Frage von SabineFrage, 152

Schenkung oder Vererbung, Rückzahlung

Meine Mutter möchte mir Geld schenken. So richtig haben wir wohl den Unterschied zwischen Schenken und Vererben nicht verstanden. Ist folgendes richtig: Solange meine Mutter lebt, kann sie mir ihr Vermögen nur schenken und nicht vererben? Vererben geht also nur nach(!) dem Tod, verschenken nur vor(!) dem Tod?

Der Betrag ist über 50.000 Euro aber deutlich unter 400.000 Euro, demnach würde ich keine Schenkungssteuer zahlen? Das entnehme ich hier

http://de.wikipedia.org/wiki/Erbschaftsteuer-_und_Schenkungsteuergesetz

Was ist eigentlich mit den dort dargestellten Steuerklassen in der Tabelle "Steuertarif für Erbfälle und Schenkungen" gemeint? Die haben doch nichts mit meiner Steuerklasse bei der Steuererklärung zu tun? Und die Zeilen bis 75.000 Euro -> 7%, bis 300.000 Euro -> 11% würde also in meinem Fall bedeuten, wenn mir meine Mutter einen Betrag in Höhe von 400.000 Euro + 300.000 Euro = 700.000 Euro zahlen würde, müßte ich 11% Schenkungssteuer zahlen?

Kann sie mir das Geld ganz normal überweisen? Also ohne Notar usw.? Da es ja steuerfrei ist, brauche ich das gar nicht bei meiner Steuererklärung angeben?

Wenn sie nun innerhalb der nächsten 10 Jahre ein Pflegefall wird, würde zunächst ihr Vermögen wie ein Haus und ein vermietetes Haus und weitere Rücklagen "aufgebraucht" werden? Wenn das alles "aufgebraucht" sein sollte, würde das Sozialamt dann die Schenkung zurückfordern? Bzw. im Rahmen von Elternunterhalt müßte ich dann ja sowieso für sie aufkommen, so dass das dann ggf. aufs gleiche hinauslaufen würde?

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Antwort
von imager761, 152

Du hast dir selbst alle Fragen richtig beantwortet:

  • Solange meine Mutter lebt, kann sie mir ihr Vermögen nur schenken
  • wenn mir meine Mutter einen Betrag in Höhe von 400.000 Euro + 300.000 Euro = 700.000 Euro zahlen würde, müßte ich 11% Schenkungssteuer zahlen. Das meint aber, Schenkung + Erbe > 400.000 innerhalb von 10 J. = Steuerpflicht
  • sie mir das Geld ganz normal überweisen? Also ohne Notar
  • Wenn sie nun innerhalb der nächsten 10 Jahre ein Pflegefall wird,würde das Sozialamt dann die Schenkung zurückfordern. Das meint: Auch sie kann innerhalb der Frist Schenkung zurückfordern: Undank, Krankheit, ...

Und was vergessen wurde: Die Miterben werden über diese einseitige Schenkung anteilig Ausgleich verlangen.

G imager761

Kommentar von Angelsiep ,

Zum letzten Satz:

Verlangen können sie viel, aber das Recht haben sie nicht dazu.

Kommentar von imager761 ,

Irrtum: Selbstverständliuch können die gesetzl. Erben, hier Ehegatten und weitere Kinder der Schenkerin, im Erbfall der Schenkungsgeberin Ergänzung beanspruchen, falls ihr Erbe an dem durch offenbar erheblichen Schenkung im sechsstelligen Bereich gemindertem Nachlassvermögen weniger wäre als der Pflichtteil mit abgeschmolzenem Schenkungswert. Rechtsgrund: § 2325 BGB.

Antwort
von EnnoBecker, 115
So richtig haben wir wohl den Unterschied zwischen Schenken und Vererben nicht verstanden.

Wieso? Habt ihr doch verstanden. Vererben kann man nur einmal. Verschenken öfter.

Vererben geht also nur nach(!) dem Tod

Nein. MIT dem Tod, guxtu § 1922 BGB.

Ich persönlich schenke lieber.

Der Betrag ist über 50.000 Euro aber deutlich unter 400.000 Euro, demnach würde ich keine Schenkungssteuer zahlen?

Das hängt davon ab, ob die Schenkungen der letzten 10 Jahre insgesamt die 400.000 Taler übersteigen oder nicht.

Das entnehme ich hier

Jaja, Tante Wiki als Deutschlands ultimative Wissensinstanz. Ich hätte da trotzdem eher ins Gesetz geguckt. Aber diese Macke haben ja nicht alle.

Was ist eigentlich mit den dort dargestellten Steuerklassen in der Tabelle "Steuertarif für Erbfälle und Schenkungen" gemeint? Die haben doch nichts mit meiner Steuerklasse bei der Steuererklärung zu tun?

Wenn "bei der Steuererklärung" bedeutet "bei der Einkommensteuererklärung":
Kann es sein, dass du nicht unterscheiden kannst zwischen einer Schenkung und einem Gehalt?

Da es ja steuerfrei ist

Ist es nicht. Auch wenn keine Schenkungsteuer entsteht, weil die 400.000 Taler nicht überschritten sind, so belastet es doch deinen Freibetrag. Schenkt sie dir heute 100.000 und vererbt dir in weniger als 10 Jahren und 1 Tag 300.001 Taler, entsteht Steuer.

brauche ich das gar nicht bei meiner Steuererklärung angeben?

Es kann sein, dass du wegen der Schenkung keine Steuererklärung abgeben musst. Aber im Erbfall ist eine vorherige Schenkungsteuerfestsetzung (oder Feststellung, inwieweit der Freibetrag verbraucht ist) kein Grundlagenbescheid. Es wird dann erneut vollumfänglich ermittelt.

Wenn das alles "aufgebraucht" sein sollte, würde das Sozialamt dann die Schenkung zurückfordern?

Ja, aber das ist jetzt nicht mehr Steuerrecht, sondern Sozialrecht. Im Steuerrecht zählen die 10 Jahre vom Tag 1 bis zum letzten Tag. Im Sozialrecht wird abgeschmolzen, jedes Jahr ein Zehntel.

Kommentar von SabineFrage ,

Ui, DANKE für die schnelle Antwort.

Ich glaube, ich kenne den Unterschied zwischen Gehalt und Schenkung ;-P - aber wohl nicht die steuerrechtlichen Hintergründe. Daher die Frage: Haben die bei der Schenkung angegebenen Steuerklassen etwas mit den Steuerklassen bei der Einkommensteuererklärung zu tun? Eher nicht oder? Dann doch verwirrend für einen Laien wie mich, von Steuerkassen zu sprechen...

Und jetzt noch zum Steuerrecht und Sozialrecht: Wenn ich innerhalb der letzten 10 Jahre und innerhalb der nächsten 10 Jahre keine weitere Schenkung erhalten werde, wäre der Betrag steuerfrei?

"Im Sozialrecht wird abgeschmolzen, jedes Jahr ein Zehntel." Beispiel: Wenn meine Mutter in einem Jahr ein Pflegefall werden würde, und 7 Jahre später (also 8 Jahre ab heute) all ihr Vermögen zur Finanzierung des Pflegefalls aufgebraucht sein würde, würde das Sozialamt nur 2/10 der Schenkung zurückfordern?

Kommentar von EnnoBecker ,
Daher die Frage: Haben die bei der Schenkung angegebenen Steuerklassen etwas mit den Steuerklassen bei der Einkommensteuererklärung zu tun?

Nein, und auch nicht mit Kfz-Steuerklassen oder wo es noch überall Klasseneinteilungen gibt.

Kommentar von imager761 ,
Wenn ich innerhalb der letzten 10 Jahre und innerhalb der nächsten 10 Jahre keine weitere Schenkung erhalten werde, wäre der Betrag steuerfrei?

Steuerpflicht bemisst sich aus Vermögenswerwerb durch Schenkungen plus Erbe innerhalb von 10-Jahres-Zeiträumen > 400.000 EUR.

Stürbe deine Mutter 2018, würde alles ab 2008 berücksichtigt. Alles meint eben auch: Ratenübernahme bei Autokauf, Einrichtungsfinanzierung, regelmäßiger Zuschuss zum Wohnen, Kratfahrzeugversicherung, kostenlose Wohnen bei ihr usw. sowie alle oberhalb einer sittlichen Pflicht (Geburtstag, Weihnachten) oder im Verhältnis zum Einkommen unangemessen wertvolle Geschenke :-)

würde das Sozialamt nur 2/10 der Schenkung zurückfordern?

Nein, es würde sämtliche Schenkungen innerhalb der letzten 10 Jahre voll zurückfordern, damit deine Mutter ihre Pflegekosten davon selbst bestreiten kann. Mann kann seine Kinder nicht großzügig beschenken, um sich arm zu rechnen, und dann dem Steuerzahler die Pflegekosten aufzubürdern.

Das Abschmelzungsmodell, wonach eine Schenkung innerhalb des ersten Jahres vor dem Erbfall in vollem Umfang, innerhalb jedes weiteren Jahres um jeweils 10% vermindert angerechnet würde, gilt nur bei Nachlassauseinadersetzung (Pflichtteilsergänzungsanspruch der unbegünstigten Miterben).

G imager761

Kommentar von LittleArrow ,

Lustige Antwort:-)

Es gibt ja auch noch Kraftfahrzeugsteuerklassen. Komisch, dass die bei der Gehaltsbesteuerung vergessen wurden.

Im Schenkungssteuerrecht wird nicht jährlich um ein Zehntel abgeschmolzen oder war das mal?

Kommentar von EnnoBecker ,
Im Schenkungssteuerrecht wird nicht jährlich um ein Zehntel abgeschmolzen oder war das mal?

War noch nie.

§ 14 ErbStG funktioniert anders.

Kommentar von Mikkey ,

Beim Pflichtteilergänzungsanspruch gibt es auch sowas, falls Du das meinst ;-)

Kommentar von EnnoBecker ,

Da gibt es das auch, aber das meinte er wahrscheinlich nicht.

Rate ich mal.

Kommentar von SabineFrage ,

So, jetzt bin ich verwirrt bezogen auf die Aussage von EnnoBecker in der ersten Antwort " Im Sozialrecht wird abgeschmolzen, jedes Jahr ein Zehntel."

Ist diese Aussage richtig oder falsch?

Und ist mein darauf bezogenes Beispiel mit den 2/10 richtig oder falsch schlussgefolgert?

Kommentar von imager761 ,
Aussage von EnnoBecker in der ersten Antwort " Im Sozialrecht wird abgeschmolzen, jedes Jahr ein Zehntel." Ist diese Aussage richtig oder falsch?

Sie ist falsch. Schenkungen können gem. §§ 528, 530 BGB vollständig herausgeben bzw. widerrufen verlangt werden.

Das Abschmelzungsmodell kommt gem. § 2325 (3) BGB nur bei Pflichtteilsergänzugsansprüchen in Betracht.

G imager761

Kommentar von EnnoBecker ,
Sie ist falsch.

Man sollte sich eben nicht aus seinem Rechtsgebiet herausbewegen.....

Danke.

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