Frage von Rat2010,

Mogelpackung hohe Sparzinsen! Taktik oder doch mehr Betrug?

Wenn ich mal wieder so einen Artikel lese

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/ratgeber-hintergrund/...

(das Video entspricht dem Beitrag im heutigen Handelsblatt)

... sträubt sich mein Rechtsempfinden. Ist es normales Geschäftsgebahren, Dummenfang, vielleicht gerade noch legitim oder ist es im Sinne des StGB Betrug.

Sind es ganz normale Angebote oder gehen die doch mehr davon aus, dass zumindest der eine oder andere das falsch versteht und seine vielleicht wesentlich besser rentierliche Anlage auflöst oder statt einer besser rentierlichen diese wählt?

§ 263 StGB sagt

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Ich weiss auch, dass jeder die genauen Bedingungen lesen sollte aber wendet sich die Werbung mehr an den oder doch mehr an Leute, die es falsch verstehen sollen?

Wie denkt ihr darüber?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gammoncrack,
Dummenfang, ein Grenzfall

Üble Sache - kannte ich überhaupt nicht.

Ich hatte genau wegen einer ähnlichen Sache hier einmal eine ziemliche Diskussion. Es ging genau um einen solchen Fall.

Ob das strafrechtlich relevant ist, wage ich einmal zu bezweifeln. Die Akteure werden das wohl von ihren Hausjuristen vor Veröffentlichung haben prüfen lassen. Das das weiter eine schäbige Sache ist, weil die genau wissen, dass etliche Interessenten sich von der Headline so sehr beeinflussen lassen, dass sie das weitere nicht mehr lesen.

Das Schlimme ist, dass es im Regelfall nur Kleinanleger trifft. Die Großanleger kennen sich einfach besser aus und durchschauen das System.

Kommentar von Rat2010 ,

Ich würde mir der mit den Hausjuristen nicht so einfach machen. Es läuft wahrscheinlich mehr unter der Rubrik "die anderen machen es auch" oder "das haben wir schon immer so gemacht".

Wenn man daran denkt, was alles schief gegangen ist und in welcher Höhe die Entschädigugnen in den letzten Jahren für geschlossenen Fonds, Zertifikate und andere Produkte aller Art liegen und wenn man dann bedenkt, dass die produkte weniger für den Markt als für die Leute am Schalter (um das Geld im Haus zu behalten) produziert werden, solltest du nicht davon ausgehen, dass der Hausjurist Einfluss auf das hat, was verkauft wird.

Kommentar von LittleArrow ,

Regelfall nur Kleinanleger

Naja, die Kleinanleger sind doch auch sonst nicht blöd und erwarten nicht bei Preisschildern, wie "Alles muss raus! Schnäppchen ab € 5!", dass es nur Ware zu € 5 gibt.

Andere Beispiele:

"2 Wochen Teneriffa, 3-Sternehotel, mit Flug ab € 599"

"VW-Polo, Sonderedition "Jeunesse" zum Sonderpreis ab € 12.999!"

"Kleinkredit schon ab 3,99 % p.a.!"

"Telefon/Internet-Flatrate € 12,99/Monat!"

Da weiß doch mittlerweile auch jeder, dass es da Haken und Bedingungen gibt.

Antwort
von Rat2010,
für mich ist es (versuchter) Betrug

Die wahre Tatsache wäre aus meiner Sicht bei "Top Invest" oder allen Produkten, die nach Ausgabeaufschlag eine negative, keine oder eine kleine Rendite auf den Sparanteil zahlen, dass man einen Fonds ohne Ausgabeaufschalg bekommt, wenn man der Bank genau si viel Geld für sechs Monate zinslos gibt.. Beworgen wird es mit 10 % p.a., fest für sechs Monate. Dass man mit der andern Hälfte Fondsanteile erwirbt und dass dabei Kosten anfallen, die nicht anfallen müßten und in Höhe des Zinses liegen, verschwindet aus der Sicht sicher einiger Anleger und ich denke, das ist auch so beabsichtigt.

Damit wird nach meinem Rechtsempfinden durch die Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen ein Irrtum in der Absicht erregt, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen.

Antwort
von MadRampage,
Dummenfang, ein Grenzfall

Mit den relativierenden Worten wie "bis zu X%" ist es wohl kein Betrug. Außerdem stehen dort immer Sternchen welche auf die Bedingungen verweisen, welche dann eben doch sagen wann es die Rendite geben wird und wann nicht.

Der mündige Bürger sollte wissen dass Die Banken nur sein Geld wollen und werbeaussagen generell misstrauen und hinterfragen. Ich wäre ja für ein Schulfach "Werbekunde" oder "Verbraucherfallen"

Noch lieber wären mir ehrliche Werbeaussagen der Banken und der Industrie, aber laut Ilse sind wir ja schon perfekt geschützt und ein weitere 10 Punkte Plan bringt da auch nix mehr :P

Antwort
von SBerater,
für mich ist das in Ordnung

mein Vertrauen Banken ggü. ist so tief wie noch nie. Ich glaube denen nichts mehr. Es gibt immer wieder Produkte, die schön formuliert sind, aber letztendlich geht es im die Rendite, den Gewinn der Bank.

Ich fahre mit meiner Skepsis sehr gut, denn damit sehe ich mir die Dinge genauer an, stelle Fragen und fühle mich dann auch nicht betrogen, wenn ich eine Anlageform, ein Geschäft mit der Bank eingehe.

Antwort
von Gaenseliesel,
Kaufleute sagen selten die Wahrheit

ich fühle mich mit dem letzten Abschnitt verbunden, der da heißt : " ....... würde um alle drei Produkte einen Bogen machen. Im Moment gibt es nun mal keine hohen Zinsen. 3,5, vier oder gar sieben Prozent? Da stimmt irgendetwas nicht. " K.

Antwort
von Privatier59,
für mich ist das in Ordnung

dass zumindest der eine oder andere das falsch versteht und seine vielleicht wesentlich besser rentierliche Anlage auflöst oder statt einer besser rentierlichen diese wählt?

Was ich dabei denke? Ich denke daran, dass beim "weißesten Weiß" jede Hausfrau weiß, dass man das nicht so genau nehmen darf. Ich denke auch daran, dass der "Traumurlaub" nicht so verstanden wird, dass man da 24 Stunden schläft. Und, dass einem hunderte Mädels wie jeck hinterher rennen nur weil man ein bestimmtes Deo unter die Achsel geschmiert hat -wie mal in einem Werbespot zu sehen- nimmt auch niemand für voll.

Wieso sollte das bei Finanzprodukten anders sein? Weshalb dürfen deren Anbieter nicht auch jene dichterische Freiheit haben wie die Waschmittel- oder Deohersteller? Und wer den Vertrag über solche Produkte durchliest, der wird nicht getäuscht, sondern informiert und zwar vollständig.

Gewiß, es gibt Analphabeten und funktionale Analphabeten in Deutschland. Aber, es gibt auch Nichtschwimmer: Pumpt man deswegen Flüsse und Seen leer, nur damit keiner von denen ertrinkt? Es gibt Depressive, nur: Reißt man alle Hochhäuser ab, nur damit sich keiner davon runterstürzen kann? Wie heißt es doch so schön: Auf Einzelschicksale können wir keine Rücksicht nehmen.

Kommentar von Rat2010 ,

Wenn die hundert Mädels nicht wie jeck hinter einem her laufen, der sich das Deo gekauft hat, kauft er sich nächstes mal wieder sein altes. Wenn in den Familienkombi nur drei Leute rein passen, hätte man das vor Kauf sehen können.

Dass man Geld z. B. in eines der hundert "Fest und Fonds"-Produkte nicht für 10 % p.a. sondern für lau investiert hat und die Rendite allein von der Entwicklung des Fonds abhängig ist (also auch nach unten gehen kann), merkt der Anleger, wenn das Geld angelegt ist und die Bank ihr Geld hat.

Ich finde die Beispiele im letzten Absatz nicht wirklich passend. Der Fluss ich nicht für den Nichtschwimmer und das Hochhaus nicht für den Depressiven gemacht. Für funktionale Analphabeten haben viele Banken eine ganzes Sortiment produziert.

Antwort
von Tritur,
Dummenfang, ein Grenzfall

Bezüglich ihrer Seriosität bleibt der Finanzsektor, nicht nur die Banken, sondern auch Versicherungen und Finanzvertriebe, heute noch hinter dem Gebrauchtwagenhandel meilenweit zurück.

Natürlich werden solche Angebote mit der Absicht abgegeben, einfältige Sparer und solche die sich den Text nicht genauer ansehen, übers Ohr zu hauen. Ein Betrug ist es wohl nicht, weil man, wenn man alles genau liest, schon erkennen kann dass das Angebot unattraktiv ist. Aber wer liest das schon.

Angst vor einer Strafverfolgung müssen diese Banken also nicht haben, zumal ja auch unserer Staat mit der Enteignung seiner Sparer durch negative Realzinsen unter der selben Decke steckt.

Antwort
von Primus,
für mich ist es (versuchter) Betrug

Für mich handelt es sich um Augenwischerei mit dem Hintergrund, dem einen oder anderen Gutgläubigen das Geld wissentlich aus der Tasche zu ziehen.

Antwort
von LittleArrow,
Dummenfang, ein Grenzfall

"bis zu ..." oder "schon ab ...." ist eine übliche Formulierung im Anlage-, Kredit- oder Mietgeschäft, auf die nur noch Dumme ohne ausreichende Sprachkompetenz hereinfallen. Recht so.

Getrud Hussla schreibt so herzerfrischende Artikel im Handelsblatt. Einfach ihren Namen dort unter Suche eingeben.

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