Frage von FrauElse, 105

Probearbeiten

Hallo Leute, folgender Fall:

Mein Freund ist vor kurzem aus Griechenland nach Deutschland gekommen. Auf eine Initiativ-Bewerbung hin wurde er zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Trotz seiner noch kaum vorhandenen Deutschkenntnisse verlief das Gespräch gut und man würde ihn gerne zum Probearbeiten kommen lassen. Viele in der Firma sprechen Englisch und das würde demnach vorerst kein Problem darstellen, wenn er sich bemüht, die deutsche Sprache zu erlernen. Er solle 2-3 Tage dort arbeiten und dann würde sein zukünftiger Chef schon absehen können, ob es passt oder nicht.

Diese Woche Montag hat er also dort angefangen. Er arbeitet jeden Tag die volle Schicht, wie alle anderen auch. Er hat auch so einen Chip bekommen mit dem er sich ein-und ausstempelt und muss sich an Arbeits - und Pausenzeiten halten. Führt selbstständig Arbeiten aus, teilweise auch ohne, dass überhaupt jemand der Festangestellten dabei ist. Er erbringt also bereits vollwertige Arbeit. Die Person, die ihn eigentlich begutachten wollte, hat er bis jetzt einmal für 10 Minuten gesehen und hat noch nicht einmal seine Arbeitsweise überprüft.

Wir haben uns natürlich riesig gefreut, dass er dort zur Probe anfangen kann. Aber so langsam bekam ich das Gefühl, dass da irgendetwas nicht stimmt.

Das ist doch kein Probearbeiten, wenn sowieso keiner zuschaut. Wozu muss er eine ganze Woche vollzeit dort auftauchen, wenn eh keiner überprüft, wie er arbeitet?

Am dritten Tag dann bekommt er von seiner Kollegin den Dienstplan für die ganze Woche ausgehändigt, obwohl ja eigentlich nur für 2-3 Tage ausgemacht war. Mein Freund hatte sich darüber natürlich gefreut, weil er der Meinung war, sie sind mit ihm zufrieden und würden gerne noch mehr sehen.

Heute, am letzten Tag des Probearbeitens sagen sie ihm dann, dass seine Arbeit sehr gut sei. Aber da er die deutsche Sprache nicht spricht, könnten sie ihn nicht einstellen. Wir haben weder in der Bewerbung, noch sonst irgendwann ein Geheimnis daraus gemacht, dass er die deutsche Sprache noch nicht beherrscht. Beim Bewerbungsgespräch haben sie es dann ja spätestens bemerkt und ihn dennoch eingeladen, um zur Probe zu arbeiten. Bereits am ersten Tag hätte sie dann ja allerspätestens mitbekommen müssen, dass er kaum deutsch spricht. Und ganz plötzlich wollen sie ihn doch nicht, weil er die Sprache nicht spricht!

Eine Woche ohne Lohn arbeiten und dann kommen sie ihm mit so etwas! Das finde ich reichlich unverschämt und ich würde gerne wissen, ob wir uns da irgendwie wehren können, bzw. ob er das Anrecht hat, sich zumindest diese Woche entlohnen zu lassen. Wir hatten schließlich auch Fahrtkosten in dieser Woche, die ja nun umsonst waren, obwohl das Probearbeiten ja völlig sinnlos war, wenn von vornherein klar war, dass er kein deutsch spricht.

Ich wäre wirklich über jeden Tipp dankbar, ob wir uns zumindest die Unkosten, die uns dadurch entstanden sind, irgendwie wieder holen können.

Vielen Dank schon mal.

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Antwort
von williamsson, 97

Hier ist die Chance schlecht für den Freund. Nach 2-3 Tagen hätte geklärt werden müssen, ob ein Arbeitsverhältnis zustande komt oder nicht. Der Dienstplan wäre ein Indiz dafür. Warum nicht vor das AG ziehen? Probearbeiten für eine Woche ist lang , aber leider nicht ganz unüblich.

Antwort
von finanzbecher, 81

Mhm schwierig zu beurteilen finde ich. Das Verhalten finde ich nun auch nicht toll. Ob der Dienstplan ausreicht, müsste man mal von einem Anwalt bewerten lassen denke ich.

Jedoch glaube ich auch nicht, dass die Probezeit unzumutbar wäre.

Antwort
von Primus, 54

Ich sehe da keine Chance für Deinen Freund, denn es ist durchaus üblich, dass zur Probe eine Woche lang unentgeltlich gearbeitet werden kann.

Da es sich um eine mündliche Vereinbarung handelt, steht die Frage nach der Beweisbarkeit. Die Gegenseite könnte behaupten, es wäre ein Probearbeiten ausdrücklich ohne Bezahlung vereinbart worden.

Kommentar von Zitterbacke ,

Der Dienstplan wäre ein Beweis .

Kommentar von Mikkey ,

.. aber auch die Gegenseite kann eine solche Behuptung nicht beweisen.

Fakt ist aber die Woche Arbeit.

Kommentar von Primus ,

Alles richtig was Ihr schreibt - aber ich gehe mal davon aus, dass es die Sache nicht wert ist. Viel Ärger mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Kommentar von Tina34 ,

die Gerichte unterscheiden ganz unterschiedlich. Wenn er Leistungen von der Arge erhält dann wirds richtig kompliziert, denn dann kann es durchaus sein das er sogar 2 Wochen arbeitet und keinen Cent bekommt. Warum hat er den nicht nach dem 2-3 Tag mal gefragt was nun ist?

Kommentar von Primus ,

Das wäre wohl sinnvoll gewesen.

Antwort
von Zitterbacke, 57

Meiner Meinung nach hat er eigentlich schon einen Arbeitsvertrag !

Er hat einen Dienstplan ausgehändigt bekommen. Und das könnte schon ein Direktionsrecht des Arbeitgebers sein und somit ein Arbeitsvertrag zu Stande gekommen sein !

" Vom Abschluss eines Arbeitsvertrages gehen die Arbeitsgerichte dagegen immer dann aus, wenn der Arbeitgeber bereits berechtigt ist, Direktionsrecht auszuüben. Dies ist dann der Fall, wenn der Arbeitgeber den Bewerber anweist, bestimmte Arbeitszeiten einzuhalten, konkrete Tätigkeiten auszuüben oder bestimmte Arbeitsorte aufzusuchen. Indizien für den Abschluss eines Arbeitsvertrages sind auch z.B. die Verpflichtung zum Tragen einer Dienstkleidung, zur Einhaltung von Pausenzeiten oder die Vereinbarung einer Vergütung."

http://www.haufe.de/personal/hr-management/probearbeit-schnuppertage-was-arbeitg...

Sicherlich werdet ihr rechtlichen Beistand brauchen. Ob es sich lohnt ???

Gruß Z... .

Kommentar von Mikkey ,

Das sehe ich ähnlich. Der rechtliche Beistand ist m.E. vorerst nicht vonnöten, man kann auch direkt zum Arbeitsgericht marschieren und den Lohn für diese Woche einfordern lassen.

Die Mitarbeiter dort sind durchaus bereit eine Klageschrift zu erstellen. Kosten entstehen dabei nicht..

Kommentar von Snooopy155 ,

Zumindest ab dem Tag, ab dem er nach Dienstplan arbeiten mußte ist reguläres Entgelt einklagbar und wenn keine Verlängerung der Probezeit ausgesprochen wurde, dann würde ich sogar unterstellen, dass ab diesem Moment ein Arbeitsvertrag zustande kam.

Antwort
von billy, 32

Sehe da auch keine Chance für Euch noch etwas zu erreichen.

Antwort
von Rettungschirm, 38

Glaub auch nicht das ihr da eine Chance habt irgendwas zu machen. 1 Woche lang Probearbeiten ist mittlerweile schon fast üblich in den Betrieben. 

Kommentar von Zitterbacke ,

"Wer nichts weiß , muß alles glauben."

Marie von Ebner-Eschenbach

Antwort
von HilfeHilfe, 30

naja er könnte sich evtl einklagen.

Will er das den ? In ein fremdes Land kommen und die neuen unbekannten Rechte einklagen ? Wohl kaum.

Ich würde einfach beim nächsten Mal in so einem Gespräch genauer nachfragen wie es weitergeht etc pp

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