Frage von romantatta,

Scheinselbständig?

Hallo alle miteinander,

ein Bekannter von mir will sich als Mediengestalter selbständig machen. Er hat auch schon einen ersten Kunden an der Hand, eine Druckerei, die ihn fünf Tage die Woche für jeweils vier Stunden (also 20 Stunden pro Woche) freiberuflich beschäftigen will. Wenn weitere Kunden auf sich warten lassen, fällt das dann schon unter Scheinselbständigkeit? Wei er ja alle Abgaben für Versicherungen selbst tragen muss?

Vielen Dank schon mal im voraus!

Antwort von Niklaus,
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Wenn es bei dem eionen Kundenbleibt, ist er Scheinselbständig. Das kommt übrigens sofort auf, denn wenn er keine Anstellung mehr hat, muss er eine Befreiung der Sozialversicherungspflicht machen.

Antwort von mig112,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Es dauert JAHRE, bis das auffliegt!

Wenn der Bursche bis dahin nicht verhungert ist... denn irgendwann sollte schon ein zweiter oder dritter Auftraggeber eintrudeln!

Antwort von billy,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Für bestimmte Tätigkeiten bleiben Vergütungen bis zu 1848,- € im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Dabei ist eine Tätigkeit nebenberuflich im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG, wenn sie nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs in Anspruch nimmt. Damit ist gewährleistet, dass auch Steuerpflichtige, die im steuerrechtlichen Sinne keinen Hauptberuf ausüben, nebenberuflich im Sinne dieser Vorschrift tätig sein können. Somit kommt es für die Einstufung einer Tätigkeit als Nebentätigkeit nicht darauf an, ob es auch einen Hauptberuf gibt, sondern auf die Zeit, die diese in Anspruch nimmt. Eine andere Frage ist aber die, ob er tatsächlich freiberuflich tätig und damit selbständig oder als Arbeitnehmer einzustufen ist. Als Kriterien für die Annahme einer Scheinselbständigkeit (also in Wahrheit einer Stellung als Arbeitnehmer mit den entsprechenden sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Konsequenzen) gelten: - Tätigkeit nur für einen Auftraggeber

  • keine abhängig beschäftigten Arbeitnehmer außer Familienangehörigen

  • kein selbständiges Auftreten am Markt (z.B. durch eigene Werbemaßnahmen)

  • Weisungsgebundenheit bezüglich Arbeitszeit und Arbeitsort

Liegen eine oder mehrere dieser Kriterien vor, wird gesetzlich vermutet, dass der Betreffende nicht wirklich selbständig ist, sondern Arbeitnehmer mit der Konsequenz, dass der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge für diesen leisten muss.

Antwort von Sara333,
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Hi romantatta, mit der Versicherungspflicht von Selbständigen ist absolute Vorsicht geboten. Bleibt es bei dem einen Auftraggeber wird Dein Bekannter versicherungspflichtig, ohne dass er es merkt. Selbst wenn die Rentenversicherung davon erstmal keinen Wind bekommt, aber dann doch im Nachhinein, wird sie für 4 Jahre rückwirkend die Beiträge verlangen. Bei der Feststellung im Jahr 2010 bedeutet das rückwirkende Pflichtbeiträge ab 01.12.2005! Die Rentenversicherung ist ein Leben lang hinter diesen Beiträgen her. Hier gelten keine Pfändungsgrenzen, da eine später bezogene Rente bis zur Hälfte bzw. bis zur Hilfebedürftigkeit (Alg II) aufgerechnet werden kann. Man sollte eine mögliche Versicherungspflicht also unbedingt vorab klären! Als allererstes besteht auch die Möglichkeit, dass eventuell die Künstlersozialkasse zuständig ist. Du würdest die Beiträge dann an diese zahlen, diese zahlt dann aber quasi den Arbeitgeberbeitrag,sodass die ganzen 19,5% nicht auf Deinen Schultern lasten. Im anderen Fall kannst Du die Versicherungspflicht von der Rentenversicherung prüfen lassen. Du hast 2 Möglichkeiten. Entweder Du gibst an, dass Du im moment einen Auftraggeber hast und ein 2ter nicht in Sicht ist. Das bedeutet, Du wirst Rentenversicherungspflichtig, kannst Dich aber, wenn Du Dich innerhalb der ersten 3 Monate nach der Aufnahme der Tätigkeit meldest, von dieser Pflicht für längstens 3 Jahre befreien lassen. Danach wird erneut geprüft, ob Änderungen eingetreten sind, also neue Auftraggeber vorhanden sind. Überlegt werden sollte auf jeden fall, ob man sich eventuell für nur 2 Jahre befreien lässt und dann doch einzahlt (ist zwar nicht sonderlich ertragreich, aber für manche Personengruppen mit Vorerkrankungen eine gar nicht so schlechte Absicherung im Falle einer Erwerbsminderung). Die andere Möglichkeit ist übrigens, dass Du sagst, dass der eine Auftraggeber nur vorläufig ist und ein 2ter in Kürze dazukommt. Dann wärst Du auf lange Sicht gesehen nicht pflichtig. Das Ganze ist allerdings ziemlich verzwickt, da die Grenze Pflicht/keine Pflicht nicht genau definiert ist. Wenn plötzlich eine Betriebsprüfung bei Dir oder Deinem Auftraggeber ins Haus steht und festgestellt wird, dass Du seit 4 Jahren einen zweiten Auftraggeber suchst, aber nicht findest, wird eventuell doch Versicherungspflicht festgestellt... Nicht Pflichtig wärst Du übrigens auch, wenn Du projektbezogen tätig wärst...also hier mal ein Projekt von eventuell 10 Monaten und dann eines von 11 Monaten für den nächsten Auftraggeber erfüllst. Klingt danach, dass man ständig für einen tätig ist, bei Projekten ist es aber doch anders... Ich würde Dir zu einer Befreiung von 2 Jahren raten um dann nach 2 Jahren mal zu schaun, wie die Lage ist. 1 Jahr mehr Verlängerung, eventuell keine Versicherungspflicht mehr wegen mehreren Auftraggebern oder doch Pflichtbeiträge weil es so schlecht gar nicht ist... Am besten beim zuständigen Rentenversicherungsträger erkundigen. Geh nicht in einer Auskunfts- und Beratungsstelle, sondern lass Dich direkt mit der Beitragsabteilung, die für Dich zuständig ist, verbinden. Die haben die Ahnung und entscheiden. Wie Du schon siehst, ist es ein ziemlich schwammiges Gebiet, auf das A- und B-Stellen nicht umbedingt spezialisiert sind... Achja, aber als allererstes wie gesagt, die Künstlersozialkasse! Viele grüße Sara

Antwort von Rentenfee,
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So weit ich informiert bin, spricht man von Scheinselbständigkeit, wenn man eigentlich ins Betriebsgeschehen eingebunden ist (also weisungsabhänig arbeitet). Kriterien sind hierzu: erscheint man im Stellenplan, muß Urlaub mit dem Auftraggeber abgesprochen werden, wirbt man selber mit seinen Leistungen, kann man -zeitlich und örtlich- arbeiten wie man will, kann man ja und nein zu Aufträgen sagen wie man selber will. Wenn man selbständig entscheiden kann, wann man welchen Auftrag von wem, wann ausführt, dann spricht dies für echte Selbständigkeit. Gegengeispiel wäre z. B. Raumpflegerin, die zu bestimmten Zeiten nach Weisung des Arbeitgebers zu putzen hat. Nicht verwechseln sollte man die Scheinselbständigkeit mit den arbeitnehmerähnlichen Selbständigen, davon spricht man, wenn man ca. 80 % seiner Umsätze nur mit einem Auftraggeber erzielt. Wobei zu Beginn des Selbständigkeit wird dies sicher nicht so eng gesehen, aber nach einiger Zeit sollten sich die Einnahmen auf mehrere Auftraggeber aufgeteilt haben.

Antwort von demosthenes,
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Wenn er dauerhaft, also über einen längeren Zeitraum nur einen einzigen Auftraggeber hätte, dann wäre das eine Scheinselbständigkeit, aber wenn er anfangs nur einen "Kunden" hätte und er auch nur einen Teil der Woche für diesen arbeitet, dann wird das nicht gleich Ärger geben.

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