Frage von MrGreen,

Steuer auf ausländische Aktien und Fonds

Hallo,

ich habe eine Grundlagen Fragen zu Aktien und Fonds:

Soweit ich weiß, sind von den Fonds nur die thesaurierenden ausländischen problematisch, da ich dort zunächst "doppelt" Steuern zahle, oder? Was heißt ausländisch? Sind das die Fonds, die kein "DE" am Anfang der ISIN haben?

Und wie verhält es sich mit Aktien? Wenn ich Apple-Aktien kaufe, dann zahle ich Quellensteuer und dann später die Differenz zur Abgeltungssteuer in Deutschlang?

Gruß Pfennigfuchser

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo MrGreen,

Schau mal bitte hier:
Steuern Aktien

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds & Steuern,

Fonds

Ausländische Fonds sind diejenigen mit Domizil außerhalb von Deutschland. Alle Fonds und ETFs mit ISINs, die nicht mit "DE" beginnen, sind ausländisch. Es gibt jedoch auch ein paar, die trotz "DE"-ISIN ausländisch sind. Beispiel: iShares S&P 500 mit der ISIN DE0002643889 hat ein Domizil Irland. Im Einzelfall ist das also zu prüfen. Im Bundesanzeiger steht beim Fonds auch, welches Domizil besteht.

Bei den ausländischen thesaurierenden Fonds/ETFs führt die Fondsgesellschaft keine Steuern ab, d.h. Du musst dies selbst jährlich anhand der im bundesanzeiger.de publizierten Daten nach Ende des Geschäftsjahres tun. Interessant sind dabei vor allem die ausschüttungsgleichen Erträge und die anrechenbare Quellensteuer. Fallen die Erträge dann unter den Freistellungsauftrag, so zahlst Du dafür keine Steuern. Wenn der Fonds/ETF dann verkauft wird, besteuert die Bank den Fonds/ETF so, als hättest Du nicht jährlich die thesaurierten Erträge deklariert, d.h. per Steuererklärung wird dann die zu viel gezahlte Steuer für die Vorjahre (die in den Vorjahren ja schon gezahlt wurde) wieder erstattet. Das ist etwas Arbeit, lohnt sich aber.

Manche ausländischen thesaurierenden Fonds/ETFs haben keine ausschüttungsgleichen Erträge, da sie keine Einkünfte aus Zinsen/Dividenden haben bzw. diese per Swap als Kursgewinne realisieren. Bei solchen Produkten ist eine Null als Ertrag ausgewiesen. Die Besteuerung erfolgt dann komplett nachgelagert erst beim Verkauf.

Weiterhin gibt es ausländische Fonds, die teilthesaurieren, d.h. Ausschüttungen und Thesaurierungen ausweisen. Finden diese gleichzeitig statt (Ausschüttung mit Teilthesaurierung), so wird die Besteuerung von der auszahlenden Bank in Deutschland durchgeführt. Das schmälert ggf. den Auszahlungsbetrag. Finden diese getrennt statt (z.B. Thesaurierung zum Geschäftsjahresende am 31.12., Ausschüttung zum 30.06.), so wird die Thesaurierung nicht von der Depotbank versteuert, nur die Ausschüttung.

Normalerweise liefern Depotbanken eine Erträgnisaufstellung, die alle ausländischen thesaurierenden Fonds mit ihren ausschüttungsgleichen Erträgen auflistet, so daß dies nur noch aufaddiert und in die Anlage KAP zu übertragen ist. Leider liefern manche Banken diese Aufstellung nicht, nur gegen Gebühren (z.B. comdirect) oder unvollständig (z.B. ING-Diba nur mit den Daten bis zum Druck der Aufstellung, so daß später publizierende Fonds mit Geschäftsjahresende 31.12. tendenziell fehlen). In diesen Fällen hilft nur die Erstellung eines Excel-Sheets mit den Daten aus dem Bundesanzeiger.

Aktien

Bei Aktien zahlst Du Quellensteuer, die i.d.R. auf die Abgeltungssteuer anrechenbar ist.

Beim Kauf von Aktien gibt es keine Steuern. Ausnahme: gewisse Aktien in Frankreich, für die eine Finanztransaktionssteuer erhoben wird, diese wird jedoch wie Transaktionskosten behandelt und ist keine Quellensteuer, d.h. auch nicht auf deutsche Steuern anrechenbar.

Schütten Apple-Aktien eine Dividende aus, so wird diese in USA mit 15% besteuert. Du bekommst einen Quellensteuergutschrift in den ausländischen Quellensteuertopf. Schütten Aktien aus anderen Ländern Dividenden aus, so kann die Besteuerung an der Quelle höher als die Abgeltungssteuer ausfallen. Der deutsche Fiskus geht davon aus, daß jedoch max. 15% Quellensteuer anfallen und der Rest erstattbar ist. In manchen Ländern gestaltet sich diese Erstattung jedoch schwierig, so daß man in der Tat deutlich mehr Steuern zahlt als man sollte.

Der Verkauf von Aktien ist ein Vorgang in Deutschland, nicht in USA. Daher kommt hier keine Quellensteuer zur Anwendung. Es wird lediglich ein Verlust in den Verlusttopf Aktien bzw. ein Gewinn mit Abgeltungssteuer belegt.

Kommentar von LittleArrow ,

Eine sehr gelungene Darstellung. DH!

Vielleicht kannst Du bitte noch etwas zu den sog. Schwarzen Fonds schreiben, die wegen fehlender Transparenz steuerlich in D besonders belastet werden?

Kommentar von gandalf94305 ,

"Schwarze Fonds" sind i.a. diejenigen, deren ISIN nicht im Bundesanzeiger zu finden ist, d.h. die ihre Besteuerungsgrundlagen lt. §5 InvStG nicht veröffentlichen. Die meisten harmlosen Privatanleger in Deutschland haben diese jedoch nicht, d.h. den Punkt mit Pauschalbesteuerung etc. hätte ich hier einfach mal übersprungen, wenn nicht gezielt eine Rückfrage nach einem im Bundesanzeiger nicht auffindbaren Fonds kommt ;-)

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für die Ergänzung.

Der Fragesteller schrieb: "Soweit ich weiß, sind von den Fonds nur die thesaurierenden ausländischen problematisch, da ich dort zunächst "doppelt" Steuern zahle, oder?". Und eben nicht nur diese sind problematisch, sondern auch die "schwarzen Fonds".

Antwort
von obelix,

auf die ISIN kannst du dich nicht zu 100% verlassen. Es ist ein Indiz, aber keine Sicherheit bzgl. deines Problems.

Deine Depotbank sollte die Erträge aufsplitten, was jedoch leider nicht immer der Fall ist. Willst du exakt die Abgaben und Steuern ermitteln, musst du selbst recherchieren und rechnen, was wo abgezogen wurde, was du angeben musst und was angerechnet wurde.

Bei Aktien gibt es bei Kauf und Verkauf kein Problem, denn wenn deine Bank/ dein Depot in D ist, rechnet hier deine Bank die Besteuerung aus. Anders ist es bei Dividendenzahlungen. Diese werden teils besteuert im Land, in dem eine AG ihren Sitz hat. Diese Quellensteuer wird in D zu max. 15% anerkannt. Die Quellensteuer kann jedoch höher sein. Und hier kann es aufwendig werden: du kannst eine Rückerstattung der Steuer im Ausland beantragen, vorab deinen Steuerstatus (Wohnsitz und Besteuerung in D) angeben, was die Firma bei der Auszahlung berücksichtigt oder eben "doppelt" Steuern zahlen: im Ausland und hier.

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