten.

Kann es sein, dass er nicht soooo scharf darauf ist, seinen Titel zu behalten? Also wenn ich mir so überlege, wieviel Kraft und Geld man in die Ausbildung steckt, kann ich mir das nur schwer vorstellen.

Aber vielleicht ist er ja schon 80 und will sowieso aufhören.

Antwort
von Logan, 1

Ist schon alles super beantwortet!

Kann nur leider den Punkt 50k loss mit Praktiker nicht unkommentiert lassen.... Wer legt denn 20% des zu betreuenden Volumens und 10% des Gesamtvermögens in EINE derartige Position?!?

Würd mich schon interessieren wer das war!

LG L

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