Frage von Lilli1611,

Selbstständig auf Rechnung arbeiten. Ab wann lohnt es sich?

Hallo zusammen,

ich habe Ende letzen Jahre ein Angebot von einem Immobilienbüro im Kölner Raum erhalten, die mir 2100 Euro fix auf Rechnung zahlen würden. Ich würde ein Gewerbe anmelden müssen und auf selbstständiger Basis arbeiten, was in dieser Branche ja üblich ist. Jetzt sind sie wieder auf mich zugekommen. Ich halte dieses Angebot für viel zu niedrig. Ich erhalte (Höhe ist noch auszuhandeln) zudem zwar anteilig Provision aus Verkäufen, es sei aber erwähnt, dass es ein kleines Maklerbüro ist und die Anzahl der Verkäufe sich in Grenzen halten. Da diese Provisionsanteile sowieso leistungsabhängig sind und daher nicht garantiert, hab ich sie für mich erstmal nicht berücksichtigt. Meines Erachtens und basierend auf meinen Recherchen zahle ich davon RV, KV und Steuern, die mich mehrere Hundert Euro im Monat kosten. Also meine Frage kurz und knapp: was haltet ihr von dem Angebot. Scheinselbstständigkeit sei hier mal aussen vor gelassen :( Ich danke vorab für Eure Meinung...

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Antwort
von Juergen010,

Vorschlag zur Güte:

Arbeite doch für mehrere Immobilienbüros gleichzeitig. Oder untersagt dir das der Vertrag?

Wenn Du also nur für das eine Büro arbeiten sollst und keine anderen Auftraggeber annehmen kannst, schwebt zumindest der Anschein der Scheinselbständigkeit über Dir - mit all den Folgen die daraus entstehen können.

Ob 2.100 € p.m. tatsächlich zuwenig sind lässt sich so nicht beantworten. Wenn dir die Arbeitszeit freigestellt ist und Dein Aufwand sich in Grenzen hält, kann das angebotene Entgelt durchaus ausreichen.

Kommentar von Lilli1611 ,

leider ist das nicht möglich, da es vollzeit geplant wäre. also weisungsgebunden und an bürozeiten sowieso!! daher ist scheinselbstständigkeit natürlich durchaus ein thema. die firma selbst sagt dazu " wo kein kläger, da kein richter". es sei in der branche normal. es wäre letztendlich ja hauptsächlich deren problem, da sie die sozialbeiträge nachzahlen müssten...ich sehe das auch etwas anders.

danke für die antworten!! mein gefühl wurde bestätigt.

Kommentar von Julia23 ,

"wo kein kläger, da kein richter"

das FA und/oder die Rentenkasse wird die Scheinselbstsändigkleit merken, wenn diese nicht beide Augen zudrücken.

"Auf Rechnung" musst Du:

  • dich auch noch Versichern (Berufshaftplficht und Vermögenshaftplicht).
  • alle SV-Abgaben selber tragen
  • EÜR machen usw
Antwort
von senior9,

Kranken- und Pflegeversicherung sind etwa 350,- Euro Mindestbeitrag in der GKV. Rentenbeiträge sind keine Pflicht. Steuern dürften kaum anfallen. Von Bedeutung ist hier vor allem die Gewerbeanmeldung. Für Makler gelten besondere Regeln. Anmeldung somit eher als "Bürokraft". Üblicherweise wird im ersten Jahr eine mögliche Scheinselbständigkeit nicht geprüft. Aber dann dürfte Schluß sein. Ohne andere Einkünfte würde ich dies nicht machen.

Kommentar von Julia23 ,

"Rentenbeiträge sind keine Pflicht."

ich meine Schon, dass für solche "Selbständigen" die ges.Rente weiter verplfichtend ist - und das FA und/oder die Rentenkasse wird die Scheinselbstsändigkleit merken ...

Kommentar von Lilli1611 ,

ich danke euch für die resonanz....

habe jetzt für morgen einen termin beim stb gemacht. grade die rentengeschichte scheint mir sehr haarig, weil ich auch gelesen habe, dass sog. arbeitnehmerähnl. selbstständige (sowie scheinselbstständige auch) rentenversicherungspflichtig sind! unabhängig davon sollte man die rente ja eh nicht außer acht lassen.

Kommentar von senior9 ,

Irrtum. Solche "Selbständigen" sind zuerst einmal von der Rentenversicherungspflicht befreit. Erst wenn eine Behörde oder die Rentenversicherung eine Scheinselbständigkeit attestiert und die betreffende Person rückwirkend als sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer einstuft, werden rückwirkend auch Rentenversicherungsbeiträge fällig.

Der Hintergedanke ist dieser: Nicht jeder Existenzgründer hat von Anfang an einen großen Kundenstamm. Einige fangen eben mit nur einem Kunden an.

Kommentar von senior9 ,

Mein letzter Kommentar war eigentlich eine Antwort auf Julia23. Warum dieser unter den Zeilen von Lilli1611 plaziert wurde, weiß ich auch nicht.

Antwort
von EnnoBecker,

die mir 2100 Euro fix auf Rechnung zahlen würden

Das hängt ja jetzt maßgeblich davon ab, in welchem Rhythmus du Rechnungen stellst. Wenn das wöchentlich ist, ist es fast schon akzeptabel.

Kommentar von blnsteglitz ,

fast schon akzeptabel.

;-)

Kommentar von EnnoBecker ,

Was ist denn daran lustig?

Das Jahr hat im Schnitt 52,14 Wochen. Das sind 109.500 Euro. Zieht man davon Steuern, Versicherungen und was alles noch notwendig ist, ab, so bleiben etwa 45.000 zum Leben übrig.

Wenn man ein wenig bescheiden ist, kann man damit auskommen.

Man darf dabei auch nicht vergessen, dass das 10 Hartz-IV-Sätze sind. Man darf also davon gern noch 10% abgeben an Bedürftige.

Bleiben vielleicht 3.000 pro Monat, also 100 pro Tag. Das ist doch nicht zuviel.

Kommentar von Lilli1611 ,

naja tatsache ist es nur monatlich!! Das hätte ich der Ordnung halber schon dazuschreiben müssen... pardon!

Kommentar von gammoncrack ,

Da hast Du ja noch Glück gehabt, dass Enno nicht auf Tagesbasis gerechnet hat :-))

Kommentar von HilfeHilfe ,

Wenn ich 1,5 % Tagesgeldzinsen kriege und alle 4 Wochen die Bank wechsel kriege ich auch 12*1,5 % ????

Danke :)=

Kommentar von EnnoBecker ,

Genau das haben nach der Wende viele Leute im Osten wohl geglaubt. Damals gab es noch 7...8 % Zinsen aufs Sparbuch.

Da sind haufenweise die Leute am 28. Dezember in die Bank geströmt und haben all ihr Geld aufs Spaßbuch eingezahlt. Am 3. Januar waren sie wieder da und haben wieder abgehoben.

Ich kann mich an endlose Diskussionen erinnern, in denen Worte wie "Betrüger", "Abzocker" und so weiter gefallen sind, weil eben die Zinsen bei weitem nicht 7% des Guthabens waren....

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