Frage von Erbsengross, 3

Sind Behandlungskosten in Folge eines Burn-Outs Werbungskosten bei der Steuer?

Kann man angefallene Kosten als Werbungskosten ansehen bei der Steuer?

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von erdbeer21, 2

leider nein- hierzu ist aber das letzte Wort noch nicht gefallen! Es gibt einen Musterprozess - ein Kläger hat Revision beim BFH eingelegt. Wenn der Steuerbescheid also besagt, daß die Kosten nicht anerkannt werden, Einspruch einlegen und auf die Revision vor dem BFH verweisen. VI R 36 13

Kommentar von blackleather ,

Und dies meint der BFH (Urteil vom 11.7.2013, VI R 37/12):

"Aufwendungen zur Wiederherstellung der Gesundheit können dann betrieblich oder beruflich veranlasst sein, wenn es sich um eine typische Berufskrankheit handelt oder der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht."

Antwort
von MaierC, 2

Nein, da keine 100%ige berufliche Veranlassung besteht. Werbungskosten sind Aufwendungen zur Sicherung, Erhaltung u. Erwerbung der Einnahmen. Die Behandlungskosten können als außergewöhnliche Belastung unter Abzug einer zumutbaren Belastung von den Einkünften zum Abzug gebracht werden. Hierbei sollte man den Steuerbescheid offen halten, wegen Abzug der zumutbaren Eigenbelastung bei den Krankheitskosten. Es ist vor dem BFH ein Verfahren anhängig, wegen Verfassungswidrigkeit.

Antwort
von Beachgirl, 2

Man kann hohe Kosten für das Krankenhaus als "außergewöhnliche Belastungen" ansetzten, aber nicht als Werbekosten.

Allerdings habe ich noch nie Burn-Out in dieser Kategorie gesehen, es ist eher ein gebrochenes Bein oder so was in der Art.

Antwort
von Meandor, 3

Bisher hat es noch Niemand geschafft, dass Krankheitskosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben berücksichtigt werden.

Meiner Auffassung nach scheidet eine Berücksichtigung aus, da Krankheitskosten nie 100%ig durch den Betrieb veranlasst sind, außer es wäre ein Betriebsunfall gewesen.

Kommentar von blackleather ,

Das muss ich aufgrund meiner bisherigen Ausbildung und beruflichen Erfahrung leider genauso sehen wie Meandor.

Aber spinnen wir die Idee mal weiter. Schauen wir uns zuerst die Definition des Begriffes "Werbungskosten" (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG) an: "Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen."

Wenn nun jemand einen Burnout hatte und deswegen nicht arbeitsfähig war, folglich keine Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit beziehen konnte, dann versetzt ihn die Behandlung doch hoffentlich in die Lage, wieder Einnahmen zu erwerben. Und wenn sie nachhaltig genug war, sind diese Einnahmen dann auch gesichert und bleiben dem Empfänger erhalten.

Woher kennen wir diesen Gedanken? Richtig, von den Ausbildungskosten. Da kommen die Leute ja auch erst mal an und haben keine Einnahmen, weil keine Ausbildung. Und dann absolvieren sie die Ausbildung und schon stellt sich in Bezug auf deren Kosten die WK-Frage. Schön, für die Erstausbildung soll sie nach Schäubles Willen durch § 12 Nr. 5 EStG beantwortet sein, aber das tut jetzt im Zusammenhang mit dem Burnout nichts zur Sache, denn erstens sind Ausbildungskosten für eine Zweitausbildung immer noch WK und zweitens gibt es eine Vorschrift wie § 12 Nr. 5 EStG nicht für Wiederherstellungskosten nach Burnout (Es sei denn, man wollte sie unter die Kategorie "Kosten der Lebensführung ... zur Förderung des Berufs" [§ 12 Nr. 1 Satz 2 EStG] subsumieren.)

Deswegen finde ich die Fragestellung durchaus gar nicht so weit hergeholt.

Kommentar von Meandor ,

Ich finde das BFH Urteil dazu nicht, ab meines Wissens ist § 9 analog zu § 4 Abs. 4 EStG auszulegen, dann kommen wir bei § 19 zu "Werbungskosten sind alle Kosten die durch Beruf verursacht sind".

Kommentar von blackleather ,

Nun gut, davon waren wir anscheinend auch alle ausgegangen. Die Kernfrage ist doch aber, was man unter "durch Beruf verursacht" subsumieren darf und was nicht.

Kommentar von Meandor ,

Naja, wenn ich bei der Arbeit einschlafe, mein Bürostuhl nach hinten wegrutscht und ich mir den Schädel aufschlage, dann ist das ein Dienstunfall, wenn die Übermüdung auf Überarbeitung zurückgeführt werden kann. Das ist die Meinung der Verwaltungsgerichte, von den Finanzgerichten ist mir noch nichts bekannt.

Aber wenn mir der Bürostuhl unter Ar*** zusammenbricht und mir irgendwelche Kosten hängen bleiben, dann sind das meines Erachtens WK.

Die Frage wäre, bekommt man einen Mediziner dazu, den Burn Out als Arbeits"unfall" zu klassifizieren, und vor allem... welche Kosten bleiben letztlich hängen.

Antwort
von Privatier59, 2

Als Werbungskosten niemals, wenn überhaupt, dann als außergewöhnliche Belastungen und da gibt es den zumutbaren Eigenanteil.

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