Frage von cdauth, 49

Nachträgliche Bezahlung für Tätigkeit der letzten 1½ Jahre

Für eine Schule habe ich die letzten 1½ Jahre ehrenamtlich eine Website betreut. Nun möchte mich die Schule nachträglich dafür vergüten, und zwar zu einem Stundensatz von 7 Euro pro Stunde bei zwei Stunden pro Woche (mit Ausnahme der Ferienzeit). Das sind für den Zeitraum von November 2013 bis jetzt eta 700 Euro.

Um die Vergütung zu erhalten, muss ich meine Arbeitszeit der Schule in Rechnung stellen. Meine Frage ist, wie ich dies tun kann, ohne mit irgendwelchen Behörden (Finanzamt, Gewerbeamt) in Konflikt zu geraten.

Wenn ich das richtig sehe, habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder ich stelle die Dienstleistung als Freiberufler in Rechnung, oder als Gewerbe. Ein Gewerbe habe ich vor etwa zwei Monaten angemeldet, eine Steuernummer als Freiberufler habe ich noch nicht beantragt.

Wenn ich die Rechnung von meinem Gewerbe aus stelle, stellt sich für mich die Frage, ob ich Probleme mit den Ämtern bekommen kann, wenn ich eine Rechnung stelle für Arbeit, die lange vor der Gewerbeanmeldung verübt wurde. Für welches Jahr muss ich dieses Einkommen überhaupt beim Finanzamt deklarieren? Für 2015, weil da das Geld fließt, oder für 2013–2015, weil da die Arbeit verübt wurde?

Für die Option als Freiberufler sagte mir das Finanzamt, ich könne eine Steuernummer auch rückwirkend beantragen. Wobei ich nicht so ganz verstanden habe, ob das bei einem Zeitraum von 1½ Jahren noch geht. Auch hier wieder die Frage: Deklariere ich das Einkommen einfach für 2015, oder muss ich gar Steuererklärungen für 2013 und 2014 nachreichen (die ich bisher nicht gemacht habe)? Falls ich es für 2015 deklarieren muss, muss ich vielleicht die Steuernummer nicht mal rückwirkend beantragen?

Antwort
von vulkanismus, 49

Die Webseite hast Du nicht ehrenamtlich betreut, sondern entweder gewerblich oder als Selbständiger (kommt darauf an, welchen Beruf Du erlernt hast).

Da Du das Gewerbe bereits angemeldet hast, solltest Du auch eine Steuernummer haben.

Eine besondere St.Nr. als "Freiberufler" bekommst Du nicht, da unnötig.

Probleme für eine Rechnung für einen zurückliegenden Zeitraum bekommst Du nicht. Jeder Architekt, Zahnarzt etc. tut das.

Du stellst die Rechnung nicht nach Wahl, sondern als derjenige, der die Leistung erbracht hat (der Gewerbetreibende oder der Freiberufliche).

Du erklärst kein Einkommen, sondern den Gewinn (den musst Du auch noch ermitteln).

Einnahmen hat man im Jahr der Zuflusses - Ausgaben ebenfalls.

Mit der Abgabe der Steuererklärung 2013 solltest Du dich beeilen, weil Du sonst Probleme mit dem Finanzamt bekommst (Abgabeschluss war bereits am 31. Mai 2014 !!). Mich wundert, dass Du noch keinen Schätzbescheid bekommen hast.

Bei der Menge an Unwissen empfehle ich einen Steuerberater.

Kommentar von cdauth ,

Hallo vulkanismus,

danke für deine Antwort.

Derjenige, der die Leistung erbracht hat, bin ja ich, und ich bin ja sowohl Gewerbetreibender als auch Freiberufler (sofern ich eine Steuernummer beantrage). Von daher habe ich, soweit ich das verstehe, durchaus die Wahl, als welcher von beiden ich die Rechnung stelle.

Du schreibst, dass man Einnahmen im Jahr des Zuflusses hat. Das bedeutet, dass ich das Einkommen/den Gewinn in der Steuererklärung für das Jahr 2015 deklarieren muss (eine Steuererklärung für 2013 und 2014 muss ich ja dann nicht machen). Ich vermute also, dass es dem Finanzamt dann egal ist, dass die eigentliche Arbeit vor Anmeldung des Gewerbes passiert ist.

Wie sieht es mit dem Gewerbeamt aus? Überprüft das in irgendeiner Weise die Rechnungen, die ich stelle, und beschwert sich dann, dass ich eine Rechnung für einen Zeitraum stelle, der vor der Gewerbeanmeldung liegt?

Kommentar von vulkanismus ,

"Freiberufler" wird man nicht durch die Beantragung einer Steuernummer.

Was ein freier Beruf ist, kannst Du selbst ergoogeln.

Eine Steuernummer beantragt man nicht, man bekommt sie (wenn man nicht schon eine hat).

Du hast nicht die Wahl. Nach Deiner Darstellung bist Du sowohl gewerbetreibend als auch freiberuflich tätig. Nur Du kannst wissen, in welcher Funktion Du die Leistung erbracht hast - und unter dieser ist die Rechnung zu stellen.

Zum Verständnis - ein Bäcker kann auch Wohnungen vermieten. Den Kaufpreis für Brot wird er nicht auf die Miete aufschlagen.

Auch auf die Gefahr einer Wiederholung hin - Einnahmen (nicht Einkommen) sind in dem Jahr zu erklären, in dem sie geflossen sind. Wann die Arbeit erbracht wurde, interessiert das Finanzamt nicht (sonst würde es ja Arbeitamt heissen).

Das Gewerbeamt interessiert sich nicht für Deine Rechnungen - es berechnet ggf. die Gewerbesteuer.  Jetzt aber redest Du wieder von einer Rechnung vor Gewerbeanmeldung - also war die Arbeit doch gewerblich?

Zurecht und häufig hier verwendetes Zitat: "Teurer als ein Steuerberater ist kein Steuerberater".

Kommentar von cdauth ,

Okay, verstehe. Damit ist meine Hauptfrage beantwortet – ich verstoße nicht gegen irgendwelche Gesetze, wenn ich die Rechnung jetzt stelle, dann bezahlt werde und dann das Geld in der Einkommensteuererklärung 2015 deklariere.

Was mir noch nicht ganz klar ist, ist was du über die Freiberuflichkeit schreibst. Die Tätigkeit, die ich für mein Gewerbe angegeben habe, ist „Programmier- und Systemadministrationsdienstleistungen“. In diesem Fall handelt es sich um eine Programmierdienstleistung, sie fällt sowohl unter die Tätigkeiten meines Gewerbes, als auch unter die Freien Berufe. Von daher gehe ich davon aus, dass ich frei entscheiden kann, ob ich sie unter dem Gewerbe oder als Freiberufler rechne.

Auch verstehe ich nicht, was du damit meinst, dass man eine Steuernummer nicht beantragt, sondern sie bekommt. Von selber kommt sie wohl nicht, sondern ich muss sie durch Ausfüllen des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt beantragen.

Kommentar von vulkanismus ,

"sondern ich muss sie durch Ausfüllen des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt beantragen" -

nein - Du bekommst sie - wie bereits erwähnt.

Kommentar von cdauth ,

Wann bekomme ich sie, und wie?

Kommentar von vulkanismus ,

Du hast doch angeblich ein Gewerbe angemeldet - also hast Du auch den Fragebogen bekommen (und hoffentlich ausgefülllt zurückgeschickt).

Daraufhin bekommst/bekamst Du die St.Nr. - wie, schriftlich, oder was meinst Du mit wie?

Kommentar von cdauth ,

Ich bezog mich auf die Steuernummer als Freiberufler. Um eine Steuernummer als Freiberufler zu bekommen, muss ich den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen und an das Finanzamt senden. Das verstehe ich unter „beantragen“.

Bei der Gewerbeanmeldung läuft es genauso. Ich schicke das ausgefüllte Formular zur Anmeldung eines Gewerbes an das Ordnungsamt, und um die Steuernummer zu bekommen, schicke ich den ausgefüllten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung an das Finanzamt. Die Steuernummer kommt also nicht von selbst, sondern ich muss sie beantragen…

Kommentar von vulkanismus ,

Scheinbar nützen auch Wiederholungen nicht.

Eine Steuernummer wird nicht beantragt, die bekommt man automatisch.

Wenn man bereits eine Steuernummer hat (darauf bist Du ja nicht eingegangen, ich setze es aber voraus), bekommt man keine neue oder andere Steuernummer, nur weil man jetzt auch noch zusätzlich "Freiberufler" ist. Du kannst Dir auch noch eine Landwirtschaft anschaffen, Wohnraum vermieten und andere Einkunftsarten haben.

Für all das hast Du eine Steuernummer.

Oder hast Du je gehört, dass jemand seine Einkommensteuer unter mehreren Steuernummern zahlt ?!

Kommentar von cdauth ,

Bisher habe ich nur eine Steuernummer erhalten, und zwar bei der Anmeldung des Gewerbes.

Ich habe das Gefühl, was du mit „beantragt man nicht, sondern bekommt man“ meinst, ist Haarspalterei. Mit „beantragen“ meine ich, wie schon beschrieben, den ausgefüllten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung an das Finanzamt zu senden, mit dem Zweck, eine Steuernummer erteilt und zugeschickt zu bekommen. Aus irgendeinem Grund fällt dieser Akt für dich scheinbar nicht unter den Begriff „beantragen“. Nach meiner Definition würde ich unter „bekommt man“ verstehen, dass ich nach der Anmeldung eines Gewerbes (beim Bezirksamt/Ordnungsamt) automatisch eine Steuernummer vom Finanzamt zugeteilt und zugeschickt bekomme. Dies ist nicht der Fall, sondern ich muss einen anderen Fragebogen („zur steuerlichen Erfassung“) an das Finanzamt senden, um die Steuernummer zu erhalten.

Da ich den Fragebogen bisher nur für mein Gewerbe ausgefüllt habe, nicht jedoch für eine freiberufliche Tätigkeit, weiß ich nicht, was passiert, wenn ich das tue. Im Internet finden sich jedoch zahlreiche Berichte, dass für jede freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeit eine gesonderte Steuernummer vergeben wird (siehe zum Beispiel: https://www.elster.de/anwenderforum/showthread.php?40938-2-Steuernummern-f%FCr-2...). Die Steuererklärung wird unter der privaten Steuernummer eingereicht und eine Einkommensüberschussrechnung für jede freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeit unter Angabe der jeweils dafür zugeteilten Steuernummer angehängt.

Kommentar von vulkanismus ,

Wenn Du lieber dem Gequatsche auf irgendeinem dubiosen Forum glaubst - bitte.

Da kann ich mit meinen 45 Jahren Berufserfahrung und gefühlten 100.000 Vergaben von Steuernummer natürlich nicht mithalten.

Ich habe zwar nie auch nur einen einzigen Antrag auf Erteilung gesehen, aber das ist ja Haarspalterei.

Dann fange ich für Dich eben nochmal bei Adam und Eva an.

Es gibt in Deutschland sieben Einkunftsarten, die in die Berechnung der Einkommensteuer einfliessen können.

Bei Dir liegen mindestens zwei davon vor, wobei Du für jede getrennt den Gewinn/Verlust ermitteln musst.

Wegen des Gewerbes (und wahrscheinlich auch wegen der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit) hast Du bereits Deine Steuernummer erhalten.

Nun kommt die freiberufliche Tätigkeit hinzu und das Finanzamt hat zu prüfen, ob Deine Einkommensteuer-Vorauszahlungen angepasst werden müssen.

Deshalb ist ein weiterer Fragebogen auszufüllen - nicht wegen einer Steuernummer.

Wenn Du dann die ESt-Erklärung abgibst, enthält diese zwei Gewinnermittlungen (und auch die Angaben als Arbeitnehmer) unter einer Steuernummer.

Siehst Du jetzt immer noch irgendwo eine andere Steuernummer?

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