Frage von anleiheRente, 14

Sharpe-Ratio bei Aktienfonds. Ein Wert, den man beachten sollte?

wenn ich mir Fondsaufstellungen ansehe, dann taucht dort oft die Sharpe-Ratio auf. Ich kann damit wenig anfangen.

Sollte man den Wert beachten? In welcher Bandbreite sollte der Wert liegen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, Community-Experte für Aktienfonds & Fonds, 5

Wie so viele Werte: das sind verdichtete Kennzahlen, die einen bestimmten Aspekt eines Investments hervorheben. Eine Kennzahl alleine nutzt nichts, aber man kann damit die abgebildete Qualität eines Investments mit einem anderen vergleichen.

Da die meisten Anleger mit Sharpe-, Treynor- oder Information-Ratios wenig anfangen können, sind sie für Privatanleger aus meiner Sicht nicht hilfreich.

Für harmlose Privatanleger wären Performancekennzahlen, Dauern und Umfang von Verlustperioden, Volatlität und vielleicht noch eine relative Stärke ausreichend, um Produkte zu beurteilen. Wer komplexere Kennzahlen versteht, darf sie gerne nutzen.

Das gilt auch für Ratings. Man muß verstehen, was Ratings wirklich prüfen und abbilden. Ein Rating, das einfach nur Performance betrachtet, hilft wenig, wenn man nicht versteht, wie die Performance zustandekommt, und warum vielleicht gerade hier Risiken oder Chancen in der Zusammensetzung eines Fonds oder ETFs liegen können, wenn man bestimmte Markterwartungen hat. Es kommt nicht darauf an, einzelne, aggregierte, vereinfachende Kennzahlen zu betrachten, sondern Zusammenhänge zu analysieren und zu verstehen. Dann kann man auch qualifizierter ein Instrument beurteilen.

In diesem Sinne: nutze, was Du verstehst und was nachvollziehbar ist. Vergiß den Rest oder mach' Dich schlau :-)

Antwort
von Niklaus, 4

Ob du wirklich was damit anfangen kannst ist ein Frage des allgemeinen Anlageverständnis.

Hier eine gute Erklärung was die Sharpe Ratio aussagt, ob dir das hilft und ob du das brauchst, ist ein andere Frage.

Diese Kennziffer gibt Aufschluss darüber, ob und inwiefern eine Mehrrendite unter Einbeziehung des Risikos (Volatilität) im Vergleich zu einer risikolosen Geldmarktanlage erwirtschaftet wurde.

  • Liegt die Sharpe-Ratio über eins (>1), so konnte vom Fonds eine Mehrrendite erzielt werden.
  • Bei einem Ergebnis zwischen (0 und 1) konnte zwar eine Mehrrendite bezüglich der Geldmarktverzinsung erzielt werden, diese entsprach jedoch nicht dem eingegangenen Risiko.
  • Ist die Kennziffer negativ (<0), so war es nicht einmal möglich, die Verzinsung einer risikolosen Geldmarktanlage zu erreichen.

Die Sharpe-Ratio misst die Überschussrendite eines Fonds pro Risikoeinheit. Wenn also beispielsweise ein Anleger die Wahl zwischen zwei Fonds hat, die beide in den vergangenen drei Jahren eine jährliche Rendite von 15 Prozent erzielt haben, so dürfte er den Fonds bevorzugen, der diese Rendite mit der geringeren Schwankungsbreite der Wertentwicklung, gemeint ist hier die Volatilität, erreichte. Hier fällt die Entscheidung also relativ leicht. Muss der Anleger aber zwischen zwei Fonds wählen, von denen der eine zwar etwas schwächer in der Rendite, aber eben auch etwas weniger risikobehaftet ist, so gibt die Sharpe-Ratio die notwendige Hilfestellung. Zunächst einmal enthält sie im Zähler die so genannte Überschussrendite. Darunter versteht man die über die sichere Geldmarktanlage hinausgehende Rendite (annualisiert). Wenn also der risikolose Geldmarkt drei Prozent und der ausgewählte Fonds zehn Prozent abgeworfen haben, so hat letzterer eine Überschussrendite von sieben Prozent. Diese wird ins Verhältnis gesetzt zum Risiko, ausgedrückt als Volatilität. Eine positive Sharpe-Ratio, also eine deutlich größer eins (>1), zeigt an, dass gegenüber der risikolosen Geldmarktanlage eine Mehrrendite erwirtschaftet wurde. Zum anderen zeigt sie, in welchem Verhältnis diese Mehrrendite zum eingegangenen Risiko steht. Umgekehrt verdeutlicht eine negative Sharpe-Ratio kleiner Null (< 0), dass noch nicht einmal die Geldmarktverzinsung übertroffen wurde. Während bestimmter Phasen gibt es durchaus Märkte, in denen trotz eingegangenen Risikos keine angemessene Wertentwicklung zu erzielen ist. Unterscheiden sich also zwei Fonds sowohl in der erzielten Rendite als auch in der Volatilität, sollte unter sonst gleichen Bedingungen der Fonds mit der höheren Sharpe-Ratio bevorzugt werden.

Kommentar von anleiheRente ,

sehr gut erklärt. Danke. hA ist schon vergeben...

Antwort
von schnellereuro, 4

Selbstverständlich sollte man die Sharpe-Ratio beachte. Dies ist eines der wichtigsten Kriterien um das Chance-/Risiko-Verhältnis einschätzen und Vergleiche zu können. Details zur Sharpe-Ratio und alternativen Bewertungskriterien findet man u.a. bei: http://trader-inside.de/viewtopic.php?f=13&t=2889&hilit=mar+ratio

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