Frage von knutz, 54

Sozialversicherung bei freiberuflicher Arbeit in Deutschland und Wohnsitz im EU-Ausland

Hallo,

Ich bin Deutscher und arbeite seit vielen Jahren als Angestellter in Schweden. Nun möchte ich als Software-Ingenieur freiberuflich in Deutschland tätig sein. Die Arbeit ist für 6 - 18 Monate zu 100 % vor Ort beim Auftraggeber in Deutschland. Ich wäre also minimal 6 Monate in Deutschland. Meinen Wohnsitz in Schweden möchte ich nicht aufgeben, weil ich hier ein Haus besitze.

Hier meine Fragen: Ab wann muss ich mich in Deutschland anmelden? Oder könnte ich so lange in Schweden offiziell wohnen bleiben. Steuern müsste ich in Deutschland bezahlen, da ich mich mehr als 183 dort aufhalte.

Für eine Anmeldung in Deutschland benötige ich eine deutsche Krankenkasse und müßte mich dazu vom schwedischen Sozialsystem abmelden. Dafür benötige ich einen Schein E-104, den ich allerdings erst 8-12 Wochen nach meiner Abmeldung in Schweden erhalte. Ich kann mich also so lange nicht bei der deutschen Krankenkasse anmelden. Wenn es nur für 6 Monate ist (was man vorher natürlich nicht wissen kann), lohnt sich dieser Aufwand doch kaum.

Einen Schein A1, scheine ich auch nicht beantragen zu können, da ich bisher noch nicht als Freiberufler tätig war.

Vielen Dank für die Antwort

Antwort
von wfwbinder, 42

1. Wieder die "183-Tage-Legende." 183 Tage haben, wenn überhaupt, nur für Arbeitnehmer eine Bedeutung.

2. Da Du Deinen Wohnsitz in Schweden hast und behälst, bist Du dort auch weiterhin unbeschränkt Einkommensteuerpflichtig.

3. Wenn Du in Deutschland einen Wohnsitz begründest, wärst Du auch hier unbeschränkt steuerpflichtig. Damit keine Doppelbesteuerung eintritt gibt es Regelungen in dem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (DBA) zwischen Schweden und Deutschland. Da wird es davon abhängen, wie der Auftrag ausgeführt wird. z. B. ob Du eine Betriebsstätte in Deutschland begründest, oder nciht.

4. Um in Deutschland eine Krankenversicherung abzuschliessen, brauchst Du keine Bestätigung aus Schweden, weil Du einfach aus schweden zuziehst. 

5. Es wäre zu überlegen, ob Du eine spezielle KV abschließt, die nur für begrenzte Zeit gilt. 

6. Lässt sich wirklich nicht abschätzen, ob Du für die Tätigkeit 6, oder 18 Monate benötigst?

Kommentar von Snooopy155 ,

Der Fragesteller sollte doch mal bei seiner schwedischen Krankenversicherung nachfragen, wieweit sie anfallende Kosten bei einem Arbeitsaufenthalt in Deutschland übernimmt, damit könnte er die Krankenversicherungspflicht in Deutschland umgehen. 

Je nach dem, auf welche Weise er die Unterkunftsfrage in Deutschland löst - Hotel / Pension oder ein Zimmer anmieten - letzteres wird dazu führen, dass er sich gemäß den Meldegesetzen sowieso in Deutschland anmelden muß.

Kommentar von knutz ,

Danke für die Antworten.

Vermutlich ist es einfacher sich in Deutschland anzumelden. Auch für solche Dinge wie die Umsatzsteuer. Ich habe ja noch gar keine Erfahrung als Freiberufler und einen Steuerberater für solche EU-Grenzarbeiten ist sicher schwierig zu finden.

Eine Betriebsstätte werde ich nicht gründen, der Auftrag wird beim Auftraggeber ausgeführt.

Mein Vertrag ist für 6 Monate und wird wenn es gut läuft verlängert kann allerdings jederzeit gekündigt werden. Das ist meistens so in diesem Bereich und läßt sich nicht einschätzen. ich kenne allerdings viele die mehrere Jahre beim gleichen Unternehmen so beschäftigt sind. Wo ich hier wohne ist es auch gerade ziemlich schwierig eine Arbeit zu finden - deshalb mein Auftrag in Deutschland.

Laut schwedischer Versicherung müßte ich mich vermutlich abmelden und in Deutschland anmelden. Ich werde mich wärend der Arbeit hauptsächlich in Deutschand aufhalten. Wobei ich in Deutschland nur eine Pension oder so mieten würde.

Ich habe bei einer Krankenkassen nachgefragt: Laut deutscher gesetzlicher Krankenkasse benötige ich einen Schein E-104 um mich dort anzumelden. Den bekomme ich von der schwedischen Versicherung nur wenn ich mich abmelde. Allerdings brauchen die 12 Wochen zur Bearbeitung. In der Übergangszeit müsste ich mir eine private Reiseversicherung suchen - die kann man bis zu 5 Jahre behalten.

Vielen Dank

Kommentar von wfwbinder ,

Steuerrecht ist keine Frage des Melderechts, sondern der tatsächlichen Verhältnisse.

Wobei ich in Deutschland nur eine Pension oder so mieten würde.

Das ist kein Wohnsitz, also unbeschränkte Steuerpflicht in Schweden.

Eine Betriebsstätte werde ich nicht gründen, der Auftrag wird beim Auftraggeber ausgeführt.

Also auch die Einkünfte aus der Tätigkeit werden damit nicht in Deutschland besteuert. Artikel 14 des DBA (Abkommen zur Vermeidung der Doppelsbesteuerung) mit Schweden.

Auch für solche Dinge wie die Umsatzsteuer.

Völlig unproblematisch, bei Leistungen an einen Unternehmer für sein Unternehmen ist Ort der sonstigen Leistung, der Sitz des Leistungsempfängers, also Deutschland. Da Du aus Schweden abrechnest (s. o.) berechnest Du ohne Steuer und der Auftraggeber zahlt die Steuer im Reverse Charge verfahren.

Wegen der Krankenversicherung würde ich einfach auf Deine schwedische Krankenversicherung plus einer Auslandskrankenzusatzversicherung zurück greifen, das ja die Länge des Auftrages unbekannt ist.

Antwort
von barmer, 30

Hallo,

entscheidend für die Krankenversicherung ist, auf welcHen Tatbestand sich die Versicherungspflicht in Schweden gründet. Wohnsitz ? Ich weiss es nicht.

Wenn die Versicherung in Schweden bestehen bleiben darf ist keine deutsche Versicherung notwendig, denn gefordert wird nur Versicherungsschutz in Deutschland, den die schwedische KV für Grenzgänger sicher leistet.

Die Antwort auf die Frage liegt in Schweden-

Für keinen Zweig der Sozialversicherung besteht in D Versicherungspflicht für Selbstständige.

Viel Glück

Barmer

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