Frage von Stud22, 5

niedrige Leitzinsen vor allem, weil Länder stark verschuldet und damit Anleihekupon niedrig?

wie hoch ist der Einfluss der hohen Staatsverschuldungen bei den Leitzinsen?

Man hört immer von Argumenten, dass die Inflation niedrig ist, dass die Wirtschaft immer noch nicht mit Geld versorgt wird, aber ich frage mich, ob nicht einer der Haupfgründe für die niedrigen Leitzinsen die Finanzierungskosten für die Staaten sind.

Je niedriger die Leitzinsen, desto niedriger auch das Zinsumfeld bei den Anleihen und damit bei den Kuponhöhen.

Kann es sein, dass die Zentralbanken hier pro Staaten agieren und das einer der Hauptgründe für die niedrigen Zinsen ist?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 5

Witzig:

Auf der einen Seit heißt es, es wird zuviel Geld von der EZB billig in den Markt gegeben und nun das die Wirtschaft nciht mit Geld versorgt wird.

Das Weihnachtsgeschäft lief gut.

Aber das Argument, die EZB nimmt den Leitzins runter, um die Staatsschulden billig zu machen, paßt nciht.

Dann würde die jeweilige Zentralbank das ja immer machen müssen.

Die Finanzminister profitieren einfach nur vom geringen Leitzins.

Die Zinsen wurden runter genommen um die Wiirtschaft zu stützen.

Wäre das wirtschaftliche Umfeld anders (gute Konjunktur in allen Staaten) denn wären auch die Zinsen weiter oben, egal ob die Staaten sich das leisten könnten, oder nciht.

Zugegeben. Der deutsche Finanzminister profitiert. Bei uns läuft die Wirtschaft. Die Steuereinnahmen sind gut ud zusätzlich die Zinsen unten. Perfekt für unsere Staatsfinanzen.

nur in den meisten Ländern ist die Konjunktur nicht am laufen. Die brauchen die geringen Zinsen um die Konjunktur erstmal zum laufen zu bringen.

Stellt Euch mal die derzeitige Situation ohne Euro vor:

gut laufende Wirtschaft in Deutschland. normale Zinsen bei der DM. dadurch Geldfluss nach "D" und starke Mark. alle anderen Staaten mit den Nationalwährungen unter druck.

Folge:

Deutsche können billig Urlaub machen, aber die Exporte würden leiden.

Kommentar von Stud22 ,

klingt logisch und schlüssig. Dennoch habe ich immer wieder die Vermutung, dass die Zinsen auch niedrig sind, weil sonst die Staaten ihre Schuldenlast nie mehr in Griff bekommen würden.

Kommentar von wfwbinder ,

Na dann warte mal ab, was passiert, wenn die Preise ernsthaft steigen. Dann könnte die EZB schnell die Politik ändern und den Zins erhöhen.

Antwort
von Finanzschlumpf, 2

Nein, dass kann nicht sein.

Warum ? Weil ein Zins, der deutlich unter dem Marktzins liegt, immer zu Inflation führt, über den zu großen Geldmengenanstieg.

Die relativ niedrige Inflation deutet ganz klar darauf hin, dass die aktuell niedrigen Zinsen dem "natürlichen" Zinsniveau ziemlich genau entsprechen. Da ist nichts mit "künstlicher" Niedrighaltung im Spiel.

Die Staatsschulden sind nur deshalb so hoch, weil das in den Medien so betont wird, und es wird unter den Teppich gekehrt, warum sie so vermeintlich hoch sind.

Fakt ist : Die allgegenwärtige Ersparnis ( es gibt sie jenseits des Niedriglohnbereiches durchaus substanziell ) wirkt im Vergleich zum Kreditbedarf der Gesamtwirtschaf geradezu gigantisch. Das kann nur zu niedrigen Zinsen führen.

Antwort
von gandalf94305, 1

Anleihenkupons sind risikoabhängig als Spread zu "risikolosen" Kapitalmarktzinsen zu sehen, d.h. natürlich ist ein Effekt der nachhaltig niedrigen Kapitalmarkzinsen eine günstige Refinanzierungsmölichkeit der Krisenstaaten in der EU. Man kann nicht von heute auf morgen ohne wesentliche politische Anstrengungen Reformen durchpauken.

Würde Griechenland die Steuerschulden nur der letzten 5 Jahre eintreiben, wären alle ausstehenden Staatsanleihen Griechenlands (mit den Nominalen vor dem Schuldenschnitt) zurückzuzahlen und man könnte noch etwas Taschengeld haben, um die Gasvorkommen in der Ägäis zu explorieren. Zypern käme damit auch aus der Klemme.

Würde Italien Steuerschulden konsequent eintreiben und der Korruption in der Regierung ein Ende bereiten, gäbe es keine Finanzierungskrise.

Würde Spanien den Arbeitsmarkt flexibler gestalten und Regularien für Unternehmen lockern, sowie eine weitergehende Privatisierung vorantreiben und zugleich stärker in die Berufsausbildung der Jugend investieren, gäbe es dort auch keine Probleme.

Irland hatte nie ein Problem. Man hätte ohne Verlust der Attraktivität des Standorts Irland die Unternehmenssteuern etwas erhöhen können und wäre aus dem Schneider gewesen. Zuerst jammern, dann jubeln. Das war einfacher und läßt sich nun als Erfolg feiern.

Einzig Portugal macht Sorgen, da im Schatten des großen Bruders Spanien her wenig in die Wirtschaft investiert wurde. Hier müßte man wirklich helfen. Niedrige Finanzierungskosten wären jedoch auch hier nicht unpraktisch.

Leider widersprechen sich aber geringe Kapitalmarktzinsen und Inflation. Man müßte sich also über Wachstum inflationieren, nicht über Finanzierungskosten. Das gelingt derzeit nur wenigen EUR-Ländern.

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