Frage von Louisiana, 1.191

Rente ab 63

Guten Tag, ich werde im Juli 2015 60 Jahre, habe dann 45 Beitragsjahre. Bin weiblich, 2 Kinder. Möchte nicht länger arbeiten und Rente mit 63 +6 Monaten beantragen. Möchte ALG I beantragen, ist das möglich ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von billy, 1.116

Hallo Louisiana, Bist Du sicher im Juli nächsten Jahres mit 60 Jahren die 45 Beitragsjahre erreicht zu haben ? Das hiesse Du warst schon mit 15 Jahren erwerbstätig. Wenn dem so ist - Respekt. Wie schädlich sich Arbeitslosengeldbezug vor der abschlagfreien Rente mit 63 und 6 Monaten (Jahrgang 1955) auswirkt hat @MadRampage schon ausführlich geschildert. Es gibt zwei Möglichkeiten die abschlagfreie Rente ab 63 und 6 Monaten ohne Probleme zu erhalten. Das eine wäre ab August nächsten Jahres einen Minijob (450 €) aufzunehmen und bis zum Renteneintritt durchzuhalten, hier werden die Sozialabgaben vom Arbeitgeber pauschal abgeführt, Du kannst in Deiner gesetzlichen KV bleiben, Deine Rentenanwartschaften werden noch leicht gesteigert und die 3,5 Jahre gelten auch als Beitragszeit. Die zweite Möglichkeit wäre die drei Jahre und sechs Monate ohne Sozialtransfers z. Bsp. von Ersparnissen zu leben, KV Familienversicherung über den Ehemann und dann mit 63 und 3 Monaten den Antrag zur Rente für besonders langjährig Versicherte an die DRV zu senden.

Kommentar von Louisiana ,

Ja, ich bin mir sicher, vorausgesetzt ich erlebe es :-) seit nun 41 Jahren bin ich bei dem gleichen Arbeitgeber . Und vorher 3 Jahre Lehre. Ohne auch nur einen Monat Unterbrechung. Im September habe ich einen Termin bei DRV, da werde ich mich nochmals eingehend beraten lassen. Vielen Dank für die überaus kompetente und sehr hilfreiche Antwort.

Kommentar von billy ,

Immer wieder gern

Antwort
von blnsteglitz, 838

Möglich ist es - aber:

Um Frühverrentungen zu vermeiden, werden Zeiten des Arbeitslosengeldbezuges in den letzten zwei Jahren vor der abschlagsfreien Rente ab 63 nicht mitgezählt.

Eine Ausnahme von dieser Ausschlussregelung ist jedoch für Zeiten des Arbeitslosengeldbezugs vorgesehen, die durch eine Insolvenz oder eine vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers verursacht wurden. Denn in diesen Fällen liegt typischerweise keine missbräuchliche Frühverrentung vor.

http://www.rentenpaket.de/rp/DE/Alle-Fakten/Die-Leistungen/Rente-ab-63/rente-ab-...

Kommentar von Louisiana ,

Danke für die Antwort. Obwohl ich meine Beitragszeiten 2015 ohne Arbeitslosigkeit erreicht habe, kann ich trotzdem kein ALG I beantragen? Wie sieht es aus, wenn ich die Zeiten bis 63 + 6 Monaten ohne staatliche Leistungen überbrücke? Kann ich dann abschlagsfrei in Rente ?

Kommentar von blnsteglitz ,

Du kannst es beantragen - aber siehe dazu die guten Ausführungen von MadRampage

Antwort
von MadRampage, 936

Hallo Louisiana

Natürlich ist das möglich aber mit erheblichen Einschränkungen verbunden:

  1. bei Eigenkündigung gib es eine Sperrzeit von 3 Monaten, in denen man kein ALG1 erhält. Man muss 3 Monate von seinen Rücklagen leben und auch die KV-Beiträge selber zahlen.

  2. ALG1 erhält man ab 60 für maximal 24 Monate. Frühester Renteneintritt ist aber erst mit 62 Jahren möglich und dann nur mit Abschlägen. Die Zeit 62-63,5 muss also von Dir wieder alleine finanziert werden inklusive KV

  3. Natürlich kann man für die Zeit 62-63,5 ALG2 beantragen. Das wird aber nur bei bedürftigkeit gewährt. Hast Du also noch einen Partner oder Familenmitglied im selben Haushalt, muss er für dich Aufkommen. hast Du Vermögen, muss das erst aufgebraucht werden.

  4. Während ALG1 und noch viel mehr während ALG2 wirst Du Bewerbungen schreiben, Gespräche führen, Weiterbildungsmaßnahmen machen müssen

  5. bei ALG2 wird man dich mit 62,0 oder 63,0 mit allen Abschlägen (je Monat 0,3% Abschlag) zwangsverrenten.

  6. das wegen weniger Rentenbeitragsjahren auch weniger Regelrente rauskommen wird, ist auch klar

FAZIT: Du musst entweder diese Nachteile bewust in Kauf nehmen oder eben doch bis 63,5 Jahre arbeiten und dann Rente beantragen.

Kommentar von Louisiana ,

Danke für die Antwort.

Kommentar von Louisiana ,

Wäre es möglich, nach Kündigung ,bei Ehemann in der KV mitversichert zu sein und erst mit Erreichen von 63+ 6 Rente abschlagsfrei zu beantragen? Bis dahin kann ich das finanziell selbst überbrücken.

Kommentar von MadRampage ,

Ja, das ist möglich. Wenn man keine Leistungen von Staat benötigt und man selbst für sich sorgen kann (oder ein Ehepartner oder Gönner), ist man "frei" :)

Ohne Sozialleistungen gibt es auch keine Zwangsverrentung und man darf sich den Zeitpunkt der Rente aussuchen, denn Rente gib es nur auf Antrag.

Kläre aber über die DRV sicherheithalber ab, ob Du wirklich die 45 Pflichtbeitragsjahre zusammen hast und gehe davon aus, dass die Rentenpunkte (und damit die Höhe der Rente) nach der Kündigung, spätestens nach ALG1 nicht mehr ansteigen.

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