Frage von PrinceVan, 17

Sind Zertifikate Derivate, oder sind nur Futures/Forwards, Swpas & Optionen Derivate? HILFE !?!

Hallo,

ich beschäftige mich im Rahmen meines Studiums gerade etwas mit Derivaten, dabei insbesondere mit Optionen.

Nun habe ich schon vieles gelesen, aber irgendwie habe ich noch Verständnisprobleme. Insbesondere verstehe ich folgendes nicht:

Gemäß diverser Literatur (und Wikipedia) unterteilen sich Derivate in Futures/Forwards, Swaps und Optionen. Was das alles ist habe ich denke ich soweit verstanden.

Nun steht aber z.B. bei Wikipedia beim Artikel "Zertifikat_(Wirtschaft)", dass Zertifikate Schuldverschreibungen mit derivativen Komponenten sind; Aber ein Zertifikat ist, jedenfalls verstehe ich das so, weder ein Swap, noch ein Future/Forward noch eine Option.

Dann habe ich in einem Youtube Video (hier: https://www.youtube.com/watch?v=NhNoSeGyDR0 ) ein Beispiel über ein Derivat gesehen, bei dem das Derivat ein Finanzinstrument ist, dessen Wert sich von einem Index, im Beispiel vom Dow Jones ableitet, mit der Erklärung, dass der Wert des Derivats entsprechend dem Index steigt oder fällt und es genau so möglich ist, (durch einen Hebel?) das Verhältnis zwischen den Änderungen am Derivat und den Änderungen am Index zu beeinflussen. Auch hier sehe ich jetzt nicht, dass es sich um ein Future/Forward, einen Swap oder eine Option handeln könnte und würde vielmehr behaupten, dass das ein Zertifikat ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Was sind Derivate nun wirklich und sind (bzw können sein) Zertifikate Derivate? Oder sind Derivate wirklich NUR Futures/Forwards, Swaps und Optionen?

Danke für eure Antworten!

David

Antwort
von gandalf94305, 15

Im Sinne der Definition sind Derivate Finanzprodukte, die direkt von einem Underlying abhängen, d.h. es wären dann Futures, Forwards, Optionen, Swaps, CDS, ... Das ist eine Kontrastierung zu den Basiswerten (Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilien, etc.) und zu Fonds oder komplexeren Produkten. Derivate sind nicht physisch abgesichert, sondern hängen von der Garantie (Rückkaufs- bzw. Vertragserfüllungsgarantie) der Emittentin ab.

Zertifikate sind Finanzprodukte, die komplexer strukturiert sein können, indem sie nicht nur einen Basiswert, sondern weitere Derivate zusammen bündeln und damit z.B. ein Garantiezertifikat, ein Faktorzertifikat oder ein Express-Memory-Zertifikat mit Super-Duper-Barriere erzeugen. Rechtlich sind sie Schuldverschreibungen. Im Grunde sind das ja nur Kombinationen aus einzelnen Komponenten (Basiswerten und Derivaten), die dann per Kontrakt von einer Emittentin den Anlegern als Paket angeboten werden. Das Zertifikat ist somit ein Kontrakt mit einer Emittentin und i.d.R. nicht abgesichert gegen Insolvenz der Emittentin, da diese für den Wert garantiert.

Die Begriffe werden teils überlappend verwendet. Insbesondere wenn man ein Delta-1-Zertifikat, d.h. einen Indextracker hat, stellt man sich die Frage, ob das ein direktes Derivat oder ein Zertifikat (z.B. als Swap gegen einen Basket anderer Positionen) ist. Die Konstruktion offenbart, daß man nicht direkt einen Kontrakt auf den Basiswert eingeht, sondern in ein Konstrukt investiert, das neutral positioniert ist und durch Gebühren und Spreads Umsätze für die Emittentin generiert. Also handelt es sich um ein Zertifikat, das verschiedene Derivate verwendet, um einen Index abzubilden.

Kommentar von PrinceVan ,

Hallo,

danke für deine Antwort!

Verstehe ich es also richtig, dass Derivate also an sich tatsächlich nur Futures/Forwards, Swaps/CDS und Optionen sind, während Zertifikate an sich relativ komplexe Konstrukte sind, die derivative Inhalte haben können (aber nicht müssen), aber auch rein derivativ sein können? 

Kommentar von PrinceVan ,

Hallo,

hab ein paar andere deiner Antworten zu Derivaten gelesen - jetzt versteh ich's :) Im Grunde ist's alles Definitionssache, wobei allgemein Futures/Forwards, Swaps und Optionen als Derivate angesehen werden, obwohl auch Zertifikate, die eigentlich komplexer sind, so strukturiert sein können, dass sie als Derivate interpretiert werden können :) Prima, danke!

Kommentar von gandalf94305 ,

Genau. Derivate im engeren Sinne sind nur die genannten. Alles andere sind weiter strukturierte Finanzprodukte, die ggf. Derivate einschließen.

Derivate im weiteren Sinne als "abgeleitete" Finanzprodukte könnten jedoch auch Zertifikate sein. Nur ist das eben nicht der übliche Sprachgebrauch.

Zertifikat ist eigentlich ein Begriff für die Vertragsgestaltung zwischen Emittentin und Anleger in Form einer Schuldverschreibung. Die Emittentin garantiert für die Vertragserfüllung. Bei Derivaten ist das ebenso der Fall. Man könnte also eigentlich auch Derivate als "Zertifikate" interpretieren :-) Nur ist das eben auch nicht der übliche Sprachgebrauch :-)

Stelle Dir das einfach so vor:

  1. Aktien, Rohstoffe, Immobilien etc. als Basiswerte, die Sachwerte repräsentieren. Sie existieren unabhängig von den Kapitalmärkten und stellen Verbriefungen von Rechten an solchen Sachwerten dar. MBS, ABS und andere Verbriefungen wären auch geeignete Basiswerte, jedoch auch CDO oder CDS.
  2. Derivate als Swap-, Options- oder Future-Kontrakte auf solchen Basiswerten.
  3. Strukturierte Finanzprodukte, die Basiswerte und Derivate kombinieren, um komplexere Konstrukte zu realisieren. Diese lassen sich wiederum verbriefen, was dann die Zertifikate sind. In diesen Topf gehören auch ETC.
  4. Fonds und ETFs sind Gesellschaftskonstrukte mit einem Vermögen in den genannten Positionen.

Du musst also unterscheiden zwischen dem tatsächlichen Underlying und der Vertragsform. "Zertifikat" bzw. "Schuldverschreibung" ist eigentlich die Vertragsform.

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