Frage von Schneggi81, 1.332

Nageldesign - Hobby oder Gewerbe? Bitte um Rat

Hallo liebe Ratgeber/innen,

ich wende mich heute mit einer Frage an euch, da im Internet sooo viele verschiedene Gerüchte kursieren.

In den letzten Monaten interessiere ich mich sehr für Nageldesign. Um mir die Nägel selber zu machen, belegte ich auch Kurse und kaufte Geräte und entsprechendes Material sowie eine Übungshand.

Um die Modellagen zu üben, ist die Übungshand aber nicht auf Dauer geeignet und ich würde gerne an Modellen (freiwilligen Damen) üben. Auch weil es mir Spaß macht, ich mir aber nicht selbst jede Woche die Nägel neu modellieren kann (würde den Naturnagel schädigen). Entsprechende Anfragen aus dem Freundeskreis habe ich bereits. Da ich die Gele, Feilen, Desinfektionsmittel etc. auch nicht geschenkt bekomme, möchte ich ungefähr die Materialkosten raus haben und das, was über bleibt würde ich natürlich aufschreiben und in der Steuererklärung am Jahresende angeben. Ich gehe von einem Betrag zwischen 10 und 15 € pro Modellage aus. Zeitlich würde ich vielleicht eine oder zwei pro Woche schaffen.

In den einschlägigen Nagel-Foren wird gerne behauptet, dass man sich sofort wegen Schwarzarbeit strafbar macht, wenn man auch nur 1 Cent nimmt und man soll sofort Gewerbe anmelden. Das habe ich mir auch zuerst überlegt, da ich an einige Sachen günstiger ran käme.

Dagegen spricht jedoch: - Ich will daraus eigentlich keinen (Neben-)Beruf machen, denn ich weiß nicht wie viel Zeit neben Job und Kindern dafür auf lange Sicht gesehen übrig bleiben wird.

  • Ich müsste beim Gewerbe auch ein vielfältiges Angebot machen, um wettbewerbsfähig zu sein und dafür immer weitere (teure!) Kurse machen. Dazu habe ich eigentlich keine Ambitionen, weil ich es ohne Druck ausüben möchte.

  • Es kämen weitere Kosten (Müllgebühren, GEZ, Betriebshaftpflicht, evtl. Fahrtkosten, professionellere Geräte, Werbung) auf mich zu.

  • Diese müsste ich auf die Modellagepreise aufschlagen, damit ich nicht draufzahle. Dann allerdings wären die Preise dafür so hoch wie in einem Profi-Studio und dafür sind widerum "meine" Nägel noch nicht gut genug.

Modelle würde ich später vielleicht auch per Annonce suchen mit entsprechender Beschreibung wie das abläuft. Gäbe das schon Ärger, obwohl es ja eigentlich keine Werbung ist? Könnte so ein Gesuch als Werbung ausgelegt werden?

Daher bitte ich um Meinungen und Ratschläge.

Vielleicht weiß auch noch zufällig jemand, wie es aussieht wenn ich ein Modell aus Versehen verletze, z. B. beim Feilen an die Haut komme oder so. Kommt dann meine Privathaftpflichtversicherung grundsätzlich dafür auf? Wenn wir jetzt von Hobby/ Liebhaberei ausgehen, kann ich ja schließlich keine Betriebshaftpflicht abschließen. :-(

Um das nochmal zu betonen: ich möchte nicht schwarzarbeiten und viel Geld verdienen, nur meine Unkosten decken. Denn am Anfang sitzt man schon mal 3 bis 4 Stunden an einer Modellage und da hat man bei so einer geringen Summe kaum was über.

Ich freue mich über jede ernsthafte Antwort!

Antwort
von Privatier59, 1.332
Ich freue mich über jede ernsthafte Antwort!

Ein schwieriges Thema! Dem Finanzamt kommen andauernd Leute unter die nur hobbymäßig Geld verdienen. Der eine als Flohmarkthändler, der andere mit dem Gestalten von Internetseiten, der dritte hat den Cousin nur deshalb in seiner Restaurantküche stehen weil er mal austreten mußte und der Bewohner der Einliegerwohnung ist selbstverständlich der verwitwete Schwager aus dem Kaukasus. Verstehst Du, was ich damit sagen will? Die Grenzen verschwimmen oft. In Deinem Falle aber meine ich schon recht klar erkennen zu können, dass 10 bis 15 Euro über den reinen Materialkosten liegen und damit schon kein Selbstkostenpreis mehr sind. Vor allem aber siehst Du nicht den Vorteil einer offiziellen Gestaltung Deiner Tätigkeit. Wenn sich rote Zahlen ergeben könnte man die nämlich mit anderen Einkünften verrechnen, was bei "Schwarzarbeit" selbstredend nicht geht.

Kommentar von vulkanismus ,

Andererseits kann aber auch das Finanzamt das Ganze als Hooby bewerten und das war es dann mit dem Ansatz eines Verlustes aus Gewerbebetrieb. @ Schneggi: Lass es bleiben. Unter´m Strich kommt so oder so nix ´raus.

Kommentar von Schneggi81 ,

@Vulkanismus: Auch dir vielen Dank für dein Statement. Ich hatte auch schon überlegt, das Gewerbe anzumelden und mir hierüber von der Steuer weitere Kurse zu finanzieren (die Kosten nämlich gern mal 250 Öcken pro Tag). Aber wenn ich das Gewerbe dann nicht auch ernsthaft betreibe, muss ich das als Verlust abgesetzte nachher zurückzahlen, wenn das Finanzamt - verständlicherweise - sagt: "Das ist Liebhaberei, wir finanzieren nicht ihre privaten Neigungen". Ansonsten wäre es ja kein Problem, der Schein kostet hier nur etwa einen Zwanziger. Ich glaube auch nicht, dass das eine berufliche Option wäre, denn Nageltanten machen hier in der Gegend ständig auf und zu. Zudem gibt es hier an jeder Ecke sog. Asia-Studios, die für 20 Euro aufwärts eine Komplettmodellage anbieten. Den Kundinnen ist es egal, ob das Zeug falsch deklariert und ggf. von zweifelhafter Herkunft ist. Was dort verwendet wird, lässt sich oft gar nicht ohne Fräser abfeilen und mieft dabei wie Urin. Kann ja nicht gesund sein, aber Qualität hat eben ihren Preis. :-(

Kommentar von Schneggi81 ,

@Privatier: Danke für deine ausführliche Antwort. Ich denke, ich verstehe schon ganz gut worauf du hinauswillst. Naja, 15 Euro ist vielleicht wirklich bisschen hoch gegriffen, das ist halt so ein üblicher "Modellpreis". Man hat (wenn man Hygienevorschriften genaus penibel beachtet wie ein "Profi"!) schon einen recht hohen Materialeinsatz. An der Übungshand kann man ruhig Billigzeug benutzen, am lebenden Objekt sollte man das nicht tun. Man hat z. B. pro Modellage: Handschuhe, Staubmaske, 1 Feile, 1 Schleifblock, 1 Schleifmanschette, die schonmal alle nach Benutzung weggweworfen werden. Gute Gele, die säurefrei und qualitativ hochwertig sind, kosten für 15 ml zwischen 15 und 22 Euro, Farbgele 5 ml können 1,99 aber eben auch 8,99 kosten. Dazu kommt eben noch das, was man zwar an Unkosten hat, sich aber nur schwer auf einzelne Behandlungen umlegen lässt. Z. B. Desinfektionsmittel, Bohrerbad, diverse Flüssigkeiten, Zelletten, sowie das ganze Nail-Art-Zubehör wie Steinchen, Einlegefiguren, spezielle Pinsel etc. Wenn man dann die Modelle evtl. noch zuhause besucht, kommt man da an die von mir genannten Beträge schon schnell ran. Meinst du, ich sollte mich beim Finanzamt mal beraten lassen oder wecke ich da nachher noch schlafende Hunde?

Kommentar von Privatier59 ,

Schneggi81: Das Finanzamt erhebt Steuern, es berät aber nicht. Zwar gibt es etwas, was man verbindliche Auskunft nennt, aber das kostet nicht nur Geld, sondern erfordert auch eine so vollständige Sachverhaltsschilderung, dass man da als Laie überfordert ist. Was Dir ein freundlicher Finanzbeamter -so was soll es auch geben- rein mündlich sagt, ist ausschließlich seine Meinung und würde keinen seiner Kollegen binden. Das ist für Dich natürlich eine unerfreuliche Situation, ist aber nicht zu ändern. Letztlich mußt Du -ggf. mit Hilfe eines Steuerberaters- selber entscheiden.

Kommentar von Schneggi81 ,

Ok. Das wusste ich so auch noch nicht. Ich denke, ich lasse es einfach ganz bleiben. Schade, aber auf Glatteis möchte ich mich nicht begeben und das drumherum absichern scheint mir sehr kompliziert zu sein. Für das, was ich mir dabei gedacht habe, ist mir der Aufwand einfach viel zu groß und die finanziellen Auslagen hole ich mit dem Hobbynageln nie wieder rein. Für deine Ausführungen bedanke ich michtrotzdem - oder gerade deswegen- recht herzlich. MfG

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