Frage von Luscinia, 153

Ich suche eine private Pflegeversicherung, was soll ich wählen: Pflegetagegeld oder Pflegerente?

Langsam wird's Zeit, die letzte Lücke in der eigenen Vorsorge zu schließen. Ausgangsbasis: Mein Mann (35) und ich (38), kinderlos, beide Vollzeit festangestellt, eigenes Reihenhaus wird gerade abbezahlt. Riester, BU, bAV vorhanden. Da wir keine Kinder haben, habe ich lange darüber nachgedacht, ob wir überhaupt eine Pflegeversicherung brauchen, aber wir wollen uns im Fall der Fälle ja auch nicht gegenseitig in den Ruin treiben, also ist es wahrscheinlich doch sinnvoll - oder?

Die Maklerin hat mir nun mehrere Angebote gegeben, aber die grundsätzliche Entscheidung, ob Pflegetagegeld oder Pflegerente, müssen wir selbst treffen - ist ja auch eine Preisfrage. Sie hat auch mit rein kalkuliert, wie viel wir beide jeweils gesetzlich zu erwarten haben und den Beitrag bzw. die zu erwartende Pflegerente darauf abgestimmt.

Nach Bauchgefühl klingt für mich die Pflegerente interessanter, auch nach dem was ich bisher u.a. hier so gelesen habe. Sie hat uns die Swiss Life und Gothaer vorgeschlagen. Spricht grundsätzlich was gegen einen der beiden Anbieter für dieses Thema? (Ich hoffe, man darf sowas fragen...)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hanseat, 88

Eine Pflegerente ist (teilweise) rückkauffähig, OK. Aber haben Sie sich mal mit der Leistungsfallprüfung von Pflegerenten befasst ? Wenn man da genau liest, insbesondere sämtliche Obliegenheiten und die Bewertungsmaßstäbe, dann kann man zum Ergebnis kommen dass eine solche Leistungsfallprüfung für jemanden der pflegebedürftig ist, (auch wenn noch Angehörige "verfügbar" sind) eine Zumutung sondersgleichen darstellt. Lesen Sie mal bitte den entsprechenden Abschnitt der AGBs der Swiss Life durch, viel Spaß im Leistungsfall.

Die Anbieter von Pflegerentenversicherungen sind, bis auf eine Ausnahme, alle auch Anbieter von BUs. Das erkennt man dann auch an den Bedingungen, die z.T. bemerkenswerte Ähnlichkeiten aufweisen. Das spiegelt sich weitestgehend auch im Abschnitt Leistungsfall wieder. Die Ausnahme ist die Ideal, nicht nur deshalb für mich allererste Wahl bei Pflegerenten.

Grundsätzlich stehe ich fondsbasierten Risikoversicherungen kritisch gegenüber.

Ich persönlich halte die Bedingungen der Gothaer für max. durchschnittlich (u.a. 4 von 6 ADL-Punkten) und die der Swiss Life für gut.

Denken Sie daran dass es nun 5 Pflegestufen gibt statt vorher 3. Da nützt es erst einmal nichts wenn die Leistung gem. SGB IX Stand uralt bemessen wird. Die AGBs müssen unbedingt etwas zu zukünftigen Änderungen des SGBs sagen. Das gilt im Übrigen auch für Pflegetagegelder. Natürlich muss geleistet werden nach SGB IX oder nach ADL, nicht nur nach einem, das ist klar, aber entscheidend kann sein, nach welchem SGB IX.

Der Vorteil des garantierten Beitrages (wegen LV-Kalkulation usw.) bei einer Pflegerentenversicherung ist nicht zu vernachlässigen, das ist natürlich im KV-Bereich (Pflegetagegelder) etwas Anderes. Darüberhinaus gibt es m.E. keine Vorteile von Pflegerenten gegenüber sehr guten Pflegetagegeldern. Das "psychologische" Problem von Pflegetagegeldern, nämlich dass das Geld weg ist wenn nichts passiert, lässt sich wohl bei kinderlosen Menschen relativieren oder ?

Das ist ein sehr komplexes Thema und es erfordert eine gehörige Portion Detailarbeit. Die Vorschläge Ihrer Maklerin kann ich nicht nachvollziehen, warum wurden z.B. Ideal, Volkswohlbund und WWK nicht berücksichtigt ?

Welche Tarife wurden denn im Bereich Pflegetagegeld vorgeschlagen ?

Für eine Krankenzusatzversicherung (Pflegetagegeld) gibt es 4 bis 9 Monatsbeiträge Abschlussprovision, eine Pflegerentenversicherung wird wie eine BU oder eine Rentenversicherung verprovisioniert (also ca. 3 bis 4,5 % der Bruttobeitragssumme). Das ist ein erheblicher Unterschied und mag bei manchem Makler die Beratung beeinflussen.

Kommentar von Luscinia ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Das Thema ist also noch komplizierter, als ich dachte. :/

Ja, grundsätzlich sehe ich solche Konstrukte mit einem Guthaben am Ende auch eher skeptisch - man bekommt ja nur das raus, was man vorher extra mehr gezahlt hat, also kann man das eigentlich auch gleich anderswo ansparen, entkoppelt. In dem Fall dachte ich aber aus irgendwelchen Gründen, dass das vielleicht sinnvoll wäre… Da habe mich wohl geirrt.

Hm, sie sagte, dass das alles ganz super wäre, weil der Hausarzt, der einen kennt, die Beurteilung machen kann, und nicht irgendein Gutachter von der Versicherung...

Pflegetagegeld hat sie nur ein Angebot gemacht, und zwar "DEMA Vitalprotect", das scheint ein eigener Tarif zu sein und von der „Deutschen Familienversicherung“ zu kommen. Von dieser Versicherung habe ich aber noch nie was gehört. Wenn das Thema „Pflegetagegeld“ doch interessanter ist als "Pflegerente", würde ich sie mal fragen, ob sie mir noch was anderes vorschlagen kann. Nach welchen Anbietern kann ich denn da am besten mal fragen?

Kommentar von Hanseat ,

Ob ein Pflegetagegeld interessanter ist, müssen Sie beurteilen, am besten nach ausgewogener und ausführlicher Beratung. Ja, leider ist das Thema komplex und auch kompliziert.

Bei Pflegetagegeldern gibt es eine Reihe von guten Tarifen. Aber es gibt eben auch jede Menge Kriterien und Leistungsmerkmale die im Einzelnen (Bedeutung allg. und dann Bedeutung für Sie) zu besprechen sind. Pauschal kann man da keinen Tipp abgeben.

Den DEMA-Tarif kenne ich nicht, die DEMA ist ein Makler und ein Konzeptgeber (ob ich sowas im Krankenversicherungsbereich haben möchte ??), der Rückversicherer ist in der Tat die Deutsche Familienversicherung (DFV). Es ist ein etws älterer Tarif, die DFV selbst hat zwischenzeitlich einen neuen Tarif.

Antwort
von RHWWW, 75

Hallo,

ich persönlich würde die Entscheidung bis Jahresende vertagen: aktuell gibt es 3 Pflegestufen. Zum 1.1.2017 werden 5 Pflegegrade eingeführt.

Man sollte eine private Versicherung wählen, die sich auf diese Pflegegrade bezieht. Sonst wäre mir das Risiko von Streitigkeiten zu den Begriffen Pflegestufe und Pflegegrade zu groß.

Gruß

RHW

 

Kommentar von Luscinia ,

Auch Dir danke für die Antwort. In dem Zusammenhang stellt sich mir dann natürlich die Frage: War das dann die letzte Änderung der Pflegestufen, bis ich evtl. zum Pflegefall werde? Wenn sich nach Abschluss der Versicherung noch mal irgendwann was ändert, steht man ja wieder vor dem selben Problem?

Kommentar von RHWWW ,

Gern geschehen.

Die Einteilung mit den 3 Pflegestufen galt von 1995 bis 2016. Die 5 Pflegegrade sollen langfristig gelten. Eine Garantie gibt es aber nicht. 1995 hat man keinerlei Erfahrungen mit dem Thema Pflegeversicherung. Jetzt kann man auf 20 Jahre Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Antwort
von Primus, 81

Also meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass ich von einer privaten Pflegeversicherung  ganz absehe. Ich finde, dass das Geld  besser in die Altersvorsorge investiert werden sollte.

 Pflegebedürftige Menschen geben weniger Geld für Konsumgüter aus und könnten ihre Pflege mit ihrer Rente oder Angespartem bezahlen- wenn es denn eine ausreichende Altersvorsorge gibt.

Aber wie gesagt, es ist nur  meine Meinung zu dem Thema.

Kommentar von Hanseat ,

Und warum sind dann relativ viele Pflegebedürftige, gerade in höheren Stufen und im Heim, Sozialfälle ?

Kommentar von Primus ,

Wegen der fehlenden Altersvorsorge ??

Kommentar von Luscinia ,

Kann man denn so viel eigene Altersvorsorge betreiben, dass es im Zweifelsfall auch für Pflegestufe III ausreicht?

Kommentar von Primus ,

Es kommt immer drauf an, was man monatlich so abzweigen kann.

Ich schicke Dir mal eine Info über PN, da ich hier keine Werbung machen möchte.

Antwort
von Underfrange, 88

Wie gut ist das Vertrauensverhältnis zu Ihrem Versicherungsmakler?

Wenn der Pfegefall Eintritt ist die Pflegerente wohl die beste Wahl. Das geht auch mit Beitragsrückerstattung. Die beiden genannten Anbieter gehören zu den Guten.

Pflegetagegeld ist die zweite Wahl, vor allem weil es deutlich billiger zu haben ist. 

Erst an dritter Stelle würde ich die Pflegekostenversicherung stellen.

Kommentar von Hanseat ,

"Wenn der Pfegefall Eintritt ist die Pflegerente wohl die beste Wahl."

Würden Sie das erklären ? Die Regeln bez. der Leistungsfallprüfung sind im Pflegerentenbereich sehr, sehr  viel anspruchsvoller als bei Pflegetagegeldern. Stichworte sind hier bei Pflegerenten zusätzliche ärztliche Gutachten und ausführliche Beschreibungen der Entwicklung des Pflegefalles, bei Pflegetagegeldern (PTGs) genügt teilweise schon der Bescheid des MDKs / medicproof.

Kommentar von Underfrange ,

Hier findet keine Beratung statt, auch ein fachlicher Schlagabtausch gehört hier nicht hin. Die Interessenten für diese Produkte sollten sich wirklich persönlich beraten lassen und nicht Internetforen selbst studieren. Die Problematik bei der Pflegeklasseneinstufung ist mir bekannt.

Kommentar von Hanseat ,

Das ist schon klar, aber Ihre o.g. Aussage hilft doch dann so dem Fragesteller überhaupt nicht weiter.

Antwort
von NasiGoreng, 12

Ich habe mich noch nie intensiver mit Fonds auseinandergesetzt, weil es so einen Wust an Angeboten gibt. Das war mir immer nicht ganz geheuer. Wie stelle ich das denn an, dass ich einen für mich (bzw. für den Zweck) geeigneten Fonds finde?

www.riv.de

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