Frage von butz234, 348

mündlicher Kostenvoranschlag gültig?

Guten Abend,

es handelt sich um Klemptnerrei eines EFH (Altbau) durch eine Firma. Gemacht werden sollten:

-Anbau OG Heizung rein (ehemals Heuboden)

-alle Kupferrohre unterputz (2xBad, 2 kleine Zimmer im OG)

-Wasser/Abwasser neu legen (EG, OG)

-Fußbodenheizung EG legen und anschließen (ca. 50m², war schon gekauft)

-2 Vorwandelemente für WC stellen und anschließen

Nach erster Besichtigung musste nur noch das finanzielle geklärt werden. Die Kosten sollten sich auf ca. 3000 € belaufen. Wir haben nichts schriftlich aber meine Frau ist Zeuge. Nach Fertigstellung der Fußbodenheizung meinte die Firma dass Sie es hätte garnicht machen dürfen und wir somit darauf keine Garantie haben. Als es dann so weit war, dass sämtliche Leitungen im Keller angekommen sind meinte die Firma, dass es besser ist dass die Heizanlage im Keller neu verklemptnert wird. Ich fragte wieder (leider ohne Zeugen) nach einem Angebot. 3500€+Eventuell anfallendes Kleinmaterial.

Sind wir somit bei ca. 6500€. Gut, sollten Sie es gleich mit machen. Übrig geblieben sind Speicher und Therme. Rest ist alles komplett neu(ist mit Sicherheit kein Kleinmaterial). Kurze Zeit später bekamen wir eine Abschlagsrechnung über 5000€ für Material und Abriss, die wir auch gleich beglichen haben. Die Firma hat auch einen Gastank Angeschlossen, der neu kam.

Letzte Woche der Schock. Eine weitere Rechnung über 9000€!!! Und das ist keine Endrechnung da das Wasser noch nicht angeschlossen ist. Sind wir somit bei nun 15500€. das sind über 100%!! mehr, als wie ausgemacht. Es wären unvorhersehbare Kosten entstanden.

Was kann getan werden? Ist das Abzocke? Ich bin für jede hilfreiche Antwort Dankbar.

Antwort
von gandalf94305, 256

Du kaufst auch Autos und Pferde per Handschlag? Ich verstehe nicht, warum hier nicht ein verbindliches Angebot in schriftlicher Form eingeholt wurde, denn dabei wären auch die Aufmaße, die Arbeitszeiten und alles weitere festgehalten worden, auf deren Basis überhaupt erst eine qualifizierte Berechnung möglich gewesen wäre.

Wie kann die Firma dann einen Auftrag annehmen, den sie gar nicht ausführen darf? Selbst wenn sie es nicht hätte machen dürfen, muß sie auf die offensichtlich erbrachten Leistungen eine Gewährleistung verantworten.

Die Zahlen, die Du nennst, klingen für mich plausibel.

Wie kannst Du jedoch diese Vorgehensweise durchgehen lassen, nachdem offensichtlich nicht nur Kleinteile neu verbaut wurden? Es war Deiner eigenen Schilderung nach sogar klar, daß hier alles bis auf Speicher und Theme neu war. Gastank verstehe ich zwar nicht, aber womöglich war das ein Druckausgleichsbehälter oder vielleicht auch ein Wasserspeicher?

Hier von Abzocke zu sprechen, dürfte wohl kaum den Kern der Story treffen. Natürlich hätte die Handwerksfirma klarer kommunizieren können, was an Kosten auf Dich zukommt. Natürlich hätten die Handwerker vielleicht gleich ein Gesamtangebot vorlegen sollen, anstatt schrittweise die Arbeiten zu planen und zu berechnen. Die Hauptschuld jedoch trifft aus meiner Sicht (ja, ich habe diese Art der Renovierung für ein gesamtes Haus mit Fenstern, Türen, Elektrik, Wasser/Abwasser, Dämmung etc. selbst hinter mir) Dich. Du hast mit einer unglaublichen Naivität die immer neuen Gewerke und Rechnungen nicht nur akzeptiert, sondern sogar Folgeaufträge erteilt. Alles ohne Schriftstücke in irgendeiner Form. Alles ohne irgendeine Gesamtplanung.

Die nächste Frage ist dann noch, wie die Rechnungen beglichen wurden: bar auf die Hand? Keine Quittung? Haushaltsnahe Dienstleistungen ade?

Ich kann nachvollziehen, daß Dich die immer größer werdenden Beträge schocken und belasten, und ich kann auch akzeptieren, daß man zu Beginn man an das Gute im Menschen glaubt und das Angebot eben sein läßt, aber spätestens beim ersten Nachtrag hätte doch klar sein müssen, daß hier etwas nicht mehr zum ursprünglichen Vorhaben passt. Du hast den Pfad der Tugend verlassen und die Handwerksfirma hat Dich wahrscheinlich nicht einmal bewußt ausgenutzt, sondern einfach vernünftige Arbeit geleistet, vielleicht aber auch Dinge ersetzt, die nicht zu ersetzen waren. Keine Ahnung. Ich habe das Objekt weder vorher, noch nachher gesehen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Also ich habe noch nie ein Pferd ohne Handschlag gekauft....

Antwort
von Snooopy155, 258

Auch bei einem mündlichen Kostenvoranschlag gelten die AGBs der Firma und dort wird wird es dann schwierig weden für Dich. Schon die Schilderung des Arbeitsumfanges lassen sich nicht mit den vorab genannten Kosten durchführen. Da Du blauäugig den Auftrag vergeben hast, bleibt Dir jetzt mur noch anhand der Regiezettel zu prüfen, dass die erbrachten Leistungen auch zeitlich und mengenmäßig richtig erfasst wurden. Zudem würde ich mir detailliert aufschlüsseln lassen, welche Arbeiten unvorhergesehen waren und mit welchen Kosten sie berechnet wurden. Damit würde ich mich dann an den zuständigen Ombutsmann wenden und mit diesem klären, wieweit hier noch Kostenpositionen gestrichen werden können. Risiko ist allerding, sobald Du die Zahlung verweigerst, dass der Handwerker die Arbeiten einstellt und Du ohne Wasserversorgung bist.

Zudem solltest Du daraus die Lehren ziehen, solche umfangreichen Arbeiten nicht mehr ohne vorheriges schriftliches Angebot zu vergeben. Auch hier werden oftmals unvorhergesehene Positionen wiederzufinden sein, aber der Handwerker muß dann vor Weiterführung der Arbeiten auf die Zusatzkosten hinweisen.

Antwort
von Primus, 185

Im Focus las ich, dass Kostenvoranschläge verbindlich sind. Egal, ob sie mündlich oder schriftlich abgegeben wurden.Auch dürfen nur geringe Abweichungen vorkommen.

Sie selbst:

http://www.focus.de/finanzen/recht/verbraucher-kostenvoranschlag-ist-verbindlich...

Antwort
von mig112, 139

Zahl' keinen einzigen Cent mehr, bis man dir anhand der Stunden- und Materialzettel den Gesamtaufwand dargelegt hat!

Keinesfalls zahlst du die geforderte Summe - aber einige dich friedlich. Mit Abzocke hat das gar nichts zu tun und ich sehe den "Unternehmer" in einer sehr schwachen Position, was seine Forderungen betrifft.

Es ist dir allerdings zweifellos anzulasten, dass du keinen Bauleiter/Architekten hattest und nicht auf schriftliche Kostenanschläge bestanden hast.

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