Frage von MrGreen,

Mein erstes Portfolio

Hallo zusammen,

ich möchte mir gerne mein erstes Portofolio zusammenstellen und würde mich freuen, wenn ihr ein paar Kommentare zu meiner Auswahl habt.

Da man den xray leider wohl nicht speichern kann (oder?), habe ich ein PDF erzeugt und hochgeladen: http://dl.dropbox.com/u/25595568/xray.pdf

Was bedeutet die Zinssensibilität im xray? Ist es denn gut, dass bei mir 100% im jeweiligen Mittel hängen? Ich würde tippen nein, oder?

Dankeschön im Voraus!!

Gruß Pfennigfuchser

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305,

Die wesentlche Frage ist doch zunächst mal, was Du damit eigentlich erreichen willst. Hier sind recht konservative Werte (für meinen Geschmack zu konservatuv und renditearm) nebst ziemlich zyklischen und wechselkurssensiblen Positionen (USA sind hier recht prominent) enthalten. Das deutet für mich auf einen gewissen Widerstreit in Dir selbst hin - auf der einen Seite willst Du hohe Sicherheit (iShares ETF und Kepler Rentenfonds), andererseits nimmst Du für die Rendite (wirklich?) dann einen Mischfonds und ein paar reine Aktienfonds mit globaler Ausrichtung, d.h. hohem US-Anteil.

Man kann ein Portfolio auf verschiedene Arten aufbauen, wobei es jeweils auch auf Deinen Zeitbedarf ankommt. Die Tatsache, daß Du morningstar.de als Analyse verwendest, spricht schon dafür, daß Du Dich kundig gemacht hast und in die Materie einarbeitest, aber - wie gesagt - die Selektion der Fonds spricht von einer gewissen Unentschiedenheit.

  • Einen Anleihen-ETF würde ich an Deiner Stelle nicht nehmen. Dieser schneidet eine kleine Scheibe aus dem Rentenmarkt, die in der Vergangenheit (siehe Bund-Future) sehr gut gelaufen ist, aber in der Zukunft kann das angesichts wohl eher steigender bis stagnierender Zinsniveaus ganz anders aussehen. Wann wolltest Du denn in was umschichten? Was sind Deine Renditeerwartungen an diesen ETF?

  • Der Kepler-Fonds ist nicht schlecht, aber vom Anlageuniversum ja eher sehr beschränkt. Um genau zu sein: auf eine kleine Alpenrepublik beschränkt, von kleinen Beimischungen abgesehen. Das halte ich für ein wesentliches Risiko. Hast Du mal überlegt, warum der Fonds gerade in den letzten Jahren so gut lief? Wo gingen denn die östereichischen Anleihen hin? Ah! Und wird das so weitergehen? -0,67% in diesem Jahr... Hmmm...

  • Der CS Global Security ist nicht schlecht, aber hast Du mal überlegt, was ein Fonds macht, der ca. 2/3 in USA investiert ist?

  • DWS International Aktien Typ O ist auch so ein Klassiker, der ganz gut läuft... aber schau doch mal die größten Positionen an. Das sind richtige Schwergewichte, die mit zunehmendem Anlaufen der Zykliker zwar wieder gewinnen, aber letztendlich steckt da auch ein Risiko. USA mit 50% beteiligt. Das entspricht ungefähr knapp dem MSCI World.

  • Gegen den First State Fonds ist wenig einzuwenden, da dieser wirklich eine gute Leistung zeigte, aber warum bitte nimmst Du denn eine GBP Anteilsklasse, wenn Du wohl eher im EUR-Raum wohnst?

  • Carmignac Investissement hatte etwas einen leichten Durchhänger, da M. Carmignac ein paar Entwicklungen nicht ganz marktgerecht eingeschätzt hatte, wäre aber aus meiner Sicht durchaus weiterhin ein robustes Investment. Muss man eben beobachten.

Ei... was nun?

  • Es wird nie einen Rentenfonds geben, der in allen Lagen perfekt läuft. Daher geht es darum, eine sinnvolle Mischung eher globaler Rentenfonds mit europäischen zu erreichen. Ggf. auch mit einem Hedging gegen EUR. Ich würde hier eine Mischung aus zwei oder drei Rentenfonds bzw. rentenlastigen Mischfonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Welt, Europa, ggf. Emerging Markets) herstellen, um Währungs- wie Zinsrisiken zu diversifizieren.

  • Ebenso würde ich für die Aktienfonds eine Aufteilung in Welt, Europa und Emerging Markets vornehmen. Mind 30-40% dieses Teils sollten in EUR notieren oder gegen den EUR abgesichert sein, da Du ja im EUR-Raum lebst. Hier kannst Du Dir auch wieder vermögensverwaltende Fonds/Mischfonds heraussuchen oder aber auf die einzelnen Regionen separat setzen. Es werden wohl vier bis sechs Fonds in diesem Bereich werden.

  • Die Beimischung eines Dividendenfonds könnte durch die Auswahl entsprechender Branchen und Länder noch etwas beruhigend auf das Portfolio wirken. Hier gibt es Fonds bzw. ein/zwei ETFs, die passen können.

Ohne präzisere Angaben über Deine Anlageziele kann man konkrete Empfehlungen nicht wirklich geben. Es gibt jedoch in den genannten sechs Bereichen eine Reihe von vier bis fünf übliche Verdächtigen, die recht solide sind und von ihrer Struktur her noch passen. Die Mischung der von Dir genannten erscheint mir optimierungsfähig :-)

Rechnet man das also mal mit zehn Fonds durch, so kommt man bei einem Betrag von 25 EUR p.m. pro Sparplan auf eine Summe von 250 EUR im Monat, mit der man diese Strategie umsetzen könnte.

Antwort
von MrGreen,

Guten Morgen,

danke für die Antworten.

Ich möchte ~50k€ für min. 5 Jahre anlegen. Ich würde mich beim Risiko mit 4 einschätzen und "erwarte" eine Rendit von 7-8%. Ich denke, das könnte realistisch sein. Diese Summe kann über die 5 Jahre (wie gesagt min. 5 Jahre) liegenbleiben.

Da ich Anfänger bin und mir noch nicht recht zutraue, die Fonds zu bewerten (mal abgesehen von offensichtlichen Kennzahlen), habe ich mir die Finzanztest-Tabelle genommen und geschaut, welche dort als "gut" bewertet sind und welche mein Risiko in etwa erreichen könnten. Daraus resultiert auch der Spagat.

Mir ist ehrlich gesagt nicht ganz klar, wie ich passende Fonds finde. Das Angebot erschlägt mich ziemlich. Ich kann mir zwar Empfehlungen oder "Top Rated"-Einträge anschauen, aber hilft mir das?

Wie und wo finde ich die Bausteine?

Gruß Pfennigfuchser

Kommentar von gandalf94305 ,

Fondsgesellschaften legen Fonds irgendwann z.B. in Tiefphasen des Marktes auf. Dann laufen diese mit der Erholung zwangsweise mit (dir Flut hebt alle Boote) und zeigen dann eine nette Performance, die man vermarkten kann. Ein Garant für die Zukunft ist das nicht.

Fondsgesellschaften legen oft unterschiedliche Fonds zu einem Thema auf, die sich leicht in der Anlagepolitik unterscheiden. Nach 2-3 Jahren schaut man, welcher der Fondsmanager ein gutes Ergebnis erreicht hat (das ist ja nicht zu Beginn klar gewesen) und schließt die anderen Fonds bzw. verschmilzt sie mit dem guten Fonds. Nun hat der überlebende Fonds eine gute Historie und ein sinnvolles Volumen. Zeit für ein Rating durch Morningstar, Lipper, Feri oder andere... Der Fonds hat diese Position jedoch mehr oder weniger zufällig erreicht und garantiert nicht für die zukünftige Entwicklung.

Fondsgesellschaften brüsten sich gerne mit Sternchen und Kreuzchen in Kästchen, die sie in Fondsbewertungen bekommen. Irgendwelche Finanzmagazine publizieren "Bestenlisten" von Fonds. Das ist alles ziemlich Nonsense, denn ein Fonds, der beispielsweise jetzt kürzlich auf südeuropäische oder irische Anleihen gesetzt hat, lief sehr gut, während einer, der dies ein paar Jahre zuvor tat, ziemlich unterirdisch abgeschnitten hat. Es kommt also nicht darauf an, die in der Vergangenheit (und womöglich auch noch 5-10 Jahre zurück) gut gelaufenen Fonds zu finden, sondern diejenigen, die Potential für die kommenden Jahre bergen.

Vielleicht sind das ja auch gar nicht diejenigen Fonds, die gerade (aufgrund von Sonderentwicklungen) wundervolle Zahlen über die letzten 3-5 Jahre vorgelegt haben, sondern diejenigen, die schlecht liefen. Man sollte nicht gegen den Markt investieren, aber etwas Antizyklik kann nicht schaden.

Vielleicht sind das auch nicht die Tops oder Flops, sondern etwas im oberen Drittel. Fonds, die über die Zeit hinweg nie zu den Besten gehören, aber eine solide Performance liefern und weniger volatil als ihr Kategoriedurchschnitt sind. Hierfür sind natürlich fünf Jahre der Anlage recht kurz. Man sollte schon 10+ Jahre vorsehen.

Weiterhin muss man gerade bei Anleihen- und globalen Aktienfonds sehr genau die Branchen- und Regionenverteilung bzw. Währungsverteilung analysieren, um festzustellen, ob das nun zufällig Sondereffekte waren oder ob jemand wirklich gut investiert. "Top Rated" kann gut sein, aber man muss verschiedene Zeitintervalle betrachten und die Markteinflüsse aus diesen Zeiten bewerten.

So hättest Du wohl nach dem Absturz 2008/2009 nicht auf REITs und Banken gesetzt, obwohl REITs in den letzten zwei Jahren sehr gut gelaufen sind und Banken sich inzwischen auch wieder gut erholt haben. Industrials und Basic Resources sind immer noch unter den Ständen von 2007, erholen sich jedoch mit der Wirtschaft auch zunehmend. Japanische Aktien, Health Care und ein paar andere Sektoren sind recht teuer geworden, ohne daß sich fundamental viel geändert hat. Hier wird auf die Zukunft spekuliert, aber ein Einstieg jetzt kann riskant sein.

Ich persönlich gebe daher wenig auf die Ratings und auf Top-Listen, sondern stelle lieber meine eigenen Analysen an.

Kommentar von Tritur ,

Klasse Kommentar!

Antwort
von obelix,

wie es Xray mit der Zinssensibilität genau sieht, weiss ich nicht. Für mich ist es ein Indikator, wie die Werte auf steigende/ fallende Zinsen reagieren. Das ist speziell bei Anleihen ein Aspekt, den man nicht vergessen sollte.

Mögliche Fragen, die hier nicht beantwortet sind:

  • Wie ist denn deine Risikobereitschaft?
  • Wie sieht dein Anlagehorizont aus?
  • Was ist deine Renditeerwartung?
  • Wie erfahren bist du?
  • kannst du die Anlage liegen lassen oder benötigst du Liquidität ggf?

Die Informationen sind üppig. Daher nenne ich nur die Dinge, die mir aufgefallen sind.

  • KGV, KBV, KCV sind am oberen Ende, wenn es um konservative Ansätze geht
  • USA ist stark gewichtet. Hier ist das Devisenrisiko zu beachten
  • es gibt viele zyklische und sensible Werte
  • Anleihen sehe ich viele deutsche. Wieso so viele? Wieso kein Rentenfonds?

Bei Zyklikern muss man wissen, dass sie schnell fallen können, wenn die Konjunktur einbricht. Dann sollte man eine Strategie zur Hand haben, was in so einem Falle zu tun ist.

Anleihen haben einen sehr hohen Anteil. Das mindert die möglichen Renditen und Anleihen unterliegen einem Zinsrisiko. Die Zinsen können eigentlich nur steigen, was zu fallenden Kursen bei den Anleihen führt. Dt. Bundesanleihen haben eine sehr geringe Rendite, die im Bereich von Tagesgeld liegt.

Der US-Markt ist für mich zu stark gewichtet. Steigt der Euro weiter, so wird die Rendite hier gedrückt.

Ohne deine Strategie zu kennen, ist eine Aussage schwer möglich. Auf den ersten Blick hast du sichere Werte mit wenig Rendite gepaart mit Devisenrisiken wie auch zyklischen Risiken. Ob da viel Gewinn drin ist?!

Antwort
von NasiGoreng,

Viel zuviel verzinslicher Kram im Depot. Mit dem Zeug kann man sein Geld langfristig nur verlieren.

Wer das Börsengeschäft lernen will, sollte sich mit Direktanlagen in Aktien befassen. Fonds sind nur für diejenigen gut, die wichtigeres zu tun haben, als sich mit der Börse zu befassen.

Antwort
von HilfeHilfe,

Zuerst Respekt an diese Auswertung.

Kann mich Obelix nur anschliessen. Cashquote für meinen Geschmack zu niedrig und Deutsche Renten zu hoch ( kaum Rendite)

Viel Erfolg

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