Frage von berlinbayern, 28

Schuldenerledigung durch Hypothekausweitung und Versicherungsabtretung trotz Schufa

Ich schreibe für meine Lebensgefährtin, die krank ist. Wir haben ein finanzielles Problem aus zwei Gründen:

  1. Eine Partnerfirma ihrer Firma - gemeinsames Projekt endete 2013 - schuldet ihr ca 70.000. Dieser Betrag floss mehrere Jahr aufgrund eines Vertrages. Dieser wird nun von der Partnerfirma nach Geschäftsführerwechsel anders gedeutet. Es muss geklagt werden. Damit in Zusammenhang besteht eine Schuld bei der Sparkasse i.H.v. 56.000. Krankheitsbedingt hat sie auf Mahnschreiben etc. nicht reagiert. Daraufhin kündigte die Sparkasse die Kundenbeziehung. Die Folge: Schufa-Eintrag und keine finanzielle Beweglichkeit mehr.

  2. Sie hat ein Wohnhaus. Wir haben dieses in den letzten 2 Jahren nicht genutzt, sondern vermietet. Der letzte Mieter war eine Art Mietnomade, er ist jetzt raus, vermutlich mittellos, hat uns mit Anwalt 8000,- gekostet.

Es besteht Aussicht, dass die Sparkasse die Klage unterstützt - also stillhält -, aber sie verlangt ein notarielles Schuldeingeständnis, dass der Sparkasse sofortige Vollstreckung ermöglich. Die Sparkasse hatte dies empfohlen, weil man damit gegenüber Mahnbescheid Kosten spare.

Meine Lebensgefährting möchte nun das Haus weiter beleihen, um das Mietloch teilweise zu stopfen und auch der Sparkasse für die Firmenverbindlichkeit (GmbH, aber sie haftet privat) einen ersten Teil zahlen. Dies wäre vom Beleihungswert möglich - es wären über 50.000 vertretbar, aber die Allianz (Finanzierer mit 1. Rang) schließt dies wegen der Schufa aus.

Es bliebe die Möglichkeit, eine Rentenversicherung zu opfern (ca. 16.000) und eine weitere, die als Teil der Finanzierung abgetreten ist (ca. 17.000) freizubekommen.

Frage: welche Möglichkeiten gibt es, aus der tatsächlichen Beleihungsreserve etwas herauszuholen, ohne die Versicherungen aufzugeben - angesichts des Schufa-Problems?

Und: welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, wieder in größere Sicherheit zu kommen. Meine Lebensgefährtin, Ex-Ossi, hat in 25 Jahren aus dem Nichts eine Firma mit bis zu 20 MA aufgebaut und nie ein Schuldenproblem gehabt. Nun, wo Vertragsuntreue, Krankheit und ein Mitnomade zusammenkommen, ist auf einmal das Wohneigentum bedroht?

Das Schönste: der Banker erwähnte zum Thema Zwangsversteigerung: "Ich bekomme meine Immobilien meistens über dem Verkehrswert weg" :-)

Die Baufinanzierung setzt sich wie folgt zusammen:

54.400 Allianz Darlehen xxx 29.600 Allianz Darlehen yyy 46.000 KfW (Rest nach 15 Jahren 34.878 - dafür existiert Bausparvertrag) ges. 130.000 Kaufpreis

Beim Darlehen xxx bleibt 2020 ein Rest von 17.400

Dieser ist abgesichert durch Abtretung von 2 Rentenversicherungen rrrr/1 (Juli 2013 25.000), Rückkaufswert 2014 17.940 rrrr/2 (Juli 2013 37.000), Rückkaufswert 2014 16.675

Das Haus wurde 2009 stark renovierungsbedürftig gekauft und mit einem Aufwand von mehr als 40.000 + Eigenleistung renoviert. Außerdem sind die Immobilienpreise der Region stark gestiegen. Die Wertsteigerung kann bei bis zu 100.000 liegen.

Antwort
von wfwbinder, 15

ERstmal stimme ich mit @EnnoBecker in den meisten Punkten überein.

Ausserdem bei allen Überlegungen immer berücksichtigen: Eine Bank unterliegt Gesetzen, eine Bank hat ihre Vorschriften udn eine Person, die Krankheitsbedingt nciht in der Lage war sich mit wichtiger Post zu befassen, muss erstmal beweisen, dass es überwunden ist.

Ausserdem gibt es in D fast keinen Kontrahierungszwang. Nur Notärzte müssen erstmal jeden behandeln, egal, ob er aus dem Mund riehct, oder keine Versichertenkarte hat.

Ich hätte eine nciht gemochte, aber ggf. günstige Lösung.

Statt eine ZV abzuwarten, einen Verkauf versuchen.

Mit dem vermutlich besseren Erlös sanieren udn dann neu durchstarten.

Ausserdem schreibst Du:

Wir haben ein finanzielles Problem aus zwei Gründen:

Aber dann nur noch von Deiner Freundin.

Wo sind Deine Möglichkeiten? Wenn es um Wir geht, dann gehören auch Deine Möglichkeiten dazu.

Oder bezieht sich "Wir" nur darauf, dass Du es hier einstellst?

Kommentar von berlinbayern ,

Vielen Dank für die schnelle Antwort.

"Wir" heißt nicht nur, dass ich es hier einstelle, ich habe auch, soweit aus meinem Einkommen möglich, beigetragen. Ich kann aber selbst keine Finanzierung mittragen, weil ich eine Insolvenz hinter mir habe. Zwar liegt diese schon zwei Jahre zurück, aber ich bekomme noch kein Darlehen. Wenn wir das Haus wieder gemeinsam nutzen, werde ich Mieter, das deckt die Basis-Finanzierung ab.

Das nicht gemochte Problem wäre das wirtschaftlichste: ein freihändiger Verkauf würde alle Verbindlichkeiten erledigen. Aber wir wollen dieses Haus halten.

Dafür müsste es einen Weg geben, denn: * 2 Rentenversicherungen decken die Hälfte der Verbindlichkeiten ab * wenn die Firmenforderung per Vergleich 50% ergibt, ist alles erledigt.

Es sind ja Werte vorhanden: in der persönlichen Gesamtbilanz die Versicherungen und die Forderung. Und beim Ertrag sind 1 Einkommen und 1 Miete mehr als ausreichend.

Antwort
von EnnoBecker, 5

Ein langer Sachverhalt, an dessen Lösung man sich nicht allein wagen sollte, zumindest nicht hier in diesem Forum. Deshalb auszugsweise.

Krankheitsbedingt hat sie auf Mahnschreiben etc. nicht reagiert.

Darauf nimmt niemand Rücksicht. Wer selber nicht "kann", muss sich einen Vertreter suchen. Das erwartet man ja schließlich sogar von Säuglingen, die Rechtsbeziehungen unterhalten müssen - umso mehr von Erwachsenen.

Der letzte Mieter war eine Art Mietnomade, er ist jetzt raus, vermutlich mittellos, hat uns mit Anwalt 8000,- gekostet.

Das ist bitter, aber es ist halt eine andere Rechtsbeziehung als die zur Sparkasse.

Meine Lebensgefährting möchte nun das Haus weiter beleihen

Eine Darlehensausreichung braucht ja zwei Dinge, um genehmigt werden können: Zum einen die Sicherheit (die ist sohl vorhanden). Aber zum anderen eben auch die Fähigkeit, das Darlehen zu bedienen. Nicht umsonst nennt man das auch Kredit - von lateinisch credere = glauben.

Das trifft auch auf die Rentenversicherungen zu.

Ex-Ossi,

Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was unter "Ex" hier zu verstehen ist (ich bin selber Ossi), ist mir auch nicht klar, welche Besonderheiten der Umstand der Herkunft bedeutet.

hat in 25 Jahren aus dem Nichts eine Firma mit bis zu 20 MA aufgebaut und nie ein Schuldenproblem gehabt.

Ja, das Leben kann fies sein und man muss lernen, damit umzugehen. Vielleicht war das die Botschaft mit der Herkunft? Immerhin konnte die Menscheit in der kurzen Spanne zwischen '49 und '89 in der speziellen geografischen Lage ein Scheitern trotz Anstrengung weitgehend ausschließen.

Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass dieser Aspekt auf philosophisch besonderes Interesse stößt.

Nun, wo Vertragsuntreue, Krankheit und ein Mitnomade zusammenkommen, ist auf einmal das Wohneigentum bedroht?

Ja.

Mir droht ein ähnliches Schicksal, wenn mich beispielsweise ein besoffener Motorradfahrer auf dem Weg ins Büro umfährt. Lebensrisiko - irgendwo endet auch der längste Rockschoß des Staaates.

Die Wertsteigerung kann bei bis zu 100.000 liegen.

Das ist sicherlich ein Argument FÜR eine ZV statt dagegen. Zumindest aus Sicht der Bank.

Kommentar von berlinbayern ,

Danke für die Befassung.

Wir wissen natürlich um Lebensrisiken, und dass man sie tragen muss und nicht andere. Wir kennen auch den Unterschied zwischen privaten und Firmenverbindlichkeiten. Einiges in der Frage diente dazu, den Sachverhalt in seiner Lebenswirklichkeit runder darzustellen, da häufig auch Lösungen solcher verstrickter Probleme ganzheitlich sind.

"Ossi": korrekt. Argument für ZV: ja, leider - aber wir suchen in dieser Lage eine Lösung, die nicht von der Sicht der Bank alleine abhängt.

"Credere" (bin auch Lateiner) und Glaubwürdigkeit haben mit Kreditvergabe dann nichts mehr zu tun, wenn ein Schufa-Eintrag schon Ausschlusskriterium ist, also die Fähigkeit, den Kredit zu bedienen (hier voll vorhanden!) gar nicht mehr überprüft wird.

Kommentar von EnnoBecker ,
also die Fähigkeit, den Kredit zu bedienen (hier voll vorhanden!) gar nicht mehr überprüft wird.

Also ich Bankkaufmann gelernt hatte, war cih zu dem Schluss gekommen, im Aktivgeschäft (also in der Kreditabteilung) arbeiten zu wollen. Ich befasste mich deshalb am meisten damit.

Es gab da einen Fall, in dem hat jemand sein Darlehen mit Aktien beliehen. Seinerzeit lag der maximale Beleihungswert bei 60%. Er legte also Aktien im Wert von 100 hin und bekam ein Darlehen von 60.

Dann fielen die Aktien auf 80 und die Bank verschickte ein Schreiben, wonach sein Darlehen nun nur noch mit 48 besichert sei (80x60%) und damit unterbesichert. Er solle mehr Aktien bringen.

Die hatte er nicht, und so wurde ihm das Darlehen gekündigt.

Aus Sicht des Kreditnehmers muss das unverständlich gewesen sein. Die 80 waren doch immer noch mehr als die 60, oder?

Und noch schlimmer: Die Bank verwertete die Aktien durch Einzug und zahlte dem Kreditnehmer 20 aus. Die Aktien selber verkaufte die Bank dann später für 110.

Aus meiner Sicht eine Riesen-Sauerei und einer von vielen Gründen, warum ich heute was anderes mache.

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