Frage von SabineGruber,

Sind Rentenfonds eine sichere Anlageform, wenn sie in Staatsanleihen europaweit investieren?

Oder sollte man solche Papiere als sicherheitsbewußter Anleger lieber meiden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GAFIB,

Das Merkmal "sicher" muss leider relativiert werden:

  1. Eher wenig sicher sind Rentenfonds primär deshalb, weil sie beim derzeitigen Zinsniveau oft zu einer sicheren Vermögensvernichtung führen, da die Rendite nach Steuern oft geringer ist als die Inflationsrate. Dieses Bild verschärft sich noch, wenn die extrem geringen Renditen von Staatsanleihen bester Bonität wie D wieder anziehen sollten und deshalb Kursverluste die Folge sind.

  2. Ich würde deshalb empfeheln, einen möglichst hohen Aktienfondsanteil zu realisieren, z.B. auch mittels Dividendenfonds. 15-25% Aktien(fonds-)anteile passen auch in ein konservatives Portfolio mit nur ca. 5-10 Jahre Anlagehorizont. Daneben alternativ zu Rentenfonds evt. auch Tagesgeld/Festgeld. Die Gefahr von Kursverlusten bei Rentenfonds ist beim derzeitigen Zinsniveau nicht zu vernachlässigen.

Kommentar von GAFIB ,
Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds,

Solche Fonds diversifizieren über mehrere Staaten, Durationen und ggf. Gestaltungsformen der Bonds hinweg. Aber:

  • Diese Bonds fallen mit steigenden Kapitalmarktzinsen im Kurs, d.h. wenn Du in einer Niedrigzinsphase einsteigst und die Bonds in einer Phase höherer Zinsen fällig werden, gibt es über die Kurswerte unter dem Strich einen Verlust.

  • Die Hoffnung auf steigende Kurse durch Wechselkurseffekte mit nicht-EUR-Ländern ist rein spekulativ. Es kann im Rahmen der Konsolidierung Europas zu einer stärkeren europäischen Union sogar sein, daß der EUR deutlich aufwertet, da der Wirtschaftsraum insgesamt stärker wid.

  • Staatsanleihen von Schuldnern guter Bonität liegen in der Rendite bereits deutlich unter der Inflationsrate, d.h. es lohnt sich eigentlich nicht, hier einen großen Schwerpunkt zu legen.

  • Unternehmensanleihen sind auch keine Alternative, da man in den letzten Monaten natürlich mit fallenden Renditen im Staatsanleihenbereich hierhin geflüchtet ist und die Renditen auch tief liegen.

Konsequenterweise gibt es aus meiner Sicht eigentlich nur drei Optionen:

  • Die Ausfallsraten von High-Yield-Bonds liegen immer noch auf historischem Tief, d.h. man kann durch eine Beimischung solcher Anleihenfonds derzeit eine positive Rendite nach Steuern und Inflation erreichen. High-Yields sind auch weniger zinssensitiv - vor allem wenn man auch Emerging Europe mit berücksichtigt. Es handelt sich dabei jedoch nicht nur um Staatsanleihen, sondern vor allem auch Unternehmensanleihen.

  • Die Dividendenrenditen global tätiger Unternehmen aus europäischen Staaten solider Bonität liegen derzeit deutlich über denen der entsprechenden Staatsanleihen.

  • Die Renditen von REITs sollten ebenso nicht vernachlässigt werden. Sie liegen zwar niedriger als bei High-Yield-Anleihen, liefern jedoch durch die besondere steuerliche Behandlung im Endeffekt eine bessere Nettorendite als Ausschüttungen von Zinsen und Dividenden aus anderen Bereichen.

Geht man also von einer langsamen Stabilisierung der Märkte bei gleichzeitiger Umsetzung einer Zielinflation im Bereich von ca. 2% aus, so dürften die genannten Bereiche mit Schwerpunkt bei Aktien ein langfristig sinnvolles Investment darstellen.

Den Schwerpunkt würde man deshalb bei Aktien legen, da ja das "Schuldenmodell" über die Aufnahme von Anleihen für Unternehmen und Staaten das langfristig riskantere ist, das in die Überschuldung führen kann und wird, wenn es exzessiv genutzt wird. Griechenland hat jüngstens ja schön vorexerciert, wie das geht.

Also ist das eigentlich langfristig tragfähige Modell zur Erreichung sinnvoller Renditen nur über die Wirtschaftskraft realisierbar, d.h. über Aktien, wobei REITs hier als Spezialfall von auf Ertrag konstruierten Unternehmen besonders zu berücksichtigen wären.

Kommentar von LittleArrow ,

Das ist ja eine super Analyse. DH!

Vielleicht noch drei Nachfragen:

  1. Die High Yield Bonds haben idR nur eine relativ kurze Restlaufzeit von ca. 3 - 7 Jahren, so dass selbst eine künftige Kapitalmarktzinssteigerung beim Durchhalten bis Bondfälligkeit die momentane Rendite nicht sonderlich gefährdet. Aber sollte man wirklich (als "Normalsparer") einzelne Bonds oder lieber entsprechende Fonds kaufen? Wenn ja, welche?

  2. Werden die REITs-Ausschüttungen mit der Abgeltungsteuer belastet oder mit dem individuellen Grenzsteuersatz?

  3. Welche REITs kommen für deutsche Anleger denn in Frage? Der E&G Fonds Global REITS mit WKN A0RDTN kommt mit seiner Mindestanlage von T€ 250 leider für mich nicht in Frage. Und der UniREITS mit WKN 532679 hat sich von seinem Absturz in der Finanzkrise auch noch nicht ganz erholt (wohl dem, der erst ab 2009 Anteile gekauft hat;-).

Kommentar von gandalf94305 ,

ad 1) Viele HY-Bonds sind erstens zu riskant als Einzelbonds, und zweitens haben sie oft ungünstige Stückelungen. Vom für Privatanleger oft unzugänglichen Primärmarkt dafür mal ganz zu schweigen. Daher empfehlen sich hier auf jeden Fall Fonds, die sich als HY-Bond-Fonds oder auch Emerging Markets Bond Fonds ausgeben. Normalerweise ist auch in letzteren ein deutlicher Anteil an HY-Bonds drin.

ad 2) REIT-Ausschüttungen (Dividenden oder Fonds-Ausschüttungen) werden mit Abgeltungssteuer belastet. Interessant sind vor allem ausländische REIT-Fonds, die steuerlich optimiert ausschütten können. Zur Besteuerung steht auch hier etwas: http://de.wikipedia.org/wiki/Real-Estate-Investment-Trust

ad 3) Es gibt von iShares ein paar gute REIT-ETFs, mit denen ich bisher glücklich bin. Der SEB Asia Pacific REIT Funds wäre einen Blick wert, ebenso der Fidelity Global Property Fund oder AXA WF Framlington Global Real Estate Securities. Ich habe mir mit Hoffnung auf eine Erholung der europäischen Märkte auch mal den AXA WF Framlington Europe Real Estate Securities in einer kleinen Position aufgebaut.

Antwort
von Privatier59,

Überlege bitte, in welcher Phase das Zinsniveau derzeit ist: Richtig, in einer Talphase. Wenn es wieder aufwärts geht sinken die Kurse der Anleihen und damit auch der Kurs der Fondsanteile. Du machst zwangsläufig Verlust. Das hat nichts, aber auch garnichts mit dem Zahlungsausfall zu tun sonden ist eine Marktmechanik. Ich zweifele deshalb, ob ein solcher Fonds für Dch derzeit eine gute Wahl ist.

Antwort
von barrie,

Die Risiken sind überschaubar, ähnlich wie die Ertragschancen. Die Bezeichnung sicherheitsbewusst impliziert ja auch, dass man vor allem in ein paar Jahren sein Geld wieder sehen will und sich als Sparer betrachtet. Bei dieser Motivation können Rentenfonds schon sinnvoll sein, da man hier oft noch geringeres Risiko als beim direkten Anleihekauf hat.

Antwort
von topspin,

Eigentlich enthält so ein Fonds nur Papiere von Staaten, die als zahlungsfähig gelten-Krisenstaaten sind da wohl kaum enthalten.

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