Frage von fallenangel3k, 599

Meine Mutter ist im Januar gestorben und ich habe geerbt, doch mein Vater verweigert mir das Erbe und will mich gar rauswerfen, geht das so einfach?

Mein Vater und meine Mutter haben sich gegenseitig als Erben eingesetzt, Schlusserbe soll ich sein.

im Detail lautet die Erbeinsetzung wie folgt:

"1. Wir setzen uns gegenseitig als Erben ein, mit der Maßgabe, daß der Längerlebende von uns frei über das Vermögen des Erstverstorbenen sowie sein eigenes Vermögen verfügen kann. Er soll auch berechtigt sein, abweichende letztwillige Verfügungen von Todes wegen zu errichten.

Macht der Überlebende von uns von diesem Recht kein Gebrauch, soll Schlußerbe nach dem Längerlebenden sein unser Sohn Marcus W-----.

  1. Wenn unser Sohn nach dem Erstversterbenden von uns den Pflichtteil verlangt, soll er jedenfalls auch aus dem Nachlaß des Überlebenden nur den Pflichtteil erhalten, sofern nicht Umstände vorliegen, die den Überlebenden von uns berechtigen, ihm den Pflichtanteilsanspruch zu entziehen.

  2. Wir verzichten auf unser Recht, diese letztwillige Verfügung wegen Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten, insbesondere für den Fall der Wiederverheiratung, anzufechten."

-- Kann mir bitte jemand möglichst genau erklären, was Punkt 2 vor allem und aber auch Punkt 3 für mich nun bedeuten? Wenn ich den Pflichtteil von meinem Vater nun verlange, aus dem Erbe meiner Mutter und wenn mein Vater später verstirbt, bekomme ich dann auch nur noch den (neuen) Pflichtanteil, obwohl ich Schlusserbe von Allem bin?

bitte um dringende Hilfe, mein Vater versucht nicht nur, mir das Erbe auszuschlagen, sondern eine Nachbarin manipuliert ihn auch und will sich das Erbe erschleichen und animiert ihn dazu, mich mit Räumungsklage rauszuwerfen... darf und kann er das? wie soll ich mich wehren?

liebe Grüße,

Marcus

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von wfwbinder, Community-Experte für erbrecht, 498

1. Das was da vorliegt ist ein "Berliner Testament."

2. Ungünstig für Dich, der Überlebende kann es ändern.

3. Wenn Du willst, kannst Du natürlich Dein Pflichtteil verlangen.

4. "Gründe den Pflichtteil zu entziehen," dass ist eigentlich nur, wenn Erbunwürdigkeit besteht (Nach dem Leben trachten, in großer Not nicht helfen usw.).

5. Deine Kalkulation muss so sein, wenn Du jetzt auf den Pflichtteil bestehst, wirst Du für den Fall des Todes Deines Vaters auch auf Pflichtteil gesetzt. Damit ist bei dem Streit auch so, oder so zu rechnen.

6. Enterben kann Dein Vater für den Fall seines Todes auch nicht, Ausser bei den oben genannten Gründen.

7. Somit sollte man Dir raten den Pflichtteil einzufordern.

Beispiel:

Nehmen wir an, das ganze Erbe ist 200.000,- (wenn das Haus deinen Eltern gemeinsam gehörte und 400.000,- Wert ist und kein weiteres Vermögen vorhanden ist). Forderst Du nun Deinen Pflichtteil, muss Dein Vater Dir 50.000,- auszahlen.

Verstirbt Dein Vater, so hinterläßt er bei unveränderten Werten 350.000,- udn setzt eventuell eine neue Ehefrau als Alleinerbin ein. Du bekämst dann 1/4 wieder als Pflichtteil, nämlich die Hälfte des gesetzlichen Erbes. somit 87.500,-.

Würdest Du im Moment verzichten udn es käme nach dem Tod Deines Vaters zum gleichen Szenario, so wären es 100.000,- (1/4 von 400.000,-).

Aber dabei bestünde noch das Risiko, dass er das Haus vorher z. B. gegen Wohnrecht verschenkt/verkauft udn dann noch 10 Jahre lebt. Dann bekämst Du nichts.

Daher mein Rat: Der Pflichtteil in der Hand ist besser als der Traum vom späteren Erbe.

Kommentar von fallenangel3k ,

Hallo!

Danke, für die schnelle Antwort. Ich möchte den Sachverhalt noch etwas präzisieren:

1983 haben meine Großeltern das Haus mit meinen Eltern gekauft. Beide Parteien haben jeweils 50% gezahlt. 

Als meine  Großeltern verstorben sind, ging deren Besitz auf meine Eltern über. Ob ich bereits in deren Testament erwähnt wurde, weiß ich nicht, mein Vater hat es mir niemals gezeigt.

Das Testament meiner Eltern wurde 2003 ausgestellt. Dort hat sich der gesamte Sachwert auf 350.000 € beziffert. In den letzten Jahren haben meine Eltern aber viel umgebaut und renoviert. Mein Vater besitzt außerdem 2 Eigentumswohnungen (im Wert von 60.000 und 75.000 € ) im selben Ort, die er vermietet. Gehörten diese Wohnungen auch zum Teil meiner Mutter, obwohl mein Vater der Eigentümer ist und habe ich daraus nun auch etwas geerbt?

Meine Mutter hatte eine private Altersvorsorge und Lebensversicherung (höhe Unbekannt)

Derzeit beziffert mein Vater sein komplettes Hab und Gut auf über 1 Millionen Euro.

Ich habe mit meinem Vater einen mündlichen Vertrag über die Übernahme seiner Firma gehabt, in der ich von 2003 - 2004 und 2007 - Ende 2014 gearbeitet habe. Diese ist jetzt seiner Aussage nach auch geplatzt, er will die Firma verkaufen. Habe ich darauf auch Erbansprüche, da die Firma zuerst meiner Mutter gehörte und erst später meinem Vater übertragen wurde. Oder habe ich Chancen auf Schadensersatz, aus dem entstanden Verlust?

Ich musste vor kurzem ALG II beantragen, da mein ALG I anspruch erschöpft ist bereits. Ich bin derzeit KOMPLETT mittellos und auf fremde Hilfe angewiesen. Kann mein Vater mich so einfach vor die Tür setzen? Ich vermute dass ich Wohn oder Erbrecht schon aufgrund meiner verstorbenen Großeltern habe. Diese und meine Mutter haben stets (jedoch nur mündlich) bekundet, dass ich auf Lebzeit in dem Haus wohnen darf, genauso wie meine Großeltern andauerndes Wohnrecht hatten.

Mein Vater ist Sachmillionär, hat 1 Haus und 3 Wohnungen und will mich auf die Straße setzen. 

Einen Anteil habe ich nie bekommen, weder von Großeltern noch von der Mutter, mein vater hält den Nachlass bisher zurück, da ich seiner Meinung nach drogensüchtig bin und einen -für seine Begriffe- unnormalen Lebenswandel habe. ich habe kein Mietvertrag und kein Leihvertrag. aber es gab ein Überlassungs-Gespräch, worin kurz festgehalten wurde, dass ich die Wohnung pfleglich behandeln muss und 300 € Umlagen pro Monat zahlen muss, bar, ohne Quittung, direkt vom Gehalt einbehalten am Monatsende einbehalten. Des weiteren pocht er darauf, dass die Wohnung vermüllt oder verwahrlost sei, was aber nicht der Tatsache entspricht.

Seit Januar 2015 konnte ich wie in den bisherigen Jahren über die Wintermonate keine Umlagen zahlen, da ich dort stets Arbeitslos war, weil wir ein Saisonbetrieb sind, der nur von Frühjahr bis Herbst geht und es im Winter nie genug Arbeit gab, mich zu beschäftigen. In den vergangenen Jahren war das nie ein Problem und wurde geduldet. Jetzt habe ich ein schreiben vom seinem Anwalt, dass ich zum 31.07.2015 ausziehen soll, da sonst Räumungsklage erfolgen würde, da ich die "Missstände" angeblich nicht behoben habe. Dabei sind die Misstände vollkommen an den Haaren herbei gezogen oder stimmen nur zum Bruchteil. 

Mein Vater hat mich in der Vergangenheit (2000 und 2009) mehrmals vor Zeugen mit einer Schusswaffe bedroht. Ist das schon verjährt? 

Mein Vater gab allein mir die Schuld daran, dass meine Mutter an Krebs ertrank ist und in kürze sterben wird. Darauf hin habe ich gesagt, was für ein schlechter Mensch er ist und er hat dann die Hand gegen mich gehoben und wollte offenbar zuschlagen (wie er auch meine mutter immer verprügelt hat und mich auch schon mal k.o. geschlagen hat, als ich erst 12 war) und ich ihn lediglich mit meinen beiden flachen Händen zurückgestoßen habe, um mich zu verteidigen und dem Schlag zu entgehen. Das legt er nun als Bedrohung und Beleidigung aus und macht das beim Anwalt gelltend, als Grund für die Räumungsklage. Ich kann nur vermuten, dass er die selben Gründe vorbringt, um mir auch den Pflichtanteil zu entziehen....   kann er mir nur seinen Pflichtanteil in seinem Todesfall entziehen deswegen oder auch den meiner Mutter? 

Zu meiner Mutter hatte ich stets ein sehr gutes Verhältnis. Sie hat die Familie immer zusammen gehalten und meinen Vater beruhig. Gott habe sie seelig. 

Ich bin 34 Jahre alt.

Mein Vater hat derzeit wieder eine neue Freundin, die es aber leider nur auf die Wohnung, das Erbe und das Geld abgesehen hat, vermutlich, da sie selber von Sozialhilfe leben muss, da sie einen Schlaganfall hatte und arbeitsunfähig ist. Wie kann ich mich gegen diese Frau wehren und verhindern, dass sie meinen Vater noch weiter manipuliert?

Herzlichen Dank, wenn Sie mir noch ein Paar Worte dazu sagen könnten und vll. noch ein paar weitere Tipps für mich haben!

Liebe Grüße,

Marcus

Kommentar von HilfeHilfe ,

Hallo,

das hier wird immer komplexer und es stehen immense Summen im Raum. Ich möchte nicht den Familienfrieden stören ( wenn dieser schon nicht gestört ist). An deiner Stelle würde ich mir einen Fachanwalt für Erbauseinadersetzungen nehmen und den Pflichteil erörtern.

Kommentar von wfwbinder ,

Wie schon @HilfeHilfe kann ich Dir nur zu einem Anwalt raten. Einen Beratungsschein bekommst Du vom Amtsgericht. Schnell hin. Lass Dich ruhig auf Räumung verklagen, schließlich bekommst Du bis Ende nächster Woche keine Wohnung und bei ALG II musst Du die sowieso genehmigen lassen.

Vorweg ein paar Punkte. Ansprüche aus der Übertragung des Betriebes auf Deinen Vater gibt es nicht, wenn der vor 2005 stattgefunden hat.

Natürlich hast Du, wenn Dein Vater mal stirbt, einen zumindest Pflichtteilsanspruch gerechnet auf sein gesamtes Vermögen. Aber bei der häuslichen Situation ist mit dem schlimmsten, nämlich Schenkungen an andere Personen zu rechnen.

Gehe mal auf "ibwf.org" und sieh Dich bitte dort in der Datenbank nach einem Anwalt um. Für die Leute kann man die Hand ins Feuer legen.

Aus den Bedrohungen mit der Waffe wird man vemutlich nichts mehr ableiten können. Aber auch damit bist Du beim Anwalt an der richtigen Adresse.

Antwort
von imager761, 351

Marcus,

dein Vater versucht garnicht, dir dein "Erbe" zu verweigern, du bist garnicht am Nachlass deiner Mutter erbberechtigt :-O Das war deren ausdrücklicher Wunsch, dass nur ihr Mann sie beerbt und es ihm freisteht, dich als gemeinsamen Schlusserben eingesetzt zu lassen.

Es steht dir daher frei, deinen Pflichtteil, das sind (wenn es keine weiteren, auch adoptierten Kinder der Erblasserin gäbe) 25% am Reinnachlass deiner Mutter, also dem, was nach Abzug (auch gemeinsam mit ihrem Mann bestehender) Verbindlichkeiten und Beerdigungskosten verbliebe.

Damit wäre die gemeinsame vereinbarte Schlusserberegelung aber aufgehoben. Und er kann jederzeit andere als dich als seine Erben bestimmen.

Schlimmer noch: Du darfst getrost davon ausgehen, dass dein Vater sein eigenes und ererbtes Vermögen mgl. soweit verbrauchen oder verschenken wird, dass nichts mehr für dich an seinem Nachlass verbleibt, nicht mal ein Pflichtteil ausbezahlt werden könnte.

Außer der Bestatterrechnung seiner Beerdigung, die du aus eigener Tasche bezahlen musst.

Natürlich steht im als Alleinerbe das Rrecht zu, dich aus dem ererbten Haus rauszuwerfen oder dich aus dem Hotel Mama auszuchecken, wenn er einen gemeinsamen Mietvertrag allein fortführt und dich als Volljährigen vor die Tür setzt. Dafür muss ihn keine Nachbarin manipulieren, das ist (sein gutes) Recht.

G imager761


 

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