Frage von myeurop, 7

Mischfonds: verwirrende Anzahl und Entscheidungsraum

Hallo, heute war ich praktisch den ganzen Tag beschäftigt, indem ich versuchte, eine Entscheidung über mögliche Investitionsprodukte zu fellen. Ich möchte nämlich verschiedene Fonds zum KAG-Preis bei meiner Hausbank kaufen, also nicht an der Börse. Ich habe jetzt eine Tabelle mit den ausgewählten Fonds gemacht(beiliegend): WKN A0ESBM – 987142 - A0N9WZ – 764930 - A1CV2R - A0HF3W - A0Q62A. Alles klingt so gut und toll, aber ist es wirklich? Am Ende musste ich merken, wie der Preis aller diesen Fonds eine historische Höhe erreicht hat, wobei ich mich wundere, ob ich abwarten sollte, bevor ich mein fleißig gespartes Geld invertiere. Ich freue mich auf Kommentare von Forum-Mitgliedern. Danke

(Ich habe hier ein Bild der Struktur meines Portfolios beigefügt, falls das hilft.)

Antwort
von vortex, 5
  • Mir gefaellt Deine Asset-Allocation nicht. Wie bist Du zu der Auswahl dieser Fonds gekommen? Vor allem ist der Rentenanteil sehr hoch. Wir befinden uns derzeit in einer Niedrigzinsphase. Deshalb stehen die Rentenfonds All-Time-High. Steigen die Zinsen hagelts Verluste bis der Arzt kommt.

  • Es ist nicht sinnvoll, ueber KAG/Hausbank zu kaufen, solange Du Ausgabeaufschlag bezahlen musst. Bekommst Du 100% Rabatt ist es ok. Ansonsten besser eine Direktbank nehmen. Gibts den Fond nicht mit Rabatt, ist es besser ueber die Boerse zu kaufen.

  • Die fuer Dich geeignete Assetallokation ist nicht a priori klar (haengt von Anlagehorizont und Risikobereitschaft ab). Der Teil der "sicher" angelegt werden soll ist in Tagesgeld/ kurfristigem Festgeld besser angelegt als in Rentenfonds solange innerhalb der Einlagensicherung.

  • Der riskantere Anteil sollte v.a. in Aktien (ETFs oder aktive Fonds) fliessen.

  • Rentenfonds sind zur Zeit nur zur Beimischung geeignet. Mischfonds kann man haben (bin persoenlich kein grosser Freund davon, aber andere hier sehen das sicher anders).

  • Vor allem langlaufende Anleihen vermeiden!

Kommentar von myeurop ,

@ vortex. Danke für die schnelle, ausführliche Antwort. Hier sind ein paar Antworte auf deine Fragen. Die Fonds hat mir meinem Berater bei der Bank vorgeschlagen. Angeblich sind sie alle in einem Vermögensdepot der Bank enthalten, das künftig auf den Mark kommen sollte. Meine Hausbank bietet mir Ausgabeaufschläge mit 50% Rabatt, wenn ich bei ihr Fonds zum KAG-Preis kaufe.

Kommentar von vortex ,

Es ist traurig, dass man in der Bank so etwas angeboten bekommt. Das ist leider kein Einzelfall. Die Konsequenz kann nur sein, die Beratung - die eigentlich mehr Verkauf ist - dort nicht in Anspruch zu nehmen.

Ich rate Dir die Anlageentscheidung zu verschieben und das Geld kurzfristig auf dem Tagesgeld zu parken. Du wirst aber wahrscheinlich die Hilfe eines Beraters brauchen, denn mein Eindruck ist - auch auf Grund einer anderen Frage die Du früher zu einer Mittelstandsanleihe gestellt hast - dass Du Chancen und Risiken nicht richtig einschätzen kannst. Allerdings solltest Du Dir vorher so viel Wissen aneignen, dass Du die Qualität des Beraters erkennen kannst.

Eine mögliche Einführung ist das Buch: Geldanlage für Fleißige (Stiftung Warentest/Finanztest)

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 4

Eine bunte Mischung von Fonds, die alle recht gute Ratings haben, da sie von ihrer Vergangenheit zehren, die sich jedoch in ihren Anlagen deutlich überlappen und daher in dieser Kombination nicht so recht empfehlenswert sind. Klingt fast wie ein Dachfonds, der sich nicht entscheiden kann, welche der Fonds man ins Portfolio aufnimmt und welche man dann irgendwann schnell verkauft, damit der Bestand noch sehr gut aussieht. Auch scheint noch das Marketingsprech Deines Verkäufers nachzuklingen, der Dir erzählt, daß man die Fonds mit 50% Rabatt auf den Ausgabeaufschlag kaufen kann... nicht teuer über die Börse. Auch das ist ziemlicher Unsinn.

Hier fehlt aus meiner Sicht erst mal von Deiner Seite eine Angabe, um welches Volumen es geht und was der Zweck dieser Anlage ist.

Schauen wir uns die Fonds an, so fällt der große Anteil von Fonds in USD auf. Das ist zwar im Prinzip egal, denn es kommt auf die Positionen im Fonds, nicht auf die Fondswährung an, aber ist Dir klar, daß Deine Hausbank hier noch für die Währungskonversion Spreads berechnet? Das kann nochmals Abzüge von 0,5-1,2% bedeuten.

Daher, wenn man mal die Fonds ernst nehmen würde:

  • Meridian Global Total Return würde ich LU0219418836 nehmen, das ist die EUR Anteilsklasse

  • BGF Global Allocation Fund würde ich LU0171283459 nehmen, das ist auch die EUR Anteilsklasse

  • Amundi International - hat sich seit Anfang 2013 vom MSCI World als Underperformer verabschiedet. Die in EUR abgesicherte Tranche LU0433182416 läuft sogar noch etwas schlechter, d.h. hier ist wohl der EURUSD-Wechselkurs mit schuld. Muß man nicht haben. Kann man auch per ETF auf den MSCI World TR bekommen, z.B. vom Comstage LU0392494562.

  • Ethna Aktiv E A ist die EUR-Tranche: LU0136412771. Der Fonds hat eine geringe Volatilität und läuft sehr stabil.

  • Der Invesco-Fonds hat für meinen Geschmack mit fast 25% einen recht hohen Anteil an Commodities. Na gut... LU0136412771.

  • Nordea ist einer der guten in diesem Bereich: LU0136412771. Hier sind auch die Renten auf die aktuelle Zinslage einigermaßen abgestimmt. Allerdings mit fast 50% Anteil sind Renten/Cash recht hoch angesetzt.

  • Pioneer: etwas dynamischer der Mix, aber auch eine Performancefee und erst 2008 aufgelegt.

Nimmt man jetzt die genannten Zutaten zu gleichen Teilen, dann bekommt man in etwa

  • 57% Aktien, 32% Renten, 8% Cash, 3% Commodities
  • 48% Nordamerika, 38% Europa, 6% Japan und 8% Emerging Markets im Aktienanteil

Das ist an sich kein so schlechter Mix, könnte jedoch mit deutlich weniger Fonds auch hergestellt werden. Außerdem hast Du damit eine recht hohe USD-Exposure, die bei einer Aufwertung des EUR gegen den USD negativ ausfallen könnte.

Vergleicht man die Charts, so findet man drei Gruppen:

  • Ethna Aktiv und Nordea: defensiv, wenig volatil, robust, wobei der Nordea-Fonds etwas anfälliger gegen Turbulenzen ist

  • Comstage MSCI World als recht volatil mit derzeit sehr guter Performance

  • Der Rest mit einer ungefähr ähnlichen Performance im Mittelfeld, teilweise recht volatil, typischerweise aber weniger als der MSCI World.

Ich denke, daß man ein ähnlich defensives Portfolio mit bereits drei Fonds herstellen könnte, die außerdem Emerging Markets und Mid&SmallCaps besser berücksichtigen.

Die Fonds stehen deshalb auf Höchstständen, da die entsprechenden Märkte auf Höchstständen oder in der Nähe davon stehen. Logisch, daß man hier mit einer Korrektur rechnen kann, aber dafür hat man ja Mischfonds, damit man nicht gleich die 30% in die Tiefe fährt, wenn der MSCI World dies tut :-)

  • Ich würde den vorgeschlagenen Bauchladen an Mischfonds nicht empfehlen zu kaufen.

  • Die EUR-Tranchen sind klar den USD-Tranchen vorzuziehen.

  • Emerging Markets sind mit geringer Verschuldung und nach einer deutlichen Korrektur in 2013 wieder attraktiv bewertet und weniger volatil als die Industrieländer.

  • Man sollte das nicht auf einen Streich anlegen, sondern in einzelnen Portionen kaufen, um zufällige Kursschwankungen etwas zu mitteln.

Ohne klarere Angaben über Deine Ziele, Deinen Anlagehorizont, Dein Risiko/Chancen-Empfinden, Deine Erwartungen insbes. an Volatilität und ein paar andere Punkte kann man nicht wirklich einen sinnvollen Gegenvorschlag machen. Dafür gibt es übrigens auch Berater, die Dir zu vergleichbaren Konditionen die Fonds verkaufen, jedoch eine deutlich bessere Allokation zusammenbekommen ;-)

Kommentar von myeurop ,

Hallo Gandalf, Vielen Dank fuer Deine sehr ausfuehrliche Antwort. Ich verstehe dass, auch trotz der von Dir vorgeschlagenen Aenderungen der Fondsklassen (EUR statt USD, und ETF statt Fonds), sollte ich mich von diesen Produkten fernhalten. Heisst es auch, dass heute nicht der richtige Moment ist, Fonds zu kaufen, die auf den USD basiert sind?

Kommentar von gandalf94305 ,

Einige der genannten Fonds sind ja ok, aber diese bunte Kombination würde ich nicht nehmen. Das ist Verzettelung, nicht Diversifikation.

USD-Anteilsklassen kauft man in USD, d.h. auch wenn sich der Kurs direkt in EUR in die EUR-Anteilsklasse umrechnet, bist Du dennoch bei der USD-Anteilsklasse im Nachteil, da hier Währungen bei jedem Kauf und Verkauf umgerechnet werden. Das kann pro Transaktion nochmals so ca. 1% kosten. Versteckte Kosten ;-) Daher empfiehlt sich die EUR-Tranche ohne Hedging, wenn es eine solche gibt.

Antwort
von myeurop, 5

@ allen Teilnehmern Vielen Dank für alle Eure hervorragenden Kommentare. Den Tag (und viele andere) habe ich beim Lesen der verschiedenen Anlegerinformationen verbracht, mit schönen Farben,Tabellen und vielem anderen, aber letztendlich sehr verwirrend und täuschend. Das war natürlich zu erwarten. Ich hatte mir gedacht, dass da meine Bank das Rabatt von 50% des AA gewährt (ohne weitere Kaufprovisionen), könnte ich mein Portfolio mit kleinen Tranchen verschiedener Fonds und ETF aufbauen. Damit wäre das Risiko vielleicht geringer, als würde ich alles in zwei oder drei Fonds reinstecken. Zwar wollte ich Tranchen von etwa je 3000 Euro von jedem Fonds kaufen, die ich in diesem Beitrag erwähnt habe. Die wollte ich meinem bestehendem Portfolio hinzufügen (sehe Abbildung), mit einem Anlagehorizont von mehr als 5 Jahren und dem Ziel, Vermögen und Altersvorsorge aufzubauen.

Antwort
von Rat2010, 3

>Alles klingt so gut und toll, aber ist es wirklich?

Nein. Es ist eine Ansammlung von Fonds, wie man sie vor einigen Jahren, teilweise vor sechs oder sieben Jahren, mal verkauft hat.

Viele Renten, auch Staatsanleihen. Dafür weng Aktien und davon sehr viele US-Werte oder MSCI-nah.

Du setzt damit nicht auf eine Erfolg versprechende Mischung sondern mehr darauf, dass die Märkte noch lange so weiter laufen. Ein beträchtlicher Teil der Vergangenheitsrendite kommt aus jetzt schon wieder ziemlich teuren Renten. Dass es länger so weiter geht ist unwahrscheinlich. Mit dem US-Markt übergewichtest du in den so ziemlich einzigen, der nicht mehr günstig bewertet ist. Einige Fonds haben - trotz Hausse bei den Aktien - den Wert von vor dem Rentencrash im letzten Mai noch nicht erreicht. Das enorme Dollarrisiko ist im Vergleich dazu vielleicht akzeptabel. Vor allem, wenn du Amerikaner bist.

Nur fehlt mir insgesamt die Ausgewogenheit.

Ein vernünftiges Portfolio sieht heutzutage ganz anders aus.

Für eine ordentliche Aussage fehlen allerdings de Angaben zu deiner Person.

Antwort
von GAFIB, 4

Mischfonds waren faktisch sehr beliebt in den letzten Jahren - nicht ganz überraschend, denn der scharfe Rückgang des Zinsniveaus hat regelmäßig für eine schöne Zusatzrendite durch Kurssteigerungen gesorgt - und eben gleichzeitig die Nerven geschont.

Dass genau dieses Spiel in den nächsten Jahren umgekehrt laufen könnte, haben viele noch nicht realisiert. Denn tiefer als jetzt kann das Zinsniveau kaum noch fallen. Anstiege sind viel wahrscheinlicher: Und dann könnte es ein "doppeltes Schlachtfest" geben bei Mischfonds, Kursverluste beim Rentenanteil durch Zinsanstieg und gleichzeitig Aktienkursverluste.

Um Bert Flossbach zu zitieren: Wie kommen wir bloß wieder raus aus der Nummer...

Ich halte derzeit mehr von einer freien Kombination aus reinen Aktienfonds mit Tagesgeldern oder zumindest speziellen Kurzläufer-Rentenfonds.

http://www.bundesweitefinanzberatung.de/expertenartikel/ansicht/investmentfonds-...

Antwort
von Jepema, 3

Du warst also den ganzen Tag beschäftigt und blickst angesichts der Vielfalt noch nicht durch. Hier kommt mir der Kommentar "Vielleicht sollten Sie jemand fragen, der sich damit auskennt" in den Sinn. Ach ja, die Fonds waren ja vom BANKberater empfohlen - ist der eigentlich auf Fonds spezialisiert? Fachlich haben die Kollegen das Depot schon entsprechend bewertet, der Kommentar von Rat2010 trifft den Nagel auf den Kopf: Seriös kann man ohne weitere Hintergründe zu Deiner Person nur das sagen, was schon gesagt wurde. Alles weitere würde ich mit einem Berater Deines Vertrauens besprechen, der wirklich auf das Thema Fonds spezialisiert ist. Deine Zeit und Dein fleißig gespartes Geld sollte es Dir wert sein! Übrigens, es gibt Anlageberater bei denen man trotz guter Beratung keinen Kniefall für 50% Rabatt beim AA machen muss.

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