Frage von Fledolo, 198

Steuer-Nachteil von Swap-ETFs durch fehlende Anrechenbarkeit der Quellensteuer?

Es wird ja überall geschrieben, dass Swap-ETFs gegenüber physisch replizierenden ETFs den Vorteil hätten, dass Dividenden steuer- und gebührenfrei wiederangelegt werden und dass dadurch ein Steuerstundungseffekt entsteht. So weit ist das für mich nachvollziehbar. Aber ist das die einzige steuerlich relevante Eigenschaft?

Mir ist aufgefallen, dass die ausländischen Quellensteuern nicht steuerlich anrechenbar sind. So heißt es bei Comstage (LU0392496344), dass nur Dividenden abzüglich (ausländischer) Quellensteuer berücksichtigt werden. Bei einem physischen Replizierer wäre diese Quellensteuer auf die deutsche Kapitalertragssteuer anrechenbar (je nach DBA), bei einem Swapper kommt der Privatanleger nicht in diesen Genuss: Beispiel: 1. 1000 Euro Bruttodividende in 2013, davon 850 Euro Nettodividende im Fonds wiederangelegt (15 % Quellensteuer sind im Ausland angefallen). Keine Thesaurierungsfiktion, daher kein ordentlicher (steuerpflichtiger) Ertrag für den Anleger. 2. Verkauf in 2014. Die 850 Euro Nettodividende sind ja in Kursgewinne umgewandelt worden, sodass sie nun voll der deutschen Kapitalertragssteuer unterliegen. Es bleiben dem Anleger nach Steuer nur noch 637 Euro nach Steuern (Soli vernachlässigt) von den 1000 Euro Bruttodividende.

Bei physischer Replikation wären 750 Euro übrig geblieben (Durch die Anrechenbarkeit). Begehe ich hier einen Denkfehler? Haben die KAGs die Möglichkeit, die ausländischen Quellensteuer anrechnen zu lassen, sodass doch die Bruttodividende dem Fonds zufließt? Oder ist das wirklich ein Nachteil von Swappern?

Antwort vom Steuerberater online erhalten
Anzeige

Schnelle und günstige Hilfe für Ihre Steuerfrage. Kompetent, von geprüften Steuerberatern.

Experten fragen

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Steuern, 185

Auch bei swap-basierten ETFs können ausschüttungsgleiche Erträge und anrechenbare Quellensteuern entstehen. Diese entstehen nämlich nicht über die Swaps, sondern über die tatsächlich gehaltenen Positionen, die unter Umständen auch Anleihen enthalten oder Aktien, die Dividenden zahlen. Solche Erträge zählen zum ETF-Vermögen. Die meisten ETFs sind nur eben so konstruiert, daß diese nicht anfallen.

Der Grund ist recht einfach: sind immer Nullen im Bundesanzeiger berichtet, vereinfacht sich die Veräußerung zu einem beliebigen Zeitpunkt, da weder eine Doppelbesteuerung, noch ein Hantieren mit Schätzwerten stattfinden muß.

Daher solltest Du eher anderes rechnen:

  • Fall 1: Kauf eines ETF zu 20.000 EUR, Halten für 5 Jahre mit 5% Wertzuwachs p.a., das sind 3% Dividenden ausgeschüttet und 2% Kurssteigerung. Macht also 500 EUR p.a., die locker in einen Freistellungsauftrag passen. Beim Verkauf also 24.380 EUR und die Ausschüttungen waren 6.570 EUR (alle durch Freistellungsauftrag jeweils gedeckt). Zu versteuern im letzten Jahr dann 4.296 EUR, d.h. Abgeltungssteuer von 1.074 EUR.

  • Fall 2: Kauf eines swap-basierten ETF (Thesaurierungen Null) zu 20.000 EUR, über Swaps werden alle Erträge akkumuliert, reinvestiert und am Ende beträgt der Gewinn 12.578 EUR. Es fallen 2.944 EUR an Abgeltungssteuer an. Durch einen geringeren Steuersatz nach den 10 Jahren ließe sich die Steuerlast noch etwas drücken.

  • Fall 3: Kauf eines ausländischen thesaurierenden ETF zu 20.000 EUR, die Ausschüttungen aus Fall 1 werden direkt reinvestiert und man versteuert pro Jahr. Das wäre äquivalent zum Fall 1, außer daß man beim Verkauf doppelt besteuert wird und diese Zuvielsteuer erst bei der Veranlagung wieder zurück bekommt.

Die Rechnung sieht anders aus, wenn man die Erträge nicht im Freistellungsauftrag unterbringen kann. Dann hat der mit Nullen thesaurierende ETF klare Vorteile, wenn der Grenzsteuersatz beim Verkauf unter 25% liegt.

Man sollte also genau überlegen, was genau man optimieren will und auf welchen Horizont. Manche wundervollen Strategien werden zunichte gemacht, wenn man zu früh verkauft.

Kommentar von Fledolo ,

Danke für die ausführliche Antwort!

Also ich verstehe deine Antwort so: Bei einem "unfunded Swap ETF" besteht tatsächlich der Nachteil, dass die Quellensteuern des abgeblideten Index nicht berücksichtigt werden können. Dieser Nachteil wird aber unter umständen durch andere Effekte überkompensiert (wenn Freistellungsauftrag ausgeschöpft und man beim Verkauf über die Günstigerprüfung einen niedrigen Steuersatz anwendet). Habe ich das so richtig verstanden?

Dann kommt es mir so vor, dass es in meinem Fall egal wäre, ob physisch oder Swap.

Für Swap: Mein Freistellungsauftrag ist ausgeschöpft und mein Anlagehorizont beträgt 30-40 Jahre. Außerdem werde ich ab 2015 wohl vorerst nicht mehr in den Genuss der Günstigerprüfung kommen.

Gegen Swap: Ich behalte mir aber vor, im Falle zu hoher fundamentaler Bewertungen (wenn alle euphorisch sind) (Teil-)Verkäufe vorzunhemen. Hinzu kommt die Anrechenbarkeit der ausländischen Quellensteuer bei physichen Replizierern (s.o.). Außerdem: Wer weiß schon, wie lange die Steuergesetze so bleiben wie jetzt? Ist es nicht denkbar, dass die Kapitalertragsteuer erhöht wird? Und dass Swapper plötzlich der Thesaurierungsfiktion unterliegen?

Antwort
von freelance, 164

wie du schreibst, wird die ausländische Quellensteuer (teils) angerechnet. Und damit wird bei den 850 Euro nicht die gesamt dt. Quellensteuer, sondern diese abzüglich der angerechneten Quote berücksichtigt. Damit werden weitere 10 % abgezogen (Basis 1.000). Damit sind wir wieder bei den 750 Euro.

Es gibt einige Länder, da sind die Quoten nicht bei 15% Quellensteuer um Ausland wie auch die Anrechnung nicht in der Höhe. Damit fährst du mglw. schlechter als rein mit der dt. Quellensteuer.

Kommentar von Fledolo ,

@freelance: Das meine ich so nicht!

Bei einem Swapper kann der deutsche Privatanleger die gezahlte Quellensteuer NICHT anrechnen! Sieh dir doch mal die steuerlichen Daten im Bundesanzeiger an: alles Nullen!

Was du beschreibst, gilt für phyische Replizierer!

Antwort
von Fledolo, 136

Siehe meinen Kommentar zu Freelance

Kommentar von LittleArrow ,

Was soll denn diese Antwort?

Kommentar von Fledolo ,

Sorry, das war ein Bedienungsfehler.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community