Frage von wegZug, 23

negative Leitzinsen und Auswirkung auf den Euros?

sollte sich die EZB zu weiteren Senkungen des Leitzinses durchringen, dann könnte irgendwann ein negativer Zins kommen. Darüber wird teils offen diskutiert.

Ob das nun passiert oder nicht... was für eine Auswirkung hätte so ein Zins auf den Euro. Würde das den Euro stärken?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, 9

Man kann das immer nur für Währungspaare bewerten. Aufgrund der Anlageströme in die Rentenmärkte ist es zunächst mal so, daß mehr Kapital dorthin fließt, wo die Zinsen höher liegen. Daher wird die Währung des eigenen Kapitalmarkts gegenüber einem anderen abwerten, wenn man im eigenen Währungsraum die Zinsen senkt bzw. im anderen erhöht. Sie wird aufwerten, wenn man im eigenen Währungsraum die Zinsen erhöht bzw. im anderen senkt.

Insbesondere bedeutet das aber, daß sich die Auswirkungen neutralisieren können, wenn Fed und ECB und BoE gleichzeitig oder knapp versetzt die Leitzinsen um vergleichbare Punktzahlen erhöhen sollten.

Überlagernd gibt es allerdings einen Effekt auf kostenintensive und exportorientierte Unternehmen, da sich Kosten für Finanzierungen bei Leitzinserhöhungen der ECB mittelfristig erhöhen bzw. bei -senkungen reduzieren, sowie ein abwertender EUR der Exportwirtschaft hilft, während ein aufwertender EUR schlechter ist. Da viele Länder der EUR-Zone jedoch primär innerhalb dieser handeln, wird es sich auf die Aktien der Unternehmen aus diesen Ländern unterschiedlich stark auswirken.

Ähnliche Effekte wirst Du am Rohstoffmarkt feststellen. Viele Rohstoffe notieren in USD bzw. werden aus nicht-EUR-Währungsräumen eingekauft. Hier wird sich die Änderung des EURUSD-Wechselkurses direkt auswirken. Das schadet Bereichen mit geringer Wertschöpfung und wirkt sich in Branchen mit hoher Wertschöpfung bzw. geringer Abhängigkeit von Rohstoffen gering aus.

Steigende Zinsen sind auch negativ für die Attraktivität von Immobiliengesellschaften (REITs) und Immobilienfonds, da der Spread zu risikolosen Zinsen geringer wird. Andererseits wäre eine weitere Absenkung der Kapitalmarktzinsen positiv für immobilienlastige Werte. Analog gilt dies umgekehrt für die Verzinsung von Einlagenfacilities der ECB: würden hier Kosten anfallen anstelle von (geringen) Zinsen, steigt die Attraktivität von EUR-Immobilien.

Weiterhin sollte man beachten, daß die Leitzinssenkung primär den stark verschuldeten und den stark wertschöpfenden, exportorientierten Ländern zugute kommt. Die derzeitige Liquiditätsschwemme sorgt ja mehr für die Stützung von Staatsfinanzierungen als für die Refinanzierung von Unternehmen oder Endverbrauchern. Daher steigt auch die Inflationsrate im EUR-Raum nicht deutlich an, sondern sie fällt sogar.

Es gibt also ein paar grundsätzliche, kausale Zusammenhänge zwischen der "Stärke" des EUR gegen andere Währungen und der Bewegung von Leitzinsen, wovon sich manche neutralisieren, in ihren Auswirkungen von den Perspektiven in den anderen Märkten abhängen und teils gegenläufige Entwicklungen zur Erwartung bewirken können.

Wohin der EUR daher wirklich marschieren wird, wenn es nochmals zu einer Leitzinssenkung kommen wird, und ob diese Zinssenkung womöglich sogar schnell verpuffen könnte, da sie nur die Staatsrefinanzierungen direkt betrifft, kann man nicht so recht vorhersagen. Man erwartet eine vorübergehende Schwächung des EUR, die jedoch von kurzer Natur sein kann, wenn dadurch die Erholung der EUR-Wirtschaften (vor allem im Süden Europas) schneller vorankommt.

Nach wie vor dürfte mit dieser Perspektive der EUR-Aktienmarkt (und die Märkte, die stark am EUR hängen) in 2014 attraktiver als der EUR-Rentenmarkt sein, wobei Staatsanleihen guter Bonität stärker zu meiden sind als Unternehmensanleihen. Dividenden werden wohl weiterhin die besseren Zinsen sein :-)

Aber: weiß man's? :-) Wenn alle mit einem gewissen Effekt rechnen, dann kann auch genau der gegenteilige Effekt eintreten!

Antwort
von Finanzschlumpf, 8

Das hängt von der Ausgetaltung im Detail ab und von der Interpretation des Marktes.

Es ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass der Markt nach so einem Zinsschritt erwartet, dass damit ab sofort 3. % Wachstum in der Eurozone absolut sicher sind, dann würde der Euro vermutlich krätig steigen.

Da ja so ein Zinsschritt, und sein genaues wie sehr unsicher sind, und die Marktreaktion darauf genauso unversehbar, trifft hier das Wort "Spekulation" ziemlich gut zu.

Antwort
von wfwbinder, 5

Wenn die EZB wirklich einen Negativen Leitzins einführen würde, wäre die Neigung der Banken mal überschüssiges Geld bei der EZB zu parken gleich "0."

Allerdings hätte es mehr Auswirkungen auf den Interbankenverkehr, als weitreichend in die Wirtschaft.

Nur Mal Als Beispiel, wenn Du eine Bank hättest und kurzfristig 100 Mio. frei. Die EZB will von Dir 0,25 % dafür, dass Du das Geld bei denen hinterlegst. Also würdest DU doch die Kosten sparen und es nicht dorthin geben. Würde Dir eine Geschäftsbank dann dafür 0,5 % geben wollen, würdest Du es vermutlich dorthin geben. Also bliebe das Geld im Geschäft (Umlauf).

Da unser Zinsniveau schon ziemlich unten ist, würde sich nach meiner Überzeugung an den Zinsen für Kredite kaum etwas ändern.

Für den Euro könnte es minimale Kursverluste bringen, wenn sich an den US$ und SFr, sowie Pfund und Yen Zinsen gleichzeitig nichts tun würde in die gleiche Richtung.

Kommentar von wegZug ,

damit würde ich sagen: ein negativer Zinssatz wäre vielleicht gar nicht so schlecht wie vermutet.

Kommentar von wfwbinder ,

Na man darf psychologische Wirkungen nicht vergessen. Man bedenke nur das Geschrei, wenn sich der Wechselkurs des Euro verschlechtert, obwohl es für den Mann auf der Straße gar keine Wirkung hat.

Ich kann also nciht sagen, ob plötzlich Leute ihr Geld von der Bank holen, nur weil in der Tagesschau etwas von negativen Zinsen gesagt wird.

Antwort
von MrBond, 3

es würde den Euro schwächen. Sinkende Leitzinsen machen eine Währung weniger attraktiv. Das ändert sich auch nicht, wenn die Zinsen negativ würden.

Antwort
von Flohmarkt, 3

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community