Frage von brieftraeger,

Sind geschlossene Fonds für Kleinanleger eher nicht geeignet?

Immer wieder kommt es zu Schwierigkeiten bei geschlossenen Immobilienfonds. Ist diese Anlageform für Kleinanleger eher nicht geeignet. Zu risikoreich? Ein Totalverlust könnte im schlimmsten Fall drohen, oder?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rat2010,

Es ist eine unternehmerische Beteiligung, bei welcher das Geld lange Zeit nicht verfügbar, die Rendite eher mäßig und das Totalverlustrisiko eher hoch ist. Wird das durch eher geringen Fremdkapitaleinsatz gemindert, ist das wieder schlecht für die Rendite.

Für Kleinanleger sind geschlossene Fonds aller Art ungeeignet!

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds,

Totalverlust kann mit allem drohen. Auch offene Immobilienfonds oder Aktienfonds sind da nicht besser. Schau doch mal die Solarunternehmen an. Was ist mit griechischen Fonds? Schau mal einige der Deka-Fonds an, die locker durch die Finanzkrise die Hälfte und mehr ihres Wertes verloren haben. Auch offene Fonds egal welcher Sorte können deutlich einbrechen oder in die Insolvenz gehen.

Bei geschlossenen Fonds ist zu beachten, daß man eine längerfristige Kapitalbindung eingeht. Durch dieses Fehlen einer Fungibilität der erworbenen Anteile können sich auch leichter schwarze Schafe in den Mantel geschlossener Fonds kleiden und dann entweder die Fonds zu Tode wirtschaften oder gleich in die Insolvenz gehen oder aber Renditen durch massive Verwaltungs- und sonstige Gebühren gegen Null gehen lassen. Wer daher nicht die Vertrauenswürdigkeit des Fondsmanagements verifizieren kann, sollte die Finger davon lassen.

Gegen geschlossene Fonds meckern normalerweise entweder diejenigen, die aus eigener Naivität und Blauäugigkeit auf problematische Fonds selbst mal hereingefallen sind, oder aber diejenigen, die glauben, daß es gerade opportun ist, in diese Richtung zu wettern, selbst aber noch nie eine geschlossene Beteiligung hatten und mit dieser Asset-Klasse daher überhaupt keine substantielle eigene Erfahrung haben.

Viele Großprojekte werden über solche Finanzierungspools heute realisiert, da ein einzelner Investor selten das Risiko einer so großen Projektierung eingehen will. Nicht umsonst ist im institutionellen Bereich (zunehmend auch durch Versicherungen) der Immobilienanteil seit der Finanzkrise wieder deutlich gestiegen.

Daher: geschlossene Fonds sind bei geeigneter Auswahl vertrauenswürdiger Gesellschaften ein valides und renditestarkes Instrument in einem gut sortierten Portfolio. Allerdings sollte man nur einen gewissen Anteil in solche Fonds stecken. Das schließt Kleinanleger (Portfoliovolumen unter 500 kEUR) eigentlich aus.

Für Kleinanleger gibt es weiterhin offene Immobilienfonds, die durch die steuerliche Begünstigung von Ausschüttungen weiterhin interessant sind. Für die tägliche Handelbarkeit von Anteilen ist das eher nichts, wenn man nicht mit Abschlägen über die Börse gehen will. Alternativ dazu kann man auch REITs oder REITs-Fonds nehmen, die zwar durch die Aktiennatur etwas volatiler sind, jedoch auch die steuerlichen Vorteile bei Ausschüttungen aufweisen. REITs/REITs-Fonds/ETFs sind börsentäglich handelbar.

Kommentar von GAFIB ,

Richtig, die Anbieterauswahl ist von äußerster Wichtigkeit - und gelingt oft nicht. Von allen derzeit am dt. Markt angebotenen Fondsbeteiligungen sind nur ca. 10% empfehlenswert (also ist die Auswahl schon mal hoch riskant).

Ansonsten lautet die Regel, dass bei größeren Portfolios ca. 15-20% Anteil in geschlossenen Beteiligungen sein dürfen, wenn´s dies zum Anlagehorizont und zur Risikobereitschaft passt.

Kommentar von Rat2010 ,

Gegen geschlossenen Fonds sind vor allem viele, die die Produktlandschaft kennnen und den Markt seit zig Jahren verfolgen.

An den Kosten kommt man nicht vorbei. Sie sorgen dafür, dass ca. 80 % des Anlegergeldes eine Rendite auf 100 % des eingezahlten Geldes bringen sollen. Dazu sollen diese 80 % auch noch bei Beendigung 100 % Rückzahlung gewährleisten. Das geht - wenn die Rendite konkurrenzfähig sein soll - nur mit Fremdkapital und das sorgt dafür, dass eher kleine Rückschläge enorme Auswirkungen bis zum Totalverlust haben.

Ein Großanleger kann Immobilien direkt kaufen und spart damit im Vergleich zum Fonds nicht nur Kosten, die ihm eine Rendite ermöglichen. Er kann das Objekt auch wieder verkaufen und zwar nicht dann, wenn der Fonds aufgelöst wird sondern dann, wenn er es für sinnvoll erachtet oder wenn er das Geld braucht.

Was die Nicht-Eignung für Anleger, die weniger als 500 TEU anzulegen haben anbelangt, sind wir uns einig.

Antwort
von DerKleinanleger,

Ein Totalverlust droht bei jeder Anlageform....

Also das Risiko Geld zu verlieren ist nicht der Grund warum ich geschlossene Fonds für Kleinanleger nicht empfehlen würde. Viel mehr ist es die Undurchsichtigkeit die so ein geschlossener Fonds mit sich bringt...

Antwort
von Niklaus,

Das kann man pauschal nicht sagen. Aber grundsätzlich beinhalten geschlossene Beteiligungen immer ein Unternehmerrisiko. Leider gibt es auch mehr geschlossene Beteiligungen die nicht als laufen als welche die gut laufen.

Hier ist im Bedarfsfall eine wirklich seriöse Beratung erforderlich.

Antwort
von EmilErpel,

ja, es kann maximal ein Totalverlust drohen bei geschlossenen Fonds - wie übrigens bei jedem Aktienkauf auch .... Falls Du mit "Kleinanleger" meinst, dass ein Großteil des vorhandenen Kapitals dahin investiert werden soll -> ja, dann sind geschlossene Fonds nichts für Kleinanleger. Maximal sollte man 10 % seines vorhandenen Kapitals in solche Fonds anlegen. Und: das Geld darf längerfristig nicht gebraucht werden, denn die Laufzeit beträgt in der Regel ab 12 Jahre aufwärts. Und man sollte sich den jeweiligen Fonds genau angucken: Anbieter, welche Erfahrung hat er, wie laufen seine anderen Fonds usw.

Antwort
von Privatier59,

Ich behaupte: Geschlossene Fonds sind weder für Klein-, Mittel- noch für Großanleger geeignet sondern nur für Masochisten die sich selber so sehr hassen, dass sie mit der Vernichtung des Geldes bei sich anfangen möchten!

Kommentar von gandalf94305 ,

Nonsense. Schon mal geschaut, welchen Anteil Private Equity in der deutschen Unternehmenslandschaft einnimmt?

Kommentar von Privatier59 ,

Etwas mehr Mut, gandalf. So ein weiser Mann sollte zu seinen Perversionen stehen!

Kommentar von gandalf94305 ,

Ich bin doch nicht Saruman :-)

Kommentar von Rat2010 ,

Private Equity hat nicht zwangsläufig etwas mit geschlossenen Fonds zu tun. Jedenfalls nicht mit den Fonds, die von Banken oder sonstwem gegen Provision zur Zeichnung angeboten werden.

Die gehen - jedenfalls zu einem Anteil, der ein Invest uninteressant macht - schief. Früher oder später. Die Begründung wird - wie bei Immobilien, Windparks und so weiter - nachgereicht.

Wenn Vermögende eine Idee mit Ihrem Geld voran bringen wollen, ist das gut. Wenn es in Form eines Fonds mit zig oder Hunderten Kleinanlegern passiert und wegen der Kosten höchstens 80 % (oft viel weniger) in Investments gehen und ein Großteil des Ertrages bei der Fondsgesellschaft bleibt, ist das Invest uninteressant weil - von Anfang an - den Risiken zu geringe Chancen gegenüberstehen.

Antwort
von althaus,

Du hast Recht. Lass die Finger davon.

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