Frage von Lamina1503, 141

Lohnt sich Entgeltumwandlung bei Überschreitung der Beitragsbemessungsgrenze (Sozialv. Beiträge)?

Hallo, ich arbeite im öffentlichen Dienst und mein Arbeitgeber zahlt für mich in die Zusatzversorgungskasse ein (ca. 1600 pro Jahr). Ich habe zusätzlich noch eine Entgeltumwandlung abgeschlossen wo ich 150 im Monat zahle. Jetzt habe ich erfahren dass ich dadurch über die Beitragsbemessungsgrenze der SV komme und somit ja nicht komplett vom Sozialversicherungsbeitragsparen profitiere. Lohnt sich diese Entgeltumwandlung trotzdem? Und muss ich trotzdem bei Auszahlung die kompletten SV Beiträge nachzahlen auf meinen ganzen Auszahlbetrag obwohl ich jetzt momentan ja nicht auf die kompletten Beträge SV Beiträge spare?

Ich hoffe ich habe es nicht zu kompliziert erklärt.

Bitte sonst einfach nachfragen.

Danke. für alle Antworten.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LittleArrow, 98

Der Begriffsinhalt Sozialversicherung ist vielen nicht ganz klar. 

Bei Auszahlung als Rente oder als Einmalbetrag der Direktversicherung werden diese Beträge nicht mehr der Sozialversicherung (gesetzliche Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung) und der Bruttolohnbesteuerung unterworfen, wohl aber der gesetzlichen Kranken-/Pflegeversicherungspflicht. Bei Privatkranken- versicherten ist hingegen die Beitragshöhe nicht verdienst- bzw. einkommens- abhängig.

Für die Einbeziehung in die Bemessungsgrundlage für die gesetzliche KV und PV während der Rentenphase spielt es keine Rolle, dass Du damals in der Ansparphase keine KV u. PV gezahlt hast. Bei der Vollauszahlung der Direktversicherung wird 1/120stel für die nächsten 10 Jahre (=120 Monate) Deiner monatlichen Bemessungsbasis hinzugerechnet (und darauf dann KV- und PV-Beiträge ermittelt); bei einer Rentenauszahlung  unterliegt die monatliche Rente allerdings lebenslang der dann jeweils aktuellen KV-/PV-Beitragspflicht. In beiden Fällen, nämlich 1/120stel der Vollauszahlung und Rentenzahlung, gilt jedoch weiterhin die Beitragsbemessungsgrenze.  

Die KV-/PV-Belastung während Auszahlungsphase mindert die Rendite der Direktversicherung substantiell, denn der Belastung steht keine Verbesserung der KV-/PV-Versorgung gegenüber. Es erfolgt also eine Beitragszahlung ohne persönlichen Zugewinn. Es ist heute mehr denn je zu hinterfragen, ob sich die Entgeltumwandlung für GKV-Mitglieder überhaupt noch lohnt. PKV-Mitglieder können sich vielleicht eher erfreuen. 


Antwort
von RHWWW, 69

Hallo Lamina,

hier sind die Regelungen für 2016 beschrieben:

https://www.vbl.de/de/versicherte/staatliche_foerderung/entgeltumwandlung/

Die Beiträge zur Krankenversicherung, die man später als Rentner zahlt, mindern übrigens dann die Einkünfte und man zahlt dann dadurch weniger Steuern.

Gruß

RHW

Kommentar von Lamina1503 ,

hmmm...Ja das mag sein aber dafür zahle ich jetzt teilweise SV Abgaben und später nochmal. Ob sich das so gerechnet wieder ausgleicht

Kommentar von RHWWW ,

Es gibt verschiedene Beitragsbemessungsgrenzen:

Kranken- und Pflegeversicherung (Ost und West): 4125 Euro monatlich (vom Bruttobetrag)

Renten- und Arbeitslosenversicherung (West): 6050
Euro monatlich (vom Bruttobetrag)

Renten- und Arbeitslosenversicherung (Ost): 5400
Euro monatlich (vom Bruttobetrag)

Wenn man den Bruttoverdienst mit und ohne Entgeltumwandlung in einen Nettolohnrechner eingibt, kann man ganz genau ausrechnen, was man jetzt aktuell an Steuern und SV-Beiträgen spart.

http://www.sueddeutsche.de/tools/gehaltsrechner

Für die Auszahlungsphase kann man jetzt nur ausrechnen, was es aktuell kosten würde. Man bräuchte aber auch Angaben über die Höhe der sonstigen Einnahmen als Rentner.

Antwort
von barmer, 67

Hallo,

little arrow hat schon sehr gut und zutreffend zur Beitragsbelastung als Rentner geschrieben.

Ich habe aber noch eine Verständnisfrage: Durch eine Gehaltsumwandlung kann man unter die Beitragsbemessungsgrenze der Renten- oder der Krankenversicherung fallen (oder auch unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze, was alles verschiedene Werte sind), aber doch niemals über eine dieser Grenzen kommen. Was ist hier gemeint ?

Die Entgeltumwandlung läuft auch über die VBL oder eine andere Zusatzversorgungskasse ?

Viel Glück

Barmer

Kommentar von Lamina1503 ,

Genau kenne ich mich da auch nicht aus. 

Es gibt wohl Beitragsbemessungsgrenzen für Steuer und für SV. Diese ändern sich jedes Jahr. Diese liegt in diesem Jahr bei ca. 2700. Das heißt bis zu diesem Betrag kann ich steuer und sozialversicherungsfrei sparen. 

Da ich 150 pro Monat umwandeln also 1800 im Jahr bin ich darunter.  Aber: Ich bekomme Beiträge von ca. 1600 im Jahr von meinem Arbeitgeber in die Zusatzversorgungskasse gezahlt was wie ich jetzt erfahren habe dazu zählt. Somit bin ich auf ca. 3400 Euro. Damit ist die Grenze um ca. 700 Euro überschritten.  Wenn ich das richtig verstehe zahle ich auf diese 700 Euro nicht nur später kranken/Pflegeversicherung nach, sondern auch jetzt. Also habe ich hier nicht den Vorteil der KV/PV Ersparnis. 

Deshalb stelle ich in meinem Fall den Sinn der Entgeltumwandlung in Frage. 

Ich blicke langsam bei dieser Versicherung gar nicht mehr durch und die von der Versicherung haben meinem Anschein nach auch keine richtige Ahnung.  Deshalb habe ich mich hier an das Form gewendet. 

Ich würde mich über weitere Antworten freuen. 

Kommentar von LittleArrow ,

Lamina1503: Hier habe ich möglicherweise Dein Problem gefunden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Direktversicherung#Beitr.C3.A4ge

Es gibt jährlich unterschiedliche Beitragbemessungsgrenzen für Ost und West. Ferner für Rentenversicherung und Krankenversicherung. Und, um die Komplexität zu beenden, auch noch nach Höhe der eingezahlten Altersvorsorgebeiträge, was Du im obigen Link nachlesen kannst: "Hiernach sind Beiträge bis zu 4 % zur Beitragsbemessungsgrenze (West) der Rentenversicherung steuer- und sozialversicherungsfrei." und "...zusätzlich 1800 € steuerfrei (ebenfalls nach § 3 Nr. 63 EStG) in die Direktversicherung eingezahlt werden. Sozialversicherungsfreiheit besteht hingegen nicht."

Jetzt mußt Du noch mal durchrechnen;-)

Kommentar von barmer ,

ach so !

Du meinst keine Beitragsbemessungsgrenze, sondern den Höchstbetrag des geförderten Eigenbeitrages, der steuer- und SV-frei sein soll.

Ich bin sehr sicher, dass Du heute auf den Beitrag des Arbeitgebers keine Beiträge an irgendeine Sozialversicherung zahlst. Allerdings kann der Spielraum für Deine Umwandlung dadurch eingeschränkt werden und zwar, wie little arrow auch schon geschrieben hat, evtl. auch unterschiedlich für SV und Steuer.

Das müßte man aber Deiner Gehaltsabrechnung entnehmen können, auf welche Beträge Steuern und SV abgeführt werden.

Kommentar von Lamina1503 ,

Ja genau ich meinte den Höchstbetrag.  Und diesen überschreote ich wohl was die Sozialabgabenfreiheit betrifft. 

Antwort
von tommy06, 72

Bist du privat oder gesetzlich krankenversichert?

Kommentar von LittleArrow ,

Den Unterschied der beiden Versicherungsarten kann Lamina1503 in meiner Antwort nachlesen.

Kommentar von Lamina1503 ,

Ich bin gesetzlich versichert

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