Frage von Mondpilotin, 68

Rentnerin (67) mit Grundsicherung möchte 2016 einmalig im Dezember 450 € dazuverdienen für Sohn (Student) und eine Matratze. Ist das ohne Abzug erlaubt?

Antwort
von cyracus, 24

Das ist nicht möglich. Bei Grundsicherung im Alter beträgt der Freibetrag ab dem 1. verdienten Euro 30%.

10% von 450 = 45  und 45 x 3 = 135

Verdienst Du also 450 Euro, hast Du einen Freibetryag von 135 Euro.

Beim Zuverdienst bei Grundsicherung im Alter ist der Freibetrag (anders als bei Hartz IV) zudem gedeckelt bei 50% des Regelsatzes. Das bedeutet:

Der Regelsatz beträgt zur Zeit 404 €, 50% davon sind 202 €.

Verdienst Du also mal mehr nebenbei, und Dein Freibetrag wäre bei den 30% mehr als 202 €, wird trotzdem alles über die 202 € angerechnet.

Siehe dazu § 82 SGB XII Absatz (3):

https://dejure.org/gesetze/SGB_XII/82.html

Dort wird unter anderem der § 3 erwähnt (alle roten Zahlen dort sind Links, klick dann drauf). Falls die Nummer 26 in § 3 auf Deine Tätigkeit zutrifft, kannst Du von Deinem Verdienst 200 Euro behalten.

.

Falls Du diesbezüglich weiteren Beratungsbedarf hast, könntest Du dies auch in einer Sozialberatung klären. Google dazu mit
sozialberatung
und füge Deinen Wohnort hinzu (oder den nächstgrößeren, falls er klein ist).
Dir werden so (behördenunabhängige) Beratungsstellen gezeigt wie die
Diakonie / Diakonisches Werk, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband
oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vereinbare dort einen Beratungstermin.

.

Vorsorglich diese Hinweise von mir, die ich arbeitslosen und anderen Grundsicherungsbeziehern reingebe - Du wirst leicht erkennen, was auf Deine Situation zutrifft:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen).
Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge
persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem
mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift bestätigen.
(Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben
rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum und Unterschrift“).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen,
in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es mehrere
Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum dieses
Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift
bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein
Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt
wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet
werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch,
eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie
eine Kostbarkeit hüten)
. - Nicht (oder angeblich nicht) abgegebene
Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht gedeutet werden,
was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. - Und: Werden so die
Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache
zügiger bearbeitet.

Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit
jobcenter unterlagen verloren
und lies auch dies:
Hartz IV: Verschwundene Unterlagen mit System?
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-verschwundene-unterla...

.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein.
Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im
Vertrauen
landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“
(wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden.

.

Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen.
Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher
macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber
auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google
mit 13 sgb 10):

     (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit
           einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene
           gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht
           unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit
Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

     Ämterlotsen
     Behördenlotsen
     Behördenbegleiter
     Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und
(die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine
Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.
(Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen
des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast
Du ein Recht.)

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft):
Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand
sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

Google mit

legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die gesetzliche
Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht darauf hat, sich bei
Behördengängen von einem Beistand begleiten zu lassen.

In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich
etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es
gesagt.

Wenn Du bei einer Sozialberatung bist, frage dort, ob dort Beistände /
Ämterlotsen / Behördenbegleiter ehrenamtlich Dienst machen. In Hamburg
z.B. bietet die Diakonie Begleitung durch Ämterlotsen an.

Antwort
von Gaenseliesel, 44

Hallo,

bei 450€/Mon. Zuverdienst, bleiben dir 170€ anrechnungsfrei. 

Für eine Matratze reichts und der Student kann seinen fehlenden Konsumbedarf doch selbst durch Zuverdienst aufstocken. 

Kommentar von Mondpilotin ,

Bei chron. Erkrankg brauche ich eine BESSERE Matratze. Sohn arbeitet eh, z.Zt. aber AbschlußPhase, daher weniger Zeit. Ich möchte ein Weihnachtsgeschenk für ihn! ... Also nochmal: EINMALIG 450 € Zuverdienst in einem Jahr nicht möglich?

Kommentar von Gaenseliesel ,

Ich denke N e i n !  Näheres siehe anfänglich eingstellte Frage. 

Gruß! 

Kommentar von cyracus ,

@Mondpilotin, in meiner Antwort empfehle ich eine Sozialberatung. Besprich dort Dein gesundheitliches Problem in Verbindung mit dem Bedarf einer entsprechenden Matratze. Ich vermute stark, dass dort derartige Probleme bekannt sind.

Weil Du chronisch krank bist, hilft Dir möglicherweise ein ärztliches Attest, dass Du eine besondere Matratze brauchst. - Ob das überhaupt so möglich ist, weiß man wohl in der Sozialberatung.

Viel Glück

Kommentar von cyracus ,

Hallo Gaenseliesel,

nee, Du gehst vom Freibetrag bei "Hartzis" aus. Die dürfen mehr behalten (also nicht nur beim Vermögensfreibetrag, sondern auch beim Zuverdienst). Den Gesetze schmiedenden Politikern scheint es sehr wichtig zu sein, dass Grundsicherungsbezieher nach SGB XII noch ärmer bleiben als Arbeitslose mit Hartz IV. - Siehe dazu meine Antwort.

LG    ‹(••)›

Kommentar von Gaenseliesel ,

Ok, vielleicht hat sie Erfolg ! 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community