Frage von Most32,

Muss man bei einem Gehaltseinbruch in der privaten Krankenversicherung bleiben?

Die Entscheidung, ob man aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln soll, finde ich ziemlich schwierig. Kann man da wirklich nie zurück? Auch nicht, wenn das Gehalt einbricht und man es sich nicht mehr leisten kann?

Antwort
von RHWWW,

Hallo,

die Versicherungspflichtgrenze für Angestellte für 2013 beträgt 52.200 Euro brutto. Überstunden, Familienzuschläge und einmalige Sonderzahlungen werden nicht mitgerechnet. Urlaubs- /Weihnachtsgeld, das vertraglich zugesichert ist, wird angerechnet. § 6 SGB V

Der Vergleich GKV - PKV ist grds. ein lebenslanger Vergleich. Das heißt, es ist erforderlich alle späteren möglichen Veränderungen mit in den Vergleich einzubeziehen, z.B. "Gründung/Vergrößerung der Familie" und Verringerung der Einnahmen.

Auch bei folgenden Änderungen bleibt man in der PKV:

Kurzarbeit (auch für 12 Mon) , unbezahlter Urlaub/Sabbatjahr, späteres (Zweit-)Studium, Frührente wegen Erwerbsminderung, Altersrentner, Hausmann, Auszeit wegen Kindererziehung -> in diesen Fällen sind die PKV-Beiträge in unveränderter Höhe weiterzuzahlen.

Ggf. sind zusätzliche Beiträge für Kinder oder den nichtberufstätigen Ehegatten zu zahlen.

Die Beiträge für den nichtberufstätigen Ehegatten werden in der GKV nach der Elternzeit (manchmal auch in der Elternzeit) immer nach der Hälfte der Einnahmen des PKV-Ehegatten berechnet (§ 240 SGB V letzter Absatz). Wenn der Ehegatte chronisch krank ist, ist ein Beitritt zur PKV oft ausgeschlossen.

Auch Scheidung und ggf. erneute Heirat/Stiefkinder können gravierende Auswirkungen haben.

Für Kinder sind pro Kopf Beiträge zu zahlen. Die Leistungen für die Kinder sind dann oft auf die Tarife für die Eltern begrenzt. Hier sind unter dem Suchbegriff "PKV" viele Erfahrungen von Betroffenen vermerkt:

rehakids.de/phpBB2/forum21.html

Bei den Leistungen sollte man neben vielen anderen besonders auf folgende Punkte achten:

• Reha/Kur (z.B. nach Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Unfällen ...)

• Hilfsmittel: Katalog der GKV:

http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/hilfsmittelverz...

Hilfsmittel erreichen schnell 4- und teilweise 5-stellige Beträge.

• Psychotherapie (Anzahl und Erstattungshöhe)

• Heilmittel (z.B. Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie), z.B. nach Schlaganfall

-> Heilmittelarten und Erstattungshöhe

• für Arbeitnehmer Krankentagegeld: Wenn die selbe Krankheit wiederholt auftritt, braucht der Arbeitgeber insgesamt nur 42 Tage Entgeltfortzahlung zu leisten. Wenn das Krankentagegeld immer erst ab dem 43. Tag gezahlt wird, entsteht ggf. eine längere finanzielle Lücke.

Man kann "PKV-Experten" auch eine Testfrage stellen: "Brauche ich als Arbeitnehmer eine Absicherung für Kur/Reha?" Wenn die Antwort lautet, dass das nicht erforderlich ist, da die Rentenversicherung für Arbeitnehmer die Kosten trägt, ist das nur die halbe Antwort. Als Rentner (auch Frührentner) besteht später dann keine Absicherung mehr. Die spätere PKV-Absicherung für Reha wird dann unmöglich bzw. (fast) unbezahlbar sein.

In der PKV werden Leistungen erstattet, wenn das sie das Maß des Notwendigen nicht übersteigen. Was das "Maß des Notwendigen" ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden - je nach Tarif - oft nur schulmedizinisch anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Wenn man im Krankheitsfall Probleme mit einem PKV-Unternehmen hat, kann man praktisch nicht mehr wechseln. Jede andere Versicherung wird einen voraussichtlich wegen der Erkrankung ablehnen (oder gravierende Risikozuschläge erheben). In der GKV sind die anderen Krankenkasse verpflichtet, einen aufzunehmen, und man hat ab dem 1. Tag den vollen Leistungsanspruch (ohne Zuschläge).

Vielleicht interessant:

focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/tid-5429/krankenversicherung-zehn-irrtuemer-ueber-die-privatenaid52165.html

bundderversicherten.de/app/download/BdV-PKV-Broschuere.pdf

pkv-ombudsmann.de/

(unter Tätigkeitsberichte sind häufige Beschwerden von PKV-Versicherten aufgelistet)

Wenn die PKV günstiger als die GKV ist, profitiert der Arbeitgeber zur Hälfte von der Ersparnis. Wenn die PKV (früher oder später) teurer als die GKV ist, trägt man als Versicherter die Mehrkosten allein (Arbeitgeber oder Rentenversicherung beteiligen sich daran nicht): § 257 SGB V und § 106 SGB VI

Ähnlich ist es mit dem Steuerrecht. Wenn man niedrigere Beiträge zahlt, kann man steuerlich weniger absetzen. Das Finanzamt spart mit.

Die Gesundheitsfragen im PKV-Antrag sind immer 100% korrekt anzugeben: Gab es in den letzten Jahren irgendwann Rückenbeschwerden? Gab es Knieeinschränkungen? Oder Kopfschmerzen? Oder eine Erkältung mit Husten? Nicht angegebene Erkrankungen können auch nach Jahren zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

.test.de/Formulare-der-Privaten-Krankenversicherer-Diagnose-unklar-166...

Die Kosten einer Versicherung bestehen immer aus den gezahlten Beiträgen u. den nicht versicherten Leistungen.

Die Entscheidung hat vermutlich lebenslange Auswirkungen u.sollte daher genauso gründlich wie z.B. ein Hauskauf angegangen werden.

Viel Erfolg bei der Entscheidung!

Gruß RHW

Kommentar von RHWWW ,

Alle hier in den einzelnen Antworten genannten Möglichkeiten vom Wechsel aus der PKV in die GKV beziehen sich auf die jetzige gesetzliche Lage. Vor 25 Jahren gab es noch viel mehr Möglichkeiten, die jetzt nicht mehr existieren. Einen Vertrauensschutz für eine Rückkehr aus der PKV in die GKV gibt es nicht!

Kommentar von alfalfa ,

Gefällt mir gut, dass Du aus der Sicht der GKV in die Tiefe einsteigst. Ja, und jetzt argumentiere ich mal als PKV Mensch zu den wichtigen Themen, die Du angesprochen hast.

  1. Heil und Hilfsmittelkatalog Ein beliebtes Thema. Gerne als Achillesferse der PKV argumentiert. Zu Recht. Doch nun mal die andere Seite betrachtet. Die PKV garantiert vertraglich. Lebenslang als Dauerschuldverhältnis. Das Pendant zum § 12 SGB V ist doch § 5 MB KK...oder?

So, das gilt doch nur, solange die GKV/PKV zuständig ist. Und das ist doch spannend. Insgesamt gibt es doch im Sozialsystem acht (!) unterschiedliche Kostenträger. Bei dem gerne genutzten Argument die GKV hat einen offenen Hilfsmittelkatalog springt es doch bei einem Arbeitsunfall zu kurz. Da ist die GKV raus und die BG drin. Oder bei Pflege. Oder bei Auslandsentsendung. Pardon, das Argument zieht Null. Denn es gibt ja acht (Kostenträger) Möglichkeiten wer zahlt. Ich erinnere an die UN Charta, die immer noch nicht nationales Recht ist. Zur Recherche: Un Charta+Recht zur Teilhabe+Prof Welt!

  1. Reha und AHB Richtig. Aber hast Du die mal die aktuellen Tarife angesehen? Debeka und Unisex? Barmenia und easyfelx comfort 1+? Nein? Solltest Du Dun. denn alle versicherungsfremde Leistungen der GKV sind dort abgedeckt: Vertragssicher und über GKV Leistungen hinaus. Und bitte Reha und AHB ganz klar differenzieren, wer was zahlt und unter welchen Bedingungen. Danke!

  2. Heilmittel Logo, Ergo etc haben mittlerweile alle vernünftigen Tarife. So what?

  3. Scheidung & Co Wo ist bitte das Problem???

  4. Vorvertragliche Anzeigenpflichtverletzung § 19 VVG Ja, man sollte nicht bei Verträgen lügen. ist doch vollkommen klar, oder? Was spricht dann für die GKV? DasSte man Lügen darf?

  5. Krankheitsfall- Wechsel PKV? Man darf nicht mehr wechseln? Innerhalb der eigenen Gesellschaft immer! § 204 VVG!. Sorry, was bitte meinst Du genau? Und auch in GKV darf ich wechseln! Schwerbehinderung innerhalb der ersten drei Monate. Also, die Frage ist polemisch!

  6. Steuerrecht § 10 EkStG und § 257 SGBV sind doch eindeutig. Oder?

  7. Psychotherapie Ja, klassisches GKV Vertriebsargument. Es gibt Sinn das einzugrenzen auf Berufsgruppen. Und es gibt Sinn ambulant auf eine gewisse Anzahl zu begrenzen, denn danach gibt es Sinn das stationär zu behandeln. Insofern subenvitioniert dei PKV nicht die Berufsgruppe Heilpraktiker mit psychotherapeutischer Behandlung die frei Schnauze einen Stundensatz festsetzen dürfen und die Personen die Hilfe benötigen erst 200 Sitzungen auf der Couch verpassen. Ja, wer psychische Probleme hat braucht Profis. Und keine Pendler oder Hartz 4 Fortbildung Heilpraktiker. Genau das zahlt die GKV und die PKV nicht. Sorry, vollkommen daneben das Argument.

Auch wenn Du ein Fan von multipler Informationsbeschaffung bist und den Lesern gerne Focus, Bildzeitung und andere Quellen angedeihen lässt, so bitte ich Dich bei solchen wichtigen Themen bei den Fakten zu bleiben!

Du bist ein Crack bei GKV (ich lese gerne Deine Beiträge) bei PKV fehlen Dir wichtige Informationen, siehe Argumentation oben.

Insofern, weil es wichtig ist, lass uns streng an der Sache argumentieren (ich mag die GKV!) und uns auf Focus, Stiftung Warentest, Handelsblatt und Co verzichten. Danke

Antwort
von Kevin1905,

Wenn Versicherungspflicht vor dem 55. Lebensjahr wieder eintritt, für eine gewisse Zeit, geht es automatisch zurück in die GKV.

Antwort
von Rentenfrau,

Die Entscheidung, ob man in die private Krankenversicherung wechselt (so denn möglich, siehe die anderen Antworten) sollte man sich gut überlegen. Es gibt einige Unterschiede vom Betrag, den Leistungen und nicht immer geht der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Wenn man z. B. schon 55 Jahre alt ist, ist der Weg zurück generell verbaut. Wenn man drunter ist, kann man noch in die GKV wechseln, wenn wieder Versicherungspflicht in der GKV eintritt (z. B. Ende der Selbständigkeit, Aufnahme einer versicherungspflichtigen Tätigkeit, niedrigeres Gehalt, wo man wieder in der GKV versichert ist).

Kommentar von alfalfa ,

Nach 55 gibt es noch drei Optionen:

  • innerhalb der ersten drei Monate nach Feststellung einer Schwerbehinderung
  • Familienversicherung
  • Rückkehr nach langem Auslandsaufenthalt (mit Einschränkungen)
Antwort
von SBerater,

Gehalt? Wenn es denn ein Gehalt ist. Ist man selbständig, dann gibt es keinen Weg zurück, auch wenn du nur wenig Umsatz machst.

Wenn das Gehalt unter die Bemessungsgrenze fällt, man nicht selbständig ist, nicht älter als 55, dann kann man wechseln.

Eine Alternative ist Arbeitslosigkeit.

Den KVen ist es vollkommen egal, ob du dir die Beiträge nicht mehr leisten kannst. Wenn du die Voraussetzungen nicht erfüllst, kannst du nicht wechseln.

Hier findest Antworten auf all deine Fragen: http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/systemwec...

Kommentar von alfalfa ,

Handelsblatt: Bekannt für Bashing und schlechte Informationsqualität.

Okay: zum fachlichen:

  1. Es heißt Jahresentgeltgrenze. Die ist höher als die Beitragsbemessungsgrenze!
  2. Selbständigkeit und kein Weg zurück? Falsch, Familienversicherung und monatlicher Gewinn unter 375 € ist nach SGB V definitiv ein Weg zurück!
  3. Arbeitslosigkeit? Nur bei ALG I. Bei Selbständigkeit, dann Aufgabe und ALG II: Nein!
  4. Der Rest: Siehe oben, letztes Posting von mir!
Kommentar von SBerater ,

so ne schlechte Meinung zum Handelsblatt? Ok.

Danke für den Zusatz. Und DH für deinen Beitrag.

Kommentar von alfalfa ,

Ja, habe ich. Herr Th Schmidt - Korrespondent vom Handelsblatt - und ich kommunizieren regelmässg über solche Themen. Wir kennen uns und er ist blitzgescheit und weiss was Fakten sind. . Nur hat er von Versicherungen zwar den Durchblick, aber was er schreibt ist Mist. Der Auflage wegen...Leider! Und das quält ihn selbst!

Antwort
von alfalfa,

Also, das Thema lautet: Wie komme ich rein in die PKV und wie wieder heraus: (Ich beschränke mich auf die wichtigsten Fälle)

Ich komme rein in die PKV wenn : - ich gewerbetreibend, Beamter, Soldat, Student oder Freiberufler bin - ich vorher dem System PKV zugeschlüsselt bin

Wenn ich in der PKV bin komme ich in die GKV wenn: - ich die Selbständigkeit aufgebe und einen sozialversicherungspflichtigen Job annehme (vor 55) - ich durch meinen Ehepartner familienversichert werden kann - nach langem Auslandsaufenthalt und Rückkehr in die BRD - innerhalb der ersten drei Monate nach Anerkennung einer Schwerbehinderung

Soweit in der Kürze, alles andere bedarf der Einzelfallbetrachtung.

Eins zur Warnung: Die PKV ist kein Sparschwein. Man sollte nur aufgrund der Leistung wechseln! Und dann auch in dem Tarif bleiben!

Kommentar von SBerater ,

DH.

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