Frage von myosin, 53

Sind meine hohen Studiengebühren rückwirkend als Verlustvortrag noch möglich und bleibt mir nur noch eine Woche?

Hallo liebe Helfer,

ich möchte wissen, ob ich meine Studienkosten und doppelte Haushaltsführung (die erheblich sind, da im Ausland – ca. 20 000 EUR) noch geltend machen kann. Mein Steuerberater hatte mich nie danach gefragt und ich habe jetzt erst erfahren, dass ich sie per Verlustvortrag hätte nach vorne bewegen können. Folgende Situation:

2006 – 2010 Studiengebühren Erststudium und doppelte Haushaltsführung. Für diese Jahre habe ich keine Steuererklärung abgegeben. Die Studiengebühren gelten normalerweise als Sonderausgabe, die nur im gleichen Jahr absetzbar sind. Allerdings soll es hierzu nächstes Jahr ein Gerichtsurteil geben, ob es nicht doch Werbungskosten sind, die als Verlust in die nächsten Jahre getragen werden können. Deswegen werde ich hier mit den Steuererklärungen einen Antrag auf einen Vorläufigkeitsvermerk stellen.

2010 – 2011 Studiengebühren des Zweistudiums (Master) und doppelte Haushaltsführung. Hierfür habe ich keine Steuererklärung abgegeben. Die Gebühren sind Werbungskosten.

2012 Mein erstes Arbeitsjahr als Selbstständige. Steuererklärung mit Steuerberater abgegeben und der Steuerbescheid ist gültig. In diesem Jahr entstand auch ein Verlust, aber dieser steht nicht im Steuerbescheid und es gab auch keinen Verlustbescheid. Es kann also sein, dass hier noch ein Verlust hinzu kommt.

2013 Steuererklärung abgegeben, aber noch keinen Steuerbescheid erhalten, da noch Belege fehlen.

2014 Steuererklärung abgegeben und Steuerbescheid erhalten. Noch eine Woche Einspruchsfrist.

Meine Fragen: Es sollte möglich sein, die Kosten bis 7 Jahre zurück geltend zu machen, also ab 2009. Wie läuft das ab?

Erste Frage: Kann ich für die Steuererklärung 2014 innerhalb der verbleibenden Woche Einspruchsfrist noch den Verlust angeben, auch wenn die vorherigen Steuerklärungen mit dem Verlust noch nicht abgegeben sind?

Zweite Frage: In der einen abgegeben Steuererklärung von 2012 hat mein Steuerberater nicht angegeben, dass noch ein Verlust von den Vorjahren besteht (ich habe für 2009-2011 ja keine Einkommenssteuererklärung abgegeben). Kann ich dann trotzdem in 2013 und 2014 angeben, dass Verluste bestehen?

Dritte Frage: Kann ich erstmal 2014 den Verlust nachtragen (auch wenn 2009-2011 nicht abgegeben sind und 2012 abgegeben aber ohne Verlust) und danach alle vorherigen Steuererklärungen mit den Verlusten abgeben? Oder muss ich jetzt innerhalb einer Woche alle vorherigen abgeben, das heißt Steuererklärungen für 2009-2012 + die Belege für 2013 + den Antrag auf Änderung für 2014?

Vierte Frage: Ich möchte allgemein wissen, ob man Verluste in einer Steuererklärung angeben kann, auch wenn die vorherigen Steuererklärungen noch nicht abgegeben sind (man aber weiß, dass dort Verluste entstanden sind). Weil wenn ich sie nicht abgebe, verfallen diese dann nicht?

Vielen lieben Dank für eine schnelle Antwort. Ich habe ja nur noch eine Woche und hoffe, dass ich das alles hinbekomme!

Herzliche Grüße Constanze

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Antwort
von wfwbinder, 37

1. Wenn der Bescheid 2014, bis auf einen eventuellen Verlustabzug in Ordnung ist, brauchst Du nichts zu machen. Die Verluste werden ggf. abgezogen, wenn vom Verlustvortrag nach Abzug in 2012 und 2013 noch etwas verbleibt.

2. Wenn die Jahre wie erwartet Verluste ergeben, werden die vorrangig in den Jahren 2012, 2013 usw. abgezogen. Die Bescheide werden dann vom Finanzamt neu erstellt.

3. Wenn nach dem Abzug der Verlustvorträge aus 2009 - 2011 in den Jahren 2012 und 2013 noch etwas verbleibt, wird das automatisch durch das Finanzamt in 2014 angesetzt und abgezogen.

4. Man gibt die Verluste aus den Vorjahren nicht an, die werden von Amts wegen bei der Veranlagung abgezogen.

5. Wichtig ist, dass die die Verlustjahre 2009 - 2011 bis ende Dezember (Eingegangen beim Finanzamt) abgegeben hast. Das Kreuzchen machst Du nicht bei Einkommensteuererklärung, sondern bei "Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags.

Antwort
von Semislav, 8

Da du Verluste 7 Jahre rückwirkend feststellen lassen kannst, mache noch dieses Jahr eine Steuererklärung für dein Erststudium 2009 - 2010 und dann für dein Zweitstudium 2010 - 2011.

Gib beides als Werbungskosten an. Bei den Kosten für dein Zweitstudium ist das ja legitim. Bei den Kosten fürs Erststudium noch nicht. Daher wirst du für deine Steuererklärungen 2009 und 2010 auch erst einmal einen negativen Steuerbescheid bekommen. Lege gegen diesen Einspruch ein.

Sollte das Gerichtsurteil schließlich gut ausgehen, macht das Finanzamt alles automatisch. Der dir entstandene Verlust wird mit den Einnahmen der nächsten Jahre verrechnet.

Hast du während deines Studiums gearbeitet? Eventuell kann es sein, dass dann gar kein Verlust entstanden ist. Versuche dein Glück.

Antwort
von EnnoWarMal, 24

Es sollte möglich sein, die Kosten bis 7 Jahre zurück geltend zu machen, also ab 2009.

Nun, man könnte für die Jahre des Erststudiums einen Antrag auf Feststellung des Verlustvortrages stellen. Der wird nach geltender Rechtslage abgeschmettert und man muss Einspruch einlegen und nach der Einspruchsentscheidung dann eben klagen.

Mach das mal. Es kommt sicherlich zwar nichts bei raus, aber immerhin sind es nicht meine Kosten, die da entstehen.

Kann ich für die Steuererklärung 2014 innerhalb der verbleibenden Woche Einspruchsfrist noch den Verlust angeben, auch wenn die vorherigen Steuerklärungen mit dem Verlust noch nicht abgegeben sind?

Die Einspruchsfrist beträgt nicht vier Wochen, sondern einen Monat ab Bekanntgabe des Bescheides. Das sind je nach Monat und Wochenendlage  zwei bis elf Tage mehr.

Aber: Ja, kannst du.

In der einen abgegeben Steuererklärung von 2012 hat mein Steuerberater nicht angegeben, dass noch ein Verlust von den Vorjahren besteht 

Wenn der Verlust tatsächlich besteht und auch festgestellt wurde, ist die Angabe auch nicht notwendig.

Dritte Frage:

Keine Angst. Einkommensteuer ist eine Jahressteuer. Das eine Jahr hängt nicht vom anderen ab. Du kannst also auch bunt durcheinander abgeben.

Die vierte Frage, die eigentlich die fünfte ist, ist dieselbe Frage wie die davor.

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