Frage von peggy1,

Neues Gesetz - man bekommt noch weniger bei Auszahlung Lebensversicherung! Warum?

Wer kann mir sagen, wie man sich verhalten soll. Es gab im Herbst wohl ein neues Gesetz, wonach Lebensversicherer die verträge anders bewerten und man unter Umständen noch weniger Geld am Ende der Vetragslaufzeit erhält. Wie soll man sich nun verhalten, wenn man so eine Lebensversicherung hat? Die Renditen sind ohnehin so schlecht.

Hilfreichste Antwort von Sobeyda,
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Also das neue Gesetzt hängt derzeit im Bundesrat oder im Vermittlungsausschuss, ist daher noch nicht in Kraft.

Die dir bei Vertragsschluss zugesagten garantierten Leistungen bekommst Du auf jeden Fall. Die Frage um die es in dem sogenannten SEPA-Begleitgeetz geht, ist nun, wie weit Du an den Bewertungsreserven oder den stillen Reserven beteiligt wirst.

Also nehmen wir mal an, eine Versicherung kauft für 1.000 EUR eine Anlage, die ihr 10 Jahre lang jedes Jahr 5% Zinsen bringt. Nach drei Jahren fällt der Zins auf 2%. Weil die Anlage aber immer noch 5% bringt, ist sie nun mehr als 1.000 EUR wert. Würde die Versicherung sie nun verkaufen, würde sie mehr als 1.000 EUR bekommen, weil der Käufer ja nur 2% Zinsen erwartet. Sagen wir mal, die Versicherung würde 1.200 EUR bekommen. Und die 200 EUR, die sie mehr bekommen würde, sind die Bewertungsreserven oder stillen Reserven, davon würdest Du - wenn die Lebensversicherung beendet wird - einen Teil abbekommen.

Das Problem ist nun, dass die Versicherung die Anlage nicht verkauft, sondern jedes Jahr die 5% Zinsen kassiert und sie nach 10 Jahren für 1.000 EUR zurückgibt. Die Bewertungsreserven haben sich also quasi in Luft aufgelöst. Zum Teil sind sie aber an Kunden ausgezahlt worden. Was bedeutet das? Da jeder Betrag nur einmal ausgezahlt werden kann, erhalten diejenigen, die später kündigen bzw. deren Vertrag später abläuft, weniger ausgezahlt. Das ist nicht wirklich gerecht, also wollte der Gesetzgeber die Sache wieder etwas gerechter machen, und denjenigen, die ihren Vertrag jetzt beenden etwas weniger geben.

Wie Du Dich verhalten sollst, kann ich ohne nähere Angaben nicht sagen. Eine Lebensversicherung beenden nur wegen ein paar Euro (um mehr geht es in der Regel nicht) sollte man sich gut überlegen.

Kommentar von Gaenseliesel,

danke für diese ausführliche Aufklärung, Sobeyda ! Vor der gleichen Frage stand ich auch im letzten Jahr. Habe mir die Wertermittlung zuschicken lassen - ich lass jetzt die Versicherung die letzten 2 Jahre ganz einfach weiter bestehen. K.

Kommentar von Vorsorgehelfer,

++

Antwort von Vorsorgehelfer,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

...weiterhin bei den Bewertungsresrven zu ergänzen ist, dass durch die neue Regelung (bzw. alte) auch sicher gestellt werden soll, dass die Versicherer die Garantien auch tatsächlich dauerhaft sicherstellen können. Schließlich soll insbesondere bei der Rentenversicherung Garantieverzinsung und lebenslange Zahlung (!!!) dauerhaft garantiert bleiben. Wahrscheinlich wird sich aber tatsächlich vor der Bundestagswahl nichts mehr ändern. Seit einigen Monaten geistert durch viele Medien, dass bis zu 10% des Auszahlungsbetrags gekürzt werden können. Wenn man das alles liest dann sieht man auch das einer vom anderen abgeschrieben hat. Ich habe in einige Verträge verschiedenster Versicherer und Tarif hineingeschaut und die Zeitwerte unter die Lupe genommen. Nicht ein Vertrag wäre auch nur annähernd von einer derart massiven Kürzung betroffen gewesen. Man kann sich auch selbst informieren. Einfach einmal nachschauen was in der letzten Wertmitteilung des Versicherers drin steht. Hat man keine, dann eine anfordern.

Kommentar von Gaenseliesel,

danke auch dir für diese ausführliche Aufklärung, Vorsorgehelfer. Gr. K.

Antwort von Tritur,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Das Problem ist weder das neue Gesetz noch der Wunsch der Versicherungen möglichst viel Geld in den Bewertungsreserven zu bunkern, das Problem sind die niedrigen Zinsen, welche die Versicherungen für ihre verzinslichen Anlagen erhalten.

Die Staatsschuldenkrise wird dafür sorgen, dass die Zinsen niedrig bleiben und die Versuche den Euro zu retten, werden früher oder später zu steigenden Inflationsraten führen. Schon jetzt, bei geringer Inflation, ist die Realverzinsung von Anleihen guter Schuldner negativ.

Da Versicherungen etwa 85% der Versichertengelder verzinslich angelegt haben, gibt es kaum ein Anlage, welcher schlechter ist, als eine kapitalbildenden Lebensversicherung.

In dieser Situation ist die einzig sinnvolle Verhaltensweise, keine Lebensversicherung abzuschließen und alle bestehen kapitalbildenden Lebensversicherungen, die nicht in den nächsten zwei Jahren fällig werden sofort - und mit Verlust - zu kündigen. Der schnelle Verlust ist immer der bessere!

Antwort von barmer,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Hallo,

dieses neue Gesetz ist gestoppt worden und es sieht so aus, als käme es auch vorläufig nicht.

Allerdings geht es nicht darum, dass generell weniger ausgezahlt werden soll. Lediglich die Beteiligung an den stillen Reserven der Versicherer (die es erst seit 2008 gibt), soll modifiziert werden. Mit der jetzigen Regelung hätten Leute, deren LV jetzt oder in Kürze fällig wird, eine über Gebühr hohe Beteiligung bekommen, weil diese Reserven derzeit ungewöhnlich hoch sind. Es ist aber gut möglich, dass dies langfristig auf Kosten der Mehrheit der Versicherten geht.

Die garantierte Leistung der Versicherung wie auch die Beteiligung an den laufenden Überschüssen wäre nicht betroffen.

Antwort von robinek,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Alles Wichtige dazu kannst Du selbst bei Google: Lebensversicherung - neues Gesetz - nachlesen!

Kommentar von Sobeyda,

Manchmal wünschte ich, Negativ-Punkte vergeben zu können...

Es handelt sich hier keineswege um einen trivialen Sachverhalt. Du kannst ja mal "SEPA-Begleitgesetz" googeln (um dieses Gesetz geht es nämlich) und peggy1 dann erklären, welche Bewandnis es mit den Bewertungsreserven hat und wo hier für die Versicherer und für die Versicherten das eigentliche Problem liegt!

Kommentar von Primus,

Manchmal wünschte ich, Negativ-Punkte vergeben zu können...

Das wäre doch mal ein Vorschlag beim Support, ich schließe mich an!

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