Frage von Mihail121,

Nettorechnung für Flugticket?

Hallo Community!

Beim Ausmisten meines E-Mail-Accounts sind mir alte Rechnungen für Flüge ins Ausland aufgefallen, auf denen aber nur Nettobeträge ausgewiesen sind. Darauf stehen Erklärungen wie "Reverse Charge; MwSt. zahlt der Leistungsempfänger". Nun, damals bedeutete mir das nichts, aber heute als Unternehmer weiß ich, dass RC nur dann angewendet wird, wenn der Leistungsempfänger selbst Unternehmer ist. Darüber hinaus gelten für Personenbeförderungen, insbesondere im Luftbereich, spezielle Regeln, aber RC ist in der Regel nicht vorgesehen. Hier muss die MwSt. anteilig für die Strecken durch die verschiedenen Länder ins jeweilige Land entrichtet werden und das macht meines Erachtens der Leistungserbringer (man kann sich ja nicht in 5 Ländern umsatzsteuerlich registieren, um für einen Flug zu bezahlen...).

Kann mir einer kurz erklären, was hier genau passiert. Wieso ist auf diesen Rechnungen keine MwSt. ausgewiesen?

Gruß

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EnnoBecker,

Schau dir mal den § 26 Absatz 3 UStG an.

Ich wette, von dem haben hier die wenigsten Kommentatoren je gehört....

Kommentar von gammoncrack ,

Stimmt. Und ich versehe hier wirklich nur Bahnhof :-)

Kommentar von EnnoBecker ,

Gut, dann will ich mal etwas weiter greifen.

RC kann logischerweise nur angewendet werden bei Leistungen, die an Unternehmer ausgeführt werden, wobei § 13b (6) beachtet werden muss. RC kann also nur in speziellen Fällen vorkommen und darf hier getrost vernachlässigt werden.

Wegen der Ortsbestimmung des § 3b UStG ist es - wie der Fragesteller schon richtig sagt - schwierig, die Umsatzsteuer zutreffend zu erheben.

§ 26 (3) UStG ist da die Rettung. Der besagt, dass die (eigentlich entstandene) Umsatzsteuer erlassen wird im grenzüberschreitenden Flugverkehr, wenn der Zielstaat das auch so macht. Das BMF gibt jedes Jahr ein Schreiben heraus und informiert über die Länder, mit denen diese Vereinbarung besteht. Hier die Version von 2011 http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuera...

Das Flugunternehmen hat die inländischen und ausländischen Kilometer an das Finanzamt zu melden und es wird die Umsatzsteuer erlassen -bei vollem Vorsteuerabzug.

§ 26 (3) ist also eine Spezialvorschrift zu § 163 AO.

Da außerdem nach § 4 Nr. 2, § 8 UStG die Umsätze für die Luftschifffahrt (nicht die Beförderung selbst - bitte im § 8 nachsehen) steuerbefreit ist - mit vollem Vorsteuerabzug - zahlt die Fluggesellschaft recht wenig Umsatzsteuer und hat stets einen hohen Vorsteuerüberschuss.

Die Umsätze werden in Zeile 60 der Anlage UR erklärt (letzte Zeile).

Fragt man sich noch: Wer weiß sowas? Das geht doch über das normale Steuerberaterwissen hinaus. Man muss idealerweise schon mal für eine Fluggesellschaft im internationalen Verkehr tätig gewesen sein.

Kommentar von Mihail121 ,

Wow, eine prima Antwort, sehr hilfreich! Vielen Dank für die Mühe und die Zeit. Vom Schreiben geht hervor, dass Gegenseitigkeit fast überall besteht. Das erklärt es also, wieso ich noch nie Umsatzsteuer auf Flugtickets gesehen habe. Danke nochmal!

Antwort
von SBerater,

ich kenne nur Inlands- und Auslandsflüge. Bei Inlandsflügen fällt USt., bei internationalen nicht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Besteuerung_von_Reiseleistungen

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