Frage von StudentenJessi, 27

Pausenzeitenregelung: Welche Abzüge sind rechtens?

Hallo zusammen!

Ohne große Umschweife geht es mit den äußeren Umständen los (was man zum Sachverhalt wissen muss): Ich bin Dualstudentin mit Auszubildendenstatus. Das bedeutet, ich studiere quasi ganz normal auf Vollzeit, arbeite in den Semesterferien / während der Vorlesungsfreien Zeit, bekomme jeden Monat eine Ausbildungsvergütung und zahle keine Steuern, aber Sozialversicherungen.

Um mein Gehalt aufzubessern, habe ich für die Ferien neben dem normalen 40h-Job in meinem Betrieb noch einen Kellnerjob angenommen, auf 450€-Basis, unbefristet, 9,50€ die Stunde.

Als meine erste Abrechnung kam, fehlten mir 53,84€. Meine Stunden habe ich mir aufgeschrieben und sie sind auch im System verzeichnet. Daher sprach ich die Restaurantleiterin an, wie der Fehlbetrag zustande käme. Sie hatte die Abrechnung noch nicht vorliegen, erklärte aber, dass man versehentlich mit 8,50€ gerechnet hatte, dazu kamen Steuerabzüge. Da dann immer noch etliche Euros fehlten, erreichte mich wenig später eine Nachzahlung von 27,20€, was insgesamt immer noch 26,64€ zu wenig waren.

Sie erklärte, dass im Restaurant die Regelung vorhanden sei, dass nach 4,5h eine halbe Stunde Pause abgezogen wird. Ich konnte dies nicht prüfen, da im Vertrag kein entsprechender Paragraph verzeichnet ist und auch kein Betriebsrat existiert. Diese besagte halbstündige Pause habe ich jedoch kein einziges Mal vollständig genutzt. Ich durfte mich zwischenzeitlich an einigen Tagen für 5, maximal 10 Minuten in die Küche oder auf den Hof setzen, aber wirklich Pause war das auch nicht, da es ja direkt mit dem Stress weiterging.

Mir ist klar, dass das in der Gastronomie normal ist. Aber habe ich das Recht, mir mein Geld zu erkämpfen? Für eine Studentin mit Auszubildendenvergütung ist das viel Geld. Ich habe keine halbe Stunde Pause gemacht. Ich lasse mir gerne 15 Minuten abziehen, wenn es die Inhaber glücklich macht, aber 30 Minuten sind zu viel. Das wären 19€, von denen ich für MINDESTENS 9€ noch gearbeitet habe.

Und das ist nur der erste Monat, wer weiß, wie es bei den übrigen aussieht, wo ich viel mehr und öfter länger als 4,5h gearbeitet habe - die Abrechnung steht nächste Woche an, daher möchte ich vorbereitet sein.

Darf ich das mit mir machen lassen? Bin für jeden Rat dankbar! :)

LG Jessi

Antwort
von RHWWW, 10

Hallo,

eine Pause von mindestens 30 Minuten muss spätestens nach 6 Stunden Arbeit gemacht werden. Sie kann auch wesentlich eher gemacht werden, wenn die restliche Arbeitszeit dann 6 Stunden nicht übersteigt.

Wann die Pause gemacht wird, bestimmt der Arbeitgeber, solange es mit dieser gesetzlichen Regelung übereinstimmt. Wenn es keine Vorgabe vom Arbeitgeber gibt, eine weniger intensive Zeit für die Pause selber aussuchen. Die Gehaltsabrechnungsprogramme ziehen automatisch die Mindestpausen von der Arbeitszeit ab. Wenn man mehr als 9 Stunden gearbeitet hat (also 9 Stunden plus 30 Minuten Pause), werden automatisch zusätzlich 15 Minuten Pause abgezogen.

 https://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/__4.html

Ggf. Gespräch mit der Gewerkschaft suchen (Mitgliedschaftsbeiträge). Oder den Ausbildungsberater bei der  IHK kontaktieren.

Gruß

RHW

Kommentar von StudentenJessi ,

Dankeschön für die Antwort. :) 

Ich habe auch schon gehört, dass das alles rechtens ist, dass die Pause früher gemacht werden muss, falls die Arbeitszeit 6h nur unwesentlich übersteigt, da ich quasi direkt nach der Pause dann gehen müsst o.ä.
Aber muss der Arbeitgeber nicht irgendwo festschreiben, nach welcher Zeit die Pausen zu machen sind? Ich habe ja nur durch die Abrechnung davon erfahren (dann muss wohl im Gehaltabrechnungsprogramm stehen, dass nach 4,5h automatisch abgezogen wird). 

Ich bin nicht bei der IHK, weil ich ja quasi Dualstudentin mit Auszubildendenstatus bin.
Aber bei der Gewerkschaft werde ich mich mal erkundigen, danke für den Tipp. 

Kommentar von RHWWW ,

Gern geschehen!

Falls bei Arbeitsbeginn noch nicht klar ist, ob die Arbeitszeit an dem betreffenden Tag 5 oder 6 oder 6,5 Stunden betragen wird, kann der Arbeitgeber auch anordnen, dass nach 4,5 Stunden immer eine Pause zu machen ist. Eine Pause zählt nur, wenn sie mindestens 15 Minuten beträgt und ab einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden mindestens ingesamt 30 Minuten (ggf. auch 2 x 15 Minuten) dauert.

Ggf. einmal grds. abklären, wann die Pausen genommen werden sollen. Falls es keine allgemeine Anweisung gibt, dann jeweils bei Arbeitsbeginn fragen.

Wenn die Arbeitszeit 6 Stunden nicht überschritten hat, kann der Arbeitgeber auch noch rückwirkend der Gehaltsstelle bzw. dem Steuerberater Bescheid sagen, dass tatsächlich keine Pause gemacht wurde. Dann würde eine Nachzahlung erfolgen.

Antwort
von Snooopy155, 7

Lass Dir von der Chefin doch den Zeitplan für Pausen geben, dass sie unbezahlt sind weißt Du jetzt ja. Ob es sich in Deinem Fall dann wirklich um eine Paue handelt kannst Du hier nachlesen:

http://www.arbeitsrecht.org/arbeitnehmer/arbeitszeit/diese-pausen-stehen-ihnen-z...

Kommentar von StudentenJessi ,

Danke für die Antwort! 
Aber es geht mir nicht darum, dass ich die Pausen machen will - es geht mir darum, dass mir bei der nächsten womöglich 50€ für Pausen abgezogen wurden, die ich nicht gemacht habe (auch lt. Deinem Link), und das Geld hätte ich gerne wieder.
Daher würde ich gerne wissen, wo / wie ich dagegen angehen kann? :) 

Kommentar von Snooopy155 ,

Wenn es eine Pausenregelung gibt und diese nicht Pausen nicht als Pause genutzt wurden, läßt sich daraus keine Bezahlung der Pausenzeiten ableiten, bzw. können diese Zeiten nicht als Arbeitszeit umdeklariert werden. Aber genau das willst Du erreichen.

Du kannst nur in Zukunft auf Deine Pausen bestehen und wenn dann die Chefin Dich auffordert in der Pause zu arbeiten, dann muß Sie die Pausenzeit bezahlen. 

Antwort
von TopJob, 3

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen wurden in den vorhergegangenen Antworten bereits zur genüge diskutiert.

Die Frage ist jetzt natürlich, wie du auf deine Situation reagieren kannst oder solltest. Das grundsätzliche Problem sehe ich erst mal nur in der Tatsache, dass du von der Pause nach viereinhalb Stunden nicht wusstest und diese aus diesem Grund auch nicht in Anspruch genommen hast. Somit fehlen dir die 26,64 EUR. Ich kann gut nachvollziehen, dass dies aus deiner Sicht ungerecht ist und sie dir durchaus zustehen (sollen). Du solltest im ersten Schritt nun noch mal auf deine Chefin zugehen und fragen, ob man sich mit dem Geld irgendwie einigen kann.

Danach kannst du natürlich versuchen, über andere Wege an dein Geld zu kommen, solltest aber immer dran denken, dass das Arbeitsverhältnis danach sicherlich nicht mehr so ideal sein wird. Da solltest du dir die Frage stellen, was dir wichtiger ist.

Für für die Zukunft ist die Sache jedoch klar. Wenn dein Arbeitgeber eine halbe Stunde Pause nach viereinhalb Stunden verlangt, dann musst du dich daran halten. Du hast im Gegenzug aber natürlich auch das Recht diese einzufordern.

Antwort
von LittleArrow, 12

Es gibt ein Arbeitszeitgesetz, dass auch die Pausen regelt:

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt\_Arbeitsrecht\_Handbuch\_Arbeitszeit.html#toc...

Bei 4,5 Arbeitsstunden muss also gar keine Pause gewährt werden, kann aber dennoch so im Betrieb gemacht werden. Die 30 Minuten Pause sind erst ab 6 Stunden Arbeitszeit vorgesehen. Dies muss natürlich auch von amtswegen nachprüfbar sein. In Deinem Fall ist also Klärungsbedarf, da Du während der abgezogenen, aber nicht verpflichtenden Pause gearbeitet hast bzw. arbeiten sollst.

Andererseits bekommst Du sicherlich Dein volles Trinkgeld, dass Dir die Gäste geben, oder liegt hier auch was im Argen?

Kommentar von Gaenseliesel ,

hm .....

" Andererseits bekommst Du sicherlich Dein volles Trinkgeld, dass Dir die Gäste geben,"

........das sollte mich wundern :-(

ich kenne einen Fall, da wurde der Verdienst erst durch die Trinkgelder zum Mindestlohn ! 

Die Kellnerin verzichtete (leise flüsternd) auf unser Trinkgeld, mit genau dieser Begründung ! 

Was sagt man dazu ? Das Schlimme dabei ist, diese Kellnerin ist als alleinerziehende Mutter auf diesen Job angewiesen ! :-( 

Kommentar von StudentenJessi ,

Danke für deine Antwort!

Also darf ich schon dagegen angehen (so entnehme ich es jetzt deinem Kommentar)? 

Ich bin nur Läufer, da ich Aushilfe bin. Das heißt, ich darf keine Bestellungen annehmen oder abkassieren - heißt kein Trinkgeld wie bei Kellnern. Diese müssen aber 5% ihres Trinkgelds abgeben, was dann jedoch durch die komplette übrige Belegschaft geteilt wird. Sprich 10€ Trinkgeld in 2 Wochen. 
Mit Trinkgeld würde ich mich nicht beschweren. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass bei der nächsten Abrechnung mehr als 50€ fehlen für Pausen, die ich nicht gemacht habe, und das regt mich auf.
An wen kann ich mich denn wenden, wenn die Chefs z.B. sagen "du standest doch rum, wenn nichts los war, oder hast dich kurz hingesetzt"? 

Kommentar von LittleArrow ,

Du hast gesehen, dass Deine Arbeitsumstände noch nicht so ganz vollständig beschrieben waren, nicht nur hier, sondern auch in der Einstellungsphase. Klärung erzielst Du nur im Gespräch, das ohne Vorwürfe erfolgen sollte, weil sich sonst die Arbeitsatmosphäre verschlechtert. Nach dem Gespräch ist vor dem Gespräch und Du weißt bei der nächsten Jobsuche, was es zu fragen gilt. Momentan musst Du denen sagen bzw. mit denen abklären, dass Du Deine 4,5 Stunden ohne Pausenabzug arbeiten willst und dass sich das auch so in der Abrechnung wiederfinden soll: "Welche Möglichkeiten sehen Sie hierzu?"

"An wen kann ich mich denn wenden, wenn die Chefs z.B. sagen "du standest doch rum, wenn nichts los war, oder hast dich kurz hingesetzt"?"

"Chefs"? Da solltest Du mal dringend abklären, wer da Chef für Dich ist. Sonst sagt der eine "Lauf zu Tisch 3!" und der andere "Das ist nicht so wichtig, geh' erst zu Tisch 14!" und Chef von Tisch 3 ist sauer ...

Und wenn Du Deine Pause machst, dann nicht durch Herumstehen oder Dich Hinsetzen, sondern indem Du denen sagst bzw. fragst "Ich mache jetzt 15 Minuten Pause. Okay?" und Du raus gehst!

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