Frage von Maddilii, 45

Nach Reha Umschulung geplant. Nun gehts nicht voran und Hartz IV droht. Wie kann ich dem entgehen?

Hallo an alle,

(ich weiß nicht ob ich hier richtig bin)

ich hatte einen Hirntumor und Bestrahlung, danach folgte die Wiedereingliederung in meinem Job, welchen man mir dann Ende 2015 gekündigt hat bzw. man lies den Vertrag auslaufen. Seitdem beziehe ich Arbeitslosengeld. In Absprache mit der Agentur sollte ich eine Reha machen damit ich danach eine Umschulung beginnen kann. Das mit dem Reha Antrag zog sich sehr in die Länge sodass ich erst Ende August 2016 mit dieser startete.

Sie endete am 20.09.16 und danach stellte ich einen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben. Laut den Ärzten darf ich meinen erlernten Beruf (Fachfrau für Systemgastronomie) nicht mehr ausüben und nur noch 4-6 Stunden am Tag arbeiten. Des Weiteren habe ich seit 02/2015 einen Schwerbehindertenausweis mit einem GdB 100.

Die Agentur schickte meinen Antrag an den Rentenversicherungsträger da sie nicht dafür zuständig ist.

Nun liegt dieser Antrag seit 20.10.16 beim Rententräger. Gestern habe ich mit dem zuständigen Herrn telefoniert und gefragt wie es denn nun weiter geht, da ich nur noch bis 21.01.2017 Anspruch auf Arbeitslosengeld habe und nicht in Hartz IV rutschen will.

Der Herr meinte das es frühestens ab dem 04.01.17 zu einer Findungsphase kommt, da das BFZ und Co. jetzt bald in die Winter/Weihnachtsferien geht.

Nun stehe ich da und weiss nicht wie es weiter gehen soll, da ich mit meinem Mann zusammen lebe, habe ich Angst das ich überhaupt keinen Anspruch auf Hartz IV habe.

Keiner kann mir sagen was in meinem Fall jetzt eine Lösung wäre. Ist es sinnvoller eine Teilerwerbsminderung zu beantragen?

Für Antworten bedanke ich mich :)

LG Maddi

Antwort
von cyracus, 5

Ich verstehe Dich so, dass bei der Versicherung der Antrag auf Erwerbsminderungsrente bereits läuft und sich im Überprüfungsstadium befindet.

Als finanzielle Überbrückung hast Du einen Anspruch auf Hartz IV, wenn Du gemeinsam mit Deinem Mann finanziell bedürftig bist. - Hier ein guter Hartz IV-Rechner:

Arbeitslosengeld 2 Rechner
http://www.geldsparen.de/arbeitslosengeld-2/

Prüfe aber auch, ob Ihr mit Wohngeld hinkommt, das wäre Hartz IV vorzuziehen - hier der

Wohngeldrechner
http://www.geldsparen.de/wohngeld-rechner/

Falls Ihr Wohneigentum bewohnt, heißt das "Wohngeld" Lastenzuschuss, hier dazu der

Lastenzuschuss Rechner
http://www.geldsparen.de/lastenzuschuss-rechner/

.

Du schreibst ja nicht, warum Du Dich so sehr davor fürchtest, Hartz IV beantragen zu müssen. Möglicherweise ist es das Hartz IV-Bashing, das leider immer noch stattfindet. Erst wenn Menschen selbst eines Tages diese Art von Grundsicherung beantragen müssen, wissen sie, was es wirklich bedeutet, und dass es gar nicht um dumme, versoffene und faule Menschen geht. Statt dessen erkennen sie, dass in diese Notlage heutzutage jeder rutschen kann, der aus welchen Gründen auch immer kein finanzielles Polster hat ansparen können oder kein Vermögen besitzt.

Es gibt also überhaupt keinen Grund, sich zu schämen, weil Hartz IV beantragt wird (falls dies eines Deiner Probleme ist).

.

Bei weiterem Beratungsbedarf empfehle ich eine Sozialberatung. Google dazu mit
sozialberatung
und füge Deinen Wohnort hinzu (oder den nächstgrößeren, falls er klein ist).
Dir werden so (behördenunabhängige) Beratungsstellen gezeigt wie die
Diakonie / Diakonisches Werk, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband
oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vereinbare dort einen Beratungstermin.

Wohnst Du in Hamburg, und hast Du irgendwelche Probleme mit dem Jobcenter, hole Dir Rat bei der sehr guten Beratungsstelle
Arbeitslosen Telefonhilfe 0800 111 0 444 (Handy: 040 - 22 75 74 73).
Dort ist man zu Fragen rund um das Thema Arbeitslosigkeit sehr erfahren
(die dürfen nur Hamburger / Umgebung beraten). - Es geht bei der Hamburger Beratung also um Beratung gemäß SGB II (= Arbeitslosengeld 2 / Hartz IV), nicht gemäß SGB XII (= Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung).

.

Google auch mit
Behindertenberatung
und füge Deinen Wohnort hinzu. So weißt Du, an wen Du Dich wenden kannst, wenn Du diesbezüglich Beratungsbedarf hast.

Hier schon mal eine Info für die Zeit, wenn der Antrag für Erwerbsminderungsrente durch und genehmigt ist, und Du diese Art von Grundsicherung erhältst:

Die Grundsicherung - Ihr gutes Recht - Ein Ratgeber des SoVD
http://www.sovd.de/fileadmin/downloads/broschueren/pdf/grundsicherung.pdf

.

Wenn Du zum Jobcenter, zur Versicherungsberatung oder andere Wege zu machen hast, die Dich belasten, ängstigen oder aus anderen Gründen ist es gut, jemanden neben sich zu haben, lass Dich begleiten von einem erfahrenen (!!) Beistand, auch Ämterlotse genannt (dazu gleich mehr).

.

Vorsorglich diese Hinweise von mir, die ich Arbeitslosen und anderen
Grundsicherungsbeziehern reingebe - Du wirst leicht erkennen, was auf
Deine jeweilige Situation zutrifft:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen).
Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge
persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf
einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift
bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht
das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum
und Unterschrift“
).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben
aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es
mehrere Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum
dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und
Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein
Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt
wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht
behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und
wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original
unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten)
. - Nicht (oder angeblich nicht)
abgegebene Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht
gedeutet werden, was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. -
Und: Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß
allgemein die Sache zügiger bearbeitet.

Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit
jobcenter unterlagen verloren
und lies auch dies:
Hartz IV: Verschwundene Unterlagen mit System?
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-verschwundene-unterla...

.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein.
Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im
Vertrauen
landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“
(wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden.

.

Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen.
Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher
macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber
auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google
mit 13 sgb 10):

     (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit
           einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene
           gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht
           unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit
Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

     Ämterlotsen
     Behördenlotsen
     Behördenbegleiter
     Hartz IV Mitläufer
     Hartz IV Gegenwind e.V.
     Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und
(die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine
Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.
(Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen
des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast
Du ein Recht.)

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft):
Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand
sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

Google mit

legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die
gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht
darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu
lassen.

In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich
etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es
gesagt.

Zum Amt mit einer erfahrenen Begleitpersonen zu gehen ist in diesem Fall
sehr empfehlenswert.

Wenn Du bei einer Sozialberatung bist, frage dort, ob dort Beistände /
Ämterlotsen / Behördenbegleiter ehrenamtlich Dienst machen. In Hamburg
z.B. bietet die Diakonie Begleitung durch Ämterlotsen an.

.

Alles Gute - Deine Situation ist doch schon stressig genug, bitte entspanne Dich.

.

Kommentar von cyracus ,

Wenn Du Hartz IV erhältst oder Ihr ähnlich finanziell arm seid, lass Euch von der Rundfunkgebühr befreien. Formular gibt es bei der Grundsicherungsbehörde (also Jobcenter oder Grundsicherungsamt - was dann für Dich zuständig ist). - Hier vom Juraforum zum Thema
GEZ-Befreiung für ärmere Bevölkerungsgruppen
http://www.juraforum.de/recht-gesetz/gez-gebuehrenbefreiung-fuer-aermere-bevoelk...

Erkundige Dich auch, ob es an Deinem Ort Ermäßigung für öffentliche Verkehrsmittel gibt. Auch hierfür gibt es ein Formular von der Grundsicherungsbehörde. - Ob Du wegen Deiner Beeinträchtigung bereits diesbezügliche Ermäßigung genießt, weiß ich nicht (kenne mich damit nicht aus).

Antwort
von wfwbinder, 30

Du solltest die Erwerbsminderungsrente beantragen. Da wird nämlich automatisch geprüft, welche Tätigkeiten für Dich in Frage kommen.

Da das Verfahren allerdings einige Zeit dauert, wirst Du um den Antrag auf ALG II wohl nicht herum kommen.

Kommentar von cyracus ,

Hallo wfwbinder, der Antrag auf Erwerbsminderungsrente läuft vermutlich bereits. Die Fragestellerin schreibt ja:

Die Agentur schickte meinen Antrag an den Rentenversicherungsträger da sie nicht dafür zuständig ist.

Es geht nach Beendigung des ALG I wohl "nur" um die Überbrückung in Form von Hartz IV, damit keine Finanzierungslücke entsteht.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community