Frage von damian89, 9

Niedrigzinspolitik und Anleihen

Wieso bieten aktuell Staatsanleihen so wenig Rendite? Kann man dies auf die niedrigen Leitzinsen zurückführen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von forellenfang, 5

du triffst sozusagen den Nagel auf den Kopf mit Deiner Vermutung- sinkt der Leitzins, werden die Staatsanleihen für die Anleger dort weniger attraktiv, weil sie ja dann auch weniger Zinsen bringen.

Kommentar von damian89 ,

Danke für die Antwort. Sobald dann die Leitzinsen angehoben werden müssten ja theoretischer weiße die Aktien Indizes fallen und die Staatsanleihen wieder steigen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Nicht ganz. Am Sekundärmarkt werden mit steigenden Zinsen die Anleihenkurse fallen. Die Renditen für Emissionen im Primärmarkt könnten dagegen steigen.

Aktien sind nicht alle gleich zinssensitiv. Das kommt auf den Verschuldungsgrad und die Abhängigkeit von Investitionen und Finanzierungen an. Man muß also genau betrachten, auf welcher Seite der Zinsen ein Unternehmen ist. Banken beispielsweise können mit steigenden Zinsen höhere Margen rechtfertigen, während ein Unternehmen, das beispielsweise zu finanzierende Vorentwicklungsphasen von 3-5 Jahren für Produkte hat, darunter leiden kann.

Antwort
von Finanzschlumpf, 7

Das kommt darauf an, wie es immer so schön heißt.

Der Zins für 10jährige Bundesanleihen wird kaum bis fast garnicht von den Leitzinsen beeinflusst. ( Da der Leitzins kein 10jahres Zins ist, sondern ein letztendlich variabler Zinssatz ).

Am kurzen Ende ist der Leitzins schon eine gewisse Bestimmungsgröße. Aber auch hier gilt langfristig, dass der Markt immer aus Angebot und Nachfrage seinen eigenen "normalen" Zinssatz hat. Wenn der Leitzins ( und die Zinsstrukturkurve ) zu sehr davon abweichen, hat dies stets Konsequenzen in Form von Inflation oder Deflation.

Antwort
von wfwbinder, 6

Angebot und Nachfrage machen den Preis. Die Staatsanleihen der bonitätsstarken Länder wie Deutschland sind gefragt, der Kapitalmarktzins gering, also bringen diese Papiere Sicherheit, aber miese Rendite.

Sie würden ja auch einem Darlehnsgeber keine 4 % Zinsen zahlen, wenn Ihnen anderer das Geld für 1,5 % gibt.

Ausserdem gibt es auch Staatsanleihen mit guten Renditen. Anleihen von Zimbabwe bekommen Sie mit garantierten 20 % Rendite. Aber den Flug fürden Gerichtsvollzieher zum kassieren müssen Sie selbst zahlen.

Antwort
von gandalf94305, 3

Leider ging bisher keiner auf die wirkliche Frage ein, daher versuche ich mal, diesen Punkt zu adressieren.

Der ECB-Zinssatz, zu dem sich Banken Geld leihen können, bestimmt eine Art untere Grenze für Finanzierungen. Der Zinssatz der Einlagefaszilität der ECB bestimmt einen "risikolosen" Zins im Markt.

Risiken von Emittenten werden als Spreads, d.h. Zinsaufschläge, gehandelt. Je höher das Risiko einer Anleiheemittentin also ist, desto höher ist der Abstand zu den Leitzinsen.

Steigen die Leitzinsen, so verteuern sich die Geldbeschaffungen für Banken und dadurch auch Staaten und Unternehmen. Dadurch müssen sie (bei unverändeter Bonität) einen steigenden Zins auf Anleihen zahlen, damit der Spread gleich bleibt.

Risiken von kürzer laufenden Anleihen werden geringer bewertet als solche langlaufender Anleihen. Also sind die Zinssätze für Kurzläufer geringer als die der Langläufer. Diese Struktur der Spreads bzw. der Zinssätze wird in einer Zinsstrukturkurve ausgedrückt.

Kauft nun eine Zentralbank Anleihen in großem Stil auf, so verändert sie künstlich diese Zinsstrukturkurve eines Landes, indem sie die Kurse für Anleihen in einem bestimmten Teil des Spektrums steigen läßt. Steigende Kurse bedeuten fallende Renditen. Also wird z.B. beim Kauf von 10-jährigen Anleihen das lange Ende der Zinsstrukturkurve abgeflacht und der Unterschied zu den Kurzläufern wird geringer. Damit lohnen sich Langläufer immer weniger und langfristige Investoren weichen eher auf den Aktienmarkt aus.

Kommentar von damian89 ,

Wie immer Top geantwortet :) Ich nehme an dass sich dieses Prinzip auch auf alle Anleihen gleich auswirkt. Also nicht nur auf Staatsanleihen sondern auch Corporate Bonds, High Yield Corporate Bonds usw...

Kommentar von gandalf94305 ,

Genau. Das funktioniert mit allen Anleihen so.

Die Risikoeinschätzung definiert eine ungefähre, untere Grenze für Spreads gegen ein risikoloses Investment.

High-Yield bzw. Investment Grade sind ja auch nicht über Zinsniveaus definiert, sondern über die Bonität von Emittenten.

Antwort
von SBerater, 2

Wieso bieten Staatsanleihen so wenig Rendite?

kommt immer noch darauf an, von welchem Staat man spricht. Bei Staaten mit hoher Bonität bekommt man eine niedrige Rendite. Die Investoren kaufen diese auch bei diesen Konditionen noch. Zustätzlich werden die Renditen durch das aktuelle Zinsumfeld gedrückt wie auch greifen die Zentralbanken hier in den Markt ein und kaufen Staatsanleihen. Das hält die Renditen zusätzlich niedrig.

Antwort
von althaus, 1

Die Nachfrage nach sicherer Anlage ist so gewaltig, daß wenn die Rendite von Staatsanleihen steigen sollte sie sofort gekauft werden. Der Drang nach Sicherheit ist ungebrochen, daher auch die hohen Kurse und tiefen Renditen der Staatsanleihen der Bundesrepublik. Es gibt noch viel Geld anzulegen von Institutionellen Investoren. Da nunmal die Staatsanleihen die liquidesten Papiere sind werden sie bevorzugt. Es gibt in risikolosen Anlagen keine Alternative, da ist jede Rendite recht und billig. Für private Investoren völlig uninteressant, denn Tagesgelder bringen eine ebenso hohe Rendite und man muss sich nicht lange festlegen wie bei Staatsanleihen.

Antwort
von Vanessa24, 4

Bei Finanzfragen kann man eigentlich immer unzählige Faktoren berücksichtigen und damit die komplexesten Modelle entwerfen. Das tolle ist, dass es kein Modell gibt, welches 100 Prozent richtige Prognosen für die Zukunft liefert.

In einer idealen Welt, in der man nur den einen Faktor Leitzins bezüglich der Entwicklung der Zinsen für Staatsanleihen berücksichtigt, sollte ein niedrigerer Leitzins auch zu niedrigeren Zinsen für Staatsanleihen führen.

Durch die schon sehr ausführlich aufgeführten anderen möglichen Faktoren aus der echten Welt, kann es (besonders kurzfristig) auch mal anders sein. Das ist das tolle an Wirtschaftswissenschaften.

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