Frage von ableihe, 2

schleichender Kursverfall bei Anleihen. Woher kommt das Wissen?

sieht man sich z.B. die Strenesse-Anleihe an, dann erkennt man, dass diese schon länger langsam zu fallen beginnt.

Das geschieht jedoch oft, ohne explizit Nachrichten finden zu können, dass es der Firma schlecht(er) geht. Wie kann das sein? Wie können einige Investoren das wissen?

Ich frage mich, weil bei vielen Anleihen - vor allem bei kleineren Firmen - die Informationen mit einem Knall kommen und dann die Kleinanleger oft zu spät reagieren können. Der Kurs fällt oft lange vorher ohne weiteren Grund.

Wie kann das sein?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder,

Wenn man geschäftlich aktiv ist, ist man sehr häufig bei Wirtschaftsauskunfteien angeschlossen.und verfügt so über mehr Informationen, als sie Privatpersonen zur Verfügung stehen.

Darüber bekommt man mit, wenn sich das Zahlungsverhalten eines Unternehmens ändert.

Kommentar von gandalf94305 ,

Da kann es viele Gründe geben, die im Nachhinein nicht mehr unbedingt nachvollzogen werden können:

  • Mitarbeiter des Unternehmens, die negative Schwingungen aufnehmen, verkaufen

  • Institiutionelle Anleger, die eine schlechter werdende Bewertung des Unternehmens erkennen, verkaufen

  • Die Marktlage verschlechtert sich, so daß höhere Risikoabschläge zu geringeren Kursen führen

  • Angekündigte oder gerüchteweise vermutete Kapitalmaßnahmen oder M&A finden nicht die Zustimmung der Anleger

Generell sollte man sich jedoch bei einem unmotivierten, schleichenden Kursverfall Gedanken machen, d.h. wenn die Ursachen nicht zu erschließen sind, sollte man wenigstens die Symptome ernst nehmen.

Es ist doch egal, warum der Kurs der Deutschen Telekom von über 100 EUR auf derzeit gut 11 EUR gefallen ist. Da sitzt man nicht dabei, schaut zu und hofft auf bessere Zeiten, sondern wenn ein Verlust von 15-20% aufgelaufen ist und keine begründete Aussicht auf bessere Entwicklung besteht, verkauft man und sucht sich bessere Werte.

Ist nicht bei einem nicht börsennotierten Unternehmen, das im eigentlich starken Jahresendgeschäft um Aufschub einer Kuponzahlung bittet, bereits alles an Alarmglocken am klingeln, was man zur Verfügung hat? Wer nimmt denn hin, daß eine riskante Anleihe einfach mal 20% in die Tiefe rauscht, ohne irgendeine Maßnahme zu treffen? Und dann ist zu vermuten, daß diese anleihe nicht Portfolioanteile von wenigen Prozent in den Depots der Anleger ausmacht, sondern durchaus zweistellige Prozente. Damit ist doch das Risiko noch höher und man muß handeln.

Market-Timing für harmlose Privatanleger funktioniert nicht. Man kann sehr gute antizyklische Strategien oder langfristige Value-Strategien über Sparpläne realisieren, aber Market-Timing setzt voraus, daß man nicht nur alle verfügbaren Informationen hat, sondern diese auch interpretieren und in Kontext setzen kann. Privatanleger können daher nur auf Basis von Symptomen handeln und sollten davon ausgehen, daß wenn Kurse sich häßlich entwickeln, man zumindest darüber nachdenken sollte, ob realistisch die Chancen die Risiken bei diesem Investment deutlich überwiegen.

Kommentar von wfwbinder ,

Das Beispiel Telekom ist gut gewählt und ich frage mich bis heute, warum es nur wenige seiner Zeit wie ich gemacht haben und noch knapp über hundert verkauft haben.

Ich habe nur gute Erinnerungen an die Telekom (wenn es um die Aktie geht).

Kommentar von ableihe ,

meine Mutter hat diese Erfahrungen bei der Telekom nicht. Die hat die Aktie immer noch - und hofft.

Hoffnung ist vermutlich das Problem der Privat-/ Kleinanleger. Davon kenne ich viele, die hoffen und hoffen und hoffen. Und dabei verlieren.

Bei einer liquiden Aktie wie der Telekom verstehe ich mehr den Kursverlauf. Da gibt es auch Nachrichten.

Bei einer weniger liquiden Mittelstandsanleihe ist das jedoch anders. Da frage ich mich, wie so ein schleichender Verfall möglich ist. Und man findet rein gar keine Information. Kommt dann mal eine Nachricht, dann reagiert auch die Anleihe meist sofort. Nur verfällt der Kurs eben für Aussenstehende oft grundlos.


hA im Paket für beide!

Kommentar von wfwbinder ,

Wer damals gekauft hat, kann mit der Telekom nicht mehr Geld verdinen. So alt wird kaum Jemand. Was ich nciht nachvollziehen kann ist, wie Leute dabei zusehen, wie eine Aktie so fällt udn nichts machen.

Zur Veranschaulichung wähle ich immer dieses Beispiel.

Es holt sich Jemand 1.000,- Euro von der Bank. nicht in Noten, sondern in 1 Euro mMünzen. auf dem weg nach Hause wird die Tasche immer leichter. Er ieht sich um und entdeckt, das jeden Meter 1 Geld stüück liegt (was aber von anderen schon eingesammelt wird).

Läuft er weiter um zu sehen, wie lange es dauert, bis die Tasche leer ist, oder macht er einen Knoten rein.

Bei Aktien gibt es einen automatischen Knoten, wenn ich einfach einen Stopp Loss setze.

Antwort
von m1ch4el,

Da wirst Du Recht haben, ich könnte mir durchaus vorstellen das manche Investoren eine gewisse "Nähe" zum Management haben oder leichteren Zugang zu Zahlen haben.

Aber jede Anleihe kleinerer Firmen birgt eben größere Risiken und dafür wird man ja auch mit einer höheren Rendite belohnt.

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